Das Reichsbahnausbesserungswerk Dresden ist ein ehemaliges Ausbesserungswerk (Hauptwerkstatt) im Dresdener Stadtteil Friedrichstadt an der Peterstraße. Von 1894 an diente es der Instandsetzung von Wagen und zunächst auch Lokomotiven. Nach 1930 wurde ein neues Ausbesserungswerk an der Hamburger Straße errichtet. Nach der politischen Wende 1990 sank der Bedarf an zweiachsigen Güterwagen rapide und das Reichsbahnausbesserungswerk musste Mitte der 1990er Jahre schließen.
Lage Das erste Ausbesserungswerk, Werkstättenbahnhof genannt, befand sich 1894 auf dem Gelände des sehr großzügig angelegten Endbahnhofs der Berlin – Dresdner Eisenbahn mit den Umbauarbeiten eines Rangier- und Güterbahnhofs. Zwischen der Weißeritz und dem Ambrossufer (früher Weißeritzufer) und dem Rangierbahnhof Dresden-Friedrichstadt.Kaiß/Hengst: Dresdens Eisenbahn, Kapitel: Das Ausbesserungswerk Dresden-Friedrichstadt, S. 211ff. In den zwanziger Jahren erwies sich die Hauptwerkstatt als zu klein und war außer dem nicht erweiterungsfähig (besonders die zu kurzen Drehscheiben). In den Jahren 1933 bis 1939 entstand ein großzügiger RAW-Neubau südlich am Rangierbahnhof an der Hamburger Straße, Postanschrift Hamburger Straße 39b.Karlheinz Brust: Ausbesserungswerk Dresden-Friedrichstadt, Bundesverband Deutscher Eisenbahn-Freunde: Jahrbuch 1996 / Bundesverband Deutscher Eisenbahnfreunde e. V. (1996), S. 62–64.
Geschichte 1875 Der Berliner Bahnhof entsteht Mit dem Bau des Berliner Bahnhofs in Dresden-Friedrichstadt in den Jahren von 1873 bis 1875 entstand der letzte der Endbahnhöfe, neben dem Leipziger,- dem Schlesischen, - dem Albert - und dem Böhmischen Bahnhof. Dieser Zustand der einzelnen Endbahnhöfe dauerte bis zum Jahr 1888, als sich die Unwirtschaftlichkeit der getrennten Endstationen mit den zahllosen bedingten Wagenbewegungen untereinander zum Hemmnis wurde. Zumal ja jeder Endbahnhof über eigene Güterbahnhöfe, Wagenstätten und Dampflokbehandlungsanlagen verfügte. Hinzu kam noch der Kohlebahnhof, kombiniert mit dem Güterbahnhof Dresden Altstadt. In den Planungen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn wurden moderne Verbindungen der Endbahnhöfe zu einem Hauptbahnhof, ein Güterbahnhof und eine Stadtbahn berücksichtigt. Einen geeigneten Standort für einen Güter- und Rangierbahnhof fand man in Dresden-Friedrichstadt auf dem Gelände des Berliner Bahnhofs, welcher bereits ab 1890 für die neuen Pläne abgerissen wurde. Dieses Areal wurde vom Dresdner Stadtrat für die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie vorgesehen. Gleichzeitig, am 6. September 1890 begannen die Bauarbeiten für das erste 20-ständige Heizhaus (Rundschuppen) an der Peterstraße (heutige Behringstraße). Im Jahr 1893 entstanden noch zwei weitere 20-ständige Heizhäuser, diese drei wurden in das Bodenbacher Haus, das Chemnitzer Haus und das Leipziger Haus unterteilt. Nach sächsischer Manier verfügten die davor befindlichen Drehscheiben nur je ein Zufahrtsgleis zum jeweiligen Heizhaus. Westlich von der Waltherbrücke entstand ein für Königlich Sächsische Staatseisenbahn damalige Verhältnisse ein geräumiges und großzügiges Ausbesserungswerk (Eisenbahnwerkstätten). Die Werkstätten waren unterteilt in Wagenhallen und Lokomotivwerkstatt. Des Weiteren entstanden ein Verwaltungsgebäude, Versorgungsgebäude, Richthalle, Tischlerei, Schmiedewerkstatt, Senkgrube, Sandtrocknungsanlage, Dreherei, Sattlerei, Lackiererei und Glaserei, sowie eine Radsatz- und Kupferwerkstatt. Die Gleisanlage dazu verliefen diagonal zum Ablaufberg und konnte somit leichter bedient werden. Ein großer Fortschritt bedeuteten zwei in der Werkstatt befindliche Schubbühnen, mit denen die zu reparierenden Fahrzeuge in der Werkstatthalle transportiert werden konnten. Bei großen Reparaturbedarf wurde auch vor den Werkstattgebäude instand gesetzt. Ein dazu notwendiger Portalkran erleichterte die entsprechenden Reparaturleistungen. Vornehmlich vom Ablaufberg kamen die meisten Güterwaggons zur Instandsetzung.
