mini|Albert Klein, 1987 Albert Klein (* 16. März 1910 in Schäßburg, Österreich-UngarnWichtige Gedenktage 2010, Siebenbürgische Zeitung, Online-Ausgabe, 17. Januar 2010; † 8. Februar 1990 in Hermannstadt) war ein deutscher evangelischer Geistlicher aus der deutschsprachigen Minderheit der Siebenbürger Sachsen. Von 1969 bis 1990 war er der Bischof der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien („Sachsenbischof“).
Leben Albert Klein war der Sohn des Mittelschulprofessors Albert Klein und seiner Ehefrau Frieda Klein, geborene Petrovits.Albert Klein: Ein Leben im Glauben für Kirche und Gemeinschaft. Selbstzeugnisse. Aus dem Nachlass herausgegeben von den Kindern und Enkeln zu seinem 100. Geburtstag am 16. März 2010. hora Verlag, Hermannstadt/Sibiu 2010. Seine Kindheit verbrachte er zusammen mit seinen drei Geschwistern, darunter dem späteren Mikrobiologen Paul Klein, in Schäßburg und besuchte da auch die Evangelische Elementarschule und das Untergymnasium. 1924 übersiedelte die Familie nach Hermannstadt, dem Heimatort des Vaters, der eine Stelle am Landeskirchlichen Lehrerseminar erhalten hatte. In Hermannstadt besuchte Klein das Obergymnasium und legte dort 1928 seine Reifeprüfung ab. 1928/29 leistete er seinen Wehrdienst in der Artillerie-Reserveoffiziers-Schule in Craiova.
Im Sommersemester 1930 war er an der Universität Marburg immatrikuliert, wo er sich vor allem mit Griechisch und Hebräisch beschäftigte, aber auch theologische Vorlesungen sowie Psychologie und Logik hörte. Im Wintersemester 1930 immatrikulierte er sich in Cluj und studierte Physik, Chemie und Mathematik. Im Studienjahr 1931/32 war er außerordentlicher Hörer an der Reformierten Theologischen Fakultät in Cluj. 1933/34 studierte er an der Universität Tübingen evangelische Theologie und besuchte nebenbei Physik-Vorlesungen. Im Sommersemester 1934 war er in Berlin, besuchte dort theologische Vorlesungen und arbeitete auch in Chemie weiter. Im Herbst 1936 legte er die Lizentiatenprüfung für Physik und Chemie in Cluj ab und ging dann für ein Studienjahr (1936 bis 1937) nach Tübingen, um sein Theologiestudium abzuschließen. Im Herbst 1937 wurde er Lehrer für Physik, Chemie, Mathematik und Religion am Untergymnasium in Sebeș und wechselte im Herbst 1939 an die Brukenthalschule in Hermannstadt, wo er die gleichen Fächer unterrichtete. Im Herbst 1938 legte er seine theologische Prüfung vor der Prüfungskommission der Evangelischen Kirche A.B. in Hermannstadt ab.
1938 heiratete er Maria geb. Walcher (1912–1992), die er in Berlin kennengelernt hatte.Sabine Liebig: Eine Frau geht ihren Weg – von Ravensburg nach Siebenbürgen. Frauenalltag in Siebenbürgen zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus am Beispiel von Maria Klein. Lang, Frankfurt am Main / Berlin / Bern / New York / Paris / Wien 1998 (Europäische Hochschulschriften: Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften; Bd. 809) Weingarten, Pädag. Hochsch., Diss., 1996. In Stuttgart geboren, war sie in Ravensburg zur Schule gegangen und hatte 1931 ihre Reifeprüfung abgelegt. 1932 begann sie an der Universität Tübingen mit dem Studium der Neuphilologie, das sie 1937 mit der Promotion abschloss. 1938 ging sie gemeinsam mit Albert Klein nach Siebenbürgen, wo er bereits Lehrer in Mühlbach war. Sie hatten sechs Kinder, von denen der jüngste Sohn im Alter von elf Jahren 1959 verstarb.
