Salzberg ist eine Gemarkung im Markt Berchtesgaden im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land.Amtsbezirk des ADBV Freilassing, PDF (Kennziffer und Bezeichnung der Gemarkung Salzberg ab Zoomfaktor 200 gut erkennbar), online unter geodaten.bayern.de Bis zum 31. Dezember 1971 bestand die Gemeinde Salzberg.
Zugleich bezeichnet Salzberg auch den auf rund 1000 Meter Höhe ansteigenden BergrückenSiehe auch Adolf Bühler: Berchtesgaden und seine Umgebung von Adolf Bühler, 1870. S. 16 via der Ortsdatenbank des bavarikon bzw. Vorberg des Kehlsteins,Volker Dahm: , historisches Essay als Presse-Info der Dokumentation Obersalzberg vom 1. November 2001, online unter obersalzberg.de auf dem sich zwei Gnotschaften verteilen, die seit 1972 Gemeindeteile von Berchtesgaden sind.
Gemarkung Lage und Gliederung mini|Gemarkungen in Berchtesgaden mit der Gemarkung Salzberg
Die Gemarkung Salzberg (Kennziffer: 099964) hat eine Fläche von etwa 1683,23 Hektar., online unter geolytics.de Sie liegt vollständig auf dem Gemeindegebiet des Marktes Berchtesgaden.
Die Gemarkung Salzberg grenzt im Norden an die Gemarkung Schellenberger Forst, im Osten an die Gemarkungen Au und Eck, im Süden an die Gemarkungen Forst Königssee und Königssee und im Westen an die Gemarkungen Schönau, Berchtesgaden, Bischofswiesen und Maria Gern.
Auf ihr liegen sechs Gnotschaften, die zum Zeitpunkt der Volkszählung vom 25. Mai 1987 zusammengenommen 1988 Einwohner hatten (in Klammern die Einwohnerzahlen im Einzelnen).
Anzenbach (123) Metzenleiten (174) Mitterbach (681) Obersalzberg (267) Untersalzberg I (503) Untersalzberg II (240)
Geschichte Gnotschaft Berg mini|Die Gnotschaftsbezirke von Salzberg auf einer Karte von 1826
Im Zuge des 1377 ausgestellten Landbriefs von Propst Ulrich WulpJoseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, ab S. 27 f. wurde Pherg bzw. Berg (ab 1818: „Salzberg“) mit den bis 1817 namenlosen sechs „Gnotschaftsbezirken“ Anzenbach, Metzenleiten, Mitterbach, Obersalzberg, Untersalzberg I und Untersalzberg II vermutlich schon ab Ende des 14. Jahrhunderts zu einer der acht „Urgnotschaften“ des Berchtesgadener Landes. Die Gebietsfläche des Berchtesgadener Landes entsprach ab 1155 dem Kernland des Klosterstifts Berchtesgaden, das 1380 zur Reichsprälatur Berchtesgaden und 1559 zur reichsunmittelbaren Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben worden war. Erste schriftliche Erwähnung als Gnotschaft findet Berg im ersten Steuerbuch des Berchtesgadener Landes von 1456.Zum Steuerbuch siehe Manfred Feulner: , im Auftrag der Blaskapelle Maria Gern. Literatur und Quellen: berchtesgadeninfo.de, Marktarchiv Berchtesgaden, Abt. Maria Gern.Dieter Albrecht: Fürstpropstei Berchtesgaden – Statistische Übersicht nach dem Stand von 1698. I. Land- und Pfleggericht Berchtesgaden. Kapitel: Gnotschaft Gern In: Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 7, München 1954, S. 25, 26.
