Laage ist eine Stadt im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes, dem drei weitere Gemeinden angehören, und bildet für ihre Umgebung ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 - Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, abgerufen am 12. Juli 2015. Seit März 2026 führt die Stadt offiziell den Namenszusatz Recknitzstadt nach dem gleichnamigen Fluss Recknitz.https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/rostock/laage-ist-ab-heute-offiziell-recknitzstadt,mvregiorostock-2924.html, abgerufen am 26. März 2026.

Geografie Geografische Lage Die Stadt Laage liegt zwischen den Städten Güstrow, Teterow und Rostock an einer natürlichen Furt im Recknitztal.

Westlich und östlich des Recknitz-Urstromtales verlaufen Endmoränenzüge. Der Kalte Berg ist mit 62 m ü. NHN die höchste Erhebung im Stadtgebiet. Westlich der Stadt befindet sich der Flughafen Rostock-Laage.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt Laage und folgenden Ortsteilen:PDF-Hauptsatzung der Stadt Laage.

Geschichte Name Laage hieß 1216 Leon. Der ursprünglich altpolabische Name veränderte sich in Lawe (1257) und Laue (1306), dann wieder Lawe, schließlich 1622 in Lage (w wurde zu g) und 1726 in die heute übliche Schreibweise Laage. Das wendische Lave könnte übersetzt als Steg oder Brücke gedeutet werden; Laage also ist der Brückenort über die dort fließende Recknitz.Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.

Frühe Besiedlung Schon in der Mittelsteinzeit, also 8000 v. Chr., waren hier Jäger, Sammler und Fischer in einer fruchtbaren Gegend ansässig. Auch Funde der Jungsteinzeit (um 4500 bis 1800 v. Chr.) und der Bronzezeit (1800–70 v. Chr.) sind in diesem Gebiet registriert worden.Monika Riek: Laage und Umgebung. Edition Temmen, Bremen 1998, ISBN 3-86108-433-3. Ein Grabhügel bei Goritz bezeugt Funde aus der späten Bronzezeit. Vor deren Abzug in der Völkerwanderung war die Region von Germanen besiedelt.

Mittelalter Im frühen Mittelalter existierte eine slawische Burg mit einer Siedlung. Zur Überquerung der Recknitzniederung entstanden spätestens im 6. Jahrhundert befestigte Wege aus Bohlen und Schotter, dazu aus Findlingen. Insgesamt wurden 2015 fünf Überwege entdeckt, die jüngeren unter ihnen wurden zwischen 719 und 830 datiert, der Jüngste in altslawischer Zeit.J.-P. Schmidt: Feste Wege über die Flussniederung, In: Archäologie in Deutschland, Heft 1 (2016), S. 46.

Ende des 12. Jahrhunderts fand eine deutsche Besiedlung statt und Laage wurde zu einer deutschen Burg am Übergang der Recknitz. 1216 fand Laage als Dorf seine erstmalige Erwähnung. Der Ort gehörte zur Herrschaft Werle. 1270 wurde Laage in einer Schenkungsurkunde von Fürst Nikolaus von Werle erwähnt. Hier war bis etwa 1500 der Sitz des Landvogts. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde mit dem Bau einer frühgotischen Dorfkirche begonnen, die dann im 15. Jahrhundert ihren Turm bekam. 1309 (laut anderen Quellen 1271) wurde Laage als oppidum genannt, es hatte somit Stadtrecht. Die Stadt entwickelte sich durch die bedeutende Ost-West-Verbindung der via regia – der Königsstraße von Wismar nach Demmin – und einer Landstraße nach Rostock. Zum Schutz vor Raubrittern erhielt Laage im 14. Jahrhundert einen Wall mit Wallgraben. Mit Fürst Wilhelm starb das wendische Fürstentum Werle aus, und die mecklenburgischen Herzöge erbten auch Laage. Der Ort wurde Landstadt in Mecklenburg und war als solche eine der Städte im Wendischen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Landstände vertreten waren.

16. bis 19. Jahrhundert 1569 ereignete sich ein großer Stadtbrand. Teile der Stadt, Kirche und Rathaus wurden Opfer der Flammen. Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten kaiserliche Truppen 1638 Laage. Dann folgte die Pest, die nur fünf Einwohner überlebten. Kaum erholt kamen der Nordische Krieg und der Siebenjährige Krieg mit große Opfer erfordernden Einquartierungen von Soldaten. 1712 hatte Zar Peter der Große sein Quartier in Laage.Alexander Querengässer: Das kursächsische Militär im Großen Nordischen Krieg 1700–1717. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2019, S. 465. Titel. 1759 folgte wieder ein Stadtbrand, bei dem 63 Häuser und 24 Scheunen niederbrannten.

