Die Afrikanischen Riesenschnecken (Achatinidae), auch Große Achatschnecken genannt, bilden eine Familie von Landlungenschnecken. Zwar gibt es unter den Afrikanischen Riesenschnecken auch zahlreiche kleinere Arten, doch finden sich in der Gattung Achatina die größten Landlungenschnecken der Erde. Der größte Vertreter der Afrikanischen Riesenschnecken ist die Echte Achatschnecke (Achatina achatina), die eine Gehäuselänge von bis zu 20 cm (gemessen vom Apex bis zur Gehäusemündung) erreichen kann. Das Gehäuse selbst ist konisch und läuft spitz zu, während der Körper oft dem der in Europa bekannten Weinbergschnecken sehr ähnelt.
In Europa gibt es eine Familie von sehr kleinen Landlungenschnecken, die ebenfalls „Achatschnecken“ genannt werden (oder auch Glattschnecken), aber mit den Afrikanischen Riesenschnecken nicht näher verwandt sind.
Verbreitung Die Familie ist in ihrer natürlichen Verbreitung beschränkt auf Afrika südlich der Sahara. Die Verbreitungsgrenze im Norden reicht vom Senegal im Westen über die Region des Tschadsees bis nach Süd-Äthiopien und Somaliland im Osten. Im Süden erreichen sie die Südküste der Kapprovinz in Südafrika. Die Artenzahl ist in Zentralafrika, sowohl im Osten wie im Westen, am höchsten, während sowohl Südafrika wie der Nordosten artenärmer sind. Die Inseln São Tomé und Príncipe besitzen wenige (dort endemische) Arten.S. K. Raut & G. M. Barker: Achatina fulica Bowdich and other Achatinidae as Pests in Tropical Agriculture. Kapitel 3. In: Gary M. Barker (Hrsg.): Molluscs as Crop Pests. CABI, 2002, ISBN 978-0-85199-320-1.
Insbesondere die Große Achatschnecke Lissachatina fulica wurde in etliche Regionen mit ähnlichem Klima verschleppt und ist heute beinahe weltweit eine invasive Art.
Biologie und Ökologie Arten der Familie leben vor allem in Wäldern wie im tropischen Regenwald, kommen aber auch in trockeneren, savannenartigen Lebensräumen vor. Wenige Arten (mit relativ geringer Körpergröße) dringen im Süden bis in wüstenartige Lebensräume vor. Viele Arten tolerieren Rodungen im Wald, sie kommen in kaum verminderter Dichte in Plantagen und im Kulturland vor, wo sie gelegentlich an Kulturpflanzen schädlich werden können. Die Arten erreichen aber in indigenen Lebensräumen niemals so hohe Dichten wie die Große Achatschnecke in manchen Regionen, in die sie eingeschleppt worden ist. Viele der größeren Arten werden als Fleischlieferanten intensiv besammelt.
Aufgrund ihrer Empfindlichkeit gegenüber Trockenheit sind fast alle Arten streng nachtaktiv. Bei Austrocknung können viele Arten ihr Gehäuse mit einem Diaphragma verschließen.
Die Schnecken ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. In der freien Natur ernähren sie sich von fast allen erdenklichen Pflanzenarten, von Früchten, Rinde und Aas. Dementsprechend können sie bei der Haltung im Terrarium mit jeder Art von Obst und Gemüse gefüttert werden, aber auch mit einer Eiweißquelle, wie Mehlwürmer oder Bachflohkrebse. Da die Afrikanischen Riesenschnecken große Gehäuse tragen, die zudem je nach Art dick und schwer sind, benötigen sie zu deren Bau viel Kalk. Den Großteil dieses Kalkes nehmen sie über die Nahrung auf. Kalkhaltige Erde wird ebenso wie kalkhaltiges Gestein aufgenommen. Bei der Haltung als Haustier empfiehlt sich die Beigabe von Sepiaschalen als Kalkquelle.
Fortpflanzung mini|Afrikanische Riesenschnecken bei der Paarung Afrikanische Riesenschnecken sind Zwitter (hermaphroditisch), das heißt, sie besitzen sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Während der Paarung wird Samen ausgetauscht, anschließend entwickeln sich die Eizellen und die Tiere befruchten diese mit dem gespeicherten Samen. So muss es nicht unmittelbar nach einer Kopulation zu einem Gelege kommen. Die meisten Vertreter der Familie Achatinidae legen Eier ab, die entweder klein und dafür zahlreich (oft über 300 Eier pro Gelege) oder recht groß und dafür aber wenige sind. Manche Arten wie Lissachatina iredalei sind sogar lebendgebärend. Im Normalfall legen die Afrikanischen Riesenschnecken ihre Eier in einer selbstgegrabenen Höhle im feuchten Erdreich ab. Das geschieht meist an einer Stelle, an der der Boden möglichst kalkhaltig ist. Der Grund dafür ist, dass die Jungschnecken die erste Zeit ihres Lebens noch im Bodengrund verbringen und dort Kalk und Nahrung aufnehmen, um ihre zerbrechlichen kleinen Gehäuse zu stärken. Ist der Bodengrund zu nass, können Embryonen und Jungschnecken ersticken. Sind die Jungtiere kräftig genug, stoßen sie an die Oberfläche. Sie sind vollkommen selbstständig.