Bereits ab 1190 wurde im Pherg am Golmbach (Untersalzberg II) nach Salz gegrabenHellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Ergänzungsband I, S. 196, 445. und 1517 mit dem Anschlagen des „Petersberg-Stollen“ das Salzbergwerk Berchtesgaden durch Fürstpropst Gregor Rainer begründet.Geschichte – Die Anfänge des Salzbergbaus in Berchtesgaden; hier wird zudem bereits für das Jahr 1193 eine Salzgewinnung am Tuval im benachbarten Schellenberg genannt, online unter salzbergwerk.de. → Siehe zu diesen Absätzen auch den Abschnitt: Geschichte in Fürstpropstei Berchtesgaden
Nach der Säkularisation von 1803 verlor das Berchtesgadener Land seine politische Eigenständigkeit als Fürstpropstei, darauf folgten kurz hintereinander drei Herrschaftswechsel. 1810 wurde das Berchtesgadener Land schließlich dem Königreich Bayern angegliedert,Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 3, ab S. 121 f. und aus Berg eine Gemeinde, die erstmals in einer namentlichen Auflistung ihrer Gemeindevorsteher und Bürgermeister von 1818 als Gemeinde „Salzberg“ bezeichnet wird.Zur Bürgermeisterliste siehe A. Helm, Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 286–288; A. Helm zitiert hier auch eine Bevölkerungsstatistik, in der die Gemeinde noch 1812 unter der Ortsbezeichnung „Berg“ aufgeführt wird. Die bisherigen Gnotschaftsbezirke werden seither bis zum heutigen Tag als „Gnotschaften“ bezeichnet. Die Gnotschaften Anzenbach und Metzenleiten waren 1817 für ein Jahr Ortsteile der Gemeinde Gern und ab 1818 wieder mit Salzberg verbunden. → Siehe zu diesem Absatz auch den Abschnitt: Nach der Säkularisation in Fürstpropstei Berchtesgaden
Gemeinde Salzberg mini|Grenzen der ehemaligen Gemeinde Salzberg (Kartenausschnitt von 1896) mini|Das Salzbergwerk Berchtesgaden
Am 1. Januar 1887 trat die Gemeinde Salzberg an Berchtesgaden 16 Häuser ab, darunter das Schloss Adelsheim.A. Helm, Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 286.
Wiewohl oder gerade weil die beiden damals noch getrennten Gemeindegebiete weitläufig miteinander verzahnt waren und sich die Gemeindegrenze ab der Gnotschaft Mitterbach und den Gerer Bach entlang in einem weiten Bogen von Südosten Richtung Norden bis zur Hilgerkapelle um den alten Marktkern Berchtesgaden zog,Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Ergänzungsband I, S. 196. gab es zwischen dem Markt Berchtesgaden und der Gemeinde Salzberg seit dem 19. Jahrhundert Spannungen. Diese Spannungen boten unter anderem noch Ende der 1920er hiesigen Jugendlichen immer wieder den Vorwand, sich als „Markterer“ und die „Salzberger“ gegenseitig zu schlagen.Siehe Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Ergänzungsband I, S. 197–198.
Bereits während der NS-Zeit sollte Salzberg im Zuge der Errichtung des „Führersperrgebiets“ in der Gnotschaft Obersalzberg in eine dann „Große Marktgemeinde Berchtesgaden“ eingemeindet werden, was jedoch bis Kriegsende nicht vollzogen wurde. Als nach der Befreiung vom Nationalsozialismus die amerikanische Besatzungsmacht an den Plänen der Eingemeindung festhalten und für Salzberg keinen eigenen Bürgermeister aufstellen wollte, wurde dies von der Bevölkerung in einem Schreiben vom 12. Mai 1945 an den Landrat Jacob u. a. mit dem Verweis auf die nationalsozialistischen Wurzeln dieser Bestrebung und der wirtschaftlichen Eigenständigkeit heftig abgelehnt und erfolgreich abgewehrt.Siehe Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Ergänzungsband I, S. 198.
Eingebettet in diese spannungsreiche Gemengelage erläutert Hellmut Schöner auch: „Gemeindeverwaltung und Schule waren eine Enklave inmitten von Berchtesgaden“, d. h. die Gebäude der Salzberger Gemeindeverwaltung befanden sich nicht in Salzberg, sondern auf dem Gemeindegebiet von Berchtesgaden (bis 1954 zusammen mit der Salzberger VolksschuleZur Salzberger Schule siehe Schulgeschichte von Berchtesgaden sowie in Hellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Ergänzungsband I, 1982, S. 102, 286.).
Die Gemeinde Salzberg umfasste die unter Lage und Gliederung genannten Gnotschaften bzw. Ortsteile und hatte im Jahr 1964 eine Fläche von 1381,87 Hektar, die damit noch um gut 300 Hektar kleiner war als die dann um den Anteil am Forst Königssee erweiterte Gemarkung.
Wappen
Gemeindevorsteher/Bürgermeister GemeindevorsteherA. Helm, Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 287, 288.Hier wird explizit für die bis 1929 gewählten Orstvorstehen zwischen „Gemeindevorsteher“ und „Bürgermeister“ unterschieden. 1818–1821 Wolfgang Graßl (Anzenbach) 1821–1824 Josef Angerer (k. A.) 1824–1842 Wolfgang Graßl (Anzenbach) 1842–1848 Johann Angerer (k. A.) 1848–1854 Erasmus Hasenknopf (Weinfeld) 1854–1857 Georg Pfnür (k. A.) 1857–1860 Anton Gschoßmann (Miesl) 1860–1866 Thomas Hochbichler (Lenzer) 1866–1870 Sebastian Pfnür (k. A.)
