mini|hochkant|Stammwappen derer von Kanitz
KanitzVereinzelt trat bei Angehörigen dieses Geschlechts vorübergehend auch die Schreibung „Kanewitz“ auf, so z. B. im Fall des Dietrich und des Salomon von Kanitz, die in einer Urkunde vom 22. Juni 1535 unter diesem Namen bezeichnet werden. Reicke, Wiechert (Hrsg.): Altpreußische Monatsschrift der Preußischen Provinzialblätter. 7. Band. Königsberg 1870, S. 103, Nr. 205. Ebenso wird ein Georg von Kanitz in einer anderen preußischen Urkunde, die vom 14. April 1546 datiert, einmalig als „Jorge Kanewitz“ aufgeführt. oder auch Canitz ist der Name eines alten Adelsgeschlechts westslawischer Herkunft aus der Markgrafschaft Meißen, Schlesien und der Oberlausitz, das ab dem 15. Jahrhundert auch in Preußen ansässig war. Sein vermutlicher Stammsitz Canitz im Stift Wurzen liegt in einem alten Siedlungsgebiet der Sorben-Wenden. Bereits im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert hat sich anscheinend ein weiterer Zweig der Familie (vermutlich über Brandenburg kommend) in Norwegen angesiedelt und dort seinen Familiennamen – unter Weglassung des ursprünglich slawischen patronymischen Suffixes -itz – zu Kane abgeändert. H. Tusberg: Et Kongelig sidesprang? in: Norsk Slektshistorisk Tidskrift, 1991, Band 33, Teil II, S. 208, Übersicht 2. S. Wulffsberg. In: Langs Lagen, Lokalhistorisk Lesebok for bygdene og byene langs Numedalslagen, 1982, Nr. 4, S. 140.Diese vermutlich im späten 15. Jahrhundert in der männlichen Linie ausgestorbene uradelige norwegische Familie führte nachweislich ein mit dem Wappenschild derer von Kanitz identisches Wappen, siehe unter „Kane“:
Geschichte Der genaue Ursprung des Geschlechts lässt sich nicht mit letzter Sicherheit bestimmen, da dieses um die Wende des 12. Jahrhunderts sowohl in Meißen als auch in der Oberlausitz nachweisbar istKneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. 2. Band. Leipzig 1860, S. 209. und bereits früh in mehreren Stämmen auftritt, deren durch Mitbelehnungen erwiesener Zusammenhang nicht mehr genau zu ermitteln ist. Seine früheste urkundliche Erwähnung am 2. August 1185 in Gestalt von Marcellus de Kaniczcodex diplom. Saxoniae regiae. 1. Hauptteil, 2. Band. Leipzig 1889, S. 351. ist in der Lausitz angesiedelt.
Markgrafschaft Meißen In der Markgrafschaft Meißen tritt das Geschlecht mit Konrad von Canitz am 9. November 1214 erstmals urkundlich in Erscheinung. Dort sind drei Orte dieses Namens mit gesichertem genealogischem Bezug zur Familie nachgewiesen:Ein historischer Bezug zu dem südwestlich von Meißen gelegenen Ortsteil der Gemeinde Käbschütztal mit Namen „Canitz“ (früher „Konenuitz“) – vgl. auch – ist nicht nachweisbar. Gleiches dürfte für den Ortsnamen „Cannewitz“ gelten, der sowohl als Ortsteil der Stadt Grimma als auch – mehrfach – als Ortsteil von Gemeinden im Raum Bautzen in der Oberlausitz auftritt, auch wenn dessen Schreibweise im Einzelfall zwischenzeitlich „Kanitz“ gewesen sein mag (so z. B. bei Cannewitz (Panschwitz-Kuckau) und ein bisweilen im Schrifttum (vgl. Schöttgen) behaupteter gemeinsamer sprachgeschichtlicher Ursprung nicht ausgeschlossen werden kann. (1) Canitz,Frühere Schreibweisen auch „Kanycz“ oder „Kanitz“, vgl. das im Gebiet des Stifts Wurzen gelegen ist, später Teil des unmittelbar benachbarten Ritterguts ThallwitzFrühere abweichende Schreibweisen waren „Talwiz“, „Talewizc“ oder „Dallwitz“, vgl. wurde und im genealogischen Schrifttum gemeinhin zum „namensgebenden Stammsitz“ der Familie erklärt wird,Christian Schöttgen: Historie der Chur-Sächsischen Stiffts-Stadt Wurtzen. Leipzig 1717, S. 734. (2) das 1221 als Herrensitz des Bero de Kaniz erstmals urkundlich erwähnte, im ehemaligen Amt Oschatz bei Riesa gelegene Rittergut Canitz, das wohl als der ursprüngliche meißnische Rittersitz des Geschlechts anzusehen istOtto Titan v. Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland. Erster Band. Regensburg 1860, S. 216. Vgl. M. Carl Samuel Hoffmann: Historische Beschreibung der Stadt, des Amtes und der Diöces Oschatz („Hoffmann’sche Chronik“). Zu „Canitz“ in Theil II, Zweite Abteilung, Oschatz 1813/1873 (vgl. hierzu insbesondere Text unter Fußnote 10) oschatz-damals.de sowie (3) ein als Kanitz bezeichneter Ort nahe Dommitzsch bei Torgau, der aber offenkundig in späterer Zeit aufgegeben wurde, da er ab dem frühen 16. Jahrhundert als „wüste Dorfmark“ bezeichnet wird. Das älteste erhaltene Siegel der Familie findet sich auf einer Meißnischen Urkunde des bei Oschatz ansässigen Ulcz von Canitz (zuvor auch: Ulz de Canytz), Amtshauptmann der Herren zu Ileburg in Liebenwerda, die vom 13. September 1347 datiert.
