mini|Achim von Arnim(1781–1831) Die Kronenwächter ist ein Roman von Achim von Arnim, dessen erster Band 1817 in der Maurerschen Buchhandlung in Berlin erschien. Der zweite Band, ein Fragment, kam 1854 posthum bei T. F. A. Kühn in Weimar heraus.Lützeler, S. 619

Südwestdeutschland zu Anfang des 16. Jahrhunderts: Berthold und Anton erweisen sich als unfähige und unwürdige Nachfahren der Staufer.

Inhalt

Erster Band: Bertholds erstes und zweites Leben. Ein Roman

Erstes Buch Die Nacht zum Neujahrstag 1475Quelle, S. 354, 8. Z.v.o. in Waiblingen: Der neue Türmer Martin bekommt ein „Hochzeitgeschenk“ in seinen Eimer gelegt. Der Überbringer schreit hinauf: „Sei eingedenk deines Schwures, kein Turm ist zu hoch, kein Grab zu tief für Gottes Richterschwert und für unsern Pfeil.“ Martin, der Hildegard, die Witwe des alten Türmers, geheiratet hat, zieht den geschenkten Kasten in dem Eimer hoch und brummt: „Wäre ich nur nie bei den alten Mördern gewesen!“ Martin meint die Kronenwächter. Ihr Abgesandter reitet fort. In dem Kasten liegt ein etwa sechs Monate alter Knabe auf einem Totenschädel. In dem Schädel steckt etwas Blinkendes; so etwas wie ein Ring. Im Kasten liegen noch fünf Goldgulden. Das Kind gleicht einem Ritter, dem Martin erst vor einem knappen halben Jahr im Auftrag der Kronenwächter den Schädel gespalten hatte. Darauf hatte Martin den Dienst als Reisiger quittiert. Das kinderlose Türmer-Ehepaar zieht den Jungen groß. Er wird auf den Namen Berthold getauft. Später beschäftigt der Bürgermeister Steller den geschickten Jungen als Ratsschreiber. Berthold führt seinen Pflegevater in den verfallenen Palast des BarbarossaWaiblingen ist vermutlich der Geburtsort Barbarossas (oder Weingarten).. Der Jüngling will den Garten reinigen und auf den Trümmern bauen. Martin hingegen will Berthold, dem Abkömmling der Hohenstaufen, den Gebrauch ritterlicher Waffen zeigen. Dazu kommt es nicht. Ein Pfeil der Kronenwächter trifft den Türmer mitten ins Herz. Berthold ersteigert sich mit seinen fünf Gulden das Palastgelände. Das restliche Geld entnimmt er einem Schatz, den er im Palastgarten ausgegraben hat. In der Schatztruhe findet Berthold noch ein verrostetes Gürtelmesser. Der Griff ist als Drachenkopf gebildet. Berthold ist inzwischen zum „großen, rotwangigen Burschen“ herangewachsen. Bürgermeister Steller überrascht seine Tochter Apollonia, wie sie von Berthold derb abgeküsst wird. Apollonia muss zur Strafe ins Nonnenkloster. Das Mädchen wird der Liebling der Äbtissin. Berthold wird aus dem Rathaus geworfen. Mit seinem Münzenschatz errichtet der entlassene Schreiber auf der Palastruine ein Wohnhaus mit einer Weberei. Inzwischen geht er beim Prior des Augustinerklosters ein und aus. Dort begegnet er einem Besucher. Das ist ein Baumeister aus Straßburg. In dessen Gefolge befindet sich eine fremde Gräfin. Diese erzählt ihre Geschichte. Sie hatte einen Ritter geheiratet, den die Kronenwächter umbringen ließen, als er sich dem Kaiser anschließen wollte. Obwohl der Ritter mit seiner Gemahlin am Webstuhl gearbeitet hatte, war er der Meinung gewesen, durch Geburt gehöre ihm die Stauferkrone. Also war er, vorbei an den Kronenwächtern – zwölf alten, starken, geharnischten Männern – in die Kronenburg eingedrungen und hatte sich die Krone genommen. Die fremde Gräfin hatte einen Sohn zur Welt gebracht. Die Kronenwächter hatten darauf Feuer im Haus gelegt und abgewartet. Bei dem Brand war der Knabe zusammen mit der Krone entführt worden. Der Ritter war von einem gewissen Martin erschlagen worden. Berthold entnimmt aus der Erzählung, dass die Fremde seine Mutter ist und der von dem Pflegevater Martin Erschlagene sein Vater war. Berthold fördert aus dem Schädel des toten Vaters den „goldnen, schön geschuppten Trauring“ der Mutter. Diesen hatte die „fürstliche Mutter“ auf Verlangen des Sterbenden in das „blutig, gespaltne Haupt“ als „letztes Andenken“ gedrückt. Die Mutter übergibt dem Sohn den Ring. Er soll ihn einer würdigen Jungfrau – seiner künftigen Gattin – weiterverschenken. Der Straßburger Baumeister wirbt erfolglos um die Mutter. Sie bleibt in Waiblingen bei dem Sohne. Von Bertholds Pflegemutter Hildegard wird sie mit offenen Armen aufgenommen.

