Die Grünen Oberösterreich Logo 250px Basisdaten Klubobmann: Severin Mayr Landesrat: Stefan Kaineder Landessprecher: Stefan KainederLandtagsabgeordnete Landesgeschäftsführerin: Ursula Roschger Hauptsitz: Landgutstraße 17, 4040 Linz Website: Die Grünen Oberösterreich
Die Grünen Oberösterreich ist die oberösterreichische Landesorganisation der österreichischen Partei Die Grünen – Die Grüne Alternative. Die oberösterreichischen Grünen sind seit 2003 mit Landesrat Stefan Kaineder in der Oberösterreichischen Landesregierung vertreten und stellen nach der Landtagswahl in Oberösterreich 2015 sechs der 56 Abgeordneten im Oberösterreichischen Landtag.
Am 6. April 2019 wurde Stefan Kaineder als Nachfolger von Maria Buchmayr zum Landessprecher der Grünen Oberösterreich gewählt.Kleine Zeitung: 92,54 Prozent Grüne in Oberösterreich: Kaineder neuer Landessprecher. Artikel vom 6. April 2019, abgerufen am 6. April 2019. Stellvertreter wurden Dagmar Engl und Severin Mayr. Landesgeschäftsführerin Gabriela Schönberger übergab an Ursula Roschger.Kurier: Kaineder neuer Landessprecher der Grünen OÖ. Artikel vom 6. April 2019.
Im Mai 2021 folgte Severin Mayr Gottfried Hirz als Klubobmann im Landtag nach.
Geschichte Erneutes Scheitern am Landtagseinzug (1991) Im Vorfeld der Landtagswahl 1991 kam es zu Einigungsversuchen innerhalb des Grünen Lagers. Neben der Grüne Alternative und den VGÖ hatte sich zu Jahresbeginn 1991 der Grüne Aufbruch gegründet, mit dem vor allem Aktivisten aus Bürgerinitiativen eine breite Plattform für eine einheitliche Kandidatur des grünen Lagers schaffen wollten. Unter den Kandidaten des Grünen Aufbruchs befand sich unter anderem die Linzer VGÖ-Gemeinderätin Gabriela Moser, daneben engagierten sich zahlreiche Mitglieder der GAL in der Plattform. Da zahlreiche grün-affine Menschen ihre neue politische Heimat im Grünen Aufbruch sahen, entschloss sich der GA auch Nichtmitglieder als Kandidaten für die Listenerstellung zuzulassen und Aktivisten des Grünen Aufbruch als Kandidaten zu gewinnen. Die Kandidaten der grünen Bewegung sollten sich in der Folge bei einer offenen Wahl der Wahl stellen. Dieses Angebot wurde aber nicht angenommen, weshalb die GAL ihre Kandidaten am 5. April 1991 ohne Beteiligung der VGÖ wählte. Als Listenerste wurden Wolfgang Mühllechner, Gabriela Moser und Gottfried Hirz gewählt, wobei der Ausgang der Wahl von den Vertretern des Grünen Aufbruchs nicht akzeptiert wurde. Der Grüne Aufbruch löste sich in der Folge noch im April 1991 auf. Die Konflikte zwischen VGÖ und GAL blieben hingegen bis zur Landtagswahl bestehen.
Im Wahlkampf thematisierte die GAL die Themen Wohnungsnot, Bedrohung der Umwelt, Verkehr, naturnahe Landwirtschaft und Gesundheit. Daneben schickten die GAL einen Umweltmesswagen durch Oberösterreich um auf Luft- und Wasserverschmutzung aufmerksam zu machen. Beherrschendes Thema im grünen Wahlkampf blieb jedoch die Abgrenzung von den VGÖ, zudem war der Spitzenkandidat der GAL weitgehend unbekannt. Dies führte dazu, dass die GAL bei der Landtagswahl lediglich 3,1 % erreichte und den Einzug in den Oberösterreichischen Landtag klar verpasste. Auch die VGÖ scheiterten am Einzug in den Landtag. Im Zuge der gleichzeitig stattfindenden Gemeinderatswahl hatte die GAL rund 70 Gemeindegruppen betreut, wobei 14 Gemeinderäten der GAL und weiteren Gemeinderäten von Bürgerlisten der Einzug in die Gemeinderäte gelungen war.
Der Weg in den Landtag (1991–1997) Finanziell bedeutete die Niederlage bei der Landtagswahl einen strengen Sparzwang, da die GAL nur eine Wahlkampfkostenrückerstattung, nicht jedoch eine Parteienförderung erhielt. Zur Neuausrichtung der Partei beauftragte die GAL den Linzer Wissenschaftsladen mit der Erstellung eines Parteiprogramms, das schließlich auf einem eigenen Programmkongress beschlossen wurde. Die GAL Oberösterreich erhielt damit erstmals ein eigenes Parteiprogramm auf Länderebene, das als Handlungsanleitung für die kommenden sechs Jahre diente. Zur Reform der Partei führte die GAL Diskussionen mit den grünen Gemeinderatsgruppen durch.