Gattungen Die unterschiedlichen Gattungen der Familie der Achatinidae unterscheiden sich in Größe, Form und Farbe der Gehäuse und der Weichkörper. Die drei bekanntesten Gattungen sind Achatina, Archachatina und Lissachatina. Unterscheidungsmerkmal ist bei diesen beiden Gattungen die Größe der Eier, die Columella und die Endung des Apex. So legen Arten der Gattung Achatina ca. 5 mm kleine Eier, aber dafür bis zu 300 Stück, wohingegen Archachatina-Arten nur wenige Eier legen, die ca. 2 cm groß sind.
Die folgende Aufstellung der Gattungen folgt der Datenbank MolluscaBaseMolluscaBase (2019): MolluscaBase. Achatinidae Swainson, 1840. Abgerufen am 15. Juli 2020. Unterfamilie Achatininae Swainson, 1840 Tribus Achatinini Swainson, 1840 Gattung Achatina Lamarck, 1799 Gattung Archachatina Albers, 1850 Gattung Atopocochlis Crosse & P. Fischer, 1888 Gattung Bequaertina Mead, 1994 Gattung Brownisca Mead, 2004 Gattung Bruggenina Mead, 2004 Gattung Burtoa Bourguignat, 1890 Gattung Cochlitoma A. Férussac, 1821 Gattung Leptocalina Bequaert, 1950 Gattung Leptocallista Pilsbry, 1904 Gattung Lignus Gray, 1834 Gattung Lissachatina Bequaert, 1950 Gattung Metachatina Pilsbry, 1904 Gattung Pseudachatina Albers, 1850 Tribus Callistoplepini Mead, 1994 Gattung Callistoplepa Ancey, 1888 Gattung Leptocala Ancey, 1888 Tribus Limicolariini Schileyko, 1999 Gattung Columna Perry, 1811 Gattung Limicolaria Schumacher, 1817 Gattung Limicolariopsis d’Ailly, 1910 Unterfamilie Coeliaxinae Pilsbry, 1907 Gattung Balfouria Crosse, 1885 Gattung Coeliaxis H. Adams & Angas, 1865 Gattung Ischnocion Pilsbry, 1907 Gattung Nannobeliscus Weyrauch, 1967 Gattung Neosubulina E.A. Smith, 1898 Gattung Riebeckia E. von Martens, 1883 Unterfamilie Cryptelasminae Germain, 1916 Gattung Cryptelasmus Pilsbry, 1907 Gattung Thomea Girard, 1893 Unterfamilie Glessulinae Godwin-Austin, 1920 Gattung Glessula E. von Martens, 1860 Unterfamilie Opeatinae Thiele, 1931 Gattung Eremopeas Pilsbry, 1906 Gattung Opeas Albers, 1850 Unterfamilie Petriolinae Schileyko, 1999 Gattung Aporachis D. Holyoak, 2020 Gattung Bocageia Girard, 1893 Gattung Ceras Dupuis & Putzeys, 1901 Gattung Chilonopsis Fischer von Waldheim, 1848 Gattung Cleostyla Dall, 1896 Gattung Comoropeas Pilsbry, 1906 Gattung Dictyoglessula Pilsbry, 1919 Gattung Homorus Albers, 1850 Gattung Ischnoglessula Pilsbry, 1919 Gattung Itiopiana Preston, 1910 Gattung Kempioconcha Preston, 1913 Gattung Liobocageia Pilsbry, 1919 Gattung Mabilliella Ancey, 1886 Gattung Nothapalinus Connolly, 1923 Gattung Nothapalus E. von Martens, 1897 Gattung Oleata Ortiz de Zárate & Ortiz de Zárate, 1959 Gattung Oreohomorus Pilsbry, 1919 Gattung Petriola Dall, 1905 Gattung Subuliniscus Pilsbry, 1919 Gattung Subulona E. von Martens, 1889 Unterfamilie Pyrgininae Germain, 1916 Gattung Pseudobalea Shuttleworth, 1854 Gattung Pyrgina Greef, 1882 Unterfamilie Rishetiinae Schileyko, 1999 Gattung Bacillum Theobald, 1870 Gattung Eutomopeas Pilsbry, 1946 Gattung Rishetia Godwin-Austen, 1920 Gattung Tortaxis Pilsbry, 1906 Unterfamilie Rumininae Wenz, 1923 Gattung Krapfiella Preston, 1911 Gattung Lubricetta F. Haas, 1928 Gattung Namibiella Zilch, 1954 Gattung Rumina Risso, 1826 Gattung Xerocerastus Kobelt & Möllendorff, 1902 Unterfamilie Stenogyrinae P. Fischer & Crosse, 1877 Gattung Chryserpes Pilsbry, 1906 Gattung Cupulella Aguayo & Jaume, 1948 Gattung Dolicholestes Pilsbry, 1906 Gattung Lyobasis Pilsbry, 1903 Gattung Neobeliscus Pilsbry, 1896 Gattung Obeliscus H. Beck, 1837 Gattung Ochroderma Ancey, 1885 Gattung Ochrodermatina Thiele, 1931 Gattung Ochrodermella Pilsbry, 1907 Gattung Plicaxis Sykes, 1903 Gattung Promoussonius Pilsbry, 1906 Gattung Protobeliscus Pilsbry, 1906 Gattung Rhodea H. Adams & A. Adams, 1855 Gattung Stenogyra Shuttleworth, 1854 Gattung Synapterpes Pilsbry, 1896 Gattung Zoniferella Pilsbry, 1906 Unterfamilie Subulininae P. Fischer & Crosse, 1877 Gattung Allopeas H. B. Baker, 1935 Gattung Beckianum H. B. Baker, 1961 Gattung Curvella Chaper, 1885 Gattung Dysopeas H. B. Baker, 1927 Gattung Euonyma Melvill & Ponsonby, 1896 Gattung Fortuna Schlickum & Strauch, 1972 Gattung Hypolysia Melvill & Ponsonby, 1901 Gattung Lamellaxis Strebel & Pfeffer, 1882 Gattung Lavajatus Simone, 2018 Gattung Leptinaria H. Beck, 1837 Gattung Leptopeas H. B. Baker, 1927 Gattung Micropeas Connolly, 1923 Gattung Neoglessula Pilsbry, 1909 Gattung Paropeas Pilsbry, 1906 Gattung Pelatrinia Pilsbry, 1907 Gattung Prosopeas Mörch, 1876 Gattung Pseudoglessula O. Boettger, 1892 Gattung Pseudopeas Putzeys, 1899 Gattung Striosubulina Thiele, 1933 Gattung Subulina H. Beck, 1837 Gattung Vegrandinia Salvador, Cunha & Simone, 2013 Gattung Zootecus Westerlund, 1887 Unterfamilie Thyrophorellinae Girard, 1895 Gattung Thyrophorella Greeff, 1882
Ausgewählte Arten im Terrarium Die folgenden ArtenAndreas Leiß: Achatschnecken, die Familie Achatinidae. Natur-und-Tier-Verlag Münster, 2007, ISBN 978-3-86659-029-8. werden oft in Terrarien gehalten:
Lissachatina fulica wildfarben mini|Lissachatina fulica Die Große Achatschnecke erreicht normalerweise eine Gehäuselänge von bis zu 13 cm und kann in seltenen Fällen bis zu 20 cm erreichen. Das Gehäuse ist in der Grundfarbe dunkelbraun bis hornfarben und trägt zahlreiche Streifen. Der Weichkörper ist hell- bis dunkelbraun und besitzt einen Aalstrich. Ein Gelege enthält normalerweise zwischen 150 und 500 Eiern, kann aber auch bis zu 800 Eier beinhalten. Der Apex ist spitz und weiß bis rot. Diese Art braucht 80 % Luftfeuchtigkeit und 20 bis 26 °C. Lissachatina fulica ist die gängigste Art in Terrarienhaltung, weil sie so viele Eier legt. Die Mindestgrösse für das Terrarium für eine kleine Gruppe ausgewachsener Lissachatina fulica ist 100 × 40 × 50 cm oder 200 Liter. Diese Art sollte mindestens zu dritt gehalten werden.
Lissachatina fulica rodatzi mini|Lissachatina fulica rodatzi Lissachatina fulica rodatzi ist eine Unterart der Lissachatina fulica, doch durch unzählige Verpaarungen in der Terraristik sind die typischen Merkmale für diese Unterart so gut wie verschwunden. Anfangs hatte diese Unterart ein viel bauchigeres Gehäuse, wodurch sie sich als Unterart der Lissachatina fulica unterschied. Das Besondere an der Lissachatina fulica rodatzi ist der Teilalbinismus, der das Gehäuse betrifft. Aufgrund der fehlenden Farbpigmente erscheint die Schale gelb bis hornfarben und streifenlos. Der Körper hingegen ist ganz normal grau bis bräunlich gefärbt. Lissachatina fulica rodatzi erreicht eine Gehäuselänge von etwa 10–12 cm. Der Apex ist spitz, die Columella ist gelblich bis farblos. Von dieser Unterart werden auch albinotische Formen im Terrarium gehalten.
Lissachatina allisa mini|Lissachatina allisa