Im September 1941 wurde Klein als Reserveoffizier einberufen und kämpfte während des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront bis April 1943. Im Schuljahr 1943/1944 war er aushilfsweise in der Schulverwaltung tätig. Januar 1945 wurde er zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, von wo er gesundheitlich schwer angeschlagen im Dezember nach Hause kam. Anschließend wirkte er als Pfarrer in Dobring, Dobârca (1946–1953), Petersdorf, Petrești (1953–1958) und war Stadtpfarrer in Mühlbach, Sebeș (1958–1968). Während seiner Zeit als Stadtpfarrer in Mühlbach wurde die evangelische Kirche vom staatlichen Baudenkmalamt restauriert. Diese Restaurierung hat Albert Klein mit großem Interesse begleitet und 1976 einen Bericht dazu veröffentlicht.Gustav Gündisch, Albert Klein, Harald Krasser, Theobald Streitfeld: Studien zur Siebenbürgischen Kunstgeschichte. Kriterion Verlag, Bukarest 1976. 1968 wurde er als Stadtpfarrer nach Kronstadt Brașov berufen. Während er Stadtpfarrer in Kronstadt / Brașov war, wurde Klein 1969 zum Bischof der Evangelischen Kirche A.B. gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod inne.Dem Zeitgeist widerstanden: 25 Jahre seit dem Tod von Bischof D. Albert Klein
Sein Nachfolger wurde Christoph Klein. Albert Kleins Sohn, Hans Klein, war Professor für Neues Testament am Protestantischen Theologischen Institut in Hermannstadt.
Bischof Am 15. April 1969 wurde Albert Klein von der 47. Landeskirchenversammlung zum 35. Sachsenbischof von Siebenbürgen und damit zum Oberhaupt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien gewählt. Mit ihm übernahm ein Mann die Leitung der Kirche, der tief im Glauben verwurzelt war, dem die Kirche in ihrer urchristlichen Bedeutung als Ideal vorschwebte und der sich bewusst in die Tradition seiner Vorgänger stellte.
Glaubensfragen beschäftigten ihn bereits als Jugendlichen. Aus einer tiefen Überzeugung hatte er sich schon als Student für eine geistliche Erneuerung seiner Generation eingesetzt. Dabei war ihm der damalige Stadtpfarrer aus Kronstadt, Konrad Möckel, Mentor und väterlicher Freund. Dass er zum Bischof gewählt werden konnte, war nicht selbstverständlich, obwohl er von vielen Zeitgenossen sehr geschätzt wurde. Es wurde möglich in einer günstigen politischen Situation im diktatorisch regierten, kommunistischen Rumänien am Ende der 1960er Jahre, einer sehr kurzen und trügerischen Tauwetterperiode.Samuel Liebhart (Hrsg.): Das evg. kirchliche Leben in Siebenbürgen während der kommunistischen Zeit 1946–1990. Aus den Tagebüchern von Pfarrer Hellmut Klima. Selbstverlag, Dudweiler 2001, S. 307 und Die Wahl Albert Klein zum Bischof der Evangelischen Kirche in Rumänien. Aus dem Tagebuch von Hellmut Klima. In: Zeitschrift für siebenbürgische Landeskunde, Heft 1/2001, S. 119–124. Albert Klein war in den dreißiger Jahren in leitender Position im Südostdeutschen Wandervogel aktiv gewesen. Er war zudem als Student ein Befürworter der Erneuerungsbewegung und in führender Stellung auch im Rahmen dieser Gruppe tätig. Diese Vergangenheit begründete das Misstrauen von staatlicher Seite. Dass seine politisch-ideologische Grundhaltung sich durch die Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront vor Stalingrad und später während der Deportation zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion grundlegend verändert hatte, war nicht öffentlich bekannt.
Hohe Erwartungen waren mit dieser Wahl verbunden. Das verdeutlicht einerseits das Wahlergebnis, andererseits belegen es die Reaktionen der in der BRD lebenden, an der Kirche interessierten Siebenbürger Sachsen. Diese Erwartungen waren sehr unterschiedlich; das führte zwangsläufig dazu, dass Bischof Klein sein Amt in einem Spannungsfeld ausübte, dessen Anforderungen kaum nachzukommen war und dessen Widersprüche nur teilweise aufgelöst werden konnten. Das deutete Pfarrer Sepp Scheerer (damals Pfarrer in Mainz) in der „Siebenbürgischen Zeitung“ vom 30. April 1969 an: „Er wird sich […] in seinen Entscheidungen aber auch viel Unverständnis, vielleicht sogar Feindschaften zuziehen müssen. Er wäre gut beraten, wenn er beim Antreten des Erbes von Bischof Müller dessen geistliches Testament übernehmen würde […] ‚Wenn Gott auf unserer Seite ist, wer kann dann gegen uns sein?‘“ Pfarrer Scheerer sollte recht behalten.
Bischof Klein hat das Erbe seines Vorgängers, Bischof Friedrich Müller-Langenthal, bewusst angenommen und weitergeführt. Bischof Müller hatte die Evangelische Kirche in Siebenbürgen zu dem zurückgeführt, was ihr eigentlicher Auftrag ist, die Verkündigung des Evangeliums. Das war notwendig, weil es zwischen den Weltkriegen in der Volkskirche in Siebenbürgen zu einer „Verquickung von ‚völkischen‘ und kirchlichen Anliegen“Ludwig Binder: Die evangelische Landeskirche A. B. in Rumänien 1920–1944. In: Siebenbürgen zwischen den beiden Weltkriegen. S. 253. gekommen war, wobei das „Völkische“ in den Mittelpunkt gerückt wurde und die religiös-geistlichen Anliegen in den Hintergrund drängte.
Albert Klein übernahm das Amt, um diesen von Bischof Müller eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Vorrangiges Ziel war die Festigung des kirchlichen Lebens. Daher stand am Beginn seiner Tätigkeit der Besuch einzelner Gemeinden, um deren Verhältnisse kennenzulernen. So berichtet er schon nach 17 Monaten Amtszeit, dass er in Zusammenarbeit mit Bischofsvikar Hermann Binder bereits 105 Gemeinden besucht habe und so die Nöte und Sorgen der Gläubigen, aber auch die positiven Aspekte und Unzulänglichkeiten kirchlichen Lebens kennengelernt habe.Albert Klein: Ein Leben im Glauben für Kirche und Gemeinschaft. Selbstzeugnisse. Aus dem Nachlass herausgegeben von Kindern und Enkeln zu seinem 100. Geburtstag am 16. März 2010. Hermannstadt/Sibiu 2010, S. 438. Diese rege Visitationstätigkeit behielt er über seine ganze Amtszeit hinweg bei.
Grundlage für geistliches Leben und Handeln in dieser Kirche wurde die neue Agende für die Gottesdienstordnung,Christoph Klein: Predigt im Trauergottesdienst für Bischof D. Albert Klein. In: Christoph Klein, Hermann Pitters (Hrsg.): Ordnung und Verantwortung. Festschrift zum 80. Geburtstag von Bischof D. Albert Klein. Sibiu/Hermannstadt 1996, S. 328. die von einem innerkirchlichen Gremium unter seiner Anleitung und Begleitung erarbeitet wurde und sich an der Lutherischen Agende I orientierte. Sie wurde 1971 als Ringbuch den Pfarrern übergeben und erhielt ihre endgültige Fassung 1987. Die Ordnungen für die geistlichen Handlungen wurden 1982 herausgegeben.
Ab 1973 konnten die Kirchlichen Blätter wieder herausgegeben werden, eine für das kirchliche Leben sehr wichtige Publikation mit langer Tradition, deren Erscheinen 1944 eingestellt worden war. In enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erschien 1978 ein neues Gesangbuch, das in allen Gemeinden gleichzeitig eingeführt wurde.
Die Ausbildung der jungen Geistlichen war Albert Klein, dem ehemaligen leidenschaftlichen Lehrer, ein besonderes Anliegen. In enger Zusammenarbeit mit den Professoren des Theologischen Instituts wurde an einer Verbesserung der Ausbildung innerhalb dieser noch sehr jungen Institution gearbeitet. Fachliteratur war nur spärlich vorhanden, kam aber, wenn auch begrenzt, aus dem deutschen Sprachraum. Diese unschätzbare Unterstützung wurde mit großem Dank angenommen, von staatlicher Stelle aber durchaus argwöhnisch überwacht. Publikationen im Land waren nur schwer, wenn überhaupt möglich. Ab 1978 erschien die Reihe Beihefte der Kirchlichen Blätter.
Die bereits bestehende Kantorenschule brachte er nach Hermannstadt und ließ ihr größere Bedeutung zukommen. Er initiierte die Werkstätten für Orgelbau und Textilrestauration, so dass die Pflege und der Erhalt wertvoller Kunstobjekte erleichtert wurden. Die bereits vorhandene BauabteilungLudwig Binder, Josef Scheerer: Die Bischöfe der Evangelischen Kirche A. B. In Siebenbürgen. II. Teil, S. 237. innerhalb der Verwaltung des Bischofsamtes erleichterte die Instandsetzung kirchlicher Gebäude und ermöglichte eine effektive Nutzung finanzieller Unterstützung aus dem westlichen Ausland.