hochkant|mini|Die 1536 in Basel gedruckte Erstausgabe der Institutiomini|hochkant|Titelseite der letzten Ausgabe der Institutio von 1559. Die Institutio Christianae Religionis ( Unterricht (oder auch Unterweisung) in der christlichen Religion) ist das theologische Hauptwerk von Johannes Calvin und wurde zum ersten Mal im Jahr 1536 in Basel (Alte Eidgenossenschaft) gedruckt. Durch die fortlaufenden Erweiterungen wuchs die Institutio zu einem großen Lehrwerk des christlichen Glaubens im reformatorischen Sinne heran. Aus den sechs Kapiteln der ersten Ausgabe von 1536 wurden in der letzten Ausgabe von 1559 achtzig Kapitel.
Geschichte Erste Fassung (1536) Ursprünglich wurde die Institutio von Calvin als Katechismus für Gebildete verfasst.Geleitwort, In: Unterricht in der christlichen Religion - Institutio Christianae Religionis, Nach der letzten Ausgabe von 1559 übers. und bearb. von Otto Weber, bearb. und neu herausgegeben von Matthias Freudenberg. 2. Aufl. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2008 ISBN 978-3-7887-2327-9 Deshalb ist die erste Ausgabe auch in Latein, erst 1541 erschien eine französische Fassung. Er war von der Verfolgung seiner Glaubensgenossen in Frankreich bewegt und wollte mit der Institutio anfangs unter anderem darlegen, dass sie mitnichten Ketzer und Aufwiegler seien, sondern seriöse Erneuerer des biblischen Glaubens und der wahren Kirche. Die Institutio sollte, laut Calvin, „ein Schlüssel und eine Tür zu einem guten und rechten Verständnis der Heiligen Schrift“ sein. Der Stoff wird in der zeitgenössischen humanistischen Loci-Methode dargeboten:Peter Opitz: Leben und Werk Johannes Calvins. Göttingen 2009, S. 38.
Gesetz (mit Erläuterung der Zehn Gebote). Glaube (mit Erläuterung des Apostolikums). Gebet (mit Erläuterung des Vaterunsers). Sakramentenlehre: Taufe und Abendmahl. Auseinandersetzung mit den weiteren fünf Sakramenten der römisch-katholischen Kirche. Christliche Freiheit, Amt und Obrigkeit.
Durch die große Resonanz der damaligen Bevölkerung erweiterte er die Institutio fortwährend über fast 25 Jahre seines Lebens.Vorrede von Johannes Calvin an den Leser, In: Unterricht in der christlichen Religion - Institutio Christianae Religionis, Nach der letzten Ausgabe von 1559 übers. und bearb. von Otto Weber, bearb. und neu herausgegeben von Matthias Freudenberg. 2. Aufl. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2008 ISBN 978-3-7887-2327-9
Die erste Ausgabe der Institutio, 514 Seiten im kleinen Oktavformat, widmete er dem französischen König Franz I., da Calvin damit – jedoch vergeblich – hoffte, er könne ihn von der Verfolgung der Hugenotten abbringen. Franz I. las wohl weder die Widmung noch das Buch.S. 10 PDF-Datei: https://www.reformiert-info.de/daten/File/Upload/doc-3976-1.pdf Calvin vollendete die Institutio, die zunächst gerade einmal sechs Kapitel umfasste, am 23. August 1535. Im März 1536 wurde die erste Ausgabe dann bei dem Basler Buchdrucker Thomas Platter gedruckt und veröffentlicht. Die Institutio von 1536 erinnert in der Struktur an einen Katechismus und ist häufig mit Luthers Kleinem Katechismus verglichen worden, für eine direkte Abhängigkeit gibt es allerdings keinen Beweis. Deutlich ist ein Einfluss von Luthers Theologie. Calvin fügte weitere Themen hinzu, so dass eine knappe Dogmatik entstand. In einem Kapitel über die Sakramente werden Taufe und Abendmahl erläutert, die weiteren Sakramente der römisch-katholischen Kirche (Firmung, Beichte, Ehesakrament, Ordination, Krankensalbung) abgelehnt.Herman J. Selderhuis: Institutio, Tübingen 2008, S. 200.
