Schulen in Hemer gibt es etwa seit 1600 in Hemer, als die heutige Woesteschule als evangelische Kirchspielschule den Unterricht aufnahm. Zuvor unterrichteten Privatlehrer die Kinder wohlhabenderer Hemeraner Familien in den Wohnhäusern. Heute gibt es in der Stadt Hemer in Nordrhein-Westfalen acht Grundschulen, eine Realschule, eine Gesamtschule und ein Gymnasium. Darüber hinaus ist die Stadt Standort von drei Förderschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Die Grundschulen und die Hauptschule I (Urbecker Straße) gingen aus ehemaligen Volksschulen hervor. Trägerin der meisten Schulen ist die Stadt Hemer, die Wilhelm-Busch- und die Regenbogenschule werden vom Märkischen Kreis, die Felsenmeerschule vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe getragen.
Geschichte mini|Niederhemer mit der katholischen Volksschule (vorne rechts), um 1900
Ein öffentliches Schulwesen in Hemer entstand im Laufe des 17. Jahrhunderts, als die ersten Volksschulen ihren Unterricht aufnahmen. In den ersten rund 200 Jahren, verstärkt nach der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, kam es in allen Einrichtungen zu Platzmangel, so dass neue Volksschulen errichtet wurden, um das Einzugsgebiet zu verkleinern. So entstanden auch Schulen in den eher schwach besiedelten Tälern im Süden des heutigen Stadtgebiets, in denen zum Teil einzügig unterrichtet wurde. Bis in die 1930er-Jahre hinein waren die Schulen ausschließlich Bekenntnisschulen. Die Umwandlung in Gemeinschaftsschulen während des Nationalsozialismus wurde nach dem Krieg durch Elternabstimmungen wieder rückgängig gemacht.
Der Streit um Konfessions- oder Gemeinschaftsschulen in Hemer eskalierte 1957 in einem Schulstreik, da das Gebäude der belgischen Schule nach deren Abzug einer Gemeinschaftsschule zugesprochen wurde. Da die Bekenntnisschulen in der Stadtmitte überfüllt waren, und vor allem das Gebäude der katholischen Brabeckschule auch in schlechtem Zustand war, beanspruchten sie selbst das Gebäude. Nach einer hitzigen Ratssondersitzung setzte sich die Ratsmehrheit um Bürgermeister Karl Bode und Stadtdirektor Heinz Hoose im Wesentlichen durch, die Bedeutung der Konfessionsschulen blieb allerdings durch eine Änderung der Schulbezirke bestehen.Hans-Hermann Stopsack: Schulstreik und Schulstreit: Kulturkampf 1957. in: Vom Amt zur Stadt. Selbstverlag, Hemer 2000. S. 498–503
Durch die Schulreform in Nordrhein-Westfalen 1968 wurden die bestehenden Volksschulen in Grund- und Hauptschulen sowie die Bekenntnis- in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Die einzügigen Volksschulen in Brockhausen, Bredenbruch und Frönsberg wurden aufgelöst.
Grundschulen Brabeckschule mini|Brabeckschule
Die Brabeckschule wurde 1701 als Patronatsschule des Hauses Hemer von Jobst Edmund von Brabeck gegründet, nachdem dieser ein Jahr zuvor die dortige Pfarrgemeinde St. Peter und Paul errichten ließ. Der Küster und Organist der Pfarrkirche übernahm den Lehrerposten der katholischen Schule in Niederhemer, aus der sich die heutige Brabeckschule entwickelte. Im Zuge des Kulturkampfes wurde diese Verbindung zwischen Küster, Organisten und Lehrer 1887 aufgelöst.Heinrich Kraas: Gründung der Brabeckschule. in: Der Schlüssel. Hemer 1957. S. 18 f. In den 1840er-Jahren reichte der Platz in der Küsterei, wo der Unterricht stattfand, nicht mehr aus, weshalb nun der Raum eines Nachbargebäudes ebenfalls genutzt wurde.
1864 war gegenüber dem Küsterhaus ein Neubau errichtet worden, der fortan als Mädchenschule geführt wurde. Die katholische Gemeinde Hemers richtete die Schule mit eigener Lehrerin unabhängig von der schon bestehenden Schule und ohne Unterstützung durch die evangelische Patronatsfamilie Löbbecke ein, um bei stetig wachsenden Schülerzahlen weiterhin geordneten Unterricht zu ermöglichen. Obwohl 1877 die Schüler aus Sundwig, Westig und Deilinghofen in eine Sundwiger Volksschule wechselten, stieg die Zahl der Lehrer in Niederhemer auf drei. Zehn Jahre später endete die Geschichte der Patronatsschule, Träger beider Schulen war seitdem die katholische Kirchengemeinde.Robert Gräve: Die Patronatsschule des Hauses Hemer – von 1701 bis 1887. in: Robert Gräve u. a.: Die Fibel. Band 7: Hemeraner Schulgeschichte(n), Teil I: Die Volks- und Grundschulen. Selbstverlag des Bürger- und Heimatvereins Hemer e.V., Hemer 2007.
Bis 1904 stieg die Schülerzahl auf 447 Kinder, die von sechs Lehrkräften betreut wurden. In den folgenden Jahren bis zum Ersten Weltkrieg wurden die Schulgebäude renoviert und teilweise erweitert. 1910 wurde eine Filiale in einer evangelischen Volksschule Oberhemer eingerichtet. 1914 trat der Ortsteil Becke aus dem Schulverbund aus, so dass die Schülerzahl 1929 auf 377 Kinder sank. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurde die Schule als konfessionslose Horst-Wessel-Schule geführt, nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie ihren heutigen Namen und wurde erneut in eine Konfessionsschule umgewandelt.Hans-Hermann Stopsack: Schulen und Bildung. in: Hemer 1944–1949. Selbstverlag, Hemer 2004. S. 273–280 Als an der katholischen Brabeckschule 1947 ein SPD-Mitglied als Rektor eingesetzt wurde, kam es in Hemer zu einem ersten Schulstreik. Der Streit zwischen Elternschaft und Stadtrat endete 1951 mit der Einsetzung eines neuen Schulleiters.Robert Gräve, Franz Becker: Brabeckschule Hemer – von der kath. Volksschule zur Gemeinschaftsgrundschule. in: Robert Gräve u. a.: Die Fibel. Band 7: Hemeraner Schulgeschichte(n), Teil I: Die Volks- und Grundschulen. Selbstverlag des Bürger- und Heimatvereins Hemer e.V., Hemer 2007. 1957 trieben die Eltern der Brabeckschüler einen zweiten Schulstreik voran, um die vermehrte Einführung der Gemeinschaftsschule in Hemer zu verhindern. 1976 baute die Stadt ein neues Gebäude in Stübecken und übernahm die Trägerschaft der Grundschule, die seitdem erneut als Gemeinschafts-Grundschule geführt wird. Der Vorgängerbau wurde wegen Baufälligkeit abgebrochen. 2004 führte die Schule den Offenen Ganztag ein. Die Schülerzahl lag im Schuljahr 2008/2009 bei 181, im Jahr 2019/2020 bei 151.Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Brabeckschule Gemeinschaftsgrundschule, abgerufen am 29. Januar 2020
Deilinghofener Schule mini|Deilinghofener Schule
Die Deilinghofener Schule wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegründet, Kontinuität trat 1692 durch die Neueinstellung eines Lehrers ein, der zugleich das Küsteramt übernahm. Diese Zusammenlegung blieb in den folgenden Jahrzehnten bestehen, die Schülerzahlen blieben bei 100 etwa konstant. Im 19. Jahrhundert stieg die Zahl an, so dass ab 1838 in zwei Schichten unterrichtet wurde. Die um 1800 errichtete erste Schule in Deilinghofen lag direkt an der Stephanuskirche und wurde durch einen Neubau 1874 ersetzt. Das Gebäude an der heutigen Hönnetalstraße steht heute leer, das erste Schulhaus wurde in Apricke wieder aufgebaut. Zugleich wurde nach 1850 eine zweite, 1877 auch eine dritte Lehrerstelle eingerichtet. 1909 wurde die Lehrerwohnung in einen vierten Klassenraum umgebaut, womit auch eine vierte Lehrkraft nach Deilinghofen kam. Nach der Einrichtung einer fünften Lehrerstelle 1920 endete 1923 die Ämterkopplung von Küster, Organist und Lehrer. Im folgenden Jahr wurde die einzige Lehrerin der Schule aus finanziellen Gründen entlassen. Da immer weniger Kinder während der Weltwirtschaftskrise zur Schule gingen, musste eine Stelle abgebaut werden.
