mini|270px|St. Urban-Kirche Wierthe ist ein Ortsteil der Gemeinde Vechelde im Landkreis Peine in Niedersachsen.

Geographie Wierthe liegt auf einer flachen Bodenwelle zwischen dem Flüsschen Aue und dem Dummbruchgraben. Der Ort war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf und hat seinen dörflichen Charakter bewahrt.

Nachbarorte

mini|Gründeraktie der Actien-Zucker-Fabrik Wierthe über 200 Thaler, ausgegeben am 1. Juli 1867

Geschichte Wierthe wurde im Jahre 1179 als „Wiriti“August Lambrecht: Das Herzogthum Braunschweig. Verlag Albert Stichtenoth, Wolfenbüttel 1863, S. 361 (). in einer Urkunde des Aegidienklosters Braunschweig urkundlich erwähnt, später auch als „Wirete“ (1318).

Im Jahr 1802 hatte Wierthe 151 Einwohner in 20 Feuerstellen. Mit dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel wurde Wierthe 1807 in das von Napoleon geschaffene Königreich Westphalen eingegliedert. Nach dessen Auflösung im Jahr 1813, gehörte der Ort bis 1918 zum Herzogtum Braunschweig.

Wierthes Zuordnung zum Landkreis Braunschweig und sein Status als selbstständige Gemeinde endeten am 1. März 1974 im Zuge der Gebietsreform Niedersachsens.

Von 1866 bis 2005 war die Ortschaft Standort einer Zuckerfabrik, zunächst als Actien-Zucker-Fabrik Wierthe. Im Dezember 2005 wurde die Produktionsanlage, zuletzt im Besitz der Nordzucker AG, stillgelegt. Die Zuckersilos und der Zuckerversand wurden weiter betrieben.

Auf dem restlichen Gelände entstand 2009 das seinerzeit größte Solarkraftwerk Niedersachsens sowie ein Gewerbepark.

Während des Umbaus des Rathausgebäudes in Vechelde im Jahr 2008, nutzte die Gemeindeverwaltung die Bürogebäude der Zuckerfabrik. Knapp ein Jahr war Wierthe Amtssitz des Bürgermeisters und der Gemeindeverwaltung Vecheldes.

Viele Bewohner des Dorfes gehen ihrem Erwerb heute hauptsächlich im Oberzentrum Braunschweig oder dem nahegelegenen Industriegebiet im Raum Salzgitter nach.

Politik Ortsvorsteher Ortsvorsteher ist Hans-Joachim Kleinert (SPD).

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Dorfkirche St. Urban wurde vermutlich im 13. Jahrhundert erbaut. Anfang des 16. Jahrhunderts ging das Patronatsrecht der Kirche auf das Braunschweiger Kreuzkloster über.Nathalie Kruppa (Hrsg.): Pfarreien im Mittelalter. Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn im Vergleich (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 238; Studien zur Germania Sacra. Band 32). Unter Mitw. von Leszek Zygner. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-35892-4. Das Dorfbild wird von mitteldeutschen Dreiseit- und Hakenhöfen bestimmt, daneben zweigeschossige Arbeiterhäuser. Mit dem Gebäudekomplex der ehemaligen Zuckerfabrik am östlichen Dorfrand bildet Wierthe eine weithin sichtbare Silhouette in der sonst flachen Landschaft. Im Nordwesten des Dorfes befinden sich die Klärteiche der ehemaligen Zuckerfabrik. Diese mit Schließung der Zuckerfabrik im Jahr 2005 nutzlos gewordenen Absetzteiche haben sich seit ihrer Stilllegung zu einem Biotop gewandelt. Nach der Schätzung von Ornithologen sind ungefähr 200 Vogelarten an den Klärteichen zu beobachten. Die Klärteiche befinden sich im Besitz der Stiftung Kulturlandpflege, die die Wasserversorgung der für Brut- und Rastvögel wichtigen Teichflächen über einen Brunnen sicherstellen will.Harald Meyer: Klärteiche – Die schlammige Uferzone macht sie so wertvoll für viele Vögel. Seenanlage bei Wierthe bleibt als Tierparadies erhalten und für Menschen zugänglich – 200 Arten vermutet. In: Braunschweiger Zeitung. 1. Dezember 2007 (braunschweiger-zeitung.de). Seit 1962 ist das Wierther Holz Landschaftsschutzgebiet, gemeinsam mit dem angrenzenden Sonnenberger Holz.

Persönlichkeiten Hermann Künne (1897–1918), Torpedobootsmatrose Gerhard Marquordt (1881–1950), Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker Hans Buttler (1894–1970), evangelisch-lutherischer Theologe, Pastor in Alvesse und Wierthe, Gegner des Nationalsozialismus.

Literatur Carl Venturini: Das Herzogthum Braunschweig in seiner vormaligen und gegenwärtigen Beschaffenheit, geschichtlich und statistisch dargestellt. 3., neu bearb. Auflage. Verlag C. G. Fleckeisen, Helmstedt 1847, S. 191 ().

Weblinks

Website der Gemeinde Vechelde

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Peine Kategorie:Ortsteil von Vechelde Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Peine) Kategorie:Ersterwähnung 1178 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974