Der KFC war eine Punk-Band aus Düsseldorf, die von 1978 bis 1982 existierte.

Für die Buchstaben „KFC“, die wie eine Abkürzung aussehen, ist keine besondere Bedeutung bekannt. In einem Blog-Beitrag von 2007 erklärt offenbar Bandgründer Tommi Stumpff, dass der Name sich aus einem Scherz aus seiner Schulzeit ableite.https://kfc-faq.blogspot.com/2007/06/wofr-standen-die-buchstaben-kfc.html In Zeitungsartikeln zu findende Bedeutungszuschreibungen wie „Katholischer Fanfarenchor“ oder „Kriminalitätsförderungsclub“ seien unzutreffend.https://www.ox-fanzine.de/interview/40-jahre-spaeter-kfc-8755

Geschichte Vorgeschichte 1976–1978 Die Band wurde im Herbst 1978 von Tommi Stumpff (Thomas Peters, 1958–2023) und Trini Trimpop (Klaus-Peter Trimpop) gegründet.

Peters, alias Stumpff, war in Paris und Brüssel aufgewachsen und hatte dort Gitarrenunterricht absolviert. Trimpop, der 1976 aus dem Sauerland nach Düsseldorf gezogen war, arbeitete als Erzieher in einem Kindergarten und hatte bereits 1977 mit seinem Mitbewohner, dem Kunststudenten Muscha, einen 30-minütigen Punk-Kurzfilm Blitzkrieg Bop auf Super 8 gedreht. Bei einem Ausflug nach New York besuchte er ein Konzert von Suicide, das ihn dazu inspirierte, nach seiner Rückkehr eine Band mit ähnlich provokantem, konfrontativem und kompromisslosem Auftreten zu gründen.Interview Trini Trimpop. In: Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Berlin 2007, Seite 143–144.

Die beiden lernten sich 1978 auf einer Party des ehemaligen Charley’s-Girls-Bassisten Peter Stiefermann kennen und gründeten ebendiese Band. Peters, der sich nun Tommi Stumpff nannte, steuerte den Namen KFC bei und holte seinen Bekannten, den Arztsohn Peter Hadamik (alias Zonker Davidson), als Bassisten dazu, während Trimpop seinen Kindergartenpraktikanten, den 19-jährigen Arztsohn Tobias Brink (alias Fritz Fotze), zum Kauf eines Schlagzeugs überredete.

Der KFC begann im Herbst 1978 im Keller von Muschas Wohnung in Unterbilk zu proben. Trimpop, der zunächst nur Saxophon spielen wollte, übernahm recht schnell den Gesang, während Zonker und Fritz Fotze ihre Instrumente erst von Grund auf erlernen mussten.

Urbesetzung mit Trini Trimpop 1978–1979 Das allererste Konzert sollte am 30. November 1978 in der Jazz- und Art-Galerie im Arminstraßen-Hochbunker in Gelsenkirchen zusammen mit Mittagspause, S.Y.P.H. und Male stattfinden, die Veranstalter drehten der Band jedoch wegen ihres provokanten Verhaltens sofort den Strom ab, riefen die Polizei und lösten die Veranstaltung auf, sehr zum Ärger der anderen Bands.In 2 Sätzen: Musikgruppen. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Lokalteil, 30. November 1978.Alfred Hilsberg: Deutsch-Punk im Winter '78/'79. In: Sounds-Magazin, Januar 1979, Seite 12.

Anfang 1979 wurde Bassist Zonker aus der Band geworfen, er wurde Steuerfachgehilfe und war im März 1981 die Hauptperson in einem Stern-Artikel über den Ratinger Hof.Evelyn Holst: Stern-Magazin, 3/1981, Seite 40–58.

Für ihn kam der 16-jährige Käpt’n Nuss, der sein erstes Konzert nur wenige Tage später am 16. Februar 1979 in Hamburg spielte.Bernward Malaka: (PDF; 4,5 MB) In: Heimatblatt-Fanzine Nr. 2, März 1979, Seite 4.Bernward Malaka: (PDF; 5,0 MB) In: Heimatblatt-Fanzine Nr. 5, Juni 1979, Seite 8.

Das erste Konzert in Eigenregie folgte am 4. April 1979 im Jazzkeller in Solingen, angekündigt wurde die Band vom Veranstalter als Hardrockband.Konzertplakat abgebildet in: Alfred Hilsberg: Aus grauer Städte Mauern (Teil 2) Dicke Titten und Avantgarde. In: Sounds, November 1979, Seite 26.Interview Tobias Brink. In: Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Berlin 2007, Seite 145.

