Gefundene Jahre (Originaltitel: Random Harvest) ist ein US-amerikanisches Melodram von Mervyn LeRoy aus dem Jahr 1942 mit Ronald Colman und Greer Garson in den Hauptrollen. Als literarische Vorlage diente der gleichnamige Roman von James Hilton. Der Film über die unerschütterliche Liebe einer Frau zu einem an Amnesie leidenden Offizier nach dem Ersten Weltkrieg erhielt seinerzeit sehr gute Kritiken und war in den Vereinigten Staaten einer der größten Kassenhits des Jahres.

Handlung Ein britischer Offizier wird während des Ersten Weltkriegs schwer verwundet und leidet seither an Amnesie und Sprachstörungen. Im Sanatorium von Melbridge, einem kleinen englischen Ort, verbringt er unter dem Namen John Smith mehrere Monate und hofft, eines Tages zu erfahren, wer er tatsächlich ist. Als der Krieg 1918 vorbei ist und die Menschen in den Straßen jubeln, gelingt es Smith, die Heilanstalt zum ersten Mal zu verlassen. In einem Tabakladen lernt er die Schauspielerin Paula Ridgeway kennen, die sich umgehend zu dem schüchternen Mann hingezogen fühlt. Sie bringt „Smithy“, wie sie ihn fortan nennt, in ein Pub und lädt ihn zu einer ihrer Shows im Theater ein. Dort erleidet Smithy einen Schwächeanfall und fällt zu Boden. Paula und ihr alter Freund „Biffer“ bringen ihn in ein Zimmer über dem Pub, wo ihn Paula wieder gesund pflegt. Als Paula zu Ohren kommt, dass die Wärter des Sanatoriums weiterhin nach Smithy suchen, beschließt sie, mit ihm Melbridge zu verlassen und nach Devon zu reisen. Dort kommen sie in einer kleinen Herberge unter, und Paula erhält schon bald eine Anstellung als Stenotypistin. Dank ihrer fröhlichen Art blüht Smithy auf und beginnt, Artikel für die Zeitung zu schreiben. Nachdem er seinen ersten Artikel verkauft hat, macht er Paula einen Heiratsantrag. Nach ihrer Hochzeit ziehen sie in ein kleines Häuschen und beginnen ein glückliches Leben zu zweit. Nur ein paar Tage nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes im November 1920 erhält Smithy ein Telegramm von einer Zeitung in Liverpool, die ihn fest einstellen möchte. Da sich Paula noch zu schwach fühlt, reist Smithy allein nach Liverpool und verