mini|hochkant|Wappen derer von Hardenrath im Wappenbuch des Westfälischen Adels
Die Kölner Familie Hardenrath war eine wohlhabende Kaufmannsfamilie, die im 15. Jahrhundert aus Hameln an der Weser nach Köln übersiedelte. Als Begründer der dann auf Dauer in Köln ansässigen Familie gilt Johannes Hardenrath (der Ältere, "(I.)"), dessen Nachkommen über mehrere Generationen hinweg die Kölner Politik mitbestimmten.
Geschichte Neubürger in Köln Johannes (I.) Hardenrath erwarb im Jahr 1449 das Bürgerrecht der Stadt Köln.Hugo Stehkämper: Kölner Neubürger 1356–1798. Unter den Kölner Tuchhändlern (wobei er sich auf den Handel mit Barchentware spezialisierte) hatte er einen hohen Rang und soll unter diesen in den 1460er Jahren an dritter Stelle gestanden haben. Daneben mehrten zahlreiche im Renten- und Kreditwesen getätigte Geschäfte sowie sein Engagement im Englandhandel den Wohlstand der Familie.Informationen städtisches Museum Köln Wie alle Bürger der Stadt verpflichtet waren, sich einer der 22 Kölner Gaffeln anzuschließen, war Hardenrath Mitglied der Kaufmannsgaffel Windeck geworden.Benannt nach ihrem Gaffelhaus Windeck („Wyndege“) auf dem Alter Markt. Nach dem Ratsherrenverzeichnis war Hardenrath 1465 ein Mitglied des aus 13 Herren bestehenden „Gebrechs“.„Gebrech“, das, was an der vollen „heiligen“ Zahl (7x7) von 49 Ratsherren noch gebricht (fehlt). Ref. fehlt. Hardenraths weitere Ratsmitgliedschaft nach 1465 bis 1484 ist jedoch umstritten, da nach einer Urkunde von 1479 Johannes (I.) Hardenrath, der Ehemann der Sybilla (Beelgin) Slossgin, als verstorben bezeichnet wurde.Wolfgang Schmidt: Bürgerschaft, Kirche und Kunst. Stiftungen an die Kölner Kartause (1450–1550), S. 390–420.
Die Namensbezeichnung der Familie erscheint in den Quellen als „Hardenro“, der Kölner Ratsherr und Chronist Hermann von Weinsberg benutzte den Namen „Hardenraidt“ und die in jüngerer Zeit verwendeten Schreibweisen variieren die Namensendung mit „dt“, „th“ oder „ht“.
Unbekannt ist das Ende in der Geschlechterfolge der Hardenrath, einer in der Stadtgeschichte Kölns bedeutenden Familie des Kölner Patriziats.
Erwerb eines Hauses am Marienplatz Die Familie des Kaufmanns Johannes Hardenrath hatte im Jahr 1455 ein Haus südöstlich der Kirche St. Maria im Kapitol auf dem Marienplatz erworben. Das Haus, im Bezirk St. Martin gelegen, stand unmittelbar an einer Pforte der alten römischen Mauer zur Vorstadt Oversburg hinter dem unteren Graben und hatte eine Kapelle (dom. Gravinporzen seit 1455, um 1487 in den Steuerlisten „Hardenro“ Haus genannt).Hermann Keussen, Band I, Tafel Bezirk S. Martin, und S. 51, Sp. 2
Wohnort Marienplatz und Umfeld mini|hochkant|St. Maria im Kapitol um 1665
Dem im mittelalterlichen Bezirk S. Martin gelegenen Marienplatz schloss sich östlich der Straßenzug Sternengasse und Stephanstraße (mit dortiger um 1009 errichteter Kapelle S. Stephan „in fundo b. Mariae in Cap.“, 1834 niedergelegt) an. An seiner unteren Südseite trennten den Platz zwei Häuserreihen von der römischen Mauer und dem dahinter gelegenen Stadtgraben, der die Grenze zum benachbarten Vorstadtbezirk Oversburg bildete.
Der Platz begann im Westen in Straßenbreite und weitete sich in Höhe der seitlich der Stiftskirche St. Maria im Kapitol stehenden Kirche St. Notburgis (1169–1802, in der Franzosenzeit die „Welsche Kapelle“ genannt) und ging dort nördlich hinter dem Dreikönigenpförtchen in die Fläche des „Lichhofs“ (frühe Bezeichnung eines Friedhofes) über. Dort befanden sich die Kapellen „S. Nicolaus in porticu“ (um 1350 Ersterwähnung) und die zuerst „Benedictus“ (um 1300) und später „Anna-Lob“ genannte Kapelle. Die Spuren dieser beiden Bauwerke verloren sich im 18. Jahrhundert.Ludwig Arntz, Heinrich Neu, Hans Vogts, S. 353 und 348 ff Unmittelbar vor der Pforte mündete die Königstraße ein, die ebenso wie die vom Lichhof (über Treppen) abwärts führende Plectrudengasse auf die vom Heumarkt zur Kornpforte reichende Straße Malzbüchel stieß.
