Die Kirchen in Leipzig haben sich zusammen mit der Ausbreitung der Stadt entwickelt. Im heutigen Leipziger Stadtgebiet gibt es mehr als 90 Kirchenbauten, davon gehören allein 65 zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, der in Leipzig mitgliederstärksten Kirche.
Die zwei größten und bedeutendsten Kirchenbauten des Mittelalters befanden sich innerhalb der ehemaligen Stadtmauer. Diese beiden noch heute das Stadtzentrum bestimmenden Kirchen, die Nikolai- und die Thomaskirche, waren von 1539 bis 1876 auch die einzigen Pfarrkirchen der Stadt.
Als 1889 mit Reudnitz und Anger-Crottendorf die ersten Orte nach Leipzig eingemeindet wurden, kamen die ländlichen Ortschaften mit den alten Dorfkirchen, die sich meist in der Mitte der alten Ortslage befanden, hinzu. Viele dieser Kirchen sind bis heute erhalten. Einige zu klein gewordene Dorfkirchen wurden nach der Entwicklung der ehemaligen Dörfer zu bevölkerungsreichen Industrievororten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch größere Neubauten ersetzt. Meist entstanden Kirchen jedoch als Neugründungen.
Die Andreaskapelle aus dem 11. Jahrhundert im 1999 eingemeindeten Ort Knautnaundorf ist der älteste erhaltene kirchliche Raum auf sächsischem Boden.
Anmerkung: In der Aufstellung tragen die evangelisch-lutherischen Kirchen keine Konfessionsbezeichnung.
Nikolaikirche mini|hochkant|Nikolaikirche
Standort: Nikolaikirchhof 4 b Erbauungszeit: Letztes Drittel des 12. Jahrhunderts Architekten: Johann Carl Friedrich Dauthe (Umbau 1784–1797), Hugo Licht (Predigerhaus 1886/87) Die Nikolaikirche ist eine der beiden Hauptkirchen der Stadt und die größte Kirche Leipzigs. Sie besitzt einen bedeutenden klassizistischen Innenraum. Das Gotteshaus war der Ausgangspunkt der friedlichen Revolution im Herbst 1989. Gegenüber der Kirche steht am Nikolaikirchhof 3–4 das Predigerhaus. Es wurde als Neurenaissancebau 1886/87 anstelle eines Teils der Alten Nikolaischule errichtet. Die Kirche hat einen 75 Meter hohen Turm, in dessen Obergeschoss sich früher eine Türmerwohnung befand. Vor der Reformation hatte die Nikolaikirche einen Haupt- und 18 Nebenaltäre. Orgeln: 1859–1862: Friedrich Ladegast (IV/84) 1902–1903: Umbau durch Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder (IV/93) 2002–2003: Hermann Eule, Bautzen. Neubau in Anlehnung an die Ladegast-Orgel mit Integration der historischen Substanz (V/103, größte Kirchenorgel Sachsens); beim Neubau der Orgel wurde der nicht mehr erhaltene Spieltisch durch Porsche-Designer neu gestaltet
Thomaskirche mini|hochkant=0.5|Thomaskirche
Standort: Thomaskirchhof 19 Erbauungszeit: 1482–1496 Architekten: Claus Roder (bis 1489), Georg Weidenbach, Richard Tschammer (Superintendentur 1904) Die Thomaskirche ist eine der beiden Hauptkirchen der Stadt. Sie entstand als Neubau im spätgotischen Stil anstelle der älteren Stiftskirche der Augustiner-Chorherren. 1884–1889 fand eine Renovierung im neugotischen Stil und der Bau des an die Westfront aufgesetzten Mendelssohn-Portals statt. Dabei wurde die gesamte Ausstattung der Barockzeit entfernt. Die Thomaskirche hat eines der steilsten Giebeldächer Deutschlands mit einem Neigungswinkel von 63°. Die Turmhöhe beträgt 68 Meter. Vor der Reformation besaß die Thomaskirche einen Haupt- und 17 Nebenaltäre.
Die Thomaskirche war die Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs und des Thomanerchores, seit 1950 ist sie auch letzte Ruhestätte Bachs.