BürgermeisterHellmut Schöner: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Ergänzungsband I, S. 197. 1870–1879 Andreas Lochner (Engerei) 1879–1881 Anton Stocker (Kropfleiten) 1882–1887 Sebastian Pfnür (Anötzlehen) 1888–1893 Josef Hölzl (Tanzeben) 1894–1905 Georg Hölzl (Hintereck) 1906–1919 Michael Rasp (Oberkilian) 1919–1933 Franz Brandner (Oberwembach) 1933–1945 Georg Semmler (Haus Sonnwend) 1945–1952 Josef Hallinger (Maurerlehen) 1952–1971 Anton Brandner (Haus Bergwald)
In Salzberg geboren Karl-Otto Ambronn (* 1939), Archivar und Heimatforscher Franz Fegg (1954–2016), Fußballspieler und -trainer Hartmut Graßl (* 1940), Klimaforscher Martin Güll (* 1953), Politiker (SPD), von 2008 bis 2018 Abgeordneter des Bayerischen Landtags Ernst Hallinger (1905–1977), war ein österreichischer Politiker deutscher Herkunft und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) Peter Öttl (* 1965), deutscher Motorradrennfahrer Robert C. Rore (* 1954), Maler und Zeichner. Christa Schmuck (1944), Rennrodlerin Alf Schuler (* 1945), Künstler (Bildhauerei, Objekte, Wandstücke, Bodenarbeiten, Zeichnungen, minimalistische Formen) Thomas Schwab (* 1962), Rennrodler und Bundestrainer der Rennrodler Bartholomäus „Bartl“ Wimmer (* 1960), Mitbegründer der Synlab-Gruppe, Regionalpolitiker Bündnis 90/Die Grünen
Seit der Eingemeindung nach Berchtesgaden Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Salzberg zum Jahresende 1971 aufgelöst und in den Markt Berchtesgaden eingegliedert.
Am 1. Januar 1984 wurde das gemeindefreie Gebiet Forst Königssee aufgelöst, und ein kleinerer Teil mit einer Fläche von 309,19 Hektar kam zur Gemarkung Salzberg. Der große Rest mit 4574,69 Hektar kam als eigene Gemarkung zur Gemeinde Schönau am Königssee.
Das unterirdische Rohrsystem, in dem der in Obersalzberg entspringende Gollenbach an der so genannten „Gollenbachbrücke“ in die Berchtesgadener Ache mündet, musste 2014 nach einer durch Hochwasser bedingten Verstopfung der Anlage im Juni 2013 neu gebaut werden.Berchtesgaden: Unterirdisches Rohrsystem für Gollenbach gebaut. salzburg24.at, 22. März 2014.
Einrichtungen/Bauwerke
mini|Maria am Berg
Mit der Zugehörigkeit zu Bayern ab 1810 wurden im Rahmen des bereits seit 1802 in Bayern bestehenden Schulzwangs für die Kinder der Salinenarbeiter am 16. November 1811 spezielle Salinenschulen errichtet.Zum Schulbesuch ab 1811 – Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 323 oben. Bis 1906 besuchten die Salzberger Kinder die Schule im Markt Berchtesgaden (Haus Nr. 103, das ehemalige Mautgebäude in der Nähe des Neuhausbogens).Zum Schulbesuch bis 1906 – Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 323, Stichwort Schulhaus. 1906 wurde dann an der Schießstättstraße eine eigene Volksschule für die Kinder aus Salzberg erbaut, deren Räumlichkeiten jedoch bereits von 1942 bis 1984 im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung erneut gemeinsam mit der Berchtesgadener Marktschule genutzt wurden. In der einstigen „Volksschule Salzberg“ ist jetzt ein Kindergarten untergebracht.mittelschule-berchtesgaden.de Chronik der Berchtesgadener Mittelschule zur SalzbergschuleZum Schulbesuch ab 1906 – Berchtesgaden im Wandel der Zeit, S. 323, Stichwort Schulen. 1903 wurde in der Salzberger Gnotschaft Anzenbach ein „Distriktkrankenhaus“ eröffnet, das 1919 in „Bezirkskrankenhaus“ umbenannt und 1962 mit einem Neubau als „Kreiskrankenhaus Berchtesgaden“ eingeweiht wurde. Nach der Eingemeindung erneut saniert, firmiert dieses Krankenhaus heute als Teil des Verbundes Kliniken Südostbayern unter dem Namen „Kreisklinik Berchtesgaden“. Dem Standort dieses Krankenhauses ist es zu verdanken, das Salzberg bis zu seiner Eingemeindung zum standesamtlich beurkundeten Geburtsort der meisten Einwohner des Berchtesgadener Talkessels wurde.Die Geschichte der Fachklinik Berchtesgaden Chronik des einst in Salzberg gelegenen „Kreiskrankenhauses Berchtesgaden“, online unter kliniken-suedostbayern.de