mini|Fachwerkhaus in der Schmalen Straße mini|Die heutige evangelische Kirche miniatur|Fachwerkstraße Breite Straße im Ort Hergershausen (im örtlichen Dialekt auch Hejeshause) ist nach der Kernstadt der größte der fünf übrigen Stadtteile in der Gemeinde Babenhausen im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie Lage Der Ort liegt im Landkreis Darmstadt-Dieburg in der ehemaligen Region Starkenburg an den ersten Ausläufern des nördlichen Odenwaldes, ca. 7 km nordöstlich von Dieburg, an der Gersprenz, auf einer Höhe von . Die Struktur des Haufendorfs mit meist giebelständigen Fachwerkhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts ist gut erhalten. Der Stadtteil Hergershausen besteht aus der Gemarkung Hergershausen. Innerhalb der Gemarkung liegt der Siedlungsplatz Langfeldsmühle.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Bronzezeit Abgesehen von Knochenfunden kann die erste Besiedelung Hergershausens in der Bronzezeit anhand von einem Grabhügel auf der Flur Haugsahl, westlich von Hergershausen, nachgewiesen werden. Die ersten Funde von Gegenständen stammen aus der Zeit der Urnenfelderkultur (1200–800 v. Chr.). Die Urnenfelderkultur zeichnet sich dadurch aus, dass die Toten nicht in Grabhügeln, sondern in Urnen durch verbrennen zu bestatten. So wurden folgende Keramikgegenstände in Brandgräbern gefunden: 5 Knickwandschalen einen Kegelhalsbecher einen Schulterbecher einen Zylinderhals eine 40,5 cm große Zylinderhalsurne

Aus der Latènezeit wurden in Hergershausen in der Nähe des Wasserwerkes ein Ring sowie zwei Langknochenfragmente gefunden. Einige dieser Gegenstände sind im Museum Schloss Fechenbach in Dieburg ausgestellt.

Römerzeit In der Römerzeit verlief eine Römerstraße durch die Gemarkung von Hergershausen, die das römische Kastell in Dieburg mit Seligenstadt verband. So wurden an den Straßen Richtung Eppertshausen und Sickenhofen sowie nördlich von Hergershausen Funde in römischen Urnengräbern gemacht. Der bedeutendste Fund war jedoch der Hergershäuser Priapus. Eine 25 cm große Terrakottastatue auf einem Postament stehend, mit einer Tunika bekleidet und einen mit Früchten gefüllten Korb in den Händen.

Mittelalter Ersterwähnung Hergershausen wurde soweit bekannt infolge eines Tausches von Zinseinkünften im Jahr 1260 erstmals erwähnt. Abt Rudolf aus dem Stift St. Alban vor Mainz tauschte die Zinseinkünfte von 2 Schillingen aus Heregerishusen und Großostheim mit den gleichwertigen, näher an Mainz gelegenen Einkünften des Juden Anselm mit dem Bart zu Mainz. Der Tausch wurde über das Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg abgewickelt. Die Urkunde ist beglaubigt mit dem Siegel von Abt Rudolf. Erwähnungen dieses Tausches finden sich auch im Nekrolog des Stifts (1267/68) und im Kammerzinsregister (1283).

Name Hergershausens Der Name Hergershausen leitet sich vermutlich von einem Haus oder einer sonstigen Siedlungsstelle eines Mannes namens Herigar ab. Dem Namen nach handelt es sich also vermutlich um eine karolingische Gründung (687–814 n. Chr.). In der Folgezeit wurde der Ort in historischen Dokumenten mit wechselnden Ortsnamen genannt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Heregerishusin (1260); Hergerishusin (1283); Hergershusin (1340); Hergirshusen (1355); Hergetshausen (1369); Hergershusen (1371); Hergirshusen (1388); Hirginshusen (1405); Herngeßhusen (1435); Hirgerßhußen (1467); Hergerßhausen (1545).

Mittelalterliche Geschichte Das Dorf gelangte vermutlich durch die Heirat von Adelheid von Münzenberg, Tochter Ulrichs I. von Münzenberg, mit Reinhard I. von Hanau, die vor 1245 stattfand (das genaue Jahr ist nicht überliefert), in Hanauer Besitz. Es gehörte zum Amt Babenhausen der Herrschaft und späteren Grafschaft Hanau, dann ab 1456 zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Außerdem gehörte es der Babenhäuser Mark an.

