mini|Ehemaliges Logo von Politically Incorrect (bis 2017) Politically Incorrect (Abkürzung: PI) oder PI-News ist ein rechtsextremes Blog, das sich der Selbstbeschreibung nach gegen eine vermeintliche „Islamisierung Europas“ richtet. Welche Personen oder Person hinter dem Blog steht und presserechtlich verantwortlich ist, wird verschleiert. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stellte das Blog 2021 unter Beobachtung und bewertete es als „erwiesen extremistisch“.
Politically Incorrect wurde 2004 von dem Sportlehrer und rechten Aktivisten Stefan Herre gegründet. Die Blogbeiträge werden von mehreren Autoren unter Pseudonym verfasst und sind von Islamfeindlichkeit bestimmt.So beispielsweise Thorsten Gerald Schneiders: Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009, ISBN 978-3-531-16257-7. PI entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Blogs dieser Ausrichtung und ist international mit als islamfeindlich, rechtsextrem oder rechtspopulistisch geltenden Personen und Organisationen vernetzt, so wie auch das Blog selbst von verschiedenen Stellen dem rechtsextremen oder rechtspopulistischen Spektrum zugeordnet wird. Das Blog betont in seiner Selbstdarstellung eine „pro-israelische“ und „pro-amerikanische“ Ausrichtung. Laut correctiv hatte die Seite 2017 um 400.000 Besucher pro Tag.
Geschichte Das Blog wurde am 11. November 2004 von Stefan Herre, der laut Presseberichten als Sportlehrer an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen unterrichtet, unter der Domain politicallyincorrect.de gegründet. Nach Herres Aussage war die Gründung des Blogs eine Reaktion auf die verbreitete Kritik an der Politik George W. Bushs in den deutschen Medien.Sabine Schiffer: Grenzenloser Hass im Internet. S. 343. Die Frankfurter Rundschau wies darauf hin, dass die Website eine Woche nach dem Mord an dem niederländischen Islamkritiker Theo van Gogh gegründet wurde. Voraus ging der Bloggründung Herres Jahrzehnte anhaltende Leidenschaft für das Schreiben von Leserbriefen, die er später auf einer eigenen Webseite dokumentierte. Seit 2002 tritt in ihnen „der Islam“ verstärkt als Thema auf.Geisler/Schultheis 2011, S. 135.
Bis zur Debatte um die in Dänemark erschienenen Mohammed-Karikaturen im Herbst 2005 war Herre der einzige Autor des Blogs, danach stießen weitere Autoren hinzu, deren Identität größtenteils unbekannt war.Dominik Reinle: In: WDR, 17. Dezember 2007.
2007 erklärte Herre, dass er den Besitz seiner Website an eine anonyme Person im Ausland übergeben wolle, weil der Druck von außen so groß werde und Morddrohungen gegen ihn ergangen seien.Stefan Beig: In: Wiener Zeitung, 19. Juli 2008. Im September 2011 bestätigte Herre, dass es sich bei der neuen Eigentümerin um die Schweizer Pfarrerin Christine Dietrich handle. Heute wird die Seite auf ausländischen Servern betrieben.Yassin Musharbash: Allianz der Islamophoben. In: Spiegel Online, 30. Mai 2008, abgerufen am 29. August 2010. Personelle Verflechtungen entstanden zwischen Politically Incorrect und der Bürgerbewegung Pax Europa sowie den islamfeindlichen Kleinparteien und den Wählervereinigungen Die Freiheit, pro Köln, pro NRW, pro Deutschland und Bürger in Wut.Steven Geyer, Jörg Schindler: In: Frankfurter Rundschau, 14. September 2011.Bernd Kastner: „Die Freiheit“ und PI gelten in Bayern als verfassungsfeindlich. In: Süddeutsche Zeitung, 12. April 2013.Pascal Beucker: In: Jüdische Allgemeine, 19. November 2009. Herre auf einer Wahlkampf-Kundgebung von „pro Köln“ Mitte August 2009.Nordrhein-Westfalens Rechte rüstet sich für die Wahl. In: Die Zeit. 5. Mai 2010.
Im Sommer 2016 veranstaltete PI eine Leserreise nach Israel, bei der Teilnehmer über das Sprengen einer Moschee scherzten und das „amerikanische Establishment“ für den Holocaust verantwortlich machten. Beim Besuch eines Schießstandes der Caliber 3 Trainingsakademie in Gusch Etzion übte man das Niedermähen von Terroristen und vertrat die Auffassung, dass diese Methode auch zu Hause zur Bekämpfung von Arabern und Antifaschisten durchaus hilfreich sei.Daniel J. Solomon: Hard-Right German Holocaust Deniers Tour Yad Vashem, Forward vom 10. Januar 2017Ofer Aderet: Holocaust Deniers at Yad Vashem: German Far-right Tour Israel. Haaretz, 10. Januar 2017.
