Die Kammerburg ist die Ruine einer Spornburg nordöstlich der Stadt Lorch im Mittelrheintal im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen.

Geografische Lage Die Ruine der Burg liegt im östlichsten Zipfel der Gemarkung von Lorch zwischen dem Wispertal und dem Werkerbachtal auf einem Bergrücken bei in südöstlich gerichteter Spornlage über der Wisperstraße. Nur 500 Meter entfernt in nordwestlicher Richtung und 75 Meter höher liegt Burg Rheinberg.

Geschichte Die Burg wurde erstmals 1304 urkundlich erwähnt und vermutlich um 1295 vom Erzstift Mainz als Belagerungsburg gegen die Burg Rheinberg erbaut.

Ab 1304 war der Ritter Johann von Rheinberg im Auftrag des Trierer Erzbischofs acht Jahre Burgmann auf der Burg. Die Burg diente im Spätmittelalter dem Erzstift Mainz häufig als Pfandobjekt und schützte das Rheingauer Gebück, eine Landwehr, die hier das Wispertal überquerte.

Im 15. Jahrhundert verlor die Burg ihre strategische Bedeutung, war ab 1483 nur noch von einem Knecht besetzt und wurde noch vor 1500 als Wehranlage aufgegeben, als sie vermutlich schon unbewohnbar war.

Im 16. Jahrhundert gelangte die ruinöse Burganlage in den Besitz der niederadeligen Familien von Rüdesheim, Blankenheim und der Pfalzgrafen, war ab Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Zwierlein aus Geisenheim und gelangte später an die Reedereifamilie Haniel.Notizen aus dem Stadtarchiv 151, Beiträge zur Rüdesheimer Stadtgeschichte. Hrsg.: Stadtarchivar Rolf Göttert

Anlage Von einem 10 mal 11 Meter großen inneren Bering mit einer im Norden nach der Burg Rheinberg gerichteten Schildmauer und einem Bergfried mit Tor sind nur noch geringe Reste erhalten. Im Westen und Süden war dem Bering vermutlich ein offener Zwinger vorgelagert.

In den 1960er Jahren wurden der Vorburgbereich durch ein Wohnhaus überbaut. Die Ruine ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

Sonstiges Landsitz Kammerburg mini|Landsitz Kammerburg: Blick auf das Haupthaus, errichtet im Jahr 1912 als Neubau Kammerburg In der Wisperschleife nicht weit der Burg wurde 1912 von der Besitzer-Familie der Burg Kammerburg der Landsitz Kammerburg erbaut, welches auf einem weitläufigen parkähnlichen Grundstück mehrere Gebäude umfasst. Das Hauptgebäude wurde als Neubau Kammerburg errichtet (genannt auch als Kammerburg, Villa Kammerburg, Haus Kammerburg, Haus Rheinberg und Neue Villa). An der Einfahrt zur Liegenschaft wurde das Verwalter-Wohnhaus Kammerburg errichtet und weiter im Park ein Landhaus mit einer Kegelbahn. Sowohl die Villa als auch das Verwalter-Wohnhaus sind als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.

Gasthaus Zur Kammerburg mini|Gasthaus Kammerburg unterhalb der Ruine Direkt unter der Nordostseite der Kammerburg liegt im Tal das Gasthaus zur Kammerburg und die Einmündung der von Wollmerschied kommenden Kreisstraße K 625 in die Wisperstraße. Das Gasthaus Kammerburg hat eine 125-jährige Tradition und wurde bereits im Jahr 1900 als Gastwirtschaft unter dem Namen "Zur Kammerburg" gewerblich genehmigt. Seit mehr als einem halben Jahrhundert wird das Gasthaus im Volksmund "die Kammerburg" genannt.

Vorkommen von Mauereidechsen Auf der Burg gab es früher ein Vorkommen der Mauereidechse.Annette Zitzmann & Andreas Malten: Landesmonitoring der Mauereidechse (Podarcis muralis) in Hessen (Art des Anhangs IV der FFH-Richtlinie). Artgutachten 2011, Überarbeiteter Abschlussbericht, Stand 21. Mai 2012, herausgegeben von Hessen-Forst, Servicezentrum Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA). Link zum PDF

Einzelnachweise

Literatur Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage, Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 491–492. Ferdinand Luthmer: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheingaus. Frankfurt a. M., 1907 Rolf Müller (Hrsg.): Schlösser, Burgen, alte Mauern. Herausgegeben vom Hessendienst der Staatskanzlei, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89214-017-0, S. 241.

Weblinks

Kammerburg bei burgdirekt.de Kammerburg bei burgenlexikon.eu

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