Zweite Fassung (1539 / 1543 / 1550) Die zweite Fassung der Institutio, 470 Seiten im Großformat, schrieb Calvin größtenteils in Basel; gedruckt wurde sie 1539 in Straßburg. Aus sechs sind 17 Kapitel geworden. Die Zuwächse lassen sich teilweise dadurch erklären, dass Calvin gerade den Römerbrief auslegte. Man erkennt außerdem Einflüsse von Huldrych Zwingli (De vera et falsa religione commentarius) und Philipp Melanchthon (Loci communes). Das Zielpublikum sind nun nicht mehr Anfänger im Glauben, sondern Studenten. Jetzt verwandte Calvin auch den Titel: Institutio Christianae Religionis, eine Formulierung, die sich sowohl bei dem Kirchenvater Lactantius als auch bei Erasmus von Rotterdam findet und jeweils ein Lehrbuch bezeichnet, das Grundwissen vermittelt. Calvin wollte bei seinen Vorlesungen über biblische Bücher nämlich die Möglichkeit haben, auf dogmatische Stoffe verweisen zu können, ohne die Behandlung des Bibeltextes durch Exkurse zu unterbrechen.Herman J. Selderhuis: Institutio, Tübingen 2008, S. 200f. Die Übersetzung dieses lateinischen Werks ins Französische veröffentlichte Calvin im Jahr 1541.
Eine weitere überarbeitete lateinische Ausgabe erschien 1543. Sie umfasst 552 Seiten im Großformat bzw. 21 Kapitel, die französische Übersetzung wurde im Jahr 1545 veröffentlicht. Die Erweiterungen gegenüber 1539 zeigen, dass Calvin theologisch reflektierte, was er mit der Straßburger Delegation bei den Religionsgesprächen von 1541 in Regensburg und Worms erörtert hatte. Neue Themen sind der Opfercharakter der Messe, der Pflichtzölibat und die Bedeutung von Traditionen. Die Religionsgespräche motivierten Calvin dazu, viel mehr als bisher mit den Kirchenvätern zu argumentieren. Außerdem war Calvin in seiner Straßburger Zeit ein Schüler Martin Bucers. Von ihm übernahm er das starke Interesse an Kirchenordnung und Ekklesiologie, das in der Institutio von 1543 erkennbar ist.Herman J. Selderhuis: Institutio, Tübingen 2008, S. 201.
Bei der Überarbeitung aus dem Jahr 1550 (französische Übersetzung: 1551) wurden die Kapitel zusätzlich wegen des großen Umfangs in Paragraphen unterteilt. Es sind jedoch weniger die Texterweiterungen, die das Buch umfangreich machten (neu: ein Paragraph über das Gewissen), als die Register zu Bibel- und Kirchenväterzitaten.Herman J. Selderhuis: Institutio, Tübingen 2008, S. 201f.
Dritte Fassung (1559) Die letzte deutlich erweiterte Ausgabe der Institutio in Latein ließ Calvin durch den Genfer Buchdrucker Robert Estienne im Jahr 1559 publizieren, die französische Übersetzung erschien im Jahr 1560. Calvin selbst bezeichnete es im Vorwort als ein neues Werk. In vier Hauptteilen und nunmehr 80 Kapiteln wird der Stoff dargeboten. Die vier Hauptteile (auch Bücher genannt) entsprechen dem Apostolischen Glaubensbekenntnis. Dieses hat bei Calvin nicht drei, sondern vier Teile:
Buch I (18 Kapitel): Erkenntnis Gottes des Schöpfers (De cognitione Dei creatoris); Buch II (17 Kapitel): Erkenntnis Gottes als des Erlösers in Christo (De cognitione Dei redemptoris); Buch III (25 Kapitel): Empfang der Gnade Jesu Christi und ihre Wirkungen (De modo percipiendae Christi gratiae et qui fructis nobis proveniant et qui effectus consequantur); Buch IV (20 Kapitel): Äußere Mittel, durch die Gott in die Gemeinschaft mit Jesus Christus einlädt und in ihr bewahrt (De externis mediis vel articulis, quibus Deus in Christi societatem nos invitat, et in ea retinet).
