mini|300px|Zusammensetzung: Regierung (363):Opposition (286): * * Die Sinn-Féin-Mandate werden in Westminster nicht eingenommen.

Die britische Unterhauswahl am 6. Mai 2010 fand turnusgemäß fünf Jahre nach der Wahl vom 5. Mai 2005 statt.

Für die Labour Party, die seit drei Wahlperioden führende Regierungspartei war, trat Gordon Brown an, für die Conservative Party („Tories“) David Cameron und für die Liberal Democrats Nick Clegg. Die Konservativen gewannen an Wählerstimmen und Wahlkreismandaten stark hinzu und wurden stärkste Kraft im Unterhaus, verfehlten aber die angestrebte absolute Mehrheit im Unterhaus. Am 11. Mai 2010 trat Brown von seinem Amt als Premierminister zurück und Cameron wurde von Königin Elisabeth II. zum Premierminister ernannt. Er bildete eine Koalition mit den Liberal Democrats unter Clegg. Dies war die erste Koalition im Vereinigten Königreich seit Generationen. Zum ersten Mal seit der Unterhauswahl im Februar 1974 kam es zu einem Hung parliament.

Wahlmodus Die Wahl fand am 6. Mai 2010 wie auch die Wahl 2005 nach dem relativen Mehrheitswahlrecht in 649 einzelnen Wahlkreisen statt. Im englischen Wahlkreis Thirsk and Malton fand die Wahl erst am 27. Mai 2010 statt, da der dortige Kandidat der UK Independence Party kurz vor dem Wahltermin gestorben war.Thirsk and Malton election postponed after candidate John Boakes dies, The Press, Meldung vom 23. April 2010. Seit der letzten Wahl waren vier Wahlkreise hinzugekommen, die alle in England liegen. Der Kandidat mit der höchsten Wählerstimmenzahl gewinnt (first-past-the-post); einen zweiten Wahlgang gibt es nicht. Dieses Wahlsystem begünstigt große Parteien wie die Konservativen und Labour und Regionalparteien wie die Scottish National Party und Plaid Cymru. Mittelgroße Parteien wie die Liberal Democrats oder kleinere Parteien ohne ausgesprochene regionale Schwerpunkte sind benachteiligt.

Neufestsetzung der Wahlkreisgrenzen

Seit der letzten Wahl 2005 wurden die Wahlkreise nach Vorschlägen der Boundary Commissions in England, Wales und Nordirland neu abgegrenzt, um Bevölkerungsveränderungen Rechnung zu tragen. Insgesamt kamen vier Wahlkreise hinzu; die Anzahl der Sitze erhöhte sich von 646 auf 650. Alle vier neuen Wahlkreise lagen in England, das damit nun auf 533 Wahlkreise kam.The Parliamentary Constituencies (England) Order 2007 In Nordirland gab es weiterhin 18 Wahlkreise; einige Wahlkreisgrenzen waren geringfügig geändert worden.The Parliamentary Constituencies (Northern Ireland) Order 2008 In Wales gab es unverändert 40 Wahlkreise, zum Teil mit erheblich veränderten Wahlkreisgrenzen.The Parliamentary Constituencies and Assembly Electoral Regions (Wales) Order 2006 Die Grenzen der 59 Wahlkreise in Schottland waren unverändert wie 2004 neu festgelegt. Die 533 Wahlkreise in England hatten durchschnittlich 69.400 Wähler (Minimum: 56.000 im Wahlkreis Wirral West, Maximum: 103.500 Wähler im Wahlkreis Isle of Wight), die 18 nordirischen Wahlkreise hatten durchschnittlich 61.300 Wähler (Minimum: 55.000 im Belfast West, Maximum: 72.800 Wähler im Wahlkreis North Antrim), die 59 schottischen Wahlkreise hatten im Mittel 67.700 Wähler (Minimum: 21.800 im Wahlkreis Na h-Eileanan an Iar, Maximum: 78.700 Wähler im Wahlkreis Linlithgow and East Falkirk) und die 40 Wahlkreise in Wales hatten durchschnittlich 55.600 Wähler (Minimum: 43.000 im Wahlkreis Arfon, Maximum: 68.200 Wähler im Wahlkreis Vale of Glamorgan). Damit waren die „Randgebiete“ Schottland, Wales und Nordirland insgesamt etwas überrepräsentiert.

Wahlkreise der Spitzenkandidaten

Brown trat in seinem schottischen Heimatwahlkreis Kirkcaldy and Cowdenbeath (Fife) an. Auch Cameron und Clegg gingen in ihren angestammten Wahlkreisen (seit 2001 bzw. 2005) ins Rennen: Cameron in Witney (Oxfordshire), Clegg in Sheffield Hallam (südwestliches Sheffield, South Yorkshire).