Konzept, Besucherzahlen, Finanzierung Täglich werden in mehreren redaktionellen Beiträgen meist tagesaktuelle Themen aus allgemein zugänglichen Medien aufgegriffen. Die Meldungen werden entsprechend der Zielsetzung des Blogs bearbeitet und können nach der Einstellung für 48 Stunden von den angemeldeten Besuchern nach Angaben der Betreiber ohne redaktionelle Eingriffe kommentiert werden.
Während Politically Incorrect kurz nach seiner Gründung nur etwa zehn Besucher pro Tag erreichte, hatte die Seite Ende 2011 bis zu 60.000 Seitenabrufe am Tag. Das Blog zählt laut Alexa mit einigen zehntausend Besuchern pro Tag zu den tausend meistbesuchten deutschen Websites (Stand: März 2014). In den Deutschen Bloggercharts erreichte Politically Incorrect Ende 2007 einen Spitzenwert von etwa 470 Zitierungen, 2010 lag der Wert bei rund 170 Zitaten, womit die Seite Platz 27 unter den deutschen Blogs einnahm. www.deutscheblogcharts.de. Abgerufen am 29. August 2010. Bei Literaturempfehlungen wird auf dem Blog regelmäßig auf den der Neuen Rechten zugeordneten Verlag Antaios verwiesen. Des Weiteren unterhält das Blog eine eigene Rubrik zur rechtsextremen „Identitären Bewegung“, in der Beiträge zu deren Aktivitäten veröffentlicht werden. Auch beim Verkauf von Merchandise-Artikeln kooperiert PI-News mit dem Onlineshop der Identitären Bewegung sowie mit einem von einem Rechtsextremisten betriebenen Internetversandhandel.
Politically Incorrect verkauft im Online-Shop Spreadshirt-T-Shirts und Anstecker mit politischen Slogans. Pro gekauftem Artikel gehen dabei nach eigener Aussage 3 Euro an Politically Incorrect zur Finanzierung der Seite und der redaktionellen Arbeit. www.pi-shop.spreadshirt.de. Abgerufen am 29. August 2010. Zudem finanziert sich die Seite aus Spenden sowie durch Werbung von Verlagen, Initiativen und Organisationen, darunter auch der kahanistischen Jewish Defense League. Da jedoch Webshop, Spenden und Bannerwerbung nur unzureichende Beträge erbrachten, wurde die Gründung einer Vermarktungsgesellschaft in der Schweiz angestrebt. Diese scheiterte jedoch nach Angaben der Frankfurter Rundschau, nachdem Christine Dietrich im September 2011 ihren Rückzug aus dem Blog bekanntgegeben hatte.Die Islamhasser bitten zur Kasse. In: Frankfurter Rundschau. 23. September 2011. Die Finanzierung von Politically Incorrect erfolgt über Spenden und kommerzielle Anzeigen auf der PI-Webseite, wofür ein Konto von Pax Europa genutzt wird. Die Finanzlage gilt als schlecht, da im Zuge einer journalistischen Recherche 2014 viele Werbekunden ihre Anzeigen stornierten.Extremistische National-Christen in Not, MiGAZIN vom 29. September 2014
Ortsgruppen In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien bestehen (2011, nach deren eigener Angabe) etwa 50 lokale Gruppen, die sich eng an das Internetportal Politically Incorrect anschließen. Nach Recherchen der Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung besteht die Aufgabe dieser Ortsgruppen darin, Strategien für die Beeinflussung der Öffentlichkeit im Sinn des Blogs zu entwerfen. Im Sinne dieser Strategie würden Diskussionsveranstaltungen und Vorträge über den Islam gestört, sogenannte „Gutmenschen“ in Online-Kommentaren zu Medienberichten beleidigt und massenhaft schmähende E-Mails an vermeintlich linke Journalisten und Autoren versendet.Bernd Kastner: Der Feind steht fest. In: Süddeutsche Zeitung. 2. März 2011.Johannes Boie: Besuch von der anti-islamischen Kampftruppe. auf: Süddeutsche Zeitung, 11. März 2010. Der Historiker Wolfgang Benz berichtete im September 2011 von systematischen Störungen seiner Veranstaltungen zum Thema Islamkritik durch Anhänger des Blogs Politically Incorrect.Wolfgang Benz: Auf PI läuft eindeutig Volksverhetzung. In: Frankfurter Rundschau. 15. September 2011.