Zweites Buch Anno 1518Quelle, S. 354, 10. Z.v.o.: Berthold, inzwischen „über vierzig Jahre alt“, hat als Tuchmacher einen guten Ruf, ist reich geworden und zum Bürgermeister von Waiblingen aufgestiegen. Dabei fühlt er sich saft- und kraftlos. So lässt er Dr. FaustArnim beschreibt Fausts Auftritt, „als das feuerrote Gesicht des Arztes, mit weißblondem Haar und kahler Platte ausgestattet, gleich einem Vollmond in dem Zimmer des Bürgermeisters aufging.“ (Quelle, S. 116, 22. Z.v.o.) Faust wird zudem als starker Trinker beschrieben. (Quelle, S. 124, 16. Z.v.o.) kommen. Der Arzt unterhält sich mit dem Kranken lateinisch. Faust hilft. Der „Wundermann“ tauscht das Blut des Bürgermeisters mit dem eines Knaben Anton. Das ist ein „junger Bullenbeißer“ vom Lande. Das Dorf des starken Anton liegt sechs Meilen von Waiblingen entfernt. Der Junge hat sich heimlich in die Stadt geschlichen. Bertholds Pflegemutter Hildegard ist bekümmert. Nun, da der Bürgermeister nach der Bluttransfusion seine „Leibesschwäche“ überwunden hat, will er sich als Ritter auszeichnen und – verspätet zwar – eine Frau heimführen. Zudem brauchen die Waiblinger Aufträge für ihre Webstühle. Also begibt sich Berthold nach Augsburg. Anlässlich eines Reichstages gerät der ankommende Reiter in der Großstadt ins Gedränge der Schaulustigen. Nicht nur der Kaiser spricht ihn an. Berthold macht die Bekanntschaft der jungen schönen Anna und findet bei deren Mutter, der Frau Zähringer, Unterkunft. Für Anna weicht er dem Stechen der Ritter nicht aus. Berthold kauft sich tags zuvor eine Rüstung, gewinnt mit viel Glück während des Turniers einen silbernen Becher und reicht ihn der Dame seiner Wahl. Berthold hält um Annas Hand an und wird trotz des beträchtlichen Altersunterschiedes erhört. Frau Zähringer ist Bertholds Jugendliebe Apollonia. Zusammen mit ihrer Mutter folgt seine Braut Anna dem Bürgermeister nach Waiblingen. Zuvor hilft Berthold noch Luther, der sich in Augsburg mit Cajetan gestritten hatte, bei der Flucht aus der Stadt.

In Waiblingen durchstreift Anna das Haus ihres Bräutigams und nimmt dabei das Messer mit dem Drachenkopf aus der Schatztruhe an sich. Als Ehefrau wird sie es später am Gürtel tragen. Der alte Kronenwächter Kronenhelm kommt vom Schloss Hohenstock nach Waiblingen und überbringt dem Bürgermeister „vierzehn länglichte Glasfenster, oben als Spitzbogen geschnitten“. Die Geschenke der Kronenwächter, „Zeichen ihres Vertrauens“, leuchten in der Abendsonne und erzählen Geschichten vom alten schwäbischen König aus dem Hause Hohenstaufen.

Drittes Buch Berthold und Anna heiraten. Auf der Hochzeitsfeier bewirtet und beschenkt der Bürgermeister die Waiblinger Bürger. Anton, der von dem alten niederländischen Maler SixtAls junger Maler gehörte Sixt – zusammen mit dem Straßburger Baumeister – zur Begleitung von Bertholds Mutter, der Gräfin. Berthold erkennt Sixt im Zweiten Buch wieder und beschäftigt ihn als Künstler in Waiblingen (Quelle, S. 102, 33. Z.v.o. ff.). beschäftigt wird, malt im Auftrag Bertholds ein Marienbildnis an den Hausgiebel des Bürgermeisters. Dabei porträtiert der kecke junge Malergehilfe die am Morgen nach der Hochzeit noch im Bett liegende Frau Anna. Als die Malerleiter kippt, rettet sich Anton durch einen beherzten Sprung durchs Fenster in Annas Schlafzimmer. Die junge Frau bewirtet den sympathischen, hungrigen Eindringling. Als sich der alte Kronenhelm mit einem Geschenk der Grafen von Hohenstock von Anna verabschieden will, versteckt die junge Frau ihren Maler vor dem Kronenwächter. Anton berichtet Anna später, einstmals sei er Kronenhelm entflohen. Kronenhelm verabschiedet sich herzlich. Annas Mutter Apollonia entdeckt Anton in Annas Kammer. Die Mutter missversteht die Situation absichtlich, weil sie Berthold liebt. Das erkennt Anna und kämpft erbittert um den Ehemann. Apollonia bezieht ein eigenes Haus. Hildegard stirbt. Berthold meint, das Christuskind auf dem Marienbildnis gleiche Anton. Berthold hofft, dass er bald Besitzer des Schlosses Hohenstock wird. Kronenhelm hatte eine diesbezügliche Bemerkung gemacht. Anna sieht sich bereits als Schlossherrin. So drängt und überredet sie den Gatten zur gemeinsamen Inspektionsreise. Die beiden Besucher finden drei verschmutzte, heruntergewirtschaftete Schlösser vor. Eines davon gehört dem alten Rappolt. Das ist ein Graf aus Bertholds staufischer Linie. Anton ist einer der Söhne Rappolts. Der Junge wurde von den Kronenwächtern erzogen, konnte ihnen aber entfliehen. Graf Konrad von Hohenstock ist Antons Zwillingsbruder. Das Ehepaar kehrt in sein sauberes Waiblingen zurück. Anna erfährt, dass Berthold durch das Blut Antons genas. Anton beobachtet, wie Berthold immer einmal zu Apollonia geht.

