mini|Norderburg
Dornum ist eine Gemeinde in Ostfriesland und gehört zum Landkreis Aurich in Niedersachsen. Benannt ist sie nach dem gleichnamigen Hauptort. Mit Einwohnern ist sie die kleinste Einheitsgemeinde auf dem Festland des Landkreises Aurich.
Der Ortsteil Nesse zählt zu den ältesten Wik-Siedlungen in Ostfriesland und wird auf das 9. Jahrhundert datiert. Ebenso wie in Emden, Groothusen und Grimersum fand dort früh Seehandel statt. Nesse verlor ebenso wie Groothusen und Grimersum durch Verlandung des Hafens und Eindeichungen jedoch diese Bedeutung. Dornum war vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit eine Herrlichkeit, zuletzt unter den Freiherren von Closter.
Ein wichtiges wirtschaftliches Standbein ist der Tourismus mit jährlich rund 500.000 Übernachtungen, besonders in den Küstenbadeorten. Die Gemeinde ist zudem Drehscheibe für den Import von norwegischem Nordseegas: Dort enden die Pipelines Europipe I und II. Geprägt ist die Gemeinde zudem von landwirtschaftlichen Betrieben.
Zum herausragenden kulturellen Besitz in der Gemeinde zählen die Orgel der St.-Bartholomäus-Kirche von Gerhard von Holy sowie zwei Burgen im Hauptort Dornum. In der Gemeinde ist außerdem die älteste Mühle Ostfrieslands (erbaut 1626) zu finden.
Dornum ist der Geburtsort von Miene Schönberg, nach ihrer Auswanderung in die USA bekannt geworden als Minnie Marx, Mutter der Marx Brothers. Auch ihr Bruder Al Shean (geboren als Albert Schönberg) stammt aus Dornum. Er war Komödiant und darüber hinaus Wegbereiter für den Erfolg der Marx Brothers.
Geografie Lage und Ausdehnung { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q567381" } Die Gemeinde ist die nordöstlichste Gemeinde auf dem Festland des Landkreises Aurich in Ostfriesland und liegt unmittelbar an der Nordsee. Sie grenzt im Norden an das Wattenmeer, das als Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer unter Naturschutz steht und im Juni 2009 gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen und dem niederländischen Teil von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurde.nationalpark-wattenmeer.de: Niedersächsisches Wattenmeer, abgerufen am 2. September 2012. Der Küstenlinie vorgelagert sind von West nach Ost das Neßmer Watt, das Dornumer Watt und der Dornumer Nacken.
Der Verwaltungssitz im Hauptort liegt etwa zwölf Kilometer westlich der Stadt Esens im benachbarten Landkreis Wittmund und sechzehn Kilometer nordöstlich der Stadt Norden. Die Kreisstadt Aurich liegt etwa 21 Kilometer südlich. Dornum liegt auf der Grenze der historischen Regionen Norderland und Harlingerland: Während der größere westliche Teil mit dem Hauptort zum Norderland gezählt wird, gehört der kleinere östliche Teil zum Harlingerland.
Mit 76,78 Quadratkilometern ist Dornum nach Baltrum flächenmäßig die zweitkleinste Einheitsgemeinde des Landkreises Aurich und eine der kleinsten Einheitsgemeinden auf dem ostfriesischen Festland. Die größte Ausdehnung des Gemeindegebiets in nord-südlicher Richtung beträgt etwa 6,4 Kilometer, gemessen zwischen dem Hof Marienfeld im Süden und dem Seedeich im Norden. In west-östlicher Richtung sind es etwa 15,7 Kilometer zwischen dem Willrathshof im Westen und der Ostspitze des Westerburer Polders.
Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an die Nordsee. Der Küste in Sichtweite vorgelagert sind die Inseln Norderney im Nordwesten, Baltrum im Norden und Langeoog im Nordosten. Da Dornum an gleich drei Samtgemeinden grenzt, ist die Zahl der Nachbargemeinden auf dem Festland sehr groß. Im Osten grenzt Dornum an Esens und Holtgast (beide Samtgemeinde Esens), im Süden (im Uhrzeigersinn) an Ochtersum, Utarp, Schweindorf, Westerholt und Nenndorf (alle Samtgemeinde Holtriem). Diese genannten Kommunen befinden sich allesamt im Landkreis Wittmund. Im Südwesten grenzt Dornum an Großheide, im Westen an Hage und Hagermarsch (beide Samtgemeinde Hage) im Landkreis Aurich. Dornum hat somit zehn Nachbargemeinden, inklusive der Inseln 13. Die Zahl der Nachbarn reduziert sich jedoch auf vier (mit Inseln sieben), wenn sie auf Samtgemeinde-Ebene angegeben wird.