Buch I Calvin nimmt die Erkenntnis Gottes und die Selbsterkenntnis des Menschen (cognitio Dei ac nostri) zum Ausgangspunkt.Johannes Calvin: Institutio 1.1.1. Dass die Institutio nicht klassisch mit der Lehre von Gott (locus de Deo) beginnt, sondern Gott und Mensch in ihrer Beziehung zueinander darstellt, zeigt, dass Calvin sich nicht in die scholastische Tradition stellte. Eine Konsequenz daraus ist, dass auch eine selbständige Anthropologie (locus de homine) bei Calvin fehlt.Herman J. Selderhuis: Institutio, Tübingen 2008, S. 203. Calvin stellt im ersten Buch der Institutio die verschiedenen Quellen der Gotteserkenntnis vor: die natürlicheJohannes Calvin: Institutio 1.3.1.ff. und die biblische GottesoffenbarungJohannes Calvin: Institutio 1.6.1.ff., das TrinitätsdogmaJohannes Calvin: Institutio 1.13.1.ff. und die Lehre von Gottes Vorhersehung (locus de providentia)., hier S. 579 (abgerufen über De Gruyter Online)
Buch II Das Thema des zweiten Buchs ist die Christologie. Calvin beginnt mit einer Darstellung der Erbsünde und ihrer Folge, der völligen Unfähigkeit der Menschen zum Guten. Die These, der Mensch habe einen freien Willen, wird abgewiesen. Christus als der Mittler (Mediator) bewirkt die Erlösung. Calvin erörtert, inwiefern Christus schon in der Geschichte Israels präsent ist. Das alttestamentliche Gesetz weist über sich hinaus auf Christus.Johannes Calvin: Institutio 2.7.1. Es hat für die Christen eine positive Funktion (usus in renatis).Johannes Calvin: Institutio 2.7.12. Hier folgt die Auslegung der Zehn Gebote. Der Bund Gottes mit Israel beinhaltete nicht nur irdische Güter, sondern auch die Verheißung des ewigen Lebens.Johannes Calvin: Institutio 2.10.23. Altes und Neues Testament bilden eine Einheit; der „Gott des Neuen Testaments“ darf nicht gegen den „Gott des Alten Testaments“ ausgespielt werden, als handle es sich um Gegensätze.Johannes Calvin: Institutio 2.11.3.
Nach diesen Vorüberlegungen kommt Calvin zu den klassischen Themen der Christologie: Als der Mittler musste Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sein.Johannes Calvin: Institutio 2.12.1. Calvin bekräftigt die altkirchliche Zweinaturenlehre.Johannes Calvin: Institutio 2.14.1. Charakteristisch für Calvins Theologie ist, wie er daraufhin das dreifache Amt Christi als Prophet, Priester und König darstellt. Alle Propheten, Priester und Könige des Alten Testaments weisen voraus auf Christus. Nach Heiko A. Oberman sieht man bei Calvin den Übergang von einer Naturen- zu einer Ämter-Christologie.Hier referiert nach: Cornelis van der Kooi: Christus. In: Herman J. Selderhuis (Hrsg.): Calvin Handbuch, Tübingen 2008, S. 252–261, hier S. 255. „Die Lehre vom dreifachen Amt Christi legt dar, welche Rollen Christus im Hinblick auf die Menschen einnimmt und was zwischen Gott und Mensch in Christus geschieht.“Cornelis van der Kooi: Christus. In: Herman J. Selderhuis (Hrsg.): Calvin Handbuch, Tübingen 2008, S. 252–261, hier S. 255. Die Gemeinde als der Leib Christi hat an den drei Ämtern Christi Anteil.Johannes Calvin: Institutio 2.15.2 Calvin kommentiert das Apostolische Glaubensbekenntnis: gekreuzigtJohannes Calvin: Institutio 2.16.6. - gestorben und begrabenJohannes Calvin: Institutio 2.16.7. - hinabgestiegen in das Reich des Todes. Hier wendet er sich ausführlich gegen die Vorstellung eines Triumphzugs Christi durch die Unterwelt, vielmehr sei mit der Formulierung die seelische Qual des Gekreuzigten gemeint.Johannes Calvin: Institutio 2.16.8-12. Es folgt die Kommentierung der Auferstehung Christi am dritten TagJohannes Calvin: Institutio 2.16.13. und die Himmelfahrt.Johannes Calvin: Institutio 2.16.14.
Buch III Buch III behandelt die Pneumatologie, verstanden als das innere Wirken des Heiligen Geistes im Menschen. Der Heilige Geist ist das Band, das die Gläubigen mit Christus verbindet.Johannes Calvin: Institutio 3.1.1. Es folgt eine Beschreibung des Glaubens in seinen verschiedenen Aspekten.Johannes Calvin: Institutio 3.2.1.ff. Hier schließen sich Überlegungen zur Buße und Beichte mit Kritik an der zeitgenössischen römisch-katholischen Lehre (Beichte, Ablass, Fegefeuer) an.
Das christliche Leben charakterisiert Calvin als: Selbstverleugnung,Johannes Calvin: Institutio 3.7.1ff. Kreuztragen,Johannes Calvin: Institutio 3.8.1ff. Meditation des künftigen (jenseitigen) Lebens.Johannes Calvin: Institutio 3.9.1ff. In diesem Zusammenhang erörtert Calvin auch, wie Christen mit den irdischen Gütern umgehen sollen.