1894 Bau der Eisenbahnwerkstatt Die neue Eisenbahnwerkstatt mit 53 Ständen und der großen Richthalle mit 180 Ständen wurde offiziell im November 1894 in Betrieb genommen. Instand gesetzt wurden alle im Direktionsbereich Dresden beheimateten Personen- und Güterwaggons und ebenfalls alle Regelspurlokomotiven der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn. Weiterhin wurden alle schmalspurigen Fahrzeuge und Wagons in der Eisenbahnwerkstatt unterhalten. Während des Ersten Weltkrieges stieg der Bedarf an Arbeitskräften für die Instandsetzung, so dass Ende 1919 über 2.190 Beschäftigte hier arbeiteten. Nach dem schweren Auffahrunfall vom 22. September 1918 in Dresden Neustadt kam die Werkstatt an ihre Grenzen und konnte nicht alle beschädigten Wagen reparieren und wurden daher abgestellt. Von den verunfallten Personenwagen wurden drei verschrottet, nur die Drehgestelle fanden nach der Aufarbeitung wieder Verwendung. Hinzu kamen die hohen Reparationsleistungen an die Sieger des Ersten Weltkrieges. Große Probleme bereiteten die vor den Heizhäusern befindlichen zwei 15 Meter beziehungsweise eine 18,5 Meter Drehscheiben, weil die moderneren Lokomotiven nun länger gebaut waren und nicht mehr auf die Drehscheibe passten. Weiterhin erfolgte in den nachfolgenden Jahren um 1922 ein Personalrückbau statt.
1920 Umstrukturierung nach dem Ersten Weltkrieg Am 1. April 1920, wurden auf Grundlage der Weimarer Verfassung, die ehemaligen Länderbahnen in eine neu gegründete vom Staat geführte Deutsche Reichseisenbahn überführt. Ab dem Jahr 1921 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Reichsbahn. Die Verwaltung der Reichsbahn übernahm zunächst das Reichsverkehrsministerium. Im Jahr 1924 wurde es aus dem Ministerium ausgegliedert und eigenständig als staatliches Unternehmen weiter geführt. Gleichzeitig folgte im Zuge der Umsetzung des Dawes-Plans die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Abkürzung DRG) als neu gegründete Betriebsgesellschaft, die die im Eigentum des Reiches verbleibenden Eisenbahnen betrieb. Gemäß dem Versailler Vertrag wurden alle Gewinne als Reparationszahlung verpfändet. Im selben Jahr erwirtschaftete das Dresdner Ausbesserungswerk mit einer höheren größeren Arbeitsleistung die vom Versailler Vertrages geforderten Reparationsleistungen an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Dazu wurden diverse Umstrukturierungen und Rationalisierungsmaßnahmen vorgenommen. Von hier aus erfolgte auch die Auslieferung des geforderten Reparationsmaterial an Lokomotiven und Güterwagen an die Siegermächte. Das Dresdner Ausbesserungswerk lieferte beispielsweise über 326 Dampflokomotiven diverser Baureihen. Zeitgleich erfolgte im Dezember 1924 eine Umbenennung der Friedrichstädter Hauptwerkstatt (HW) in Eisenbahn-Ausbesserungswerk und später im Jahr 1927 in Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW). Somit entfielen die Instandsetzungen von Personenwagen und Gepäckwagen und im Jahr 1931 entfiel auch die Instandhaltung der schmalspurigen Fahrzeuge und Wagons. Nach einer weiteren Umstrukturierung entschied sich die Reichsbahndirektion nur noch für die Instandhaltung von Güterwagen. Es wurden für die Lokomotiven bei Bedarf eine Schnell - bzw. Notinstandsetzung durchgeführt. Mit der Gründung der Reichsbahn Gesellschaft wurde nun aus der Heizhausanlage an der Peterstraße (heutige Behringstraße) das Bahnbetriebswerk (Bw) Dresden-Friedrichstadt. Es unterstand nunmehr dem Reichsbahn-Maschinenamt 2 Dresden. Die Heizhäuser erhielten die Bezeichnung 1 (vordem Bodenbacher Haus), Maschinen der Baureihe (BR) 55, Nummer 2 (vordem Chemnitzer Haus) für Maschinen der BR 58 und im Heizhaus 3 (vordem Leipziger Haus) waren die Tenderlokomotiven wie BR 94 untergebracht. Die neue Nummerierung erfolgte ohne dem Heizhaus des ehemaligen Berliner Bahnhofs an der Hamburger Straße. An den Dampflokomotiven orientierte man sich von den drei gekoppelten bis schließlich zu den fünf gekoppelten Lokomotiven der BR 57 und später der BR 58. Eine geplante Erweiterung des Bws mit einem Hochbunker für die Bekohlung an der Waltherstraße wurde nicht ausgeführt. Trotz der Möglichkeiten, das RAW zu erweitern und zu vergrößern, beschloss die Reichsbahndirektion Dresden am 8. April 1930 einen Neubau an der Hamburger Straße. Hauptgrund waren die Querungsfahrten der Bahnhofsgleise der Dampflokomotiven vom und zum Bw. Zudem hätte die Erweiterung Kosten von 2,7 Millionen Reichsmark für den Erwerb von Grundstücken in Anspruch genommen.
