mini|Zilkens Unterschrift im Jahr 1934 Rudolf Zilkens (* 18. Oktober 1899 in Köln-Ehrenfeld; † 25. Februar 1946 im NKWD-Speziallager Nr. 5 Ketschendorf bei Fürstenwalde/Spree) in der Datenbank des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (vmtl. Namensverwechslung). war ein deutscher nationalsozialistischer Politiker und Schriftsteller. Er war Mitglied des Preußischen Landtags (NSDAP, 1932–33) und Mitglied des Reichstages. Als MdR auch zeitgenössisch bezeichnet aber nicht nachweisbar lt. Zilkens war vor allem als ein „Reichsredner der NSDAP“ bekannt.

Leben und Wirken Jugend und Ausbildung Zilkens war das zwölfte Kind des bekannten rheinischen Politikers Franz Joseph Zilkens (1847–1915). Dieser war Stadtverordneter in Köln für die Deutsche Zentrumspartei und galt wegen seiner gesellschaftlichen Stellung als Ziegeleiinhaber und Großgrundbesitzer als „der ungekrönte König von Ehrenfeld“. Besonders um die Erschließung Ehrenfelds zu einem Wohngebiet für gehobene Ansprüche hatte sich Franz Zilkens verdient gemacht (Ehrenfeldgürtel, Eichendorffstraße).

Rudolf Zilkens meldete sich 1917 freiwillig an die Front des Ersten Weltkriegs und wurde sofort einem Regimentstrupp zugeteilt. Bei Kämpfen bei Reims wurde er schwer verwundet, so dass er bis 1919 in einem Lazarett bleiben musste.

Ab 1919 studierte Zilkens Medizin, Kunst und Staatswissenschaft, bevor er nacheinander als Erdarbeiter, kaufmännischer Lehrling, Direktor und Journalist arbeitete.

Politische Tätigkeit mini|Essener SA auf der Fahrt zum Reichsparteitag in Weimar, Juli 1926. Darunter Josef Terboven (vorn, Mitte, in Zivil) und möglicherweise auch Zilkens (unidentifiziert) Politisch begann Zilkens sich nach dem Ersten Weltkrieg in Kreisen der extremen politischen Rechten zu betätigen: Nachdem er zeitweilig dem Stahlhelm-Kampfbund angehört hatte, schloss er sich zum 1. September 1928 der NSDAP an (Mitgliedsnummer 97.354),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/50400437 für die er eine umfangreiche Tätigkeit als politischer Werberedner entfaltete. Er siedelte nach Essen um und sprach als „Reichsredner“ der NSDAP in fünf Jahren 1500 Mal in Versammlungen. In nationalsozialistischen Kreisen Westdeutschlands brachte ihm das den Titel „Trommler des Ruhrgebiets“ ein, mit dem er sich auch in seinen späteren Schriften brüstete. Im März 1929 erstattete der Duisburger Polizeipräsident Heinrich Meyer (SPD) Strafanzeige nach dem Republikschutzgesetz gegen Zilkens, weil dieser den preußischen Innenminister Albert Grzesinski beschimpft hatte.

Zilkens wurde neben dem Essener NSDAP-Gauleiter Josef Terboven zu einem der wichtigsten nationalsozialistischen Redner und Politiker des rheinisch-westfälischen ReviersGünter Gleising: Heinz Renner: Eine politische Biographie. RuhrEcho, Bochum 2000, S. 65. und widmete sich dem von den Nationalsozialisten in vielfachen Variationen und Medien breit angelegten propagandistischen „Kampf um die Arbeiterseele“.Hartwig Gebhardt: Nationalsozialistische Werbung in der Arbeiterschaft. Die Illustrierte „ABZ – Arbeit in Bild und Zeit“. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 33 (1985), Heft 2, S. 310–338 (zu Zilkens: S. 316 m. Anm. 33); Bezug nehmend auf: Rudolf Zilkens: Der Kampf um die Arbeiterseele. In: Unser Wille und Weg. Heft 6/Juni 1933, S. 152 ff. Wie die nationalsozialistische Werbung in der Arbeiterschaft vonstattenging, schildert der Bericht eines KPD-Genossen für seine Gauleitung Ruhr vom November 1932:

Bereits am 12. Dezember 1930 verhandelte ein erweitertes Schöffengericht in Oberhausen gegen Zilkens, weil dieser Monate zuvor in einer Versammlung verkündet hatte, dass bei der Machtübernahme der NSDAP Köpfe rollen würden u. a. der des Staatssekretärs Otto Meissner. Die Polizei hatte daraufhin die Versammlung aufgelöst. Da Zilkens nicht zur Gerichtsverhandlung erschien, wurde die Verhandlung vertagt und ein Haftbefehl gegen Zilkens ausgestellt.

Joseph Goebbels, damals Reichspropagandaleiter der NSDAP, notierte zu einer Rede Zilkens im Juli 1931 in sein Tagebuch:

Im Oktober 1931 schrie Zilkens einem linksgesinnten Zwischenrufer auf einer NS-Versammlung zu:

Ebenfalls 1931 wurden Zilkens als Ortsgruppenleiter von Essen unter anderem „dauernde Zechgelage“, „moralische Vergehen“, „Unterschleifung von Versammlungsgelder“ und „Zechschulden“ nachgesagt. Weshalb sich im gleichen Jahr 46 NSDAP-Mitglieder in Essen von ihm und der Partei lossagten und eine Ortsgruppe der „Revolutionären NSDAP“ (auch „Schwarze Front“) unter Otto Strasser gründeten.

