Dittelsheim-Heßloch ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wonnegau an.

Geographie Das Weindorf, das aus den beiden Ortsteilen Dittelsheim und Heßloch besteht, liegt am Nordostrand des Alzeyer Hügellandes im Wonnegau in Rheinhessen. Es liegt etwa in der Mitte zwischen Frettenheim im Norden und Monzernheim im Süden sowie Framersheim im Westnordwesten und Bechtheim im Ostsüdosten. Höchste Erhebung in der Gemarkung ist der westlich des Ortes gelegene Kloppberg.

mini|Anton Praetorius: Fassgedicht 1595 (Titelseite) Geschichte Dittelsheim Vier Schenkungen des frühen Mittelalters an das Kloster Lorsch zwischen 774 und 846 belegen, dass vor über 1200 Jahren auch in Dittelsheim einige fromme Leute lebten, die in diesen Schenkungen an den Klosterheiligen St. Nazarius ihr Seelenheil suchten, wenn auch nicht so viele wie in Heßloch. Sie sind im Güterverzeichnis des Klosters Lorsch, dem „Codex Laureshamensis“, gewissenhaft eingetragen (CL II, 1878,1879,1767). 827 wollte ein Einwohner lieber den Heiligen Pirminius beschenken, wodurch auch das südpfälzische Kloster Hornbach hier Besitz bekam (Neubauer, Regesten des Klosters Hornbach 013). Beim Klosterbesitz blieb es nicht: Werner II. von Bolanden erhielt um 1190 den Ort Dittelsheim zu Lehen von den Grafen von Katzenelnbogen. Die Kurpfalz erwarb nach und nach die raugräflichen, altbolandischen Anteile und diejenigen der von Wachenheim und von Dalberg (15. bis Anfang des 17. Jahrhunderts). Während des Mittelalters waren die Herren von Dalberg Vogteiherren. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538). Nach der Besetzung des linksrheinischen Gebiets durch die Franzosen wurden das dalbergische Dittelsheim und das kurpfälzische Heßloch dem Kanton Bechtheim im Arrondissement Mainz im Departement Donnersberg zugeordnet. Der Kanton Bechtheim kam dann infolge des Wiener Kongresses 1815 zur Provinz Rheinhessen im Großherzogtum Hessen. 1822 wurde der Kanton Bechtheim in Osthofen umbenannt. 1833 wurden die Kantone durch Kreise ersetzt und Dittelsheim und Heßloch kamen zum Kreis Worms. Ab 1945 gehörten beide Orte zur französischen Besatzungszone und ab 1946 zum neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz.

In Dittelsheim wirkte von 1592 bis 1595 als erster reformierter Pfarrer Anton Praetorius. Er wurde als Gegner der Hexenprozesse bekannt. In Dittelsheim verfasste er die älteste Beschreibung des 1. Großen Fasses im Heidelberger Schloss. 2013 haben Schüler des Wormser Rudi-Stephan-GymnasiumsRudi-Stephan-Schüler erinnern an Hexenverfolgung. Tafel zur Würdigung eines Dittelsheimer Pfarrers enthüllt. In: Nibelungen Kurier, 25. Juni 2013 (abgerufen am 28. April 2016). eine Erinnerungstafel an Anton Praetorius am evangelischen Pfarrhaus initiiert.Evangelische Kirche Dittelsheim-Heßloch, 23. Juni 2013. Enthüllung einer Erinnerungstafel am Pfarrhaus für Pfarrer Anton Praetorius (1560–2013), Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter, zum 400. Todesjahr. (PDF; 4 MB), abgerufen am 28. April 2016.