Geologie, Böden und Hydrologie mini|Deichvorland bei Neßmersiel mini|Deichvorland bei Neßmersiel, Luftbild Mai 2012
Das geologische Bild wird teilweise vom Pleistozän, deutlich mehr aber vom Holozän bestimmt. Fast das gesamte Gebiet der Gemeinde befindet sich in der Marsch. Lediglich der Hauptort inklusive der südlicher gelegenen Wohnplätze Resterhafe und Schwittersum sowie Roggenstede befinden sich auf zwei kleinen Geestinseln. Das Gemeindegebiet wird seewärts von Deichen geschützt, da es nur unwesentlich über dem Meeresspiegel liegt. Für die Deichunterhaltung sind auf Gemeindegebiet zwei Deichachten zuständig. Das Verbandsgebiet der Deichacht Norden reicht etwa bis Dornumergrode,deichacht-norden.de: Gebietskarte, PDF-Datei weiter östlich ist die Deichacht Esens-Harlingerland zuständig.
Die Bodenverhältnisse differieren in Abhängigkeit von der Küstenferne und damit vom Alter der Marschböden: Im außendeichs gelegenen Deichvorland (regional Heller genannt) findet sich Rohmarsch. Die Gebiete werden im Winterhalbjahr bei Sturmfluten überflutet. Binnendeichs schließen sich Kalkmarsch und Kleimarsch an. Diese drei Marschtypen werden der Jungmarsch zugerechnet. Die südlicher gelegene Altmarsch besteht hauptsächlich aus für den Ackerbau schlecht nutzbaren schweren Knickmarsch- und Seemarschübergangsböden. Sie werden vorwiegend als Weide- und Grünland, also für die Milchwirtschaft genutzt. Die Jungmarschgebiete mit ihren sehr leichten und mittelschweren Böden erlauben sowohl Milch- als auch Ackerwirtschaft. Da sie aber sehr hohe Erträge bringen, wird dem Ackerbau für gewöhnlich der Vorzug gegeben.
Vor allem die Altmarsch liegt zum Teil unter dem Meeresspiegel, weil die abgelagerten Sedimente durch ihr Eigengewicht, durch Zersetzungsvorgänge und durch Entwässerungsmaßnahmen abgesackt sind.Richard Pott: Die Nordsee: Eine Natur- und Kulturgeschichte. Beck, München 2003, ISBN 3-406-51030-2, S. 189.
Das Binnenland muss entwässert werden, um bei anhaltendem Regen nicht unter Wasser zu stehen. Dazu dienen unzählige kleine Gräben sowie kleinere und größere natürliche und künstliche Kanäle (regional Tief genannt). Diese werden wiederum über das Siel- und Schöpfwerk Accumersiel entwässert, das in den 1960er Jahren errichtet wurde und ein älteres Siel ersetzte. Zuständig für die Entwässerung eines Großteils des Gemeindegebiets ist die Sielacht Dornum mit Sitz in Esens, für den Westteil die Sielacht Norden.
Der Hauptteil des Gemeindegebiets wird durch das Accumer Tief und seine Nebentiefs sowie zahlreiche Entwässerungsgräben entwässert. Der Einzugsbereich des Accumer Tiefs reicht dabei bis in die Moorgegenden der südlichen Nachbargemeinde Holtriem sowie einen kleinen Teil der östlich gelegenen Samtgemeinde Esens. Aus diesen Bereichen fließen kleinere Moorbäche und Entwässerungsgräben dem Accumer Tief zu. Es verläuft zwischen Uppum und Dornum in Ost-West-Richtung, anschließend in Süd-Nord-Richtung nach Dornumersiel.Theodor Janssen: Gewässerkunde Ostfrieslands. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1967, ohne ISBN, S. 136 ff. Dort wurde nach Anlegung eines neuen Siels in den späten 1960er-Jahren ein Mahlbusen angelegt, der das Binnenwasser speichert, falls bei Flut kein Sielen möglich ist. Die Fortsetzung des Accumer Tiefs bildet in die Nordsee das Seegatt Accumer Ee zwischen den Inseln Baltrum und Langeoog. Bis zum Beginn der Deichbauten im Hochmittelalter und in den folgenden Jahrhunderten waren das Accumer Tief und die heutige Accumer Ee ein offener Zufluss aus dem rückwärtigen (südlich gelegenen) Geestraum in die Nordsee. Darauf deutet auch ein Ende des 19. Jahrhunderts bei Roggenstede, also südöstlich von Dornum, ausgegrabenes Seefahrzeug aus früheren Jahrhunderten hin.Theodor Janssen: Gewässerkunde Ostfrieslands. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1967, ohne ISBN, S. 137.
Der westliche Teil des Gemeindegebiets um Nesse wurde über Jahrhunderte durch das Neßmersiel entwässert. Nach dessen endgültiger Stilllegung allerdings fließt das Wasser über das Norder Tief dem Leybuchtsiel und (seit 1991) vornehmlich dem Leysiel zu.
