Saint-Pée-sur-Nivelle () ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Kanton Ustaritz-Vallées de Nive et Nivelle (bis 2015: Kanton Ustaritz).
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Saint-Pée stagnierte seit Beginn der Volkszählungen im 18. Jahrhundert bis etwa 1970 um 2500. Im Zuge der Suburbanisierung in der Agglomeration Bayonne-Anglet-Biarritz seit den 1960er Jahren hat sich die Einwohnerzahl bis 2017 mehr als verdreifacht.
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 20112016 20172022Einwohner 2239 2422 2567 3056 3463 4331 5106 58656721 68497238 Quellen: Cassini und INSEE Sprachen mini|rechts|Bilinguale Beschilderung in Saint-Pée. Die Amtssprache der Gemeinde ist Französisch. Etwa 80 % der Einwohner von Saint-Pée-sur-Nivelle sprechen Baskisch als Muttersprache oder verstehen es.Jan Mansvelt Beck: Territory and terror. Conflicting nationalisms in the Basque Country (= Routledge Advances in European Politics. 25). Routledge, London u. a. 2005, ISBN 0-415-34814-5. Geografie Geografische Lage Saint-Pée-sur-Nivelle liegt im nordwestlichen Pyrenäenvorland, etwa 10 Kilometer von der Atlantikküste entfernt. Die Gemeinde grenzt im Südwesten an Spanien. Sie wird von der Nivelle durchflossen. Auf dem Gebiet der Gemeinde, circa 5 Kilometer vom Ortszentrum entfernt, liegt der See Lac de Saint-Pée (0,12 km²).
Nachbargemeinden Ahetze und Arcangues im Norden Saint-Jean-de-Luz und Ascain im Westen Sare im Süden Urdax (Spanien) und Zugarramurdi (Spanien) im Südwesten Ustaritz, Souraïde und Ainhoa im Osten
Geschichte Das Geschlecht der Herren von Saint-Pée (oder Sempé) ist seit dem frühen 11. Jahrhundert nachweisbar.Katharine Fedden: The Basque Country. A. & C. Black, London 1921. Teile der heute noch sichtbaren Burgruine des Adelsgeschlechts stammen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Saint-Pée gehörte zur historischen baskischen Provinz Lapurdi (frz.: Labourd), die 1453 zusammen mit anderen Teilen Aquitaniens zur Domaine royal (Krondomäne) kam.
1609 wurde die Burg als Hauptquartier des französischen »Hexenjägers« Pierre de Lancre (1553–1631) bekannt. De Lancre soll im Auftrag Heinrichs IV. innerhalb eines knappen halben Jahrs für die Verbrennung von bis zu 80 angeblichen Zauberern und Hexen im Baskenland verantwortlich gewesen sein.Christian Kummer: „Beschreibung der Unbeständigkeit der bösen Engel und Dämonen“. Pierre de Lancres Hauptwerk „Tableau de l’inconstance des mauvais anges et démons“ von 1612 im Spiegel der modernen Geschichtsforschung. Inauguraldissertation, Universität Wien 2009, S. 91 ff. (Digitalisat; PDF; 3,1 MB).
Während der Französischen Revolution wird Saint-Pée in Beaugard umbenannt. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen baskischen Gemeinden waren die Einwohner von Saint-Pée auf Seiten der Revolution. Zum Ende der Napoleonischen Kriege war Saint-Pée 1813 Zufluchtsort Joseph Bonapartes, der von seinem Bruder 1808 als König von Spanien eingesetzt worden war. Bonaparte wurde noch in Saint-Pée von seinem Bruder zum Abdanken gezwungen und kurz darauf durch Wellington aus dem Ort wieder vertrieben.
Politik Saint-Pée gilt als Hochburg des baskischen Nationalismus in Frankreich: rund 25 % der Wahlberechtigten stimmen regelmäßig für eine der baskischen Parteien.
Wappen Das Stadtwappen ist ein viergeteilter Schild, der in den Feldern 1 und 4 jeweils drei rote Pfähle auf goldenem Grund und in den Feldern 2 und 3 jeweils drei goldene Kessel auf azurblauem Grund aufweist. Das heutige Stadtwappen lehnt sich an ein vom Adelsgeschlecht Saint-Pée geführtes Wappen an. Es stammt aus dem südlichen Baskenland und kam über Pedro Lopez de Amezqueta, der 1372 die letzte weibliche Erbin des ursprünglichen Geschlechts Saint-Pée heiratete, in die Region. Das heutige Stadtwappen enthält Elemente aus den Wappen der mütterlichen Vorfahren von Pedro Lopez, den Oñaz-Loyola: die Pfähle stehen für die Familie Oñaz und die Kessel für die Familie Loyola. In der Heraldik werden die Pfähle militärisch als Palisade oder Befestigung gedeutet. Die Kessel stehen für einen Überfluss an Nahrungsmitteln.Guy Ascarat: Armorial des Communes du Pays Basque. Zugegriffen am 1. April 2010.
Städtepartnerschaften Alsasua (Spanien): seit 1993Annuaire des villes jumelées. Zugegriffen am 31. März 2010. Saint-Pée ist Mitglied der grenzübergreifenden Eurocité basque Bayonne-San Sebastián, einer europäischen wirtschaftlichen Interessenvereinigung (EWIV)
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|rechts|Herri Urrats 2006: Die spanisch-baskische Band Ken Zazpi Museen Das Heimatmuseum Pilotari im Ortsteil Donamartia ist dem baskischen Nationalsport Pelota und der Herstellung des in Saint-Pée erfundenen Wurfkorbs Xistera gewidmet. Es wurde 2009 eröffnet. Bauwerke Die Kirche St. Pierre stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert. Sie gehört heute zum Kirchgemeinde Saint Esprit de la Rhune. Regelmäßige Veranstaltungen Seit 1984 zieht Herri Urrats, das jährliche Fest der baskischen Schulbewegung Ikastola im Mai zahlreiche Besucher an den Lac de Saint-Pée. In den letzten Jahren wurden Teilnehmerzahlen um 100.000 erreicht.
Wirtschaft und Infrastruktur Saint-Pée liegt im Einzugsgebiet von Bayonne (aire urbaine de Bayonne). 2022 wurden ca. 78 % der Einwohner zur erwerbstätigen Bevölkerung gerechnet. Davon waren 5,7 % arbeitslos. Circa 74 % der Erwerbstätigen sind Auspendler.Institut National de la Statistique et des Études Économiques: Commune: Saint-Pée-sur-Nivelle (64495). Zugegriffen am 9. Juli 2025.
Der Ort ist eine der zehn Gemeinden, die die baskische Gewürzpaprika Piment d’Espelette unter der Herkunftsbezeichnung Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) anbauen und vertreiben dürfen.Piment d'Espelette - Ezpeletako Biperra des Institut national de l’origine et de la qualité: Zugegriffen am 1. April 2010.
Bildung Das Schulangebot in Saint-Pée umfasst eine katholische und zwei öffentliche Grundschulen, eine baskischsprachige Ikastola, die katholische Sekundarschule Collège Arretxea sowie das Lycée Agricole Saint Christophe als weiterführende Schule für eine landwirtschaftliche Berufslaufbahn.
Persönlichkeiten Charles Ollivon (* 1993), Rugby-Union-Spieler
Weblinks
Website des Office de Tourisme
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Nouvelle-Aquitaine