In der Oppositionsarbeit stellte die GAL Umweltbelastungen und den Kampf gegen den zunehmenden Individualverkehr in den Mittelpunkt. So kämpfte die GAL gegen die geplanten Müllverbrennungsanlagen in Wels und Vöcklabruck, präsentierte ein Konzept zu Müllvermeidung und Wiederverwertung und thematisierte die Verunreinigung des Grundwassers, die Belastung des Bodens und die hohen Ozonwerte. Zudem kritisierte die GAL das Verkehrskonzept des Landes Oberösterreichs und forderte höhere Investitionen in den öffentlichen Verkehr an Stelle des Straßenverkehrs. Zudem profitierten die Grünen in Oberösterreich von der Arbeit des oberösterreichischen Nationalrats Rudi Anschober, der einen Skandal um die Errichtung der Pyhrn Autobahn aufdeckte. Nachdem sich die Bundespartei 1993 in Die Grünen – Die Grüne Alternative umbenannt hatte, änderte auch die GAL Oberösterreich ihren Namen in Die Grüne Oberösterreich – Die Grüne Alternative Oberösterreich um.
Bei der Nationalratswahl 1994 erzielten die Grünen in Oberösterreich mit 7,6 % ihr bisher bestes Ergebnis. Dadurch konnte neben Rudi Anschober auch Gabriela Moser in den Nationalrat einziehen. Da Theresia Haidlmayr zudem über die Bundesliste in den Nationalrat gewählt worden war, waren erstmals drei Abgeordnete aus Oberösterreich im Nationalrat vertreten. Für die Oberösterreichischen Grünen bedeutete der Erfolg bei der Nationalratswahl einen Motivationsschub für die Landtagswahl 1997. Im Hinblick auf den kommenden Wahlkampf wurde im Dezember 1994 der Landesvorstand aufgestockt, der Aufbau von Gemeindegruppen forciert und ein Konzept für 1997 erarbeitet, wobei für die Landtagswahl als Themenschwerpunkt die Bereiche Frauen, Wohnbau und Soziales, Gesundheit, Kultur, Verkehr und Umwelt ausgewählt wurden. Auch im personellen Bereich kam es im Hinblick auf die Wahl 1997 zu Veränderungen, wobei Anschober mit 98 % zum neuen Landessprecher gekürt wurde. Anschober wurde zudem bereits im Juni 1995 vom Erweiterten Landesvorstand als Spitzenkandidat für die Landtagswahl vorgeschlagen. Thematisch beschäftigten sich die Grünen 1995 mit einem Müllvolksbegehren, das die zwingende Errichtung von mindestens zehn Müllverbrennungsanlagen verhindern sollte. Nach der Sammlung von 2.500 beglaubigten Unterschriften erwirkten die Grünen eine Gesetzesänderung, die anstatt der zwingenden Müllverbrennung die Errichtung von biologisch-mechanischen Behandlungsanlagen ermöglichte. Des Weiteren präsentierten die Grünen 1995 eine Demokratiereform für Oberösterreich.
Herbe Verluste bei der Nationalratswahl 1995 bedeuteten auch für die Grünen in Oberösterreich einen deutlichen Rückschlag, wobei Gabriela Moser ihr Nationalratsmandat verlor. In der Folge wurden auch in Oberösterreich Arbeitsgruppen zur Aufarbeitung der Niederlage geschaffen. Als politische Schwerpunktthema etablierte sich ab 1995 der Kampf der Grünen gegen das Kraftwerk Lambach an der Traun, das eine Zerstörung des Augebietes vorsah. Die Grünen unterstützten dabei die Besetzung des betroffenen Augebietes und konnten ihren Ruf als Umweltpartei festigen. Bei einem Wahlkongress im November 1996 wurde Rudi Anschober zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 1997 gekürt. Dahinter folgten Doris Eisenriegler und Gunther Trübswasser. Im folgenden Wahlkampf präsentierten die Grünen ihr Wahlprogramm „100 Reformkonzepte für Oberösterreich“, wobei als maßgebliche Themen unter anderem die Bereiche Umweltschutz, Kampf gegen Arbeitslosigkeit, ein ökosoziales Beschäftigungsprogramm, Demokratisierung und Armutsbekämpfung dienten. Mit 5,8 % gelang den Grünen bei der Wahl am 5. Oktober 1997 schließlich der Einzug in den Landtag, wobei Umfragen zu Beginn des Jahres sogar rund 9 % prognostiziert hatten. Die Grünen erreichten damit drei Mandate. Bei den gleichzeitig stattfindenden Gemeinderatswahlen traten die Grünen in 22 Gemeinden an, hinzu kamen 37 den Grünen nahestehende Bürgerlisten. Die Grünen erreichten 35 Gemeinderäte und konnten damit ihr Ergebnis gegenüber 1991 mehr als verdoppeln.
