Lipezk () ist eine Stadt im europäischen Teil Russlands.
Geografie Lipezk ist Hauptstadt der Oblast Lipezk mit 483.000 Einwohnern (Stand: 2025). Sie liegt rund 375 km südöstlich von Moskau im Oka-Don-Becken am Fluss Woronesch. Zwei Brücken verbinden die Stadtteile am linken (Lewobereschny) und rechten Flussufer (die anderen drei Stadtkreise).
Stadtgliederung Stadtkreis(Gorodskoi Okrug)Russischer NameEinwohner1. Januar 2006BemerkungLewobereschnyЛевобережный50.244Name von Lewy Bereg (Linkes Ufer des Woronesch)OktjabrskiОктябрьский206.549Name von Oktjabr (Oktober, bezogen auf die Oktoberrevolution)PrawobereschnyПравобережный79.198Name von Prawy Bereg (Rechtes Ufer des Woronesch)SowetskiСоветский166.830Name bedeutet Sowjetischer Rajon
Quelle:
Geschichte
mini|links|Russisch-Orthodoxe Kathedrale in Lipezk
Eine befestigte slawische Siedlung an Stelle der heutigen Stadt existierte vermutlich bereits vor der mongolischen Invasion der Rus im 13. Jahrhundert. In den Chroniken wird sie erstmals für die Jahre 1283/84 erwähnt. 1284 wurde die Siedlung während Kämpfen gegen den tatarischen Baskaken (Statthalter) Achmat komplett zerstört. Danach wird ein Dorf namens Malyje Studjonki Lipskije an dieser Stelle erst wieder in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erwähnt.
Zar Peter der Große ließ den Ort 1703 als Siedlung bei den Eisenwerken Lipskije sawody neu gründen. 1779 erhielt die Stadt den heutigen Namen als Verwaltungszentrum eines Ujesds der Statthalterschaft Tambow (ab 1796 Gouvernement Tambow).
In Zeiten der Weimarer Republik unterhielt die Reichswehr im Rahmen der deutsch-sowjetischen Militärkooperation gemäß dem Vertrag von Rapallo ab 1925 eine geheime Fliegerschule und Erprobungsstätte auf dem nahe Lipezk gelegenen Flugplatz, auf dem durch den Versailler Vertrag verbotene Flugzeuge und Waffensysteme entwickelt und getestet sowie ab 1926 Flugzeugführer ausgebildet wurden. Von deutscher Seite zeichnete hierfür die „Flieger-Inspektion 1 (L)“ verantwortlich. Dem Projekt kam eine zentrale Rolle bei der geheimen Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee zu.Zur Kooperation und Lipezk siehe: Wolf Oschlies: Symbiose der Geächteten. Preußische Allgemeine Zeitung, Nr. 38, 19. September 2009, S. 10. Mit der Machtergreifung der nationalsozialistischen Regierung endete die Zusammenarbeit.
Heute ist Lipezk Zentrum eines Eisenerzabbaugebietes mit Stahlwerken, Maschinenbau und chemischer Industrie. Daneben gibt es auch Heilquellen und ein Sanatorium.
Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner 1897 20.524 1926 21.000 1939 66.644 1959 156.515 1970 289.138 1979 395.638 1989 449.635 2002 506.114 2010 508.887 2025 483.040
Anmerkung: Volkszählungsdaten (1926 gerundet)
Sport Der Eishockeyverein HK Lipezk spielt in der zweithöchsten russischen Spielklasse. In der Stadt ist ebenfalls der Fußballverein FK Metallurg Lipezk beheimatet.
Verkehr Lipezk ist per Zug von Moskau aus (Pawelezer Bahnhof) zu erreichen, Fahrtzeit etwa 10 Stunden. Lipezk hat einen kleinen Flughafen, den Flughafen Lipezk, zu dem eine private russische Fluglinie zweimal täglich Flüge vom Moskauer Flughafen Domodedowo aus anbietet.
Im Stadtgebiet von Lipezk operieren Omnibus-, Oberleitungsbus- und Straßenbahn-Linien.