Zilkens war an zahlreichen Saalschlachten beteiligt. So wurde er Anfang 1932 als Diskussionsredner bei einer KPD-Versammlung in Duisburg niedergeschlagen und mehrfach gestochen.

Als politischer Schriftleiter der nationalsozialistischen Zeitung Die neue Front,Herbert Kühr: Parteien und Wahlen im Stadt- und Landkreis Essen in der Zeit der Weimarer Republik, S. 148. Droste, 1973. kam Zilkens im Mai 1932 in den Preußischen Landtag, dem er bis 1933 angehörte.Wilhelm Heinz Schröder/Wilhelm Weege/Martina Zech: Kollektive Biographie der Landtagsabgeordneten der Weimarer Republik 1918–1933. Auszug aus der BIOWEIL-Datenbank. Erfassung und biographische Rekonstruktion der ca. 6000 Landesparlamentarier der Weimarer Republik. URL: (Abruf am 25. Juli 2011) In: hsr-trans.zhsf.uni-koeln.de Ende Oktober 1932 wurde gegen Zilkens Strafanzeige gestellt, da er am 22. Oktober 1932 in Osnabrück den Reichskanzler Franz von Papen beleidigt haben sollte. Nach seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter war Zilkens Archivar der nationalsozialistischen Landtagsfraktion im Preußischen Landtag.

Als NSDAP-Funktionär und „Alter Kämpfer“ der Partei war Zilkens Ortsgruppenleiter, Kreisleiter, Gaupropagandaleiter und Stadtrat in Essen. Weiterhin war er Reichstagsabgeordneter und stand dafür auf Platz 1 der Kandidatenliste der NSDAP für den Wahlkreis Düsseldorf-West.Kandidatenliste der NSDAP für den 23. Landeswahlkreis Düsseldorf-West (Wahlkreisverband IX Rheinland-Nord). In: BA NS 26/579.

Nach der „Machtergreifung“ war Zilkens Abteilungsleiter im Reichspropagandaamt in Berlin und fiel auf weil ihm nachgesagt wurde, dass er sich im betrunkenen Zustand vor den Gästen eines Hotels schlecht benommen habe.

Rudolf Zilkens starb 1946 in einem sowjetischen Internierungslager. Seine Ehefrau Eva Josephine Zilkens (* 1899, geborene Annen) starb 1986 in Nowra (Australien). Beide hatten neben dem gleichnamigen Sohn, noch ein weiteres Kind.

Schriftstellerische Tätigkeit Zilkens veröffentlichte eine Reihe von Schriften im Geist der Blut-und-Boden-Dichtung: Sein Roman Das klingende Herz (1933) wurde als der „erste große nationalsozialistische Bekenntnisroman“ bezeichnet.Rudolf Zilkens: Deutsche Lieder von Freiheit, Liebe und Tod, Nachsatz. J. P. Bachem Verlag, Köln 1934. Das Vorwort seiner Schrift Deutsche Lieder von Freiheit, Liebe und Tod (1934) widmete er Georg Sluyterman von Langeweyde, der das Buch mit dreizehn Holzschnitten und dem Titelbild illustrierte. In diesem Vorwort schreibt er:

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand Zilkens nur noch wenig Resonanz. In der Sowjetischen Besatzungszone wurden die meisten seiner Schriften auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur 1946: Buchstaben Y und Z In: polunbi.deDeutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur 1947: Buchstaben X, Y und Z In: polunbi.deDeutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur 1948: Buchstaben X, Y und Z In: polunbi.de

Schriften (Auswahl) Prometheus. R. Z. Verlag am Rhein, Köln 1925. Der Kampf um die Arbeiterseele. In: Unser Wille und Weg. Heft 6/Juni 1933, S. 152 ff. Wider den nationalen Kitsch. In: Freiheitskampf. Dresden, 19. Mai 1933. Das klingende Herz. Korn, Breslau 1933. Deutsche Lieder von Freiheit, Liebe und Tod. J. P. Bachem Verlag, Köln 1934. Trommeln an der Ruhr. Weber, Essen 1935. Urlaub in Masuren: Ein Buch der Kameradschaft. Verlag Deutsche Kultur-Wacht, Berlin-Schöneberg 1935. Immer Soldat: Gedichte aus Krieg und Kampfzeit. Küster & Co., Essen 1937.

Auszeichnungen (Auswahl) Blutorden

Literatur

Herbert Kühr: Parteien und Wahlen im Stadt- und Landkreis Essen in der Zeit der Weimarer Republik. Droste, 1973, ISBN 3-7700-5072-X. Literaturpreis Ruhrgebiet: Literatur-Atlas NRW 1992. Volksbl.-Verlag, Köln 1992, ISBN 3-923243-96-0. Enno Stahl, Cornelia Ilbrig: Literarisches Leben am Rhein. Band 3: Kommentar und Register. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-936698-08-4. President Franklin D. Roosevelts Office Files 1933–1945, Part 5: The John Franklin Carter Files on German Nazi Party Members, Reel 23, List of Key Nazis, Eintrag 1044. In: Microfilm Edition of Research Collections in American Politics. Microfilms from Major Archival and Manuscript Collections, General Editor: William E. Leuchtenburg

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Deutsches Reich, 1933–1945) Kategorie:Mitglied des Preußischen Landtags (Freistaat Preußen) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Mitglied im Stahlhelm Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Reichsredner Kategorie:Person (Essen) Kategorie:Kreisleiter (NSDAP) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1946 Kategorie:Mann