mini|Lage des Bundesstaates Louisiana innerhalb der USA Die Geschichte Louisianas umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des US-amerikanischen Bundesstaates Louisiana von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Teil seines geschichtlichen Erbes sind die indianischen Kulturen und Hochkulturen, die zwischen 3400 v. Chr. und der europäischen Kolonisierung Amerikas auf dem Gebiet des späteren Louisiana existierten und etliche beeindruckende archäologische Zeugnisse hinterließen. Zur Vorgeschichte des Staates Louisianas im engeren Sinn gehört die Phase französischer Kolonialherrschaft zwischen 1700 und 1763, der Louisiana seinen Namen und etliche Reste französischer Kultur und Sprache verdankt, sowie eine kurze Phase spanischer Kolonialherrschaft zwischen 1763 und 1800, während der sich das französische Element durch Einwanderung aus dem ehemals französischen Kanada noch verstärkte. Ein dreijähriges französisch-koloniales Zwischenspiel folgte, ehe die USA 1803 die gesamte französische Kolonie Louisiana, von der das heutige Louisiana nur einen kleinen Teil bildete, im sogenannten Louisiana Purchase von Frankreich kauften. Im Jahr 1812 wurde Louisiana ein US-amerikanischer Bundesstaat.
Das düstere Kapitel der Sklaverei bestimmte unabhängig von wechselnden Kolonialherren oder dem Status als US-Bundesstaat die Geschichte des afroamerikanischen Bevölkerungsteiles Louisianas – und damit der Hälfte der Bevölkerung – von der französischen Kolonialzeit bis zum Amerikanischen Bürgerkrieg 1860–1865, den der Staat Louisiana auf der Seite der besiegten Konföderierten Staaten von Amerika erlebte. Den Kampf um die Bürgerrechte der Afroamerikaner, denen auch nach dem Bürgerkrieg hier z. B. das Wahlrecht vorenthalten wurde, führten die Bürgerrechtler in Louisiana siegreich besonders in den 1950er bis 1960er Jahren.
Die indianische Geschichte Louisianas endete ebenfalls nicht mit der Zerstörung der vor Ankunft der Europäer existierenden Zivilisationen, sondern setzte sich fort als Geschichte von Vertreibung, Anpassung und Widerstand einer Bevölkerungsgruppe, die heute gerade einmal noch 0,6 % der Gesamtbevölkerung des Staates ausmacht.. mini|Karte der indianischen Kulturareale. Die westliche Ausbuchtung des „Südostens“ entspricht in etwa Louisiana
Indianische Frühgeschichte In den archäologisch belegten letzten 6000 Jahren entwickelten sich auf dem Gebiet des heutigen Louisiana etliche indianische Kulturen, deren Verbreitungsgebiet sich häufig über beide Seiten des Mississippitales und damit in den benachbarten Staat Mississippi hinein erstreckte. Grundsätzlich standen sie in Zusammenhang mit größeren Entwicklungen der indianischen Kulturen im gesamten Süden und Südosten der USA, der wiederum gewisse Verbindungen zu den Kulturen des nördlichen Mississippi- und des Ohiotales (z. B. zur Hopewell-Kultur) wie auch des präkolumbianischen Mittelamerikas aufwies.
Archaische Periode In Louisiana finden sich als eindrucksvollste Zeugnisse der Archaische Periode der nordamerikanischen Indianer etliche der frühesten sogenannten Mounds, große pyramiden-, halbkreis- oder auch schlangenförmige Erdaufschüttungen. Die ältesten Mounds und damit die ältesten bekannten Bauwerke Nordamerikas befinden sich in Louisiana. Zu den mittelarchaischen Moundanlagen gehören Watson Brake und Frenchman’s Bend beim heutigen Monroe (Louisiana). Sie werden auf ein Alter von rund 5500–5000 Jahren datiert.Saunders, Joe W.; Mandel, Rolfe D.; Sampson, C. Garth; Allen, Charles M.; Allen, E. Thurman; Bush, Daniel A.; Feathers, James K.; Gremillion, Kristen J. et al. (2005), „Watson Brake, a Middle Archaic Mound Complex in Northeast Louisiana“, American Antiquity 70 (4): 631–668 Am bekanntesten ist der Komplex von Poverty Point am Ende der archaischen Periode. Die Kultur, der er den Namen gab, erstreckte sich über Teile Louisianas und der angrenzenden Staaten. Ihren Höhepunkt hatte sie wohl um 1500 v. Chr. und ist damit eine der ältesten oder gar die älteste komplexe Zivilisation der USA.Jon L. Gibson: , 2001, Delta Blues, accessed 26 Oct 2009
Waldland-Periode Die Woodland-Periode, die auf die Archaische Periode folgte, dauerte in weiten Teilen Louisianas etwa von 1000 v. bis 1000 nach Chr. und unterschied sich von der vorhergehenden durch die größere Verbreitung von Keramik und die zunehmende Sesshaftigkeit und Nutzung von Ackerbau. Obwohl der Schwerpunkt der Periode noch auf der nomadischen Lebensweise von Jägern und Sammlern lag, entstanden auch semidauerhafte Siedlungen.texasbeyondhistory.net In ihrer mittleren Phase entwickelte sich nördlich von Louisiana die Hopewell-Kultur, die großen Einfluss auch auf die Kulturen Louisianas ausübte.