Am 29. Juni 1979 trat der KFC beim In die Zukunft-Festival in der Markthalle in Hamburg auf, das von dem Musikjournalisten Alfred Hilsberg organisiert worden war.Interview Käptn Nuss. In: Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Berlin 2007, Seite 162–163. Die Band kam am besten von allen beim Publikum an, wurde gefeiert und in der deutschen Punkszene bekannt.Bernward Malaka: (PDF; 4,9 MB) In: Heimatblatt-Fanzine Nr. 6, August 1979, Seite 2.Punk bis zum Untergang. In: Sounds, August 1979, Seite 6. Gespräche mit dem Hamburger Fanzinemacher Kid P. über einen gemeinsamen Kurzfilm, in dem die KFC-Mitglieder die Hauptrollen spielen sollten,Diedrich Diederichsen: Die Russen kommen. In: Sounds, Mai 1980, Seite 18–19. führten jedoch zu nichts, da die Band im Herbst 1979 auseinanderfiel.

Der letzte Auftritt mit Trini Trimpop fand am 18. August 1979 auf dem Palaver-Straßenfest in Wersten statt.Bernward Malaka: (PDF; 5,0 MB) In: Heimatblatt-Fanzine Nr. 7, September 1979, Seite 3.

Im September 1979 warf Stumpff Trimpop aus der BandTrini Trimpop-Interview in SPEX, Mai 1981, Seite 19. und probte eine Zeitlang mit einem neuen Sänger namens HansiWolf-Dieter Lauenroth: (PDF; 3,9 MB) In: Heimatblatt-Fanzine Nr. 8, Oktober 1979, Seite 2.Alfred Hilsberg: Aus grauer Städte Mauern (Teil 2) Dicke Titten und Avantgarde. In: Sounds, November 1979, Seite 23., übernahm dann aber selbst den Gesang. Am 24. November 1979 gab es einen Auftritt zusammen mit Male und ZK auf einem Festival im Alten Schloss in Grevenbroich.Booklet zum Album ZK: Auf der Suche nach dem Heiligen Gral, Weser Label, 1996. Danach löste Stumpff die Band auf.

Als Schlusspunkt erschien im Dezember 1979 die Compilation In die Zukunft auf dem Hamburger Konnekschen-Label mit Liveaufnahmen vom gleichnamigen Festival. Der KFC war mit drei Songs vertreten, die einzige Veröffentlichung in der Originalbesetzung.

Besetzung 1980–1981 Auf Betreiben des Bassisten Käpt’n Nuss wurde der KFC zu Jahresbeginn 1980 neu belebt. Er holte den 20-jährigen BankierssohnInterview Tobias Brink. In: Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Berlin 2007, Seite 250. Michael Clauss (alias Micki Matschkopf) aus Oberkassel als neuen Gitarristen in die Band, während Stumpff sich nun ganz auf den Gesang und die Interaktion mit dem Publikum konzentrieren konnte, so zum Beispiel bei einem gemeinsamen Auftritt mit ZK in den Bonner Rheinterrassen im März 1980, bei dem er von der Bühne ins Publikum urinierte.Interviews Käptn Nuss, Fabsi. In: Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Berlin 2007, Seite 252.

Ein Auftritt auf dem Ungewollt-Punkfestival im Eschhaus-Zentrum in Duisburg am 16. August 1980 wurde wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen von etwa 150 Festivalbesuchern mit einem ebenso großen Polizeiaufgebot zwischenzeitlich unterbrochen, es gab sechs Festnahmen. Bei einem Auftritt in Oldenburg (Punk-festival) ging der Auftrittsort während des KFC-Auftritts in Flammen auf, eine große Polizeiaktion beendete das Konzert; ein Auftritt in Heidelberg endete mit einer blutigen Auseinandersetzung mit dem Publikum – all das brachte der Band ein "Krawall-Image" ein, das immer mehr "Schaulustige" anzog. Auch und gerade in Düsseldorf wurde die Band wegen ihrer Schlägereien und ihrer proletenhaften Provokationen von der Szene gemieden.

Am 9. Oktober 1980 trat der KFC als Vorgruppe von Siouxsie and the Banshees in der Stadthalle Köln-Mülheim auf, was bei Siouxsie-Fan Michael Clauss zur kurzzeitigen Ernüchterung führte: „Da standest du mit deiner dämlichen Punknummer, hast blöd geglotzt und kamst dir total dämlich vor.“Joachim Hiller: Nichts Tango 2009. In: Ox-Fanzine Nr. 87, Dezember 2009, Seite 50–51.

