Das (kurz ; ) war von 1942 bis 1945 ein Nachrichtendienst des Kriegsministeriums der Vereinigten Staaten.

Die OSS wurde zwar vor der 1947 erfolgten Gründung der Central Intelligence Agency aufgelöst, gilt aber als deren direkter Vorgänger, da sie der erste Auslandsgeheimdienst der USA war.Geschichte und Operationen der CIA. Vom OSS zur CIA: Die Gründungsjahre. Deutsches Spionagemuseum, abgerufen am 30. Januar 2026

Auftrag Die Aufgabengebiete des OSS umfassten die operative Beschaffung von Informationen, Desinformation, psychologische Kriegsführung, Partisanen-Unterstützung, asymmetrische Kriegsführung, Sabotage und Spionageabwehr. Informationen über die Kriegsgegner der USA wurden gezielt erfasst, gesammelt und ausgewertet, um sie für asymmetrische Kriegsführung zu nutzen, beispielsweise durch die Verbreitung von Desinformation als auch durch geplante Sabotage.

Organisation Das OSS unterstand direkt den Vereinigten Stabschefs des Kriegsministeriums und arbeitete ihnen zu. Damit stand es in direkter Konkurrenz zum G-2, dem Heeresnachrichtendienst der U.S. Army. Obwohl zuständig für die Aufklärung im Ausland, gab es Regionen, in denen das OSS nicht aktiv war, so z. B. Lateinamerika, wo das FBI für die Auslandsspionage verantwortlich zeichnete. Gleichzeitig wurden die Aktivitäten des militärischen Nachrichtendienstes G-2 und des Marinenachrichtendienstes argwöhnisch beobachtet und die zuständigen Stellen versuchten, ihre Zuständigkeitsbereiche zu verteidigen, da es etliche Überschneidungen und Parallelaufgaben gab.

Rekrutierung und Ausbildung Der Leiter des OSS, Major General Donovan, war anfangs Mitglied des Rooms gewesen, einer monatlich konspirativ tagenden Geheimloge führender US-Industrieller, die diskret Wirtschaftsinformationen aus dem Ausland austauschten. Die Söhne seiner Geschäftsfreunde, die sich vom OSS Ruhm versprachen, wurden bevorzugt rekrutiert.

Bekannte Mitarbeiter Der Philosoph Herbert Marcuse arbeitete für das OSS. Andere bekannte Persönlichkeiten waren der marxistische Ökonom Paul Sweezy, der Währungsexperte Charles P. Kindleberger, der Historiker und Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Kuczynski, der Historiker Barrington Moore Jr., der Spion Fred Mayer, der Chemiker Hans Wienberg, der Schriftsteller Carl Zuckmayer und der deutsch-amerikanische Politikwissenschaftler Franz Neumann.

Ausrüstung mini|Zur technischen Ausrüstung zählte auch das Funkgerät SSTR-1, mit dem das OSS im 2. Weltkrieg seine Agenten ausstattete (Quelle: Deutsches Spionagemuseum) Da eines der Haupttätigkeitsfelder der Organisation die konspirative Nachrichtenbeschaffung und die Partisanenunterstützung war, experimentierte Donovan hauptsächlich mit technischen Neuentwicklungen im Bereich getarnter Waffen (Stich- und Schusswaffen, z. B. die Stinger-PistoleDieter Stenger: Unconventional Warfare and Unconventional Weapons, The OSS.22 caliber T1E1 Stinger Gun, Juni 2014, United States Army Center of Military History, sowie SchalldämpferExperimental Weapons of the OSS (Office of Strategic Services)) und Ausrüstungsgegenständen, deren eigentliche Funktion nicht gleich erkennbar sein sollte und die so den Agenten bei einer Kontrolle hinter den feindlichen Linien nicht verraten würde.

Auch Techniken der nachrichtendienstlichen Kommunikation sowie zum Abhören und zur Informationsweitergabe wurden genutzt und stetig weiterentwickelt. Neben Hilfsmitteln wie Geheimtinte waren auch technische Geräte wie Funkgeräte, die speziell für Agenten entwickelt worden waren, Teil der Ausrüstung.

Aus Europa eintreffende Passagiere wurden nicht nur über die Verhältnisse befragt, die OSS kaufte ihnen auch Alltagsgegenstände europäischer Herkunft ab bis hin zu gebrauchten Kleidern, welche für die Untergrundarbeit von Wert sein konnten.Lea Haller: Spione unter uns, NZZ Geschichte, Nummer 18, Oktober 2018, S. 35.