Mississippi-Periode Die am nördlichen Mississippi entstandene Mississippi-Kultur beeinflusste verschiedene Kulturen Louisianas, insbesondere die Plaquemine-Kultur zwischen etwa 1200 und 1400 n. Chr. und die Caddo-Kultur. Der Maisanbau verbreitete sich. Als einzige Indianerkultur nördlich von Mexiko baute die Mississippi-Kultur befestigte Städte, die Gesellschaftsstruktur war stark hierarchisch und Parallelen zu der Gesellschaft der Azteken Mesoamerikas sind augenfällig.
Erste europäisch-indianische Kontakte 1528 erreichte mit Pánfilo de Narváez der erste Europäer die Mündung des Mississippi. 1542 zog Hernando de Sotos Expedition durch den Norden und Westen Louisianas, traf dort auf die Caddo und Tunica und folgte dem Mississippi bis zum Golf von Mexiko.
Bei ihrer Ankunft lebten in Louisiana etliche indianische Völker, wie etwa die Atakapa, Appalousa, Acolapissa, Tangipahoa, Chitimacha, Washa, Chawasha, Yagenechito, die zu den Choctaw gehörenden Bayougoula, Quinipissa, Mougoulacha, ebenfalls zu den Choctaw gehörende Houma, Okelousa, zu den Natchez gehörende Avoyel und Taensa, Tunica, Koroa, Caddo, Adai, Natchitoches, Yatasi, Nakasa, Doustioni und Quachita,Sturdevent, William C. (1967): Early Indian Tribes, Cultures, and Linguistic Stocks, Smithsonian Institution Map (Eastern United States). von denen einige Spuren in Form von Ortsbezeichnungen hinterlassen haben, z. B. die Tunica, Tangipahoa oder die Natchitoches.
Die spanischen Konquistadoren fanden hier nicht den erhofften leichten Reichtum, wie ihn andere vor und nach ihnen in Mexiko oder Peru gefunden hatten. An dauerhafter Kolonisation oder der Gründung von Stützpunkten in Louisiana hatten sie daher kein Interesse.
Kolonialphasen Französische Kolonisation ab 1682 mini|Gebiete in Nordamerika, die einmal unter französischer Kontrolle waren 1682 erreichte Robert Cavelier de La Salle von Norden über den Mississippi kommend Louisiana und die Mündung des größten Flusses Nordamerikas. Er war in der französischen Kolonie Neu-Frankreich gestartet, die bis zu diesem Zeitpunkt etwa den heute französischsprachigen Teil Kanadas umfasste. Er nahm das riesige Gebiet zwischen den Großen Seen und dem Golf von Mexiko für Frankreich in Besitz und nannte es zu Ehren des französischen Königs Ludwig (fr.: Louis) XIV. Louisiana. Damit wurde er indirekt zum Namensgeber des späteren Bundesstaates Louisiana, der nur einen Bruchteil der Fläche der nun entstehenden französischen Kolonie Louisiana umfasst.
1699 gründete Pierre Le Moyne d’Iberville das Fort Maurepas nahe dem heutigen Biloxi als ersten französischen Stützpunkt am südlichen Mississippi auf dem Gebiet des heutigen Bundesstaates Mississippi. Der 1714 gegründete Ort Natchitoches wurde die erste dauerhafte europäische Siedlung Louisianas. 1718 wurde unter dem Namen La Nouvelle-Orléans („Das neue Orleans“, zu Ehren von Philipp II., Herzog von Orléans) das heutige New Orleans von Jean-Baptiste Le Moyne de Bienville gegründet. Nach Mobile (Alabama) und Biloxi (Mississippi) wurde 1722 New Orleans zur Hauptstadt Louisianas.