Prognosen vor der Wahl mini|250px|Umfrageergebnisse in den Jahren 2005–2010: mini|250px|Umfrageergebnisse seit dem 6. April 2010

In praktisch allen Wahlumfragen seit dem Jahr 2008 lagen die Konservativen vor Labour. In den ersten zehn Tagen nach der Bekanntgabe des Wahltermins lagen die Liberal Democrats in Meinungsumfragen zwischen 17 und 22 %; nach der ersten TV-Debatte zwischen Brown, Cameron und Clegg sprang dieser Wert auf etwa 30 % und blieb dann bis zur Wahl etwa gleichauf mit Labour.Poll tracker: Interactive guide to the opinion polls. BBC News. Das relative Mehrheitswahlrecht macht genaue Prognosen der Mehrheitsverhältnisse im zukünftigen Unterhaus unmöglich, da schon kleine Mehrheitsänderungen in den Wahlkreisen gravierende Sitzverschiebungen im Unterhaus zur Folge haben können.

Wahlkampf Sowohl die Konservativen als auch Labour strebten eine deutliche Sitzmehrheit im Unterhaus an. Falls die Sitzmehrheit nur knapp gewesen wäre, wäre es wahrscheinlich gewesen, dass die Regierung im Laufe der Legislaturperiode allmählich die Mehrheit verliert, da im Laufe der Zeit gelegentlich Nachwahlen in einzelnen Wahlkreisen (byelections) aufgrund des Ausscheidens eines Sitzinhabers stattfinden, die häufig dann zugunsten der Oppositionskandidaten ausgehen. Der Logik des einfachen Mehrheitswahlrechts folgend konzentrierten sich die großen Parteien stark auf die Wahlkreise, in denen bei der letzten Unterhauswahl der Stimmenabstand zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten gering war (siehe auch Swing State). Bei der Wahl 2005 gab es insgesamt 31 Wahlkreise, in denen der Stimmenabstand zwischen den ersten beiden Kandidaten weniger als 1 Prozentpunkt betrug.

Einige Parteien traten nur in bestimmten Regionen an, so die Scottish National Party nur in Schottland, Plaid Cymru nur in Wales und Sinn Féin, die Social Democratic and Labour Party (SDLP), die Alliance Party of Northern Ireland und die Ulster Unionist Party nur in Nordirland. Die Respect Party, eine linksgerichtete Abspaltung von Labour, die bei der letzten Wahl einen Londoner Wahlkreis gewonnen hatte, stellte nur Kandidaten in England und Wales auf. In insgesamt drei großen öffentlichen TV-DebattenFinal TV debate: Key moments in text and video, BBC video. traten die Kandidaten Brown, Cameron und Clegg gegeneinander an. Bei allen Kandidaten stand die Wirtschaftskrise und deren Überwindung im Mittelpunkt. Premierminister Brown betonte dabei seine ökonomische Kompetenz und sein entschlossenes Handeln, die es ermöglicht hätten, dass die Bankenkrise nicht in eine allgemeine Rezession übergegangen sei. Cameron argumentierte, eine verfehlte Wirtschaftspolitik habe mit zur Krise geführt; er warf der Labour-Regierung Verschwendung öffentlicher Gelder vor und betonte, dass Großbritannien unter seiner Führung nie der Eurozone beitreten würde. Clegg forderte einen grundlegenden Umbau des Bankensystems und des Steuersystems, zu dem Labour nicht in der Lage gewesen sei und zu dem die Konservativen nicht willens seien.

Ergebnisse Landesweite Ergebnisse mini|hochkant=1.3|Ergebnisse nach Wahlkreisen. Die Farben entsprechen der nebenstehenden Tabelle.

Die Wahlbeteiligung lag mit 65,1 % merklich höher als bei der Wahl 2005 (61,4 %). † Die 5 Sinn Féin-Abgeordneten nahmen ihre Plätze in Westminster nicht ein und sind deshalb nicht dargestellt.

Partei Stimmen Mandate Anzahl % +/− Anzahl +/− % +/−   Conservative Party 10.703.654 36,1 +3,7 306 +108 47,1 +17,3   Labour Party 8.606.517 29,0 −6,2 258 −97 39,7 −15,4   Liberal Democrats 6.836.248 23,0 +1,0 57 −5 8,8 −1,0   UK Independence Party 919.471 3,1 +0,9 − − 0,0 −   British National Party 564.321 1,9 +1,2 − − 0,0 −   Scottish National Party 491.386 1,7 +0,2 6 − 0,9 −   Green Party of England and Wales 285.612 1,0 − 1 +1 0,2 +0,2   Unabhängige 182.299 0,6 − 1 − 0,1 −   Sinn Féin 171.942 0,6 − 5 − 0,8 −   Democratic Unionist Party 168.216 0,6 −0,3 8 −1 1,2 −0,2   Plaid Cymru 165.394 0,6 − 3 − 0,5 +0,2   Social Democratic and Labour Party (SDLP) 110.970 0,4 −0,1 3 − 0,5 +0,2   Ulster Conservatives and Unionists 102.361 0,3 +0,3 − − 0,0 −   English Democrats 64.826 0,2 +0,1 − − 0,0 −   Alliance Party of Northern Ireland 42.762 0,1 − 1 +1 0,1 +0,1   Respect 33.251 0,1 −0,2 − −1 0,0 −0,1   Traditional Unionist Voice 26.300 0,1 +0,1 − − 0,0 −   Speaker 22.860 0,1 − 1 − 0,1 −   Christian Party 18.622 0,1 +0,1 – – 0,0 –   Independent Kidderminster Hospital and Health Concern 16.150 0,1 – – −1 0,0 –   Independent Save Our Green Belt 12.174 0,0 – – − 0,0 –   Trade Unionist and Socialist Coalition 11.913 0,0 – – – 0,0 –   Sonstige 130.355 0,3 − − − 0,0 −   Gesamt 29.687.604 100,0 650 100,0 Wahlberechtigte 45.597.461 Wahlbeteiligung 65,1 % Quelle: UK Parliament