Die erste Landtagsperiode der Grünen (1997–2003) Nach dem erfolgreichen Einzug in den Landtag wechselte Rudi Anschober in den Landtag und Gabriela Moser nahm sein Mandat im Nationalrat an. Zur besseren Kommunikation gründeten die oberösterreichischen Grünen 1998 mit dem „oö-planet“ eine eigenständige Zeitung, die zunächst noch als Beilage zur bundesweiten Ausgabe erschien. Wiederkehrende Themen in den ersten Ausgaben waren das Kernkraftwerk Temelín, eine ökosoziale Steuerreform, eine Stromsparaktion, Nahversorgung, Vollbeschäftigung und die Diskussion um das Musiktheater im Linzer Schlossberg. Mit 7,4 % in Oberösterreich konnten die Grünen bei der Nationalratswahl 1999 an ihr bestes Ergebnis von 1994 anschließen und es gelang ihnen wieder zwei Grundmandate zu erreichen, die in der Folge Gabriela Moser und Wolfgang Pirklhuber besetzten.
Im Dezember 1999 bezogen die oberösterreichischen Grünen ihre neue Parteizentrale, das „Grünen Haus“ in der Linzer Landgutstraße. Zuvor hatte sich das Landesbüro in der Stahembergstraße 25 befunden. Noch im selben Jahr schuf Rudi Anschober auch den „Grünpreis“, einem mit 10.000 Schilling dotierten Preis der alljährlich an jeweils zwei Personen in den Kategorien Umwelt, Soziales, Wirtschaft, Frauen und Kultur vergeben wird. Bereits ab 1999 waren die Grünen auch mit den Vorbereitungen für die kommende Landtagswahl beschäftigt. Im Zentrum der Bemühungen standen dabei die Gewinnung von zusätzlichen Mitgliedern und ab 2000 auch der Aufbau von Ortsgruppen und Teilorganisationen. Während die Anzahl der Mitglieder bis 2003 um rund 150 Prozent gesteigert werden konnte, gelang es den Grünen bis zu diesem Jahr die Zahl der Ortsgruppen auf 57 (1997: 17) zu steigern. Inhaltlich beschäftigten sich die oberösterreichischen Grünen zwischen 2000 und 2003 vor allem mit den Themen Vollbeschäftigung, der sogenannten „Freistädter Krankenhausaffaire“ und dem Atomkraftwerk Temelin. 2001 starteten sie zudem die Kampagne „Ökostrom statt Atom“. Weitere wichtige Themen der Grünen waren unter anderem ein Kurswechsel in der Landwirtschaft nach einem Fleischskandal, die Unterstützung der Anti-Globalisierungsbewegung, eine Bildungsmilliarde für Oberösterreich, Barrierefreiheit, Transit, Jugendarbeitslosigkeit sowie Klima- und Hochwasserschutz.
In die Landtagswahl 2003 zogen die Grünen erneut mit Rudi Anschober als Spitzenkandidaten. Als Wahlziel wurde der Einzug in die Landesregierung ausgegeben, wobei ein grüner Regierungssessel als omnipräsentes Symbol diente. Bei der Wahl am 28. September 2003 erreichten die Grünen mit 9,1 %, wobei die Grünen auch die FPÖ überholen konnten. Die starken Zugewinne bedeuteten den Gewinn von zwei Mandaten, womit die Grünen erstmals mit fünf Abgeordneten im Landtag vertreten waren. Zudem gelang den Grünen der Einzug in die Landesregierung. Nachdem das Verhältnis zwischen ÖVP und SPÖ auch unter dem Wahlkampf gelitten hatte, scheiterten die Koalitionsverhandlungen bereits nach kurzer Zeit. Nachdem SPÖ und Grüne über keine Mehrheit in der Landesregierung verfügten, nahmen die Grünen in der Folge Parteienverhandlungen mit der ÖVP auf, die zu einem Arbeitsübereinkommen und der ersten Schwarz-Grünen Zusammenarbeit auf Länderebene führte. Nach langwierigen Verhandlungen wurde das Abkommen vom Erweiterten Landesvorstand mit 23:9 Stimmen gebilligt, wobei vor allem die Vertreter der Linzer Grünen Widerstand geleistet hatten.