Frühe Sklaverei Der schottischstämmige französische Finanzminister und Chef der Mississippi-Kompanie John Law fasste 1717 den weitreichenden Beschluss, zur Förderung der Plantagenwirtschaft dort schwarze Sklaven nach Louisiana zu importieren. Sie wurden für die Arbeit auf den nun entstehenden Tabakplantagen eingesetzt. 1719 erreichten die ersten Schiffe mit Sklaven New Orleans.Hall, Gwendolyn Midlo, Africans in Colonial Louisiana, p61 Von 1719 bis 1753 wurden 6000 Sklaven aus Afrika in die Kolonie gebracht, deren rechtliche Stellung wie in den übrigen französischen Besitzungen durch den Code Noir geregelt war.zitiert nach: :en:Louisiana (New France)
Indianischer Widerstand Sehr bald trafen die französischen Kolonisatoren auf den Widerstand der einheimischen Indianer. Insbesondere gegen die Natchez-Indianer führten sie ab 1710 bis zum Ende ihrer Herrschaft 1763 vier Kriege. Der blutigste dieser Kriege war der Natchez-Aufstand von 1729. Dabei zerstörten die Natchez und ihre Verbündeten das französische Fort Rosalie, töteten mehr als 200 Kolonisten – darunter die gesamte erwachsene männliche Bevölkerung – und nahmen mehr als 300 Frauen, Kinder und Sklaven gefangen.Charles F. Lawson: Archaeological Examination of Electromagnetic Features: An Example from the French Dwelling Site, a Late Eighteenth Century Plantation Site in Natchez, Adams County, Mississippi, S. 7. Die Natchez waren bei diesen Auseinandersetzungen häufig gespalten in einen franzosenfreundlichen und -feindlichen Teil. Hintergrund dieser kriegerischen Auseinandersetzungen waren zumeist Vertreibungen von Indianern durch Franzosen, die ein Gebiet für den Tabakanbau nutzen wollten. Die Konflikte dehnten sich auf andere indianische Völker wie die Chickasaw aus, fanden allerdings überwiegend außerhalb des heutigen Louisiana im benachbarten Mississippi statt. Häufig wurden die Indianer dabei von den schwarzen Sklaven der Franzosen unterstützt.
Eine Abfolge weiterer Kriege zwischen Franzosen und Indianern außerhalb des modernen Louisianas wurde entscheidend für die Zukunft des Landes. Der sogenannte Franzosen- und Indianerkrieg 1756–1763 fand zwischen Briten und Franzosen und den jeweils mit ihnen verbündeten Indianern überwiegend im Gebiet der Großen Seen statt und endete mit der Niederlage der Franzosen und dem Verkauf ihrer Kolonie Louisiana an die Spanier 1763.
Spanisches Zwischenspiel und französische Einwanderung 1762 gaben die Franzosen ihre gesamten kolonialen Ambitionen in Nordamerika auf und sagten ihre Kolonie Louisiana im geheimen Vertrag von Fontainebleau Spanien zu. Im Pariser Frieden von 1763 wurde dieser Machtwechsel bestätigt. In den nun folgenden knapp vier Jahrzehnten spanischer Herrschaft über Louisiana verstärkte sich das französische Element dieses Gebietes allerdings noch durch zwei Einwanderungswellen. In den 1760er Jahren kamen die sogenannten Akadier nach Louisiana. Die Akadier waren Franzosen, die ursprünglich im kanadischen Akadien siedelten, das bereits 1713 britisch geworden war. Ab 1750 kam es hier zu von Frankreich geförderten Aufständen, die 1755 mit der weitgehenden Vertreibung der Franzosen aus Akadien endeten. Nach häufig jahrelanger Irrfahrt kam ein großer Teil dieser Flüchtlinge ins nun spanische Louisiana. Sie bildeten den Kern der heutigen französischsprachigen Bevölkerungsgruppe Louisianas, der Cajuns. Joseph Broussard war Anführer der ersten Gruppe von Akadiern, die in Louisiana eintrafen: Nach einer Inhaftierung durch die Briten in Akadien erhielt er die Erlaubnis, mit einer Gruppe von 200 Menschen auf die britische Karibikinsel Dominica umzusiedeln, von wo aus sie 1765 schließlich nach Louisiana auswanderten.C. A. Pincombe and E. W. Larracy, Resurgo: The History of Moncton, Volume 1, 1990, Moncton, p. 30
Der Ausbruch der Französischen Revolution brachte ab den 1780er Jahren mit royalistisch gesinnten Flüchtlingen eine weitere Gruppe von Franzosen nach Louisiana.