Die Süddeutsche Zeitung berichtete 2011 von einer Gemeinschaftsveranstaltung von Bürgerbewegung Pax Europa und Politically Incorrect, die unter konspirativen Bedingungen vom PI-Autor Michael Stürzenberger durchgeführt wurde. „Gekommen ist bürgerliches Publikum mittleren Alters, es sind Krawatten- und Janker-Träger da und Damen im Pelz. Man kennt sich, man hat einen gemeinsamen Gegner.“ Dem Artikel zufolge schätzte Stürzenberger den harten Kern seiner Münchner PI-Gruppe auf 20 Personen, dazu kämen weitere 30 offene Sympathisanten. Mehrere Aktivisten seien CSU-Mitglieder. Stürzenberger wähnt sich „verfolgt und denunziert“ und vergleicht seine Situation mit der in der DDR, wo man versucht habe, Kritiker mundtot zu machen. Den Vortrag des Abends habe Stefan Ullrich gehalten, der Initiator der Website „Deus vult“ (siehe historisch: Deus vult). Ullrich gehörte im Münchner Stadtteil Harlaching zum CSU-Ortsvorstand, der antiislamisch agiert.Jan Bielicki, Joachim Käppner, Marc Widmann: "Die Islam-Ideologie ist zu bekämpfen" In: Süddeutsche Zeitung, 10. Mai 2010. In seinem Vortrag habe Ullrich die christliche Religion gepriesen und den Islam aufgrund eigener Koranlektüre verworfen. Den Gott des Islam habe Ullrich einen „unberechenbaren Gewaltherrscher“ genannt. Christen halte Ullrich für den Muslimen intellektuell überlegen: „Der Islam denkt, Gott Vater war mit der Maria im Bett.“ Mohammed sei ein „Analphabet“.
Weltanschauliche und politische Positionen Eigendarstellung Das Blog bezeichnet sich als „proamerikanisch“ und „proisraelisch“ sowie gegen „Mainstream“ und eine „Islamisierung Europas“ gerichtet und setzt sich nach eigenen Angaben für das „Grundgesetz und Menschenrechte“ ein, welche es „aufgrund der immer mehr um sich greifenden Ideologie des Multikulturalismus“ bedroht sieht. Mit seinem Titel will das Blog Bezug auf die nach Meinung seiner Betreiber vorherrschende „Politische Korrektheit“ nehmen und behauptet, „das Gutmenschentum“ dominiere „heute überall die Medien“.
Nach Angaben des Gründers Stefan Herre vertritt Politically Incorrect konservative Positionen. Herre selbst lehnt eine Differenzierung zwischen Islam und Islamismus ab und bezeichnet den Islam nicht als Religion, sondern als eine „Gewaltideologie“, die „kein anderes Ziel“ habe, „als jede andere Gesellschaftsform abzuschaffen“. Ferner bezeichnete Herre sich und die Mitarbeiter des Blogs als islamophob, denn Phobie heiße Angst, und schließlich habe er tatsächlich Angst vor dem Islam.
Bloginhalte Die Gesamtheit der Blogeinträge vermittelt den Eindruck, dass der Islam mit westlichen Gesellschaften nicht vereinbar sei und sich Muslime in Europa nicht integrieren wollten. Wegen ihrer Religion seien sie eine Gefahr für die Säkularität Deutschlands; die deutsche Gesellschaft verhalte sich diesem Problem gegenüber zu tolerant und inkonsequent. Viele islamische Staaten seien außerdem eine Gefahr für die „westlich-freiheitliche Gesellschaft“. Regelmäßig gibt es Aufrufe an die Leser, sich an islambezogenen Onlineumfragen anderer Websites zu beteiligen. So vermeldete der Tagesspiegel, dass seine Internetumfrage über den Bau einer Moschee durch massenhaftes Abstimmen von PI-Lesern manipuliert wurde.
Häufig wird mit solidarischer Haltung über sogenannte Islamkritiker berichtet, die aufgrund islamfeindlicher Äußerungen verurteilt wurden. Diese Solidarität wird sowohl gegenüber Einzelpersonen wie auch gegenüber Parteien wie Die Freiheit und Pro NRW bekundet. Für den wochenlang wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft sitzenden Politiker Jörg Uckermann von der Bürgerbewegung pro Köln wurden Ende des Jahres 2012 serienmäßig solidarische Artikel veröffentlicht, ebenso formierte sich aufgrund eines PI-Aufrufes eine Solidaritätskundgebung vor dem Kölner Rathaus, um die Freilassung zu fordern.