Die im mittelalterlichen Köln gebräuchliche Bezeichnung Büchel verwies in diesem Fall auf die Straßen „Krummer Büchel“, „Hochfpfortenbüchel“ und „Malzbüchel“. Es sind noch immer unter diesem Namen existierende Straßen, die schon in jener Zeit die natürliche Anhöhe rund um die dort um 800 erbaute Kapitolkirche umgaben.
Auf diesem Gelände hatten neben einigem Haus- und Grundbesitz der Klöster Weiher und Benden, wie die frühen Schreinseintragungen belegen, auch einige der führenden Kölner Patrizierfamilien Besitz erworben. Eine Eintragung des Jahres 1272 beurkundet, dass ein Haus Gottfried Hagens durch diesen selbst an den Schröder Heinrich von Crouhusen abgetreten wurde. Weitere Eintragungen nennen den Schöffen „Gerhard Mommersloch“ (1304) oder „Gobelini Scherfgin“ (1331), ferner wurde die Familie des Wilhelm „de Aduycht“ angeführt (1346) und ein nach seinem Besitzer „Arn. de Palacio“ (auch Arnold von Palaise) als Palast bezeichnetes Haus (1359).
Ein weiterer Besitz in der Reihe dieser am Marienplatz vertretenen Patrizier der Stadt war ein Anwesen am südöstlichen Ende des Platzes. 1200 hieß es: dom. et ar. Ex opp. S. Notburgis vicina dom. advocati Almari versus Sculptáum portam. Das Haus wurde 1212 von Heinrich de Volmutsteine an Everhard „Kleyngedanc“ zu Lehen gegeben und ging von dieser Familie an die der „Hardefust“ über. 120 Jahre später wurde in den Schreinskarten ab 1322 das Haus als das des „Vayt“ (Vogt) Almershoyven geführt und wurde im Jahr 1455 als Besitz des Kaufmanns Johannes Hardenrath eingetragen.Hermann Keussen, B. I, S. 50 ff
Bekannte Nachkommen Johann (II.) Hardenrath, Sohn des Familiengründers und auch Ratsmitglied, war verheiratet mit Christina, der Tochter des Bürgermeisters Goswin von Straelen. Der Ehe Johanns mit Christina entstammten drei Töchter (von denen Christina in das wohlhabende Haus der Kölner Familie Hacqueney einheiratete) und zwei Söhne, sie nannten sie Johann und Goswin. Goswin studierte zusammen mit seinem Bruder Johann an der Kölner Universität, ging dann, nach dem Tod seines Vaters 1499, nach Orléans und trat später in den Orden der Karmeliter ein. Johann (III.) war verheiratet mit Agnes, der Tochter des Bürgermeisters Johann von Merle. Johann III. war von 1507 bis 1523 Ratsmitglied. Während dieser Zeit, im Jahr 1515, ernannte ihn der spätere Kaiser Karl zu seinem Stallmeister. 1516 nahm Kaiser Maximilian ihn und seine Familie unter seinen persönlichen Schutz. Auf ihn geht wohl auch ein der Familie verliehenes in der „Sammlung Ketten“ überliefertes Adelsdiplom zurück.Wolfgang Schmidt, Bürgerschaft, Kirche und Kunst. Stiftungen an die Kölner Kartause (1450–1550) Seite 390–420
Adelshaus Hardenrath Johann von Hardenrath der Ältere, Sohn Johanns (III.), wurde um 1530 in Köln geboren. Nach einem an der alten Kölner Universität absolvierten Studium trat er eine Assessorenstelle am Reichskammergericht Speyer an. Während dieser Tätigkeit als Beisitzer konnte er sich offenbar als guter Jurist auszeichnen und wurde als Rat in den Dienst des Herzogs Wilhelm berufen. Dort machte Johann Karriere und wurde 1580 zum Vizekanzler des Fürsten ernannt. Johann war wie sein jüngerer Bruder streng katholischen Glaubens und setzte sich vehement gegen die Thesen Luthers und für die Ziele der Gegenreformation ein. Johann Hardenrath starb am 12. Januar 1601 in Köln.Ulrich S. Soenius, Jürgen Wilhelm, S. 214 fsiehe zu diesem auch Johann von Hardenrath der Jüngere, dessen Geburtsjahr nicht bekannt ist, war der Sohn der Eheleute Johann und Christina Hardenrath, einer geborenen von Lyskirchen. Er war in zwei Ehen verheiratet. Es waren Katharina Gail, Tochter eines Kölner Bürgermeisters, und Anna Klepping, Tochter des Dortmunder Bürgermeisters Georg Klepping und dessen Frau Anna von Bardenhorst. Hardenrath, dessen Ehen sechs Kinder entstammten, wurde als Bannerherr der Kaufmannsgaffel Eisenmarkt 1583 Ratsherr der Stadt Köln. Schon ein Jahr später wurde er Bürgermeister der Stadt. Dieses Amt hatte er zwischen den Jahren 1584 und 1629/30 sechzehn Mal inne.Bestandskatalog des Kölnischen Stadtmuseums, S. 102 f Gräfin Anna Christine von Gronsfeld war eine geborene von Hardenrath. Graf Gronsfeld heiratete sie am 14. April 1639 (* 1615; † 29. Januar 1692). Sie war die Tochter des Bürgermeisters Johann von Hardenrath.Hermann Keussen, Band I, S. 269, Sp. 2