An die Kirche grenzt die 1904 anstelle der alten Thomasschule erbaute Superintendentur (Thomaskirchhof 18). Es handelt sich um einen vollständig mit Kalkstein verkleideten Bau mit drei markanten Staffelgiebeln und Jugendstilausstattung im Inneren. Orgeln: Schon im Vorgängerbau ist 1384 erstmals „Orgelgesang“ dokumentiert, dies ist einer der frühesten Nachweise im europäischen Raum zum Orgelgebrauch im Gottesdienst. 1885–1889: Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder, romantische Orgel (III/63) mit einem Prospekt von Constantin Lipsius, 1908 Umbau durch Sauer (III/86), 1993 und 2005 Restaurierung und Rückführung auf den Originalzustand von 1908 durch Christian Scheffler, Sieversdorf 1966–1967: Schuke, Potsdam, zusätzliche Orgel auf der Nordempore (III/47) speziell für ältere Orgelmusik, 1999 ausgebaut und für den Neubau der Schuke-Orgel (IV/69, 2005 fertiggestellt) des Doms St. Marien in Fürstenwalde verwendet. 1999–2000: Bachorgel von Gerald Woehl, Marburg (IV/61) als Ersatz für die Schuke-Orgel, diese größte Barockorgel Mitteldeutschlands lässt sich von Chorton auf Kammerton umstellen
Neue römisch-katholische Propsteikirche St. Trinitatis mini|Neue Propsteikirche St. Trinitatis
Standort: Nonnenmühlgasse 2 Erbauungszeit: 2011–2015 Architekten: Ansgar und Benedikt Schulz, Leipzig Der Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis mit Pfarrzentrum erfolgte auf einem dreiecksförmigen Grundstück. Der Bau entstand aus Rochlitzer Porphyr, der Pfarrhof bietet eine Durchgangsmöglichkeit für Passanten. Orgel: 2015, Orgelbau Vleugels, Hardheim (III/45) Die Turmhöhe beträgt ca. 50 Meter.
Evangelisch-reformierte Kirche mini|hochkant=0.5|Reformierte Kirche
Standort: Tröndlinring 7 Erbauungszeit: 1896–1899 Architekten: Georg Weidenbach, Richard Tschammer Die Kirche bildet mit dem zur gleichen Zeit erbauten angrenzenden Predigerhaus eine Einheit; am 4. Dezember 1943 wurde sie während der schweren Luftangriffe beschädigt, Wiederaufbau bis 1969. Orgeln: 1899, Furtwängler & Hammer, Hannover (II/36), 1943 zerstört 1969 neue Orgel von Jehmlich, Dresden (II/23) Die Turmhöhe beträgt 67 Meter.
Peterskirche mini|hochkant|Peterskirche
Standort: Schletterstraße 5 Erbauungszeit: 1881–1885 Architekten: August Hartel, Constantin Lipsius Der neugotische Bau in den Formen der Kathedralgotik ist der bedeutendste historistische Sakralbau Leipzigs. Vor dem Haupteingang steht ein 1937 von Max Alfred Brumme geschaffenes Gefallenendenkmal. Der Hauptturm der Kirche ist mit einer Höhe von 88,5 Metern der höchste Kirchturm Leipzigs. Die beiden Westtürme haben eine Höhe von jeweils 42,6 Metern. Am 4. Dezember 1943 wurde die Kirche bei einem Luftangriff schwer beschädigt. 1948/49 wurden Gewölbe, Dachstuhl und Giebelwände gesichert, danach erfolgte die Wiederherstellung. 1993 begann eine noch andauernde umfassende Sanierung. Orgeln: 1885, Wilhelm Sauer, Frankfurt/Oder (III/60), die Orgel – die heute einen unschätzbaren Denkmalwert besäße – wurde nach kriegsbedingten Schäden 1958 durch nicht mehr zu ermittelnde Orgelbauer ausgebaut, so dass nur noch der über 12 Meter breite neugotische Prospekt vorhanden ist, der Rest ist verschollen, nach anfänglichen Wiederaufbauplänen für die Sauer-Orgel entschied man sich, eine Orgel für französisch-symphonische Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts nach dem Vorbild Aristide Cavaillé-Colls zu bauen, dazu gründeten Leipziger Organisten 1995 einen Orgelförderkreis. Die um 1900 von Johannes Jahn, Dresden, erbaute und später durch die Hermann Eule Orgelbau Bautzen erweiterte ehemalige Schulorgel der Universitätskirche St. Pauli (II/8) konnte nach einer umfangreichen Restaurierung durch Gerd-Christian Bochmann, Kohren-Sahlis, am 19. November 1995 als Dauerleihgabe der Universität Leipzig an die Peterskirche übergeben werden. 2005 Positiv (I/4) von Gerd-Christian Bochmann in der Taufkapelle
Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) mini|hochkant|Gemeindezentrum der Baptisten Standort: Bernhard-Göring-Straße 18–20 Erbauungszeit: 2009–2010 Architekten: Bettina Noesser, Reinulf Padberg, Köln Nach dem Abbruch der von der Gemeinde genutzten Vorgängerbauten (alte Friedenskapelle) entstand ein modernes schlichtes Gebäude mit einem langgestreckten Baukörper über dem verglasten, zum Garten hin offenen Sockelgeschoss. Der erste Gottesdienst im neuen Gebäude fand am 28. Februar 2010 statt.
