mini|Wahrzeichen der Stadt Essen: Zeche Zollverein mini|Von Hochhäusern geprägtes Südviertel in Essens Stadtmitte mini|alt=|Essener Skyline mini|Villa Hügel, Symbol der Familiendynastie Krupp und der Industrialisierung sowie ein Wahrzeichen der Stadt Essen
Essen ist eine kreisfreie Großstadt im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie liegt im Zentrum des Ruhrgebiets und der Metropolregion Rhein-Ruhr. Nach Köln, Düsseldorf und Dortmund ist Essen die viertgrößte Stadt des Landes Nordrhein-Westfalen sowie eines der Oberzentren. Die Stadt zählt mit ihren Einwohnern () zu den bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands. Essen ist als bedeutender Industrie- und Wirtschaftsstandort Sitz bekannter Großunternehmen und mit der Universität Duisburg-Essen auch Hochschulstandort. Im Jahre 1958 wurde die Stadt Sitz des neugegründeten Bistums Essen.
Die auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurückgehende Stadt an der Ruhr ist Mitglied im Landschaftsverband Rheinland und der Hauptsitz des Regionalverbands Ruhr. Im Rahmen des Projekts RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas war Essen im Jahr 2010 stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas. Aufgrund der zentralen Lage im Ruhrgebiet wird Essen auch als „heimliche Hauptstadt des Ruhrgebiets“ angesehen.
Neben dem Stift Essen bestand das von Liudger um 800 gegründete Kloster Werden, ein Zentrum der spätantik-frühchristlichen Textüberlieferung. Heute erinnern das Essener Münster und die älteste erhaltene vollplastische Marienfigur des christlichen Abendlandes (Goldene Madonna) an die mittelalterliche Geschichte der Stadt. Im 14. Jahrhundert von Kaiser Karl IV. zur freien Reichsstadt erhoben, war Essen seit dem Spätmittelalter eine Waffenschmiede und stieg mit der Industrialisierung zu einem der wichtigsten Zentren der Montanindustrie in Deutschland (mit eigener Kuxbörse) auf. Nach massivem Rückgang der Schwerindustrie ab Mitte der 1960er Jahre hat Essen im Zuge des Strukturwandels einen starken Dienstleistungssektor entwickelt. Monumente der Industriekultur zeugen von der schwerindustriellen Vergangenheit, besonders das Weltkulturerbe Zeche Zollverein. Das Stadtbild ist auch durch markante Hochhäuser geprägt.
Mit dem Museum Folkwang verfügt Essen über eine renommierte Sammlung moderner Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Fotografien. Das nach Plänen von Alvar Aalto erbaute Opernhaus, die Folkwang-Universität der Künste, das Grillo-Theater, das Ruhr Museum und das Deutsche Plakatmuseum sind angesehene Kunst- und Kultureinrichtungen.
Nachdem Essen im Jahr 2010 Kulturhauptstadt Europas war, erhielt sie für das Jahr 2017 den Titel Grüne Hauptstadt Europas.
Geographie
Räumliche Lage mini|hochkant=1.5|Die Essener Skyline bei Nacht Essen liegt im Zentrum des Ruhrgebietes, zum größten Teil nördlich der Ruhr, die unter anderem zwischen den Stadtteilen Kupferdreh, Heisingen, Fischlaken und Werden aufgestaut den Baldeneysee bildet.
Essen befindet sich in der Metropolregion Rhein-Ruhr, einer Wirtschaftsregion und einem städtischen Ballungsraum im Westen Deutschlands. Die Region zählt zu den größten Verdichtungsräumen innerhalb der europäischen Megalopolis und ist somit der größte Ballungsraum in Deutschland. In den 20 kreisfreien Städten und zehn Kreisen der Region leben rund 14 Millionen Einwohner auf knapp 10.000 km² (Stand 2021). Etwa neun Millionen Menschen leben in einem Umkreis von 50 Kilometern um Essen. Essen ist eines der vier großen Zentren des Ruhrgebiets, neben Dortmund, Duisburg und Bochum.
Die mittlere Höhenlage der Stadt beträgt . Die höchste Erhebung des Stadtgebiets befindet sich mit in Heidhausen, die tiefste Stelle in Karnap misst . Der geografische Mittelpunkt Essens befindet sich in Rüttenscheid im Bereich Müller-Breslau-Straße und Wittenbergstraße. Die Lage der Stadt an der nördlichen Grenze der Mittelgebirge bestimmt den geographischen Bauplan Essens und des gesamten Ruhrgebietes, das eine deutliche Ost-West-Ausstreckung zwischen Ruhrtal im Süden über die Hellwegebene bis zur Emschertalung im Norden aufweist. Die beiden von Ost nach West verlaufenden Flüsse Ruhr und Emscher geben der Landschaft ihre eigene Prägung. Die aus dem Sauerland kommende Ruhr windet sich um die Hügel der südlichen Stadtteile und bildet Auenlandschaften sowie die Stauseen Baldeneysee und Kettwiger See. Die Emscher im Norden und parallel dazu der Rhein-Herne-Kanal verlaufen schnurgerade durch das Stadtgebiet und münden, wie die Ruhr, bei Duisburg in den Rhein.
Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 21 Kilometer und in West-Ost-Richtung 17 Kilometer. Die Länge der Stadtgrenze beläuft sich auf 87 Kilometer.
Gewässer Im gesamten Stadtgebiet befinden sich Bachläufe mit einer Länge von rund 275 Kilometern. Zu den bekanntesten Gewässern zählen im Norden die Emscher und der Rhein-Herne-Kanal sowie im Süden der Stadt die Ruhr mit dem Baldeneysee und dem Kettwiger See.
Im Norden der Stadt befinden sich die Bäche, die durch die Industrialisierung gekennzeichnet sind. Viele dieser Köttelbecken dienten der Abwasserentsorgung und werden im Zuge der Emscher-Renaturierung durch die Emschergenossenschaft nach und nach wieder in einen naturnahen Zustand versetzt. Durch die Renaturierung wird auch das Umfeld der Bäche aufgewertet. Zu diesen Bächen zählen der Borbecker Mühlenbach, die Berne, der Stoppenberger Bach sowie der Schwarzbach. Zu den Bächen, die ihren naturnahen Zustand behalten haben, zählen der Hexbach, der Barchembach und die Schönebecke.
Im Süden der Stadt fließen die Ruhr und naturnahe Bäche, die in großen Teilen in Landschaftsschutzgebiete eingebunden sind. Zu den größeren zählen der Hesperbach und der Deilbach, kleinere sind der Oefter Bach, der Schuirbach und der Wolfsbach.
Stadtgliederung mini|Karte der Essener Stadtteile/-bezirke und Nachbarstädte
Das Stadtgebiet Essens besteht aus neun Stadtbezirken. In jedem Stadtbezirk gibt es eine Bezirksvertretung mit jeweils 19 Mitgliedern. Vorsitzender der Bezirksvertretung ist der Bezirksbürgermeister. Die Stadtbezirke werden mit römischen Zahlen und mit einem besonderen Namen, der teilweise auch aus mehreren Stadtteilnamen besteht, gekennzeichnet.
Die neun Stadtbezirke sind in insgesamt 50 Stadtteile unterteilt. Die meisten der Stadtteile waren früher einmal selbstständige Gemeinden und verloren ihre Selbständigkeit durch Eingemeindungen. Die Stadtteile werden mit einer zweistelligen arabischen Zahl gekennzeichnet.
Aufgrund der naturräumlichen Gliederung ist das Essener Stadtgebiet hinsichtlich des Stadtbildes deutlich zweigeteilt zwischen den dicht besiedelten nördlichen Stadtteilen sowie den Bereichen um die Innenstadt herum einerseits und dem durch ausgedehnte Grünflächen und eher kleinräumige Bebauung geprägten südlichen Teil andererseits.
Nachbarstädte Folgende Städte grenzen an Essen (von Osten im Uhrzeigersinn): 20px|alt= Bochum 20px|alt= Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) 20px|alt= Velbert (Kreis Mettmann) 20px|alt= Heiligenhaus (Kreis Mettmann) 20px|alt= Ratingen (Kreis Mettmann) 20px|alt= Mülheim an der Ruhr 20px|alt= Oberhausen 20px|alt= Bottrop 20px|alt= Gladbeck (Kreis Recklinghausen) 20px|alt= Gelsenkirchen
Klima Die durchschnittliche Temperatur in Essen beträgt 11,3 °C im Jahresmittel. Der kälteste Monat ist der Januar mit 3,4 °C, der wärmste der Juli mit 19,7 °C. Die Niederschlagsmenge beträgt 866 Millimeter pro Jahr, wobei der meiste Niederschlag, mit 93 Millimetern, im Dezember fällt.
Geschichte Siehe auch: Liste der Bodendenkmäler in Essen
Vorgeschichte Das älteste Zeugnis menschlicher Aktivität in der Gegend des heutigen Stadtgebietes wurde 1926 beim Bau des Rhein-Herne-Kanals in Essen-Vogelheim gefunden: eine Klinge aus Feuerstein, die Vogelheimer Klinge, und der Knochen eines Höhlenlöwen aus der Saale-Kaltzeit, zwischen 280.000 und 250.000 Jahren alt. Weitere Funde aus der Mittleren Altsteinzeit konnten bis in die jüngste Zeit auch in anderen Stadtteilen gemacht werden (Werden, circa 200.000 Jahre alt; Dellwig, circa 160.000 Jahre alt). Ein bedeutender Fund war 1998 ein Rastplatz der jüngeren Altsteinzeit auf den Ruhrhöhen bei Fischlaken, der auf ein Alter zwischen 31.000 und 38.000 Jahren geschätzt wird.
