Die ARRI-Gruppe ist ein weltweit tätiger Anbieter von Technik und Dienstleistungen für die Film- und Medienwirtschaft mit Sitz in München. Der Name ist die Kurzform (Akronym) der ursprünglichen Firma Arnold & Richter. Niederlassungen existieren mit Stand Anfang 2026 in 16 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien. ARRI entwickelt, produziert und vertreibt professionelle Filmkameras, Objektive, Beleuchtung und Systemlösungen für die Medien- und Entertainmentbranche.

Im April 2026 wurde das Unternehmen von der Eigentümerfamilie Stahl an Thomas Riedel, Inhaber von Riedel Communications und der Riedel Group, verkauft.

Geschichte Anfänge (1914–1917) Bereits als Teenager begeisterten sich die beiden Schulkameraden August Arnold (1898–1983) und Robert Richter (1899–1972) für das Medium Film. 1914 bauten sie im Alter von 16 Jahren einen Kinoprojektor mit Handbetrieb auf Elektromotor um und fügten als hellere Lichtquelle eine selbst gebaute Bogenlampe hinzu. Außerdem ersetzten die beiden die 60-m-Trommeln durch eine selbst gebaute 300-m-Trommel.

1915 lernten Arnold und Richter den Münchner Filmpionier Martin Kopp kennen, bei dem sie als Assistenten arbeiteten, um bei ihm mehr über die Arbeit mit bewegten Bildern zu erfahren. Schon bald kauften sie eine Urban-35-mm-Kamera und nahmen Verbesserungen daran vor. Im gleichen Jahr trafen sie auf Peter Ostermayr, der am Karlsplatz in München ein Glas-Atelier für Spielfilm-Aufnahmen betrieb. Hier erlernten Arnold und Richter die Technik der Spielfilmherstellung.

Robert Richter studierte an der Technischen Hochschule München Maschinenbau und promovierte anschließend, August Arnold absolvierte von 1916 bis 1917 ein Studium der Elektrotechnik am Technikum Mittweida. Im Jahr 1961 erhielt Arnold die Ehrendoktorwürde der TU München.

Gründung und frühe Jahre (1917–1925) Am 12. September 1917 gründeten die beiden Entrepreneure die Firma Arnold & Richter, kurz ARRI. Das Akronym entstand aus den ersten beiden Buchstaben ihrer Nachnamen ARnold und RIchter. In einer ehemaligen Schusterwerkstatt in der Münchner Türkenstraße eröffneten sie einen Laden und dieser Standort blieb 100 Jahre lang die Firmenzentrale von ARRI. Zunächst waren die Geschäftsgegenstände „Filmaufnahmen“ und „der Betrieb eines foto- und film-chemischen Laboratoriums“. Um nicht auf fremdes Equipment angewiesen zu sein, entwickelte ARRI eigene Filmkopiermaschinen, Schneidegeräte, Scheinwerfer und Filmkameras.

Ab 1918 drehten Arnold und Richter als freiberufliche Kameramänner rund um München so genannte Isarwestern.Sueddeutsche.de: Filmfirma Arri – Keine Schraube locker, 8. September 2017 In dieser Zeit lernten sie im Münchner Studio Weiss-Blau auch die Geheimnisse der Lichttechnik kennen. Um nicht nur bei Tageslicht draußen zu drehen, sondern auch künstlich Innenräume auszuleuchten, brachte ARRI 1924 den ersten Spiegelfacettenscheinwerfer mit Glühlampe heraus, der von einem Flugzeugmotor in einem mobilen Generator angetrieben wurde. Im gleichen Jahr entwickelten Arnold und Richter auch ihre erste Filmkamera, die kleine und tragbare KINARRI 35.

Aufstieg und Anbiederung an den Nationalsozialismus 1926–1938 In den Gründungsjahren wuchs ARRI stetig: 1927 hatte die Firma 20 Mitarbeiter, fünf Jahre später waren es bereits doppelt so viele. Wenn August Arnold und Robert Richter ihre Technik nicht selbst für die Produktion von Filmen oder Beiträgen für die Wochenschau verwendeten, verliehen sie ihre Geräte gegen Gebühr an andere Filmproduzenten. Die Idee, Equipment zu verleihen, führte viele Jahre später zur Gründung von ARRI Rental, heute ein wichtiger Zweig des globalen Geschäfts von ARRI.

1928 entwickelte die Firma mit der KINARRI 16 die erste 16-mm-Kamera, eine Amateurkamera mit Handkurbel, die bald von einer fortschrittlicheren Version mit Federmechanismus abgelöst wurde. 1934 brachte ARRI eine mobile Tonkamera auf den Markt, die allerdings aufgrund von Patentproblemen nur für die Produktion von zwei Filmen verwendet wurde.