Heßloch In kaum einem anderen Ort erhielt das Kloster Lorsch so viele Schenkungen wie in Heßloch, nämlich zwölf, die sich auf die Jahre 765 bis 803 verteilten (CL II, 1079,1825,1882ff.,1998; CL III,3660). Das Kloster Hornbach bekam im Jahr 827 nicht nur in Dittelsheim, sondern auch in „Hesinloch“ Besitz (Neubauer, Reg.d.Kl.Hornbach 013, s. o.). Diese Urkunde wurde auch in Heßloch ausgestellt, was ein größeres Gebäude zur Unterbringung von Menschen und Pferden voraussetzt. König Ludwig der Deutsche höchstpersönlich verfügte im Jahr 871, dass die neu gegründete Klosterzelle „Neumünster“ bei Ottweiler (Saar) „in villa vocata Hesinloh manses quatuordecim et ecclesiam“, also 14 Mansen Land und eine Kirche erhalten sollte (MGH DD LdD 138). In letzterer Urkunde wurde aber Dittelsheim nicht erwähnt. Bis ins Hochmittelalter waren also in Heßloch drei Klöster begütert.

Am 5. August 1375 stiftete der Ritter Wolfgang I. Kämmerer von Worms in Heßloch ein Hospital und stattete es mit Einkünften aus. An diese Einrichtung erinnert heute noch die Straßenbezeichnung „Am Spital“.Johannes Bollinger: 100 Familien der Kämmerer von Worms und der Herren von Dalberg. Bollinger, Worms-Herrnsheim 1989. Ohne ISBN, S. 20. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

In der Hexenverfolgung gegen die Heßlocher Frauen 1599 wurden mindestens drei Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Hexenprozess gegen Margreth, Frau des Philipp Mohr, gelang der Angeklagten die Flucht aus der Haft.Namensliste der Opfer der Hesslocher Hexenprozesse (PDF; 9 kB) (abgerufen am 28. April 2016).

Nach der Gebietsreform Die heutige Gemeinde entstand am 7. Juni 1969 durch Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinden Dittelsheim (damals 916 Einwohner) und Hessloch (880 Einwohner). Gleichzeitig wurde die Schreibweise der Ortschaft „Hessloch“ geändert.

Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Dittelsheim-Heßloch bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 1.124 1835 1.641 1871 1.675 1905 1.874 1939 1.753 1950 2.197 1961 1.900 Jahr Einwohner 1970 1.799 1987 1.746 1997 2.176 2005 2.207 2011 2.103 2017 2.129

Politik mini|Ehemaliger Bahnhof Dittelsheim mini|Ehemaliges Pfarrhaus Dittelsheim Gemeinderat Der Gemeinderat in Dittelsheim-Heßloch besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FWG Gesamt2024 5 5 1 5 16 Sitze 2019 3 5 3 5 16 Sitze 2014 5 5 – 6 16 Sitze 2009 4 6 – 6 16 Sitze 2004 4 7 – 5 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Wonnegau

Bürgermeister Frank Heeb (SPD) wurde am 2. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Dittelsheim-Heßloch. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 71,2 % gewählt worden.

+ Bürgermeister von DittelsheimNameAmtszeitJoh. Chr. Kirschbaum 1820–1846Philipp Deforth 1851–1881Jakob Schiling 1881–1902Georg Deheck 1902–1908Adam Schiling 1909–1914Johann Winter VII. 1920–1933Kurt Schilling 1933–1934Karl Deheck 1934–1940Hans Spies 1940–1943Gottlieb Spohrer 1944–1945Gottlieb Spies 1945–1946Peter Winter 1946–1951Gg. Philipp Weber 1951–1953Heinrich Spies IV. 1953–1956Johann Höflich 1956–1964Fritz Deheck 1964–1969Quelle: Buch 1200 Jahre Dittelsheim-Heßloch + Bürgermeister von HeßlochNameAmtszeitPeter Stephan III. 1849–1868Hermann Heinrichs 1868–1876Moritz Hahn 1901–1925Martin Ruppert 1925–1933Adolf Sauer 1933–1945Wilhelm Blaum 1945–1946Johann Blaum III. 1946–1960Kurt Hofmeister 1960–1969Quelle: Buch 1200 Jahre Dittelsheim-Heßloch

+ Ortsbürgermeister von Dittelsheim-HeßlochNameParteiAmtszeitKurt Hofmeister 1969–1971Werner SpiesFWG 1971–1989Herbert MorchSPD 1989–2004Rainer FuhrmannCDU 2004–2014Elisabeth Kolb-NoackGrüne 2014–2024Frank HeebSPD seit 2024