Eine der ältesten erhaltenen Erwähnungen des Dorfes stammt aus dem Jahr 1340, als Culmann und Hille Hartrad von Oswald, Johann und Hermann Groschlag eine Pfenniggülte von einem Pfund Heller zu Hergershausen erhalten. Jene Erwähnung galt vor Entdecken der neuen Ersterwähnung 1260 als Ersterwähnung Hergershausens. Schon damals war der Ort vermutlich also schon von Hanau an die von Groschlag zu Dieburg als Lehen vergeben.

1368 tauschten die Groschlage mit den Hanauer Grafen Rechte aus. So erhielten sie das Dorfgericht, das Herbergsrecht, die Atzgerechtigkeit und das Recht den Bannwein auszuschenken.

1426 liegt die erste Urkunde vor, in der Graf Reinhart II. von Hanau den Brüdern Heinrich und Henne von Groschlag Hergershausen als Mannlehen übergibt, mit all seinem Zubehör (Gericht, Äcker, Wiesen, Weiden und Untertanen).

1438 verpfändeten die von Groschlag das Lehen Hergershausen mit all seinem Zubehör und andere umliegende Orte an die Grafen Johann III. und Philipp I. von Katzenelnbogen. Erben der Grafen von Katzenelnbogen war die Landgrafschaft Hessen(-Darmstadt).

Die folgenden Jahre waren stets von Rechtsstreitigkeiten zwischen den Grafen zu Hanau-Lichtenberg und den Groschlags bestimmt, die jede Möglichkeit zu nutzen versuchten, mehr Rechte für ihr Lehen zu erhalten. So versuchte 1504 Oswald Groschlag sich von der Herrschaft der Grafen von Hanau-Lichtenberg zu lösen und sich unter die kurmainzische Herrschaft zu begeben. Er wollte die Gelegenheit nutzen, die sich durch den Tod Philipps des II. und die vom Kaiser ausgesprochene Reichsacht seines Sohnes Philipps des III. ergab. Das Vorhaben blieb nach der Aussöhnung Philipps des III. mit dem Kaiser Maximilian I. erfolglos.

Frühe Neuzeit 16. Jahrhundert Von 1510 bis 1552 erkauften die Bewohner von Hergershausen das Burgrecht in Frankfurt, was bedeutete, dass bei Gefahr, die Bewohner Hergershausens und Sickenhofens Schutz hinter der Stadtmauer Frankfurts suchen konnten. Warum genau das so weit entfernte Frankfurt ausgewählt wurde, ist unklar. Das Burgrecht wurde den Bewohnern Hergershausens und Sickenhofens nach 52 Jahren wieder entzogen, da sie ihren Verpflichtungen, unter anderem bei der Instandhaltung der Festung, nicht mehr nachkamen.

1544 trat Graf Philipp IV von Hanau-Lichtenberg offiziell zum lutherischen Glauben über und beauftragte noch im gleichen Jahr Erasmus Alberus, die Untergrafschaft Babenhausen und damit auch Hergershausen zu bekehren. Einige Hergershäuser gingen daraufhin in die protestantische Sickenhöfer Kirche, da in Hergershausen nur eine Filialkirche aus dem katholischen Dieburg bestand. Man kann daher etwa bis 1600 von einem Parallelbetrieb der Konfessionen sprechen.

1546 verzichtete Landgraf Philipp I. von Hessen für 2500 Gulden auf die Pfandrechte in Hergershausen und Sickenhofen, so dass die von Groschlag wieder voller Inhaber ihres Lehens waren. mini|Historische Karte von Hergershausen und Umgebung, die 1569 erstellt wurde Im Jahr 1547 wurde von dem katholischen Philipp von Groschlag ein Versuch gestartet sich und sein Lehen, darunter auch Hergershausen und Sickenhofen, mithilfe eines Freiheitsbriefes mit dem Siegel des Kaisers Karl des V. von dem protestantischen Grafen und Lehensherren Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg zu lösen. 1551 setzte sich Kaiser Karl V. zur Klärung der Angelegenheit vor dem Reichskammergericht ein. Die Angelegenheit wurde 1554 mit einem Vergleich zwischen Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg und Philipp von Groschlag beigelegt, der 1564 verstarb. mini|Karte der Mark Babenhausen und der Umgebung

17. Jahrhundert Im Dreißigjährigen Krieg nutzten die von Groschlag die Wirren des Krieges aus, um mehr Rechte zu erlangen. 1631 forderte Johann Philipp von Groschlag Frondienste von den Hergershäusern und Sickenhöfer Bürger, die jedoch gemeinsam diese verweigerten. Der Hergershäuser Michael Kratz wurde als Rädelsführer angesehen und kam für 10 Tage in Beugehaft an den Groschlagschen Hof in Dieburg. Der hanau-lichtenbergische Amtsmann stellte jedoch klar, dass diese Aktion ohne Einwilligung des Grafen geschehen war und deshalb nicht rechtens ist.