Seit 1927 filmte die Firma die Reichsparteitage der NSDAP und als diese in Deutschland die Macht übernommen hatte, biederte ARRI sich ihr mit Schreiben an, in denen man sich als alter Unterstützer der Partei präsentierte. Richter und Arnold traten beide 1933 der NSDAP bei. Man erhoffte sich von den neuen Machthabern Protektion, Aufträge und Empfehlungen der wieder neu begonnenen Spielfilmproduktion an die Gliederungen der Partei. Die Firma engagierte überzeugte Nazis als Regisseure und Drehbuchautoren, doch schon nach drei Filmen 1934/35 endete das Comeback der Firma als Produzent abendfüllender Spielfilme. Noch 1938 wurde ARRI damit beauftragt, einen Film über die Zerstörung der Alten Hauptsynagoge München zu drehen.

1937 präsentierte ARRI auf der Leipziger Frühjahrsmesse die ARRIFLEX 35, die erste Spiegelreflex-Filmkamera, die in Serie produziert wurde. Entscheidenden Anteil daran hatte Konstrukteur Erich Kästner, der den Spiegelverschluss in Filmkameras zur Marktreife brachte. Erstmals machte es die ARRIFLEX 35 möglich, durch den optischen Sucher ohne Parallaxenfehler den exakten Bildausschnitt und die Schärfenverteilung zu sehen. Das Konzept der Kamera wird bis heute in digitalen ALEXA-Kameras eingesetzt.

Zweiter Weltkrieg (1939–1945) In den Jahren ab 1939 war das deutsche Militär Großabnehmer für ARRIFLEX-Kameras, die für Propagandazwecke genutzt wurden. An die Filmindustrie durfte kaum mehr verkauft werden. ARRI zählte nicht als Rüstungsbetrieb; dennoch wurde 1942 die Produktion aus der Münchner Türkenstraße ins rund 70 Kilometer entfernte Brannenburg verlegt. Am 13. Juli 1944 wurde der Münchner Hauptsitz von Bomben der Alliierten komplett zerstört.

In den USA entstand während des Kriegs eine Kopie der ARRIFLEX, die Cineflex, die ebenso hauptsächlich für militärische Zwecke eingesetzt wurde. Nach 1945, als ARRI im von US-Streitkräften besetzten Bayern wieder ARRIFLEX-Kameras mit deutscher Präzisionstechnik liefern konnte, verschwand die amerikanische Kopie wieder vom Markt. Nach Kriegsende begann ARRI umgehend mit dem Wiederaufbau des Münchner Firmensitzes, der in mehreren Phasen umgesetzt wurde und am Ende etwa zehn Jahre dauerte.

1946–1989 1946 wurden etwa 70 Exemplare der ARRIFLEX 35 produziert. Insgesamt entstanden über die Jahre mehr als 17.000 ARRIFLEX-35-Kameras, die weltweit für die Produktion von Filmen verwendet wurden. Für das Design und die Entwicklung der Filmkamera wurde ARRI 1966 und 1982 mit zwei Scientific and Technical Academy Awards – also „Technik-Oscars“ – ausgezeichnet. Diese Academy Awards sind zwei von insgesamt 19 Oscar-Auszeichnungen, welche die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ARRI in den ersten 100 Jahren seines Bestehens verlieh.

1947 wurde eine im Krieg erbeutete ARRIFLEX-Kamera erstmals für die Produktion eines Hollywood-Spielfilms in den USA eingesetzt: Die schwarze Natter mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall. 1948 entstand mit der ARRIFLEX 35 II der Dokumentarfilm Louisiana-Legende von Filmemacher Robert J. Flaherty.

1952 brachte ARRI die ARRIFLEX 16 ST auf den Markt, die erste professionelle 16-mm-Kamera mit Spiegelverschlusstechnologie, die zunächst vor allem im wachsenden TV-Markt in den USA, später weltweit für die Nachrichten- und Sportberichterstattung eingesetzt wurde. Im gleichen Jahr stellte das Unternehmen den bislang größten Glühlampen-Scheinwerfer vor, den ARRI GIGANT 20 kW.

1955 startet ARRI offiziell sein Verleihgeschäft in Deutschland. Zunächst verlieh das Unternehmen hauptsächlich Kameras, später auch Licht- und Bühnen-Equipment. Mit Hilfe des Verleihs führte ARRI neue Produkte in den Markt ein; dies verbesserte auch die Absatzzahlen beim Verkauf und im Jahr 2002 wurde das komplette Verleihgeschäft von ARRI in der ARRI Rental Deutschland GmbH neu aufgelegt.

1957 eröffnete ARRI ein Farbdrucklabor in der Münchner Innenstadt, das mit Kopier- und Filmentwicklungsmaschinen aus eigener Herstellung ausgestattet wurde. 1958 baute das Unternehmen das ARRI-Kino in der Türkenstraße.