Die Stadt erholte sich von den Kriegen. 1768 erhielt sie eine neue Stadtverfassung, die bis 1918 galt. Seitdem gab es nur noch einen Bürgermeister und zwei Senatoren. Das Bürgerkollegium bestand aus Sprecher, drei Viertelmännern und drei Deputierten.

1692 wurde eine Papiermühle, die sogenannte Henningsmühle, und 1748 die Bockwindmühle auf dem Bullenberg gebaut. 1786 entstand die erste Apotheke des Chirurgus Hektor. 1814 besuchte Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher die Stadt.

1829 wurde Laage durch den Bau der Chaussee Rostock-Neubrandenburg besser an das Verkehrsnetz angebunden. Nach der Gründerzeit zählte der Ort 1885 2345 Einwohner. Das Amtsgericht und eine Papiermühle wurden eingerichtet. Es folgte 1886 der Eisenbahnanschluss mit dem Bahnhof Laage westlich des Stadtkerns. 1891 gründete sich eine Freiwillige Feuerwehr. Es entstanden eine Molkerei, die Gasanstalt (1905), das Wasserwerk und der Wasserturm (1926); 1915 erhielt der Ort elektrisches Licht.

Neuere Geschichte In den 1920er Jahren wurden neue Wohnhäuser errichtet, u. a. in der Paul-Lüth-Straße, der St.-Jürgen-Straße, der Goethestraße und der Breesener Straße. Auch die Kanalisation wurde weiter ausgebaut.

Am 1. Mai 1945 marschierte die Rote Armee in Laage ein. Tags zuvor hatten ortsansässige Sozialdemokraten die zur Verteidigung errichteten Panzerbarrieren demontiert. Der kommissarische Bürgermeister, Otto ThodeMichael Buddrus, Sigrid Fritzlar: Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich. Edition Temmen, Bremen 2011, ISBN 978-3-8378-4029-2., ging den sowjetischen Truppen entgegen und verhinderte so Zerstörungen in Laage.Anja Hauffe: Zur Lebenssituation in der Stadt Laage in den Jahren 1945 und 1946. (Unveröffentlichte Hausarbeit zur Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien, 15-A-GUE.)

Kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee, am 2. Mai 1945, nahm sich der bekannte Architekt Paul Korff zusammen mit seiner Frau das Leben. Auch Otto Thode wählte an diesem Tag mit seiner Frau und seiner Tochter den Freitod. Sie wurden in Gemeinschaftsgräbern auf dem Laager Friedhof beerdigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich durch den Flüchtlingsstrom die Einwohnerzahl.

Ende 1945 und Anfang 1946 wurden in Laage zehn Jugendliche (ab 16 Jahren) durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet und durch ein Militärtribunal wegen „feindlicher Einstellung zum Kommunismus und zur Roten Armee“ zu hohen Haftstrafen verurteilt. Sieben von ihnen kamen im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen ums Leben. Die Gruppe wurde 1993 von der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitiert.Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen. (Mitherausgeber: Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR) Eigenverlag, Calw 2002, ISBN 3-926802-36-7. S. 203–207.

Das Milchzuckerwerk produzierte ab 1946 wieder. Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften entstanden um 1950, und das Volkseigene Gut war von Bedeutung. Ein Freibad wurde errichtet und 1967 eine zweite Schule am neuen Sportplatz gebaut. Das Krankenhaus Breesener Straße wurde zum Landambulatorium.

Um 1980 wurde der Militärflugplatz erbaut. Das Jagdbombenfliegergeschwader 77 und das Marinefliegergeschwader 28 der Nationalen Volksarmee (NVA) waren seit 1984 mit Flugzeugen des Typs Suchoi Su-22 auf diesem Militärflugplatz bis zur Auflösung der NVA stationiert. Von 1979 bis 1988 entstand deshalb das Wohngebiet Kronskamp mit 850 Wohnungen in Plattenbauweise, u. a. für die in Laage stationierten Soldaten. Eine dritte Schule musste nun ebenfalls gebaut werden. mini|Saniertes Fachwerkhaus. mini|Flughafen Rostock-Laage. Nach der Wende wurde seit 1991 der historische Stadtkern mit seinem Rathaus und etwas später das einzige in Mecklenburg noch erhaltene Scheunenviertel im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Auch das Plattenbaugebiet wurde durch Abrisse und Aufwertungsmaßnahmen seit 1998 erheblich verbessert.