Bauwerke der Familie Haus Hardenrath, Marienplatz mini|hochkant|Schlussstein des Kreuzgewölbes
Der Ratsherr Johannes (I.) Hardenrath und seine Ehefrau Sybilla Sloesgin ließen ihr Wohnhaus in der südöstlichen Ecke des Marienplatzes mit einer prächtigen hallenartigen Haus kapelle ausstatten. Im Zentrum des spätgotischen Sterngewölbes befand sich ein Schlussstein mit dem (einer Darstellung des segnenden Christus mit stilisierter Weltkugel), unter dessen Schutz Johannes sein Haus und seine Familie gestellt hatte. Diesen umgaben mehrere Wappenschilde, wie das des Hausherrn mit seinen Initialen, vermutlich ein Schild mit zwei verschlungenen Kreisen (Inschrift schlecht lesbar) sowie einem weiteren mit der Abbildung dreier von Schleifen gezierten Hüten. Diese wurden in der Fachliteratur zuweilen als Judenhüte gesehen und auf eine mögliche Verschwägerung des Hauses Hardenrath mit dem Haus derer von Juden (oder Jüden, ebenfalls eine Kölner Bürgermeisterfamilie) hin gedeutet.Sammlung Ernst von Oidtmann, Verweis auf: A. Fahne Köln, in: Geschlechter I, S. 129 bis 209 Ob ein Zusammenhang mit der Zunft der Kölner Hutmacher und der Gaffel der Tuchhändler (der Hardenrath möglicherweise vorstand) bestand, ist nicht bekannt. Die Kapelle des Hardenrathschen Stammhauses wurde im Jahr 1970 während dort stattfindender Bauarbeiten unter dubiosen Umständen zerstört.Ref?
Den an die Wände aufgebrachten grotesken sogenannten Grinköpfen, denen ursprünglich Pflanzen aus Mund und Nase wucherten (auch als Rankenfresser bezeichnet), sollten den Teufel als Versucher abwehren. Als Widerpart waren ihnen engelhafte Figuren entgegengestellt, wie das Fragment mit einem verführerisch schönen Frauenantlitz mit Perlenschmuck und modischer Hörnerhaube im Kölnischen Stadtmuseum.Ref?
In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das patrizische Anwesen Eigentum der Kölner Bürgermeisterfamilie Groote, von der es in späterer Zeit an die Kölner Kasinogesellschaft gelangte.
Haus Hardenrath, Sternengasse Das Haus zum Raben in der Sternengasse (platea stellarum) war 1422 im Besitz des mehrmaligen Kölner Bürgermeisters Mathias Walrave (erste Amtszeit 1418), 1453 ging es in den Besitz der Bürgermeisterfamilie Kannegießer über. Seit dem Jahr 1619 war das offenbar von der Oberschicht der Stadt geschätzte Haus im Besitz der inzwischen adligen Familie Johann von Hardenrath. 1643 ging das Haus wohl als Mitgift an die Tochter Anna Christine von Gronsfeld über. In diesem weiterhin als Hardenrathsches Haus bezeichnete Gebäude starb am 3. Juli 1642 die im Kölner Exil lebende Maria de’ Medici.Wolfgang von Löhneysen, Die Wirklichkeit im Bild. Von der Antike zur Gegenwart, Königshausen und Neumann, Würzburg 2004, S. ?.
Stifter und Stiftungen Wohlhabende Bürger engagierten sich für das Gemeinwohl der Stadt. Dies fand Ausdruck in Stiftungen, in dem sie zum Beispiel Armen- oder Waisenhäusern spendeten oder Konvente förderten, in die viele Töchter aus gutbürgerlichen Verhältnissen eintraten und dort nicht selten zur Führung der klösterlichen Einrichtung aufstiegen. Stiftungen für die Pfarrkirchen in den Wohnvierteln des jeweiligen zumeist der Oberschicht der Stadt angehörenden Spenders waren keine Ausnahmen, sondern die Regel. Die Art der Spenden war vielfältig. Es waren Zuwendungen in bar oder als regelmäßige Renten, die Übernahme von Baukosten für klösterliche Anlagen, Kirchenneu- und -umbauten, sowie Schenkungen in Form von Grund und Boden.
Auch die bildende Kunst profitierte von den Aufträgen der spendablen Honoratioren. Die Baugewerbe, die Bildhauerkunst und die Malerei sowie das gesamte Kunstgewerbe der Stadt erlebten im 15. und 16. Jahrhundert eine Blütezeit.