Der Artikel benennt einzelne Stationen der Entwicklung von Naturschutz und Landschaftspflege, wobei fachliche Konzepte, aber auch Strukturen wie Naturschutzverwaltung oder Verbände berücksichtigt werden. Die Angaben beziehen sich vor allem auf Deutschland, daneben auch auf Österreich, die Schweiz und angrenzende Staaten. Im Falle der Nationalparkbewegung, die ihre Ursprünge in den USA haben, wird die internationale Bedeutung des Naturschutzes ebenso benannt, wie in den internationalen Übereinkommen, die etwa durch den Europarat oder die UNESCO um 1960 an Bedeutung gewannen.Zu den Belegen: Zahlreiche Angaben im Artikel stammen, soweit sie Deutschland betreffen und älteren Datums sind, aus W. Pflug (1969). Weiter sind Angaben zum Naturschutz in Deutschland auf der Webseite des BfN zum Thema „100 Jahre staatlicher Naturschutz“ von 2006 zu finden. Im Übrigen wurden die Angaben so weit wie möglich mit einem Link zu den jeweiligen Artikeln versehen.
Vorläufer Die Erhaltung und der Schutz von Pflanzen und Tieren, bestimmter Biotoptypen oder Landschaftselemente, um ihrer selbst willen hat vor 1800 kaum eine Bedeutung. Nur dort, wo Aspekte der Nutzung eine Rolle spielen, werden formelle Schutzbestimmungen erlassen, etwa bei der Jagd für einige Wildtierarten, sofern sie zum Hoch- und Niederwild gehören, oder der Falknerei für Greifvögel. Auch der Schutz der Wälder vor Raubbau war für die Obrigkeit Anlass zu entsprechenden Initiativen.
1237Der Salzburger Erzbischof Eberhard von Regensberg erlässt im Gasteinertal zum Schutz des Waldes das Verbot der Nutzung von Kahlschlägen für die Almweide.1310Der Waldbann der Stadt Amberg wird zum Schutz des Waldes erlassen.1335In Zürich wird der Fang von Vögeln verboten, damit diese Käfer und andere „Schadinsekten“ vertilgen können.1476Mit der Schultheissen-Ordnung soll für das Siegerland der Waldzerstörung durch die Köhler Einhalt geboten werden.1548In der Schweiz entstand im Kanton Glarus das erste Jagdbanngebiet.1778In Immenstadt und in der Herrschaft Staufen in der Reichsgrafschaft Rothenfels wird das Jagen und Fangen von Bären, Luchsen und Wölfen verboten.1799Alexander von Humboldt prägt den Begriff Naturdenkmal für einen besonders hohen Mimosenbaum in Venezuela.1800Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau lässt im Wörlitzer Park den Warnungsaltar aufstellen. Mit seinem in der Mitte umlaufenden Spruchband mit der Inschrift „WANDERER ACHTE NATUR UND KUNST UND SCHONE IHRER WERKE“ gilt dieser als erstes Denkmal für den Naturschutz Deutschlands.Kulturstiftung Dessau-Wörlitz: Warnungsaltar1801Friedrich Schiller weist in seiner Schrift „Über das Erhabene“ auf den Gegensatz zwischen Kultur- und Naturlandschaft und das Bedürfnis des Menschen nach unberührter Natur hin.1802Johann Matthäus Bechstein fordert den Schutz wildlebender Tierarten, besonders der Vögel, als Teil des Haushaltes der Natur.1803Der bayerische König Maximilian I. Joseph beauftragt Stephan Freiherr von Stengel, den Bamberger Hain nach dem Vorbild des Englischen Gartens in München in einen Landschaftspark umzugestalten, der unter Schutz gestellt wird. Obwohl der Naturschutz dabei nicht im Vordergrund stand, gilt der Bamberger Hain als eines der ersten Schutzgebiete.1803Johann Wolfgang von Goethe fordert: „Wenn der Naturforscher sein Recht einer freien Beschauung und Betrachtung behaupten will, so mache er sich zur Pflicht, die Rechte der Natur zu sichern; nur da, wo sie frei ist, wird er frei sein, da, wo man sie mit Menschensatzungen bindet, wird auch er gefesselt werden.“Johann Wolfgang von Goethe: Zur Naturwissenschaft, Mineralogie und Geologie, Recht und Pflicht, 2-7; Aphorismen und Fragmente, Beobachten und Denken. Zitiert nach: Ernst Lautenbach: Lexikon Goethe Zitate. Auslese für das 21. Jahrhundert aus Werk und Leben, München 2004, ISBN 3-89129-800-5, S. 746.