Ergebnisse nach einzelnen Landesteilen England In England gewannen die Konservativen mit 298 von 533 die absolute Mehrheit an Wahlkreisen (55,9 %). Die Liberaldemokraten gewannen mit 24,2 % etwas weniger Stimmen als Labour (28,1 %), erhielten aufgrund des Wahlrechtes aber nur 8,1 % der englischen Sitze. Eine Überraschung war der Sieg von Caroline Lucas, der Parteivorsitzenden der Green Party of England and Wales, gegen die Labour-Kandidatin im englischen Wahlkreis Brighton Pavilion.Election: Green Party gain first MP with Brighton win. BBC News, 7. Mai 2010. Im Wahlkreis Thirsk and Malton konnte erst am 27. Mai 2010 gewählt werden, da der Kandidat der UKIP (UK Independence Party) kurz vor dem Wahltermin gestorben war. Dort wurde die konservative Kandidatin Anne McIntosh gewählt.Tories win final election seat of Thirsk and Malton. BBC News, 28. Mai 2010. mini|England (533 Wahlkreise) Partei Stimmen Mandate Anzahl % +/− Anzahl +/−   Conservative Party 9.931.029 39,6 +3,9 298 +92   Labour Party 7.042.398 28,1 −7,4 191 −87   Liberal Democrats 6.076.189 24,2 +1,3 43 −4  UK Independence Party 866.633 3,5 +0,9 − −   British National Party 532.333 2,1 +1,3 − −   Green Party of England and Wales 258.954 1,0 −0,1 1 +1   English Democrats 64.826 0,3 +0,2 − −   Respect 33.251 0,1 −0,2 − −1   Independent Kidderminster Hospital and Health Concern 16.150 0,1 0,0 − −1   Christian Party 15.841 0,1 − − −   Trade Unionist and Socialist Coalition 8.404 0,0 − − −   Sonstige 239.089 0,9 − − −   Gesamt 25.085.097 100,0 533 Wahlberechtigte 38.300.110 Wahlbeteiligung 65,5 % +4,5

Schottland Die Wahlergebnisse in Schottland unterschieden sich deutlich von denen in England. In Schottland erhielten die Konservativen 16,7 % der Stimmen, aber (wie auch bei der Wahl 2005) nur einen einzigen der 59 Wahlkreise. Die Labour Party konnte an Stimmenzahl noch etwas zulegen und blieb mit dem Gewinn von mehr als 2/3 der Wahlkreise die dominierende politische Kraft in Schottland. Möglicherweise spielte der Umstand, dass der Labour-Vorsitzende und bisherige Premierminister Brown ein Schotte ist, eine Rolle. Die Liberal Democrats erreichten mit 11 gewonnenen Parlamentssitzen ebenfalls ein Ergebnis, das über ihrem Landesdurchschnitt lag. Der Parteiführer der Scottish National Party Alex Salmond sprach vom „besten Ergebnis der SNP seit den 1970ern“.SNP result ‘best since the 1970s’. BBC News, 7. Mai 2010. mini|Schottland (59 Wahlkreise) + Ergebnisse in SchottlandElection 2010: Scotland. BBC News. Partei Stimmen Mandate Anzahl % +/− Anzahl +/−   Labour Party 1.035.528 42,0 +2,5 41 −   Scottish National Party 491.386 19,9 +2,3 6 −   Liberal Democrats 465.471 18,9 −3,7 11 −   Conservative Party 412.855 16,7 +0,9 1 −   UK Independence Party 17.223 0,7 +0,3 − −   Scottish Green Party 16.827 0,7 −0,3 − −   Trade Unionist and Socialist Coalition 3.530 0,1 +0,3 − −   Scottish Socialist Party 3.157 0,1 −1,7 − −   Christian Party 835 0,0 − − −   Sonstige 18.910 0,9 −0,1 − −   Gesamt 2.465.722 100,0 59 Wahlberechtigte 3.863.042 Wahlbeteiligung 63,8 % +3,0

Wales