1930 Entstehung des neuen Bahnbetriebswerkes Die Reichsbahndirektion Dresden verhandelte mit der Stadt als Grundstückseigentümer den Erwerb eines als Industriegebietes geplantes Gelände und erreichte mit dem Abschluss einen günstigen Preis von 1,6 Millionen Reichsmark. Baukosten von 9,1 Millionen Reichsmark waren nun für das Bahnbetriebswerk Dresden-Friedrichstadt mit dem RAW-Neubau an der Hamburger Straße vorgesehen. Bis zum Jahre 1933 wurde das Gelände beräumt, außerdem musste das Heizhaus des Berliner Bahnhofs abgebrochen werden. Es sollte ein modernes Bahnbetriebswerk in der Zeit von 1934 bis 1937 entstehen mit einer sehr großen Instandhaltungshalle, einer Rechteckhalle, und innen zwei 23 Meter Schiebebühnen, für 81 Stände. Davon waren 71 Stände für Lokomotiven und einer gesonderten Werkstatt sowie 10 Stände für Waggons geplant. Die riesige Halle hatte fünf Einfahrten, davon zwei für die Schiebebühnen. Die Halle wurde mit den Schiebebühnen in Ostfeld und Westfeld gegliedert. Die äußeren Anlagen wurden ebenso großzügig bemessen mit zwei 23 Meter-Drehscheiben und einem 185 Meter langen Kohlenbansen mit Greiferdrehkran und einem Bekohlungshochbunker, das Ganze rundeten die sechs 44 Meter hohen Schornsteine ab. Ein dreigeschossiges Sozial- und Verwaltungsgebäude mit einem spitzen Dach sowie ein angrenzender Kulturbau entstanden direkt an der Hamburger Straße. Die Bauzeit verlängerte sich beträchtlich um drei Jahre. Am 30. November 1939 erfolgte ohne große Feierlichkeiten die Inbetriebnahme. Mit dem Jahr 1939 begann das Maschinenamt 2 die Verlegung des Hauptwerkstatt von der Peterstraße zum Ausbesserungswerk Dresden-Friedrichstadt Hamburger Straße. Zwischenzeitlich entstand die Situation, das beide Bahnbetriebswerke mit ihren Reichsbahnausbesserungswerken voll ausgelastet waren und dieser Zustand hielt bis 1945 an. Im Jahr 1939 wurden zwei Hilfszüge angeschafft und eine 25 Tonnen-Achs-Senkgrube sowie eine Außenwaschanlage fertig gestellt. Während des Zweiten Weltkriegs waren im RAW Friedrichstadt zahlreiche Ostarbeiter, aber auch Kriegsgefangene eingesetzt. Von September 1944 bis April 1945 arbeiteten durchschnittlich 500 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Flossenbürg hier, von einem SS-Kommando bewacht.International Tracing Service HQ: Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-occupied Territories, Arolsen, 1949, S. 238 und 1950, S. 560; Nachdruck in: Martin Weimann (Hrsg.): Das nationalsozialistische Lagersystem, Frankfurt/Main, 1998. Mindestens 79 Häftlinge starben in Dresden; ein Mahnmal am Emerich-Ambros-Ufer erinnert an sie.Wolfgang Benz und Barbara Distel (Hrsg.): Flossenbürg: Das Konzentrationslager Flossenbürg und seine Außenlager, Kapitel Dresden (Reichsbahnausbesserungswerk), S. 85 ff. Im Jahr 1940 wurde das Heizhaus 3 an der Peterstraße für Lagerzwecke genutzt.Lothar Weber: Reichsbahnausbesserungswerke der DDR, 2017 by transpress Verlag 70032 Stuttgart Folgende Lokomotiven waren 1937 im Ausbesserungswerk Dresden-Friedrichstadt beheimatet:
Bahnbetriebswerk Dresden-Friedrichstadt Lokomotivbestand 1937 Position Baureihen-Nr. Anzahl1 BR 55 122 BR 57 123 BR 58 364 BR 84 125 BR 86 126 BR 89 37 BR 91 88 BR 93 159 BR 94 1210 BR 98 611 Gesamt 129 Lokomotiven
Hinzu kommen noch Lokomotiven anderer Reichsbahndirektionen und Bahnverwaltungen. Kriegsbedingt änderten sich die Einsatzgebiete der stationierten Lokomotiven der Baureihen 55, 56, 57, 58, 91, 93 sowie 94 und im Jahr 1940 kamen die ersten Kriegslokomotiven der Baureihe 50