Erste Schutzgebiete Infolge der Aufklärung entstehen die ersten Schutzgebiete im Gedanken des modernen Natur- und Landschaftsschutzes, die Natur um ihrer selbst willen zu schützen. In Vordergrund steht aber noch die Erbauung, nicht ökologische Intentionen.
Etwa 30 Jahre nach den Forderungen Bechsteins nach Tier- und Artenschutz im Jahre 1802 und der Wortschöpfung Naturdenkmal durch Humboldt 1799, werden in Deutschland erste konkrete Schritte zum Schutz der Natur unternommen. In Sachsen werden Bäume unter Schutz gestellt, am Drachenfels bei Königswinter entsteht das erste Naturschutzgebiet auf deutschem Boden. Neben einzelnen Personen, die sich für Tierschutz und Naturschutz einsetzen, schließen sich Bürger auch zu Vereinen zusammen, um das Anliegen der Natur zu vertreten.
Auch in Österreich, der Schweiz und anderen europäischen Staaten gibt es Bemühungen zur Ausweisungen von Schutzgebieten, die entweder auf den Einsatz einzelner Personen zurückgehen oder, zunehmend, auf Anregungen von Naturschutzvereinen.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts liegen auch die Wurzeln des Naturparkgedanken, der in den USA entwickelt wurde. Die Planung und Ausweisung von Naturparks und Nationalparks ist für den Natur- und Landschaftsschutz bis heute sehr bedeutsam.
Der Begriff Naturschutz wurde im 19. Jahrhundert zuerst in anderen Zusammenhängen verwendet. Er bezeichnete als militärischer Begriff einen Schutz vor Feinden. Aberwehrmechanismen von Tieren wurden in der Naturwissenschaft ebenfalls als Naturschutz bezeichnet und kriminologische Quellen fassten den natürlichen Schutz des Menschen vor Selbstmord als Naturschutz auf. 1871 findet sich die erstmals nachgewiesene Verwendung des Begriffes „Naturschutz“ in seiner heutigen Bedeutung durch Philipp Leopold Martin in seiner Aufsatzreihe „Das deutsche Reich und der internationale Thierschutz“
1821 Der Naturforscher und Entdecker Charles Waterton zäunt sein Anwesen in Walton Hall, West Yorkshire, England, als Schutzgebiet gegen Wilderei und Umweltverschmutzung ein. Es gilt als erstes Naturschutzgebiet im modernen Sinne.1836Ein Teil des Drachenfelses wird durch die preußische Regierung erworben, um einen weiteren Abbau des Berges zu verhindern; dies wird häufig als Einrichtung des ersten Naturschutzgebietes in Deutschland angesehen. Formal wird das Gebiet jedoch erst 1922 unter Schutz gestellt. Mit dem Schutzgebiet sollte zunächst vor allem der landschaftliche Reiz und der märchenhafte Charme erhalten werden und nicht primär der Lebensraum von Tieren.1847Mit der Erfassung von 28 Bäumen in einem Waldgebiet und deren Schutz als Naturdenkmale durch das Königlich-sächsische Finanzministerium werden erstmals Einzelobjekte unter Schutz gestellt.1852Die Teufelsmauer im Harz wird als Schutzgebiet ausgewiesen.1852Im österreichisch-ungarischen Reichsforstgesetz werden erstmals Bestimmungen aufgenommen, die den Naturschutz zum Ziel haben.1857Wilhelm Heinrich Riehl fordert das „Recht der Wildnis“ neben dem „Recht des Ackers“.1858Der Oberförster Joseph John erreicht, dass der Jungfrauwald (Boubín-Urwald) am Kubany im Böhmerwald mit den noch erhaltenen urwüchsigen Bergmischwäldern vom Fürsten Schwarzenberg unter Schutz gestellt wird. Jetzt drittältestes Naturschutzgebiet Tschechiens.1864Der Staat Kalifornien stellt mit dem Yosemite-Tal das erste Großgebiet unter Schutz.1868Auf ihrer Generalversammlung in Wien verabschieden die deutschen Land- und Forstwirte eine Resolution zum internationalen Schutz der für Land- und Forstwirtschaft nützlichen Vögel.1870In der Schweiz wird der Creux du Van als erstes Gebiet des Landes unter Naturschutz gestellt.1872Josef Schöffel, der Bürgermeister von Mödling, verhindert die teilweise Abholzung des Wienerwaldes. Er begründete seine Forderung, die er in einer mehrjährigen Auseinandersetzung mit der österreichischen Regierung durchgesetzt hat, mit dem Naturschutz.1874Im Wald von Fontainebleau wird zum Erhalt des Waldbestandes ein Naturschutzgebiet errichtet. Die Gegend und die Naturvorkommnisse des Waldes waren Mitte des Jahrhunderts Inspirationsquelle und Bildsujet vieler Künstler der Schule von Barbizon.1875In der Schweiz wird das erste Bundesgesetz über Jagd und Vogelschutz erlassen.