Nach dem unregelmäßigen Unterricht im Zweiten Weltkrieg und der Schulschließung zum Kriegsende wurde der Unterricht im September 1945 wieder aufgenommen. 1948 war die Schule erneut vier Monate geschlossen, um dort Ostflüchtlinge unterzubringen. Nach Wiederaufnahme des Unterrichts erhielt die Schule den Namen Bodelschwingh-Schule und wurde als evangelische Volksschule geführt. Bei wachsenden Schüler- und Lehrerzahlen wurde in den 1950er-Jahren ein Neubau nötig, der 1957 am heutigen Standort eröffnet wurde. Als 1966 mehr als 300 Schüler die Deilinghofener Schule besuchten, wurde eine 1967 fertiggestellte Erweiterung mit Turnhalle und Aula nötig. Ein Jahr später wurde die Volksschule in eine Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt.Gerd Herchenröder: Die Schule in Deilinghofen. in: Robert Gräve u. a.: Die Fibel. Band 7: Hemeraner Schulgeschichte(n), Teil 1: Die Volks- und Grundschulen. Selbstverlag des Bürger- und Heimatvereins Hemer, Hemer 2007. S. 220–248 Sie wurde im Schuljahr 2009/2010 von 203 Schülern besucht, im Schuljahr 2019/2020 werden 195 Schülern unterrichtet.Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Deilinghofener Schule, abgerufen am 29. Januar 2020
Diesterwegschule mini|Diesterwegschule
Die Westiger Schulgeschichte begann im August 1805 mit der Eröffnung einer evangelischen Volksschule, die in einem einstöckigen Schulgebäude an der heutigen Altenaer Straße untergebracht war. Trotz einer Erweiterung des Gebäudes um eine Etage 1827 genügte der Platz nicht, um die schnell wachsende Zahl an Schülern richtig betreuen zu können. Nach einer Hauskollekte konnte 1870 ein Neubau errichtet und im folgenden Jahr eingeweiht werden. Zugleich richtete der Schulvorstand eine zweite Lehrerstelle ein. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Volksschule erweitert, die Platzprobleme blieben jedoch bestehen, weshalb 1902 ein Schulneubau eingeweiht wurde. Bei einem grundlegenden Umbau 1930 erhielt die Schule unter dem Namen Bismarckschule ihr heutiges Aussehen. Im Frühjahr 1904 war die katholische Schule Westig gegründet worden. Als Mieterin war sie zuerst im ehemaligen Gebäude der evangelischen Schule untergebracht, bis 1908 der Neubau in Wiehagen eröffnet wurde. Das ehemalige evangelische Schulgebäude wurde 1933 in ein SA-Heim umgewandelt und 1970 abgerissen.
Anfang 1936 entschied sich die Westiger Elternschaft gegen die Stimmen vieler katholischer Eltern freiwillig zur Zusammenlegung der beiden Konfessionsschulen. Wenngleich der Landrat des Kreises Iserlohn diesen Antrag ablehnte, legte die Hemeraner Stadtverwaltung die Schulen 1937 inoffiziell dennoch zusammen. In das ehemals katholische Schulgebäude zog eine Berufsschule. Nach Kriegsende nahmen die Lehrkräfte den Unterricht ab dem September 1945 schrittweise wieder auf. Im Mai 1946 lag die Schülerzahl wieder bei 474 Kindern, die von sechs Lehrern betreut wurden. Im April 1947 stimmten die Eltern für die Wiedereinführung der Konfessionsschulen, die Einrichtung wurde in dem Zuge nach Adolph Diesterweg benannt. Die katholische Schule zog 1966 wieder in ihr ursprüngliches Gebäude in Wiehagen, fusionierte zwei Jahre später allerdings erneut mit der evangelischen Volksschule. Das noch heute genutzte Schulgebäude bezogen die Grundschüler beider Konfessionen, in Wiehagen wurden die Hauptschüler unterrichtet.Robert Gräve (Redaktion): Evangelische Volksschule Westig und ihre Rechtsnachfolger. in: Robert Gräve u. a.: Die Fibel. Band 7: Hemeraner Schulgeschichte(n), Teil 1: Die Volks- und Grundschulen. Selbstverlag des Bürger- und Heimatvereins Hemer, Hemer 2007. S. 149–174 Heute dient das Gebäude der ehemaligen katholischen Volksschule als Wohnhaus.Robert Gräve: Katholische Volksschule Westig – 1904 bis 1969. in: Robert Gräve u. a.: Die Fibel. Band 7: Hemeraner Schulgeschichte(n), Teil 1: Die Volks- und Grundschulen. Selbstverlag des Bürger- und Heimatvereins Hemer, Hemer 2007. S. 175–190
Inzwischen besteht auch in Westig ein Ganztagesangebot, das vom Förderverein der Diesterwegschule getragen wird. Die Schülerzahl lag im Schuljahr 2009/2010 bei 109. Im Schuljahr 2019/2020 liegt sie bei 140.Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Diesterwegschule, abgerufen am 29. Januar 2020
Freiherr-vom-Stein-Schule mini|Freiherr-vom-Stein-Schule