Über die Verbindungsstraße A133 und M4 Don ist Lipezk mit der Hauptstadt Moskau verbunden. Hier wird die A133 von der R119 gekreuzt, die in Zentralrussland von Orjol über Lipezk nach Tambow verläuft.
Wirtschaft mini|Komsomol-Kundgebung vor dem Nowolipezker Metallurgie-Kombinat 1971 mini|Ansicht der Plechanow-Straße im Nordosten der Stadt Das im Zuge der Industrialisierung der Sowjetunion entstandene und 1992 privatisierte Nowolipezker Metallurgische Kombinat (NLMK) ist ein Stahlwerk, hat mehr als 27.000 Angestellte und ist eine der größten Firmen der Region. Man produziert nach Eigenangaben etwa 13 Mio. Tonnen Stahl jährlich, was über 20 % des russischen Bedarfs seien.https://nlmk.com/ru/about/map-of-assets/ Es gehört zum Firmen-Konglomerat von Wladimir Lissin.
Weitere große Industriebetriebe sind das Lipezki Traktorny Sawod, eine Fabrik für Kühlschränke und Haushaltsgeräte (Stinol) sowie ein Speiseeis-Hersteller.
Qualifizierte Arbeitskräfte für diese Unternehmen werden an der Staatlichen Technischen Universität Lipezk sowie den zahlreichen Berufsschulen der Stadt ausgebildet. Die Industrie ist vorwiegend im Stadtteil südlich des Flusses Woronesch angesiedelt.
Weiterhin ist auch die Landwirtschaft von Bedeutung, da Lipezk in der fruchtbaren Schwarzerderegion liegt.
Städtepartnerschaften Lipezk listet folgende Partnerstädte auf: Cottbus in Brandenburg (Deutschland), seit 1974 Anshan (Liaoning) in der Volksrepublik China, seit 1992 Fabriano in der Region Marken (Italien), seit 2003
Söhne und Töchter der Stadt
Julija Schtschapowa (1930–2019), Archäologin und Hochschullehrerin Serafim Kolpakow (1933–2011), Metallurg Waljanzina Chochlawa (* 1949), belarussische Ruderin Igor Pawlow (* 1965), Eishockeyspieler und -trainer Konstantin Tschuitschenko (* 1965), Politiker Alexander Ussow (* 1976), Sprinter Maxim Balmotschnych (* 1979), Eishockeyspieler Michail Balandin (1980–2011), Eishockeyspieler Denis Tjurin (* 1980), Eishockeyspieler Olesya Truntaeva (* 1980), Fußballspielerin Wladimir Djattschin (* 1982), Schwimmer Diana Schnürpel (* 1983), Opernsängerin Julija Merkulowa (* 1984), Volleyballspielerin Swetlana Krjutschkowa (* 1985), Volleyballspielerin Ljudmila Litwinowa (* 1985), Leichtathletin Sergei Dobrin (* 1986), Eiskunstläufer Maria Viktorovna (* 1986), russisch-US-amerikanische Webvideoproduzentin und ASMR-Künstlerin Andrei Kljujew (* 1987), Radrennfahrer Xenija Ryschowa (* 1987), Sprinterin Wadim Golubzow (* 1988), Eishockeyspieler Marina Pantelejewa (* 1989), Sprinterin Kirill Pantschenko (* 1989), Fußballspieler Maxim Pokidow (* 1989), Bahn- und Straßenradrennfahrer Dmitri Kulikow (* 1990), Eishockeyspieler Maxim Rasumow (* 1990), Radrennfahrer Nikita Dwuretschenski (* 1991), Eishockeyspieler Marija Botscharowa (* 2002), Beachvolleyballspielerin
Klimatabelle
Quellen
Weblinks
https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/geschichtsgalerien/lipezk-die-geheime-fliegerschule-und-erprobungsstaette-der-reichswehr-in-der-sowjetunion/ Offizielle Website der Stadtverwaltung (russisch)
Kategorie:Ort in der Oblast Lipezk Kategorie:Sonderwirtschaftszone
Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Gemeindegründung 1703 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1779