Erste Gesetze, Naturparke in Übersee Mit dem preußischen Schutzwaldgesetz wird die Natur und deren Schutz nicht nur erstmals rechtlich verankert, sondern erhält eine Beachtung, zumindest in einem Teil der Staatsverwaltung, die sie bis dahin nicht oder nur rudimentär erhalten hatte. Gleichzeitig werden Gruppen in der Gesellschaft im Sinne des Naturschutzes aktiv und bilden so den Gegenpart zur Verwaltung. Bereits 1861 gründet sich der Schwarzwaldverein, 1869 der Deutsche Alpenverein, sie schließen sich beide 1883 mit anderen Wandervereinen im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine zusammen, mit dem Ziel, „die deutsche Gebirgswelt geschichtlich, naturwissenschaftlich und in Ortsbeschreibungen zu erschließen“.
In Neuseeland und den USA werden erste Naturparks ausgewiesen. Diese hatten nicht den strengen Schutz der Natur im Sinn, wie er heute verstanden wird, sondern die Erhaltung ursprünglicher Landschaften, so wie dies in etwa auch die Zielsetzung der in dieser Zeit entstehenden Wandervereine war.
1871Erstmals nachgewiesene Verwendung des Begriffes „Naturschutz“ in seiner heutigen Bedeutung durch Philipp Leopold Martin in seiner Aufsatzreihe „Das deutsche Reich und der internationale Thierschutz“Rainer Koch, Gerhard Hachmann: „Die absolute Nothwendigkeit eines derartigen Naturschutzes …“ Philipp Leopold Martin (1815–1886): vom Vogelschützer zum Vordenker des nationalen und internationalen Natur- und Artenschutzes. In: Natur und Landschaft. Heft 11, November 2011, S. 474.1872Der Yellowstone Park (USA) wird als erster Nationalpark weltweit gegründet.1875Das preußische Schutzwaldgesetz wird erlassen.1875Der Deutsche Verein zum Schutze der Vogelwelt wird gegründet.1876Der erste Entwurf für ein Reichsvogelschutzgesetz wird erarbeitet.1880Ernst Rudorff spricht sich für die „Schonung landschaftlicher Eigentümlichkeit“ und die Erhaltung der „Natur in ihrer Ursprünglichkeit“ aus.1886Kanada beschließt ein Gesetz zum Schutz der Robben.1886Der Schweizer Alpen-Club (SAC) startet eine Kampagne gegen jede Erweiterung der Nutzung der bestehenden Wasserkräfte, vor allem bezüglich Stauung und Schiffbarmachung des Rheinfalls.1887Neuseeland gründet den Tongariro-Nationalpark.1888Ernst Rudorff verwendet den Begriff Naturschutz. In seinem Tagebuch findet sich am 9. November der Eintrag: „einen wichtigen Brief geschrieben […] über den Naturschutz.“Hans Klose: Ernst Rudorffs Heimatland unter Landschaftsschutz. In: Naturschutz. 20, 1939 S. 121.1888Das Gesetz, betreffend den Schutz von Vögeln wird erlassen. Dabei bleiben unter anderem die Greif- und Wasservögel vom Schutz ausgenommen.1890Der Yosemite-Park und der Sequoia-&-Kings-Canyon werden von der US-Bundesregierung zum Nationalpark erklärt.1898Wilhelm Wetekamp wirbt in einer Rede im preußischen Abgeordnetenhaus dafür, die schwindende Natur gesetzlich zu schützen und die Bodenkultur in Mooren und anderen Landschaften einzuschränken. Er fordert die Einrichtung unantastbarer Schutzgebiete in Staatsparks, in denen die „Denkmäler der Entwicklungsgeschichte der Natur … erhalten“ werden sollten. Dabei bezog er sich auf die amerikanischen Nationalparks und pries Nordamerika, „das uns sonst mit seinem Materialismus so gern als abschreckendes Beispiel hingestellt wird“, als nachahmenswertes Vorbild.1898Friedrich Althoff vom preußischen Kultusministerium erteilt Hugo Conwentz infolge der Forderung von Wilhelm Wetekamp den Auftrag, die Gefährdung von Naturdenkmalen in Preußen zu untersuchen und Vorschläge zu deren Erhaltung auszuarbeiten.
Vereine und staatliche Maßnahmen