Geschichte Gründung Das am 11. Juli 1941 von Präsident Franklin D. Roosevelt ins Leben gerufene, zunächst zivile Office of the Coordinator of Information (COI) wurde am 13. Juni 1942 in das Office of Strategic Services umgewandelt.Poster des CIA-Museums zum 60sten Jahrestag (PDF; 465 kB) – Die Abbildung zeigt Donovan in der Uniform eines US-Brigadegenerals (Major General). Er war ein operativ arbeitender Nachrichtendienst, der den Vereinigten Stabschefs im Kriegsministerium direkt unterstand und zuarbeitete. Alle Abteilungen bestanden bereits im COI. Bei der Gründung des OSS stand der britische Auslandsnachrichtendienst MI6 Pate.

Einziger Leiter des OSS war der reaktivierte Kriegsveteran und Wallstreet-Anwalt „Wild Bill“ Donovan (1883–1959), ein Freund des Präsidenten, der bereits als Colonel den Vorläufer der Behörde geleitet hatte und Ende 1944 zum Major General befördert worden war. Viele Pläne erwiesen sich als praxisuntauglich und man musste erst einen hohen Blutzoll (einschließlich des einheimischen Widerstandes) leisten, um die notwendige Erfahrung zu sammeln, wie ein Kampf hinter feindlichen Linien optimal zu führen war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Abteilung des OSS damit beauftragt, im besetzten Deutschland Film- und Bilddokumente als Beweismittel für die Nürnberger Prozesse zu suchen und zu sichern.

Einsätze Partisanenunterstützungseinsätze Die reine Aufklärungsarbeit war weniger erfolgreich, da die Hauptlast der Informationsgewinnung durch die Luftaufklärung der US Army Air Force (durch Luftbildauswertung) getragen wurde. Dagegen erzielte das OSS recht gute Ergebnisse mit der Ausbildung, Ausrüstung und Führung einheimischer Partisanengruppen hinter den feindlichen Linien. Es führte Operationen in Italien, Griechenland, Jugoslawien, Norwegen und Frankreich durch.

Vorbereitungen für D-Day In den Monaten vor der alliierten Landung in der Normandie Operation Overlord sprangen mehrere 3-Mann-Jedburgh-Teams ab, benannt nach ihrem schottischen Ausbildungsort Jedburgh, im deutsch-besetzten Frankreich, um Kontakt mit der Résistance aufzunehmen und sie im Partisanenkampf und in der Vorbereitung der Invasion zu unterstützen. Die nächstgrößere Einheit war die Operational Group (OG) mit 34 Mann, die sich aber auch bei Bedarf in zwei 17-Mann-Teams aufteilen konnte. Die OSS-OGs waren die direkten Vorläufer der Special Forces der Green Berets Detachments.

Pazifik mini|General William J. Donovan bei einer Inspektion von Einsatzkräften in Bethesda, Maryland, 1945 Das OSS war trotz der Ablehnung durch General Douglas MacArthur, den Oberbefehlshaber des pazifischen Kriegsschauplatzes, der die Arbeit des G-2 bevorzugte, dennoch auch im südostasiatischen und pazifischen Raum aktiv, in dem es Mao Zedongs Rote Armee im Guerillakampf unterstützte.

Nachrichtendienstliche Einsätze Ertragreichster OSS-Agent war Allen Dulles, der im neutralen Bern eine nahezu ungetarnte Anlaufstelle für Überläufer unterhielt, wo u. a. Fritz Kolbe vorstellig wurde und Vermittler von Karl Wolff die Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Italien verhandelten. Erfolgreicher waren Operationen der psychologischen Kriegsführung mit Flugblatt- und Radiokampagnen, die den Feind demoralisieren sollten. Bekannteste OSS-Partnerin war Marlene Dietrich, die neben dem Fronttheater für die alliierten Truppen über den Hörfunk die Deutschen zur Kapitulation aufforderte.

Das OSS stand ab 1943 mit der österreichischen Widerstandsgruppe rund um Kaplan Heinrich Maier in Verbindung. Dadurch gelangten die exakten Zeichnungen der V-2-Rakete bzw. des Tigerpanzers, aber auch Lageskizzen von Waffenfabrikationsanlagen an alliierte Generalstäbe, um damit alliierten Bomber genaue Luftschläge zu ermöglichen.Vgl. Hansjakob Stehle "Die Spione aus dem Pfarrhaus" in Die Zeit vom 5. Januar 1996. Die Gruppe wurde nach und nach wegen eines Doppelagenten, der sowohl für das OSS als auch die Gestapo arbeitete, von den deutschen Behörden ausgehoben und die meisten Mitglieder wurden nach Volksgerichtshofverfahren hingerichtet.