Funde aus der mittleren Steinzeit gibt es, bis auf einige Mikrolithen, kaum. Aufgrund der intensiven Nutzung der Böden im Stadtgebiet gelten solche auch als nicht mehr zu erwarten. Ebenso fehlen Funde aus den größten Teilen der Jungsteinzeit, erst für die Zeit ab 3000 v. Chr. gibt es wieder Belege, zumeist Gräber oder Zufallsfunde wie Beile aus Feuerstein. Wichtigstes Zeugnis dieser Epoche ist die 1937 entdeckte sogenannte Steinkiste von Essen-Kupferdreh, ein kleines Megalithgrab aus dem letzten Abschnitt der Jungsteinzeit, das als „das älteste erhaltene Bauwerk Essens“Detlef Hopp: Essen vor der Geschichte – Die Archäologie der Stadt bis zum 9. Jahrhundert. In: Borsdorf (Hrsg.): Essen – Geschichte einer Stadt, 2002, S. 32. gilt.Detlef Hopp: Essen vor der Geschichte – Die Archäologie der Stadt bis zum 9. Jahrhundert. In: Borsdorf (Hrsg.): Essen – Geschichte einer Stadt. 2002, S. 21–57.
Essen lag im Siedlungsgebiet mehrerer germanischer Stämme (Chattuarier, Brukterer, Marser), deren genaue Abgrenzung allerdings schwierig ist.
Zu Beginn unserer Zeitrechnung entstand die Alteburg im Essener Süden, die in den 1920er und 1930er Jahren in großen Teilen ergraben wurde. Die Fliehburg wurde vermutlich bis zum 8. Jahrhundert genutzt. Östlich davon liegt die Herrenburg, die wohl aus dem 8. Jahrhundert stammt.
Stiftsgründung mini|hochkant|Moderne Statue des Hl. Altfrid vor der Essener Domschatzkammer. In der Hand hält Altfrid in Anlehnung an mittelalterliche Stifterbilder ein Modell des ersten Essener Münsters
Um 845 gründete eine Adelsfamilie um den späteren Bischof von Hildesheim, Altfrid, das Stift Essen für die Töchter des sächsischen Adels. Die Gründung geschah vermutlich auf eigenem Grund, genannt Astnidhi bzw. coenobium Astnide. Die beiden ersten Äbtissinnen, die beide Gersuith hießen, gehörten dieser Adelsgruppe an. Das Damenstift, wohin zur Feier der Messe Kanoniker kamen, war kein Kloster, sondern eine Art Wohn- und Bildungsstätte für unverheiratete Töchter und Witwen des Hochadels, die Äbtissin war als einzige zum Ablegen eines Keuschheitsgelübdes verpflichtet. In dem Gebiet, in dem das Damenstift errichtet wurde, gab es bereits vorher einige Gehöfte. Die Stiftskirche wurde nach einem Großbrand 946 erheblich erweitert; auf ihren Fundamenten steht heute das Essener Münster im Zentrum der Stadt. Das erste urkundlich belegbare Datum für Essen ist 898: Zu dieser Zeit wurden dem Stift vom lothringischen König Zwentibold linksrheinische Besitzungen vermacht. Eine Urkunde, welche scheinbar aus dem Jahr 870 stammt und die Stiftsgründung beschreibt, wird heute im Allgemeinen als Fälschung aus dem 11. Jahrhundert betrachtet; ob diese auf älteren Urkunden fußt, ist strittig.
Seit etwa 800 gab es etwas weiter südlich, im heutigen Stadtteil Werden, das Kloster Werden, ein vom Heiligen Liudger gegründetes Benediktiner-Kloster, das die Missionsarbeit bei den Sachsen im Harzraum (Helmstedt/Halberstadt) vorantreiben sollte. Beide, Damenstift und Kloster, standen bereits im vollständig christianisiertem Umfeld.
Eine der bemerkenswertesten Essener Äbtissinnen war Mathilde, die Enkelin des Kaisers Otto I. Sie übernahm die Stiftsleitung um 973 und lenkte die Geschicke des Stifts und der zugehörigen Ländereien fast 40 Jahre. Mathilde vermehrte den Kirchenschatz um seine wertvollsten Stücke, unter anderem die Goldene Madonna, die älteste vollplastische Madonnenfigur der Welt. Nach Mathilde übernahm Sophia die Stiftsleitung, ebenfalls eine Enkelin Ottos I. und Tochter Kaiser Ottos II.