Der Militärflugplatz wird vom Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“ der Bundeswehr weiterbetrieben und wurde nach 1994 parallel dazu zum zivilen Flughafen Rostock-Laage ausgebaut. 2018 nutzten den Flughafen rund 290.000 Passagiere.

Laage gehörte von 1952 bis 2011 zum Kreis Güstrow (DDR-Bezirk Schwerin / Land Mecklenburg-Vorpommern) und liegt seitdem im Landkreis Rostock.

Geschichte der Ortsteile Knegendorf: Das dortige 437-ha-Allodgut war zuletzt in der Hand des einflussreichen Landwirts und ZüchtersJahrbuch der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Band 13-1898, Verlag Gebr. Unger, Berlin 1898, S. 138. Domänenrat Dr. h. c. Ernst August Brödermann, dieser erwarbC. Petersen: Milch-Zeitung. Organ für die gesamte Viehhaltung und das Molkereiwesen. Nr. 28, Sechzehnter Jahrgang, Bremen, 13. Juli 1887, S. 534. es vor 1887. Ihm folgte nach 1924 Freiherr Hans-Wilke von Bodenhausen-Degener (1901–1937), dem mit den Gütern in Meineweh, Hollsteiz und Stammgut Degenershausen einige, von seinem Vater-dieser war Gutsbesitzer, Jurist und Manager beim Kruppkonzern-alterebten Besitzungen in der Provinz Sachsen gehörten. Baron von Bodenhausen hatte 1925 auf Schloss Ralswiek die Gräfin Anga von Douglas geheiratet. Mitte der 1930er Jahre lebten 131 Einwohner im Ort, die Schulstelle war unbesetzt.Statistisches Landesamt (Hrsg.): Staatshandbuch für Mecklenburg. 1937. Jahrgang 147, Bärensprung, Schwerin 1937, S. 36. Hans-Wilke von Bodenhausen starb in Ostafrika. Die Witwe lebte mit der Tochter in den 1950er Jahren in einem Dorf in Holstein.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, u. a.: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1959. Band III, Band 21 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. u. a. Ausschuss für adelsrechtlichen Fragen der deutschen Adelsverbände, in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1959, , S. 17.

Rossewitz: Im Mittelalter gab es hier eine Burg. Gutsbesitzer waren u. a. die Familien Nortman (bis 1450) und von Vieregg (bis um 1760); es war dann herzogliches Kammergut. Auf den Fundamenten der Burg entstand nach Plänen von Charles Philippe Dieussart zwischen 1657 und 1680 das frühbarocke Herrenhaus Rossewitz. Es gilt als erstes Barockbauwerk in Mecklenburg. Großherzog Friedrich Franz I. wohnte mehrfach im Schloss. Nach 1945 war es Flüchtlingsunterkunft. 1982 stürzte das Dach ein, und 1986 wurde ein Notdach errichtet. Seit 1993 fanden Sanierungsarbeiten statt.

Schweez ist ein Gutsdorf und war u. a. im Besitz der Familien von Hahn (bis 1771), Reichsgraf von Wallmoden-Gimborn (bis 1845), Graf von Bassewitz (bis 1913) und Graf von Schlieffen.

Weitendorf: Die Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, der obere barocke Turmaufsatz aus dem 18. Jahrhundert und der Barockpark von 1763.

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1950 wurden die bisher eigenständigen Gemeinden Breesen und Kronskamp eingegliedert. Liessow wurde am 13. Juni 2004StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004., Weitendorf am 1. Juli 2006StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2006. und Diekhof am 26. Mai 2019Bekanntmachung des Ministeriums für Inneres und Europa vom 16. Januar 2019, Amts-Blatt M-V, S. 254. in die Stadt Laage eingemeindet.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1637 5 1706 66 1756 513 1813 925 1850 1828 1885 2345 1900 2548 1939 2924 1984 3884 Jahr Einwohner 1990 6295 1995 6042 2000 5223 2005 5119 2010 5591 2015 5403 2020 6477 Jahr Einwohner 2021 6450 2022 6226 2023 6243 2024 6253