Laut einer Urkunde vom 17. Mai 1373 genehmigte Herzog Wenzelslaw von Sachsen einem Träger des gleichen Namens den beabsichtigten Tausch eines Grundstücks nahe Mügeln bei Oschatz mit dem Hochstift Meißen.Gersdorf (Hrsg.), Urkundenbuch des Hochstifts Meißen, 1867, Band 2, S. 141. Für das Jahr 1389 soll ein Bernhard von Canitz als Herr auf Watzschwitz (seit 1500 Jahnishausen) bei Riesa nachgewiesen sein.Jochen Gutte: Chronik Jahnishausen. Veröffentlicht von Accademia Dantesca Jahnishausen e. V.,
Auch im 15. bis 18. Jahrhundert bleibt der meißnische Zweig des Geschlechts im Wesentlichen im Raum Wurzen-Grimma-Oschatz ansässig und ist dort über unterschiedliche Zeiträume als Besitzer folgender, meist unmittelbar benachbarter Rittergüter oder sonstiger Herrschaften nachgewiesen: Thallwitz (bis 1592), Püchau, Unternitzschka, Zschorna, Döben, Burkartshain, Mühlbach, Trebelshain, Sachsendorf, Streuben, Wäldgen, Treben, Gröppendorf und Mutzschen.
1458 wurde Ullrich von Kanitz als Gutsherr von Treben genannt, der dem sächsischen Kurfürsten Friedrich II. das Gut Rothenfeld zum Kauf anbot. Die Familie von Kanitz stellte bereits im 14. und 15. Jahrhundert mehrfach Pröpste des Klosters auf dem Petersberg bei Halle.Ritter: Die Klosterkirche auf dem Petersberge bei Halle. In: Zeitschrift für Bauwesen, 1858, Jahrgang VIII, S. 38. Eine aus dem Raum Wurzen, wohl aus Unternitschka oder Thallwitz stammende Elsa (Elisabeth) von Canitz, Tochter des Hieronymus von Canitz, zählte neben der Katharina von Bora zu den neun Nonnen, die in der Karwoche des Jahres 1523 aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma geflohen sind („Nonnenflucht“). Elisabeth kam zunächst bei ihren Eltern unter. Mit Brief vom 22. August 1527 lud sie Martin Luther ein, in Wittenberg bei freier Kost und Logis für einige Zeit die Unterrichtung von Mädchen zu übernehmen. Hans von Kanitz, Hofmeister des Klosters Groitzsch, musste nach älteren Berichten nach seinem Übergang zum reformatorischen Bekenntnis sein Amt niederlegen, wurde aber abgefunden.Johann Friedrich Gauhe: Des Heiligen Römischen Reichs Genealogisch-Historisches Adels-Lexikon. Band 1. J. F. Gleditsch, Leipzig 1740, S. 321; books.google.de Er erhielt 1533 das Gut Eulenfeld bei Eilenburg, das er nach einem Jahr wieder verkaufte.Hans-Joachim Böttcher: Ein altes Haus und seine Geschichte – Das Herrenhaus Eulenfeld in Eilenburg. In: Eilenburger Jahrbuch, 1998, Verlagshaus „Heide-Druck“, Bad Düben 1997, S. 34.