Mitarbeiter des OSS waren u. a. auch der deutsche Philosoph Herbert Marcuse, zeitweilig Chef der Europa-Sektion des Dienstes, sowie der Schriftsteller Klaus Mann. Dieser verfasste einige Monate nach der alliierten Landung auf Sizilien, welche das OSS unter dem Decknamen Operation Husky zusammen mit dem Marinenachrichtendienst (ONI) vorbereitet hatte, für die während der Invasion in Italien vorrückende 5. US-Armee Flugblätter zum Abwurf hinter den deutschen Linien und Texte für Grabenlautsprecher. Er verhörte während des Italien-Feldzuges auch deutsche Kriegsgefangene, damit die Stimmung in der Truppe genauer analysiert werden konnte.Uwe Naumann: Klaus Mann. RoRoRo, Hamburg 1984, ISBN 3-499-50332-8, S. 114 ff.

1944 nahm das Londoner Büro des OSS Kontakte zur Freien Deutschen Bewegung in Großbritannien auf, um aus ihren Reihen geeignete Kandidaten anzuwerben. Die Kontaktaufnahme erfolgte über Jürgen Kuczynski, den damaligen Leiter der Freien Deutschen Bewegung, und Erich Henschke aus der Leitung der KPD-Emigrantenorganisation für das Vereinigte Königreich. Die Kandidatenliste wurde von Seiten der deutschen Emigranten mit der GRU abgestimmt. Die sieben ausgewählten Kandidaten sollten per Fallschirm hinter den deutschen Linien abspringen.Das Vermächtnis des US-Offiziers Gould. Auf: drafd.de, der Homepage des Verbands Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“ e. V. Drei der Agenten, Anton Ruh, Paul Lindner und Kurt Gruber, wurden 2006 postum von der Regierung der USA unter George W. Bush mit dem Silver Star gewürdigt.Junge Welt, 13. Juni 2006. Vgl. Erinnerung an einen „German Miner“ Der Historiker Brian Nelson Macpherson hob in seiner Dissertation hervor: „Keine andere Quelle des Nachrichtendienstes war so hilfreich in der zuverlässigen Wahrnehmung von Einzelheiten während der letzten Kriegsmonate.“ Dieser Einsatz wurde auch als Operation Hammer bezeichnet. Zudem bereitete das OSS 1944 auch die nicht zum Einsatz gekommene Operation Iron Cross vor.

Mit der Operation Sunrise etablierte das OSS bereits früh eine amerikanische Zusammenarbeit mit Personen des späteren Bundesnachrichtendienstes. Generalmajor Reinhard Gehlen leitete von 1942 bis 1945 im Generalstab des Heeres die Unterstabsabteilung Fremde Heere Ost, die für die Lagefeststellung der Ostfront zuständig war. Unmittelbar nach dem Krieg wurden Gehlen und seine gesamte Organisation (die vor allem aus SS-, SD- und Abwehr-Leuten bestand) in den Dienst des amerikanischen Geheimdienstes gestellt. Gehlen wurde damit beauftragt, einen deutschen Auslandsnachrichtendienst aufzubauen, der sich gegen die Sowjetunion richten sollte. Die Organisation Gehlen wurde später durch die CIA übernommen.

Für die US-Spionageabwehr war während des Krieges die Abteilung X-2 und das FBI zuständig.

Persönlichkeitsprofil Hitlers Donovan beauftragte den Harvard-Psychoanalytiker Walter Charles Langer, ein Profil über Adolf Hitlers Persönlichkeit zu erstellen.Wiedergegeben auf nizkor.org: . Langer befragte hierfür Personen, die aus dem Deutschen Reich in die Vereinigten Staaten gekommen waren, so zum Beispiel Eduard Bloch, den Arzt von Klara Hitler, Ernst Hanfstaengl, den ehemaligen Auslandspressechef der Nationalsozialisten, und William Patrick Hitler. Der Bericht aus dem Jahr 1943 schildert unter anderem „Hitlers wahrscheinliches Verhalten in der Zukunft“:

Auflösung Das von Präsident Harry S. Truman von Anfang an mit Argwohn bedachte OSS wurde nach dem Zweiten Weltkrieg am 20. September 1945 wieder aufgelöst. Die direkte Nachfolge-Organisation des OSS war die SSU (Strategic Services Unit); deren Hauptquartier in Deutschland war in Wiesbaden, von wo aus auch die ersten erfolgreichen Versuche gestartet wurden, deutsche NKWD-Agenten zu Doppelspionen umzufunktionieren.siehe R. Cutler: Counterspy. Memoirs of a Counterintelligence Officer in World War II and the Cold War, S. 71 ff.