Wappen

Städtepartnerschaft Humboldt (Argentinien), Provinz Santa Fe, Argentinien

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sarazenen­turm: Turm der evangelischen Kirche Allerheiligen im Ortsteil Dittelsheim, nach älterer Auffassung um 1200 entstanden, im Volksmund „Heidenturm“ genannt. Dendrochronologische Untersuchungen der Bauhölzer in den oktogonalen Turmgeschossen haben gezeigt, dass diese um 1080 errichtet wurden.Hans-Jürgen Kotzur: , regionalgeschichte.net, Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz, abgerufen am 18. Juli 2016 Die Kirche selbst wurde 1729 abgebrochen und durch einen Barockbau ersetzt, nur die Vorhalle und der Turm blieben erhalten. Angeblich sind maurische oder byzantinische Stileinflüsse bei diesem romanischen Turm mitbestimmend; er wird oft als der schönste seiner Art in Rheinhessen bezeichnet. Der Turmhelm mit dem 16fach gefächerten Kuppeldach weise auf Beziehungen der hohenstaufischen Rheinlande zum Osten hin und gehört zu einer Gruppe ähnlicher Turmhelme in Rheinhessen (vgl. Alsheim, Guntersblum und St. Paul in Worms). Der Name „Heidenturm“ (Sarazenenturm) nimmt Bezug auf Kreuzfahrer, die ihn erbaut haben sollen. alt-katholische Christuskirche in Heßloch Römisch-katholische Kirche St. Jakobus in Heßloch Kloppbergturm, etwa 14 m hoher Aussichtsturm mit angebautem Turmlokal auf dem Kloppberg

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Dittelsheim-Heßloch Liste der Naturdenkmale in Dittelsheim-Heßloch

Wirtschaft und Infrastruktur Weinanbau Weinbau hat hier eine lange Tradition. Dittelsheim-Heßloch umfasst etwa 1.350 ha Fläche, wovon 446 ha mit Weinreben bepflanzt sind. Die Weinlagen gehören zum Bereich Wonnegau und sind im Norden der Dittelsheimer LeckerbergDittelsheimer Leckerberg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., im Westen die Dittelsheimer MönchhubeDittelsheimer Mönchhube – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., die Dittelsheimer PfaffenmützeDittelsheimer Pfaffenmütze – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024. und der Dittelsheimer KloppbergDittelsheimer Kloppberg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., im Süden der Dittelsheimer GeiersbergDittelsheimer Geiersberg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024., der Heßlocher LiebfrauenbergHeßlocher Liebfrauenberg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024. und der Heßlocher MondscheinHeßlocher Mondschein – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024. sowie Osten die Heßlocher Edle Weingärten.Heßlocher Edle Weingärten – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 15. Januar 2024.Dittelsheim – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 30. Mai 2023.Heßloch – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 30. Mai 2023.

Höhenunterschiede, verschiedene kleinklimatische Bedingungen und sehr differenzierte Bodenbeschaffenheiten, die von schweren, lehmhaltigen Böden bis hin zu leichten Sandböden reichen, sind gute Voraussetzungen für den Weinbau und deshalb gedeihen in Dittelsheim-Heßloch viele verschiedene Rebsorten, die eine breite Palette von Weinen ermöglichen.

Das Weingut Winter bildet als VDP Mitglied eine Qualitätsspitze in Dittelsheim.

Verkehr mini|Ehemaliges Bahnhofsgebäude

Die durch den Ortsteil Heßloch verlaufende Gaustraße (L 425) verbindet die Gemeinde mit Mainz im Norden und Worms im Süden. Von der Gaustraße zweigt in Heßloch die L 414 nach Gau-Odernheim ab, die auch beide Ortsteile verbindet.

Zwischen den beiden Ortsteilen befand sich der ehemalige gemeinsame Bahnhof an der 1974 im Personenverkehr stillgelegten Bahnstrecke Gau Odernheim–Osthofen. Er trug die Bezeichnung Dittelsheim. Dort wurde Anfang 1917 ein Ladekran für den Güterverkehr in Betrieb genommen.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 3. Februar 1917, Nr. 8. Bekanntmachung Nr. 81, S. 39.

Persönlichkeiten aus Dittelsheim-Heßloch