Flächennutzung
+ Tabelle I: Flächennutzung 2009 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freifläche 385 davon Wohnfläche 215 davon Gewerbe- und Industriefläche 13 Betriebsfläche 2 Erholungsfläche 37 davon Grünanlage 27 Verkehrsfläche 251 davon Straße, Weg, Platz 243 Landwirtschaftsfläche 6.525 Wasserfläche 170 Waldfläche 44 Flächen anderer Nutzung 263 davon Friedhöfe 1 davon Unland 21 Gesamtfläche 7.678
Recht genau 85 Prozent des Gemeindegebiets von Dornum werden landwirtschaftlich genutzt. Dies ist einer der höchsten Werte unter den Einheits- und Samtgemeinden Ostfrieslands und liegt klar über dem ostfriesischen Durchschnitt von 75 Prozent.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Verlag Isensee, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115. Der niedersächsische Vergleichswert beträgt 59 Prozent. Die Waldarmut wird besonders deutlich, wenn die 44 Hektar mit Bäumen bestandene Flächen in Relation zum Gesamtgebiet gesetzt werden: Es ergibt sich ein Prozentwert von 0,57. Zum Vergleich: Der bundesrepublikanische Durchschnitt liegt bei mehr als 30 Prozent und selbst der ostfriesische Durchschnitt bei etwa zwei Prozent. Gewässer machen 2,21 Prozent des Gemeindegebiets aus, womit Dornum nur knapp über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt von zwei Prozent liegt. Bei den meisten Gewässern handelt es sich um Entwässerungsgräben, wozu auch der Mahlbusen in Dornumersiel zählt.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören neben dem namengebenden Ort Dornum (mit Ortsvorsteher Holger Janssen) die Ortschaften Dornumergrode (mit Ortsvorsteherin Ute Ennen), Dornumersiel/Westeraccumersiel (mit Ortsvorsteher Uwe Caspers), Nesse (mit Ortsvorsteherin Mathilde Pauls), Neßmersiel (mit Ortsbürgermeisterin Carina Windfuhr), Roggenstede (mit Ortsvorsteher Heinz Krause), Schwittersum (mit Ortsvorsteherin Angela Harm-Rehrmann), Westdorf (mit Ostdorf) (mit Ortsvorsteher Reiner Foken), Westeraccum (mit Ortsvorsteher Thorsten Caspers), und Westerbur (mit Middelsbur) (mit Ortsvorsteher Ernst Sorgenfrei).
Zu diesen Hauptorten gehören weitere kleinere Orte, die im Einzelnen heißen: Aderhusen, Alexandrinenhof, Altensiel, Arler Hammrich, Blankenhausen, Buschplatz, Buterhusen, Butterburg, Cankebeer, Dammspolder, Deich- und Sielrott, Deichstrich, Dreihausen, Eiland, Friedland, Friedrichsfeld, Georgshof, Groß Kiphausen, Harketief, Joachimsfeld, Kiphausen, Klein Kiphausen, Kloster, Marienfeld, Mittel Kiphausen, Mittelstrich, Neegrobeer, Neuhausen, Neßmeraltendeich, Neßmergrode, Neßmermühle, Neßmerpolder, Oster Coldinner Grashaus, Osterbur, Osterdeich, Pumpsiel, Reersum, Reidump, Resterhafe, Roggensteder Hammer, Schlöterei, Siebelshörn, Südenburg, Südenburger Buschhaus, Wahlstätte, Westeraccumer Neuland, Westerburer Neuland, Westerdeich, Wilhelminenhof.
Klima Die Gemeinde liegt in einer gemäßigten Klimazone im Klimabezirk Niedersächsisches Flachland Nordsee-Küste. Das Großklima ist maritim geprägt und zeichnet sich durch relativ kühle und regenreiche Sommer; verhältnismäßig milde, schneearme Winter, vorherrschende Westwinde sowie hohe Jahresniederschläge aus. In den Monaten Dezember und Januar fällt die durchschnittliche Temperatur auf null bis minus 2 Grad, im Juli und August werden durchschnittlich 20 Grad erreicht. Die meisten Regentage gibt es mit 20 im Dezember, die wenigsten im März und Mai, wo an 13 Tagen Niederschlag fällt. Die Zahl der durchschnittlichen Sonnenstunden pro Tag schwankt zwischen einer (Dezember/Januar) und sieben Stunden (Mai/Juni).
Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet sich Dornum in der Einteilung Cfb. Klimazone C: warm-gemäßigtes Klima Klimatyp Cf: feucht-gemäßigtes Klima Klimauntertyp b: warme Sommer
Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich in Aurich (siehe dort für weitere Informationen).
Schutzgebiete