Bei einem Auftritt auf dem Schmier-Festival im Okie Dokie in Neuss am 2. November 1980 wurden vom Bayerischen Rundfunk zwar Filmaufnahmen gemacht, der Verbleib des Materials ist aber unbekannt.Wahrheit. In: SPEX, November 1980, Seite 6. Die einzigen bekannten Filmaufnahmen stammen von einem Auftritt im Jugendzentrum Picnic im bayrischen ErdingInterviews Tobias Brink, Campino, Fabsi. In: Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Berlin 2007, Seite 254. am 13. Dezember 1980, die im Oktober 1981 auf der VHS-Kassette 1980 New Wave Hit Explosion (Monte Video München) veröffentlicht wurden.Neuss/Neus/Neu/ In: SPEX, Oktober 1981, Seite 4. Zu sehen waren zwei Livesongs und Interviewschnipsel mit Stumpff und Clauss, in denen die beiden über die Konzeption von KFC-Auftritten Auskunft gaben:

Stumpff: „Wir reagieren auf jede kleine Tätigkeit aus dem Publikum her, ja? Wie sie auch sei. Und wenn überhaupt keine da ist, dann bleibt uns nichts anderes übrig als Gewalttätigkeiten zu provozieren.“ Clauss: „Mit der ganzen Provokation kommt’s mir darauf an, daß die Stimmung animalisch wird. Daß Triebe zum Vorschein kommen, animalische Triebe, Urtriebe – Aggressionen, Haß, Liebe. Adrenalinstöße, ja, das Böse […] Mir kommt’s darauf an, daß gefühlsmäßig das höchstmögliche Maß erreicht wird einfach!“

Ein Demotape wurde von sämtlichen Plattenfirmen abgelehnt,Thomas Buttler: Neue Welle ade? Deutsche Bands am Scheideweg. In: Musikexpress, Januar 1982, Seite 28–30. so dass es zunächst Gespräche mit Alfred Hilsberg gab, eine Single auf seinem neugegründeten Hamburger Schallplattenlabel ZickZack zu veröffentlichen.Alfred Hilsberg: Neuestes Deutschland. In: Sounds, Juli 1980, Seite 16.

Die Band beschloss jedoch, mit dem Neusser Plattenladen Schallmauer zusammenzuarbeiten und nahm im Juli 1980 im Arkana-Tonstudio des Flaming-Bess-Keyboarders Dieter Joswig ihre Debütsingle Kriminalpogo auf. Schallmauer veröffentlichte Kriminalpogo im September 1980Ab September: neue KFC-SINGLE. (Anzeige) In: SPEX, September 1980, Seite 5. auf dem eigens gegründeten Label Porno Pop. Die Single wurde jedoch in der Musikpresse nicht nur wegen ihrer schlechten Klangqualität kritisiert,Single-Rezension von Alfred Hilsberg und Kid P. In: Sounds, Oktober 1980, Seite 12. sondern wegen des als sexistisch empfundenen Covers (das von Kid P. gestaltet worden war) von einigen alternativen Plattenläden boykottiert. Die Single wurde nicht nachgepresst und wird heute als Sammlerstück gehandelt.

Ende September 1980 war der KFC mit vier Songs auf der Schallmauer-Compilation vertreten, der ersten Veröffentlichung des neugegründeten Neusser Schallmauer-Labels, das die Band nunmehr unter Vertrag nahm und eine erfolgreiche Kooperation mit dem Boots-Vertrieb einging. Der KFC-Beitrag wurde von Fans und Musikpresse als eindeutiges Highlight der Platte gefeiert.LP-Rezension von Alfred Hilsberg. In: Sounds, September 1980, Seite 64–65.

Die Band bereitete sich nun auf ihr erstes Album …letzte Hoffnung vor. Der Versuch, Conny Plank als Produzent zu gewinnen, führte zu nichts, sodass die Band die LP in ihrem Proberaum im Kultur-Schlachthof selbst aufnahm und im Studio Klangwerkstatt in Derendorf abmischte. Probleme mit dem Presswerk und dem Hersteller der Plattenhüllen führten zu VerzögerungenLP-Rezension von Xaõ Seffcheque. In: SPEX, Februar 1981, Seite 18., sodass das Album erst im neuen Jahr veröffentlicht werden konnte.