Ulrich von Kanitz auf Treben sowie Michael von Kanitz sollen 1547 als Gefolgsleute des protestantischen Kurfürsten Johann Friedrich I. (der Großmütige) von Sachsen in der Schlacht auf der Lochauer Heide bei Mühlberg mit diesem in Gefangenschaft geraten sein.Jakob Christoph Iselin, Jacob Christoff Beck, August Johann Buxtorff: Neu-vermehrtes Historisch- und Geographisches Allgemeines Lexicon. 6 Bände. 3. Auflage. Band 1. Basel 1742–1744, S. 728.
mini|Schloss Thallwitz, 1. Hälfte 19. Jahrhundert. Um 1580 erbauten die Herren von Kanitz, die in der Zeit von 1502 bis 1592 als Lehensbesitzer von Thallwitz nachgewiesen sind, dort ein Schloss vom Typ eines Renaissanceherrenhauses.Schlösser um Leipzig. Hrsg. Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege Schloss Trebsen e. V. durch Alberto Schwarz. E.A. Seemann Verlag, Leipzig 1993, S. 187 f. Nach dieser Quelle soll Thallwitz aus einem bischöflichen Tafelgut hervorgegangen und 1346 erstmals in einer Urkunde Karls IV. erwähnt worden sein; Lehensgut und Herrensitz sei es hingegen erst 1502 geworden. Diese Angaben gehen wohl zurück auf: Christian Schöttgen: Historie der chur-sächsischen Stiffts-Stadt Wurtzen. Leipzig 1717, S. 734 f., der Ludwig (von) Canitz 1502 als ersten Lehensbesitzer von Thallwitz nennt. Dies steht allerdings im Widerspruch zu anderen Quellen, wonach Thallwitz bereits im Jahr 1253 in einer Urkunde des Markgrafen von Meißen als „Talvitz“ erwähnt und 1266 als Sitz des Heinricus de Talwiz nachgewiesen sein soll, auf den sich das Geschlecht derer von Dallwitz zurückführt. Die seit dem Ende des 16. Jahrhunderts vorwiegend in Schlesien ansässigen Vertreter der zuvor in Thallwitz nachgewiesenen Linie („Haus Dallwitz“) führen ihren Namen fortan meist mit einem auf diesen ehemaligen Herrensitz verweisenden Zusatz, der allerdings in wechselnden Schreibweisen auftritt (z. B. „von Canitz zu Dalewitz“So bei: Christian Schöttgen: Historie der chur-sächsischen Stiffts-Stadt Wurtzen. Leipzig 1717, S. 734. oder auch „von Kanitz und Talowitz“ und seit dem 18. Jahrhundert „von Canitz und Dallwitz“).
Die aus Thallwitz stammenden Brüder Friedrich und Elias von Kanitz (Canitz)Ein mit letzterem vermutlich identischer Elias von Canitz wurde 1544 in Wittenberg immatrikuliert; vgl. Cod. Pal. germ. 606, Pfalzgraf Johann Kasimir von Pfalz-Lautern: Stammbuch, (29r), S. 4; .manuscripta-mediaevalia.de (PDF; 102 kB). standen um die Mitte des 16. Jahrhunderts – ungeachtet ihres Status als kurfürstlich-sächsische Lehnsleute – als Kämmerer, Räte und Gesandte im Dienste Albrechts I. von Brandenburg-Ansbach. Dieser war der letzte Hochmeister des Deutschen Ordens und der spätere Begründer des protestantischen Herzogtums Preußen. Beide Brüder wurden dabei unweigerlich – wenngleich auf unterschiedliche Weise – in die Machtkämpfe und Intrigen verwickelt, die in jenen Jahren das Verhältnis des unter polnischer Lehenshoheit stehenden Herzogs zu den preußischen Ständen belasteten und schließlich zum Eingreifen seines polnischen Lehnsherren führten. Sie nahmen dabei insoweit eine besondere Stellung ein, als sie zwar nicht dem einflussreichen ortsansässigen Adel entstammten, andererseits aber auch nicht zu der wachsenden Gruppe landesfremder Ratgeber und Gelehrten gerechnet wurden, mit denen sich der Herzog gern umgab, die aber von den Ständen als Emporkömmlinge angesehen wurden.Eduard Heinel: Geschichte des Preussischen Staates und Volkes, für alle Stände bearbeitet. Zweiter Band: Geschichte der Markgrafschaft Brandenburg und des Herzogtums Preussen bis zum Ausbruch des dreissigjährigen Krieges. Verlag Duncker und Humblot, Berlin 1838, S. 60.