Der Kaiser stirbt.Maximilian I. von Habsburg; † 12. Januar 1519 in Wels, Oberösterreich Anna bringt einen Sohn zur Welt. Das Kind ist ein Bild Antons. Das Gerede der Waiblinger will nicht verstummen. Auf Geheiß der Kronenwächter soll sich Bürgermeister Berthold dem Schwäbischen Bund anschließen. Berthold zieht aber an der Seite Herzog Ulrichs ins Feld, weil dieser Waiblingen Reichsfreiheit versprochen hatte. Das Kriegsglück ist auf der Seite der Kronenwächter. Waiblingen wird von den Truppen des Grafen Konrad von Hohenstock besetzt. Der Besatzer Konrad will seinen Bruder Anton nicht kennen.

Zwar kehrt Berthold noch einmal nach Waiblingen zurück, doch bald darauf verlässt er Anna, Apollonia und den Sohn. Wieder im Dienst der Kronenwächter, übernachtet er auf einer Reise nach Einsiedeln im Kloster Lorch. Dort, an der Ruhestätte seiner Vorfahren, der Hohenstaufen, wird Berthold bei einem Gewitter vom Blitz erschlagen.

Daheim in Waiblingen möchte Anna dem Gerede um den Vater ihres Kindes ein Ende machen. Sie will einen Aufenthalt Antons bei Dürer in Nürnberg finanzieren. Dazu kommt es nicht. Graf Konrad wirbt um Anna. Konrad zieht während einer Auseinandersetzung das Messer mit dem Drachenkopf aus Annas Gürtel und verletzt damit den Zwillingsbruder schwer. Anna bangt um Antons Leben. Die Waiblinger Bürger vertreiben den Grafen Konrad aus der Stadt. Dr. Faust entführt Annas Kind und übergibt es dem Grafen Konrad. Apollonia geht ins Kloster.

Zweiter Band: Der Anton-Roman Material des von Bettina von Arnim höchstwahrscheinlich stark bearbeitetenVordtriede, S. 334, 4. Z.v.o. zweiten Bandes waren „viele ungeordnete Zettel“Vordtriede, S. 334, 9. Z.v.o., also „wenig geformte, skizzierte Niederschriften“Böttcher, S. 290, 13. Z.v.u. aus der Feder des zu früh verstorbenen Ehegatten.Zweiter Band Der Text bei Zeno.org

Anton gesundet und wird Annas zweiter Mann.Quelle, S. 337–341 Mit seinem Lebenswandel bringt er ihr Vermögen durch und läuft zu den Landsknechten. Mit ihnen zieht er ab 1519 während der ersten Bauernunruhen abenteuernd durchs Land und lernt unterwegs den unsterblichen Halbbruder Fabian und auch seinen Vater, den Grafen Rappolt von Stock, kennen. Vom Vater erfährt er eine Gemeinsamkeit mit Berthold. Beide – sowohl Berthold als auch Anton – sind Nachkommen der Hohenstaufen. Dann ergibt sich noch, Krone und Schatz der Hohenstaufen werden in der Kronenburg von den Kronenwächtern bewacht. Annas Kind aus erster Ehe heißt Oswald. Zusammen mit Anton bekommt sie noch den kleinen Anton. Der Kleine verschuldet im Spiel Oswalds Tod. Anton kämpft gegen Gott und die Welt, erblindet und gewinnt im Kampf gegen einen Drachen das Augenlicht wieder. Im Bauernkrieg ficht er in Metzlers Bande, wendet sich gegen die Kronenwächter und zerstört zusammen mit den kriegerischen Bauern die Kronenburg. Die Kronenwächter fallen. Graf Rappolt will die Krone zerschlagen. Vergeblich – „die deutsche Kaiserkrone kann niemand zertrümmern“.Quelle, S. 341, 23. Z.v.o. Anton stirbt zusammen mit Susanna, seiner neuen Gemahlin.

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