1965 kam mit der ARRIFLEX 16BL die erste geblimpte (schallgedämmte) 16-mm-Kamera von ARRI auf den Markt. 1972 folgte die ARRIFLEX 35 BL als leichte und leise Alternative zu den eher schweren und unhandlichen Kameras mit Blende. Ebenfalls 1972 stellte ARRI mit der ARRISONNE 2000 W die erste Tageslichtlampe vor. 1975 kam die ARRIFLEX 16SR auf den Markt, die über einen neu gestalteten Sucher mit einem Belichtungsmesser durch das Objektiv verfügte.

1977 gründete ARRI ein von Volker Bahnemann geführtes Tochterunternehmen in den USA, um näher ans Epizentrum der Filmindustrie in Hollywood zu rücken. Dort und weltweit in vielen weiteren Ländern wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Filmklassiker mit ARRIFLEX-Kameras gedreht. Beispiele sind Zwei glorreiche Halunken (1966), Easy Rider (1969), A Clockwork Orange (1971), Dieses Land ist mein Land (1976), Shining (1980) oder Full Metal Jacket (1987).

1979 folgte die Kamera ARRIFLEX 35 III, von der große Stückzahlen verkauft wurden. Im Lichtsegment entwickelte ARRI 1979 die Scheinwerferserie APOLLO Daylight Fresnel, deren Lampen bis heute an Filmsets genutzt werden.

1983 expandierte ARRI nach Großbritannien und 1985 eröffnete das erste Büro in Italien. In späteren Jahren folgten viele weitere internationale Standorte, etwa in Kanada (1994), Australien (2005) oder Hongkong (2008).

1989 stellte das Unternehmen die ARRIFLEX 765 vor, eine 65-mm-Kamera, die auch als Reaktion auf die wachsende Nachfrage der Industrie nach 70-mm-Kopien diente. Ebenfalls 1989 flog ARRI mit der US-Weltraumbehörde NASA ins All: ARRIFLEX-16-mm-Kameras nahmen an zwei Weltraummissionen der Raumschiffe Columbia (1989) und Atlantis (1990) teil.

1990–2009 Die ARRIFLEX 535 kam 1990 auf den Markt, gefolgt von der ARRIFLEX 535B und der ARRIFLEX 16SR 3 (1992) sowie der ARRIFLEX 435 (1994). Im Lichtbereich erschienen 1991 die ersten Scheinwerfer der Reihe ARRI Compact Daylight für die Arbeit an professionellen Filmsets.

1998 veröffentlichte das Unternehmen den Arrilaser, einen digitalen Filmbelichter, der in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) entwickelt wurde. Im gleichen Jahr brachte ARRI in Kooperation mit der Carl Zeiss AG die Objektive der Reihe Ultra Prime auf den Markt.

In den 1990er-Jahren übernahm ARRI die Firma Moviecam. 2000 kamen die Kameras ARRICAM-ST und -LT auf den Markt. Inzwischen steckte das digitale Zeitalter nach der Jahrtausendwende in seinen Anfängen: ARRI entwickelte 2003 seine erste Digitalkamera, die ARRIFLEX D-20, die später zur D-21 weiterentwickelt wurde. Diese Kamera verwendete einen 35-mm-CMOS-Sensor (anstelle eines CCD-Sensors) und ermöglichte es Kameraleuten, Standard-35-mm-Objektive zu verwenden.

Die Einführung des ARRISCAN 2004 bot neue Möglichkeiten für die Postproduktion von Filmen und schloss die Lücke zwischen analoger und digitaler Welt, Film und Daten. Das Gerät verfügte über einen 35-mm-Sensor zum Scannen von Kinofilmen mit einer Auflösung von bis zu 6K. Zunächst wurden Filme analog gedreht, in Echtzeit in Datendateien digitalisiert, bearbeitet, sortiert, zusammengesetzt und dann mit einem Arrilaser wieder auf Film ausgedruckt. In späteren Jahren wird der ARRISCAN vor allem für Filmrestaurierungsarbeiten eingesetzt.

2004 wurden mit einer ARRIFLEX 435 Filmaufnahmen auf dem Mount Everest gemacht, ohne dass die Kamera mit zusätzlicher Technik nachgerüstet werden musste.

2005 kam mit dem ARRIMAX 18/12 der bisher hellste Scheinwerfer von ARRI auf den Markt. Er verwendete ein Reflektorkonzept zur Strahlensteuerung, das den Einsatz von Streulinsen überflüssig machte. Im gleichen Jahr veröffentlichte ARRI die ersten Objektive der Reihe Master Primes, die eine hohe Auflösung, große Schärfe und ein kaum noch vorhandenes „Focus Breathing“ versprachen. 2007 folgten weitere Master Primes mit 14 mm und 150 mm Brennweite.