Evangelisch-methodistische Kreuzkirche mini|hochkant|Kreuzkirche Standort: Paul-Gruner-Straße 26 (früher Sidonienstraße) Erbauungszeit: 1921 Architekten: Richard Wagner, Karl Petermann (Wiederaufbau 1949/50) Der Kirchenraum ist im Stil des Leipziger Klassizismus des frühen 19. Jahrhunderts gehalten. 1949–1950 erfolgte der Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten Kirche, jedoch ohne die ursprünglich vorhandenen Seitenemporen. Die Gemeinde erwarb 1923 das nordwestlich gelegene Grundstück mit einer 1877 für den Fabrikanten Julius Meißner errichteten Villa (nach Kriegszerstörung und Abriss der Ruine nur noch das Kellergeschoss erhalten). Erhalten ist das als Gemeindehaus genutzte Stall- und Remisengebäude mit Säulenloggia im Obergeschoss. Orgeln: 1940, Weigele, zerstört 1950 neue Orgel der Firma Jehmlich, Dresden
Landeskirchliche Gemeinschaft mini|hochkant|Landeskirchliche Gemeinschaft Standort: Paul-Gruner-Straße 44 (früher Sidonienstraße) Erbauungszeit: 1907–1908, 1946–1950 (Wiederaufbau), 1996–1997 (Umbau zum Hotel) Architekt: Paul Lange Der langgestreckte Saalbau wurde anstelle einer Villa von 1860 für den Gemeinschaftsverein im Königreich Sachsen e. V. (Zusammenschluss evangelischer Männer zur christlichen Lebensführung) erbaut. Das erste und das zweite Obergeschoss beherbergten den Predigersaal, der ursprünglich an der nördlichen Längsseite eine Apsis mit Podium und zwei Kanzeln und an den Schmalseiten zwei Galerien aufwies. Der Saalbau brannte nach einem Luftangriff am 4. Dezember 1943 aus, konnte jedoch 1945 wieder genutzt werden. Da der Unterhalt des Gebäudes zu teuer wurde, entschied man sich, das Haus 1996 dem Hotel Michaelis (benannt nach dem früheren Vorsitzenden des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes Walter Michaelis) zur Verfügung zu stellen. Die Landeskirchliche Gemeinschaft nutzt nur noch Räume im Untergeschoss. Für Gemeinschaftsstunden und größere Veranstaltungen mietet sie Tagungsräume des Hotels.
Gemeindehaus der Andreasgemeinde mini|hochkant|Gemeindehaus der Andreasgemeinde Standort: Scharnhorststraße 29–31 Erbauungszeit: 1935–1936 Architekten: Georg Stauch, Lieselotte Hering (Saalumbau 1949) Der zweigeschossige Putzbau mit leicht geknicktem Walmdach und stichbogigem Eingang wurde als Gemeindehaus erbaut. Das vordere viergeschossige Wohnhaus von 1936/37 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Rechts an das Gemeindehaus schließt sich der Saal mit hohen Fenstern an, der 1949 zum Sakralraum umgestaltet wurde. Er diente seit der Zerstörung der Andreaskirche für die Gottesdienste der Andreasgemeinde, die nunmehr aus Platzgründen im „Pavillon der Hoffnung“, der 1985 vom VEB Carl Zeiss Jena erbauten ehemaligen Messehalle 14 auf der Alten Messe, die heute dem Förderverein Ökumenisches Zentrum gehört, stattfinden. Derzeit wird das Gebäude von der anglikanischen Gemeinde in Leipzig, der Leipzig English Church, genutzt. Neben dem Gemeindehaus befindet sich ein freistehender Glockenturm. Orgel: 1947, Jehmlich, Dresden, unter Verwendung des aus der zerstörten Andreaskirche geborgenen Pfeifenwerkes (II/18)
Bethlehemkirche mini|hochkant|Bethlehemkirche Standort: Kurt-Eisner-Straße 22 Erbauungszeit: 1926–1927, 1953 (Glockenturm) Architekten: Theodor und Fritz Kösser Theodor Kösser entwarf für die im Dezember 1911 (daher der Name) durch Teilung der Andreasgemeinde gegründete Bethlehemgemeinde ein Gemeindezentrum mit angeschlossener Kirche. Der Baubeginn verzögerte sich und kam im Ersten Weltkrieg ganz zum Erliegen, erst 1927 wurde als Teil des Gesamtkomplexes nur ein Gemeindezentrum mit angeschlossenem Saal ohne die geplante Kirche eingeweiht. Neben dem Gebäude befindet sich ein freistehender Glockenturm. Orgel: 1952, Hermann Lahmann, Leipzig (II/9), 1999 von Hermann Eule, Bautzen, generalüberholt
Lutherkirche mini|hochkant=0.5|Lutherkirche
Standort: Ferdinand-Lassalle-Straße (früher Bismarckstraße), Ecke Paul-Gerhardt-Weg Erbauungszeit: 1884–1887 Architekt: Julius Zeißig