Von August bis Oktober 1631 zeigen Akten, dass die Orte Hergershausen und Sickenhofen 10 kaiserliche Reiter und die kaiserlichen Truppen von Oberstleutnant von Meuen und Oberst Ennet versorgen.

1632 vertrieben die Truppen des Grafen von Isenburg, der mit den Schweden verbündet war, die kaiserlichen Truppen aus der Mark Babenhausen.

1635 begann die Härteste Zeit für die Bürger Hergershausens. Mitte Februar quartierte sich eine Kompanie Schweden mit 60 Reitern in Babenhausen ein. Am 25. Februar 1635 wurde die Stadt von Graf Philipp von Mansfeld belagert. Die Belagerung blieb erfolglos. Ein letzter Sturmangriff erfolgte am 28. März 1635, dieser wurde jedoch von den Schweden zurückgeschlagen. Graf Philipp von Mansfeld zog daraufhin mit Verlusten von 350 Mann wieder ab, jedoch ließ er zuvor noch die Konfurter Mühle anzünden, was eine Hungersnot für die Stadt zur Folge hatte. Die Belagerung Babenhausens hat insofern eine Bedeutung für Hergershausen, da viele Bürger aus den umliegenden Dörfern in Babenhausen hinter den Stadtmauern Schutz suchten. Aus September 1635 liegt eine Liste des Amtes Babenhausen vor, in der 18 überlebende Hergershäuser namentlich genannt werden.

Ab 1636 stand das gesamte Amt Babenhausen und damit auch Hergershausen unter kurmainzerischer Besetzung. Der Kurfürst und zugleich Erzbischof von Mainz versuchte das Amt Babenhausen permanent in seinen Herrschaftsbereich aufzunehmen und dadurch eine Landverbindung zwischen dem kurmainzerischen Dieburg und der kurmainzerischen Zweitresidenz Aschaffenburg herzustellen. Nach langen Verhandlungen verließen jedoch die Mainzer 1647 das Amt Babenhausen wieder und Babenhausen gehörte wieder zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg.

1647 durchzog ein französisches Regiment Hergershausen und entwendete die letzte über dem Chor hängende Glocke der Hergershäuser Kirche.

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 waren große Teile der Mark Babenhausen verwüstet und mussten wieder aufgebaut werden. Es fehlte an Bargeld, Nahrung und Vieh. Die Region erholte sich nur langsam. Erst nach der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dürfte sich das Vermögen und die Bevölkerungszahl jener vor dem Krieg wieder angeglichen haben. Durch Graf Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg verlor Babenhausen den Status als eine Residenzstadt des Grafen, was die langsamere Entwicklung der Region noch beförderte.

1688 wurde in einem Vertrag zwischen Philipp Reinhard von Hanau-Münzenberg und Johann Philipp Ernst Freiherr von Groschlag klargestellt, dass sich das groschlagsche Recht nur auf der Südseite der Gersprenz erstreckt.

1698 wurde mit Bezug auf den Vertrag von 1688 die Gersprenz als Nordgrenze zwischen dem Amt Babenhausen und dem groschlagschen Lehen von Hergershausen und Sickenhofen festgelegt.

Neuzeit 18. Jahrhundert Im Jahr 1706 zogen russische Truppen durch Hergershausen, die von Schweden aus Sachsen vertrieben wurden.

Im Jahr 1709 schloss Johann Philipp Ernst Freiherr von Groschlag mit den Einwohnern von Hergershausen und Sickenhofen einen Vertrag über die jährlich zu zahlenden Steuern und die zu verrichtenden Frondienste. Durch diesen Vertrag wurde klar, dass sich die Groschlage längst nicht mehr ausschließlich als Lehensnehmer, sondern schon fast als Eigentümer der Dörfer sahen, da sie durch das Recht Steuern zu erheben sich ein fundamentales Landesrecht, welches eigentlich den Grafen von Hanau-Münzenberg zustehen würde, beanspruchten. So nannte sich Philipp Karl Anton Freiherr von Groschlag 1772 selbstbewusst Herr zu Hergershausen.

1711/12 wurde der Neubau der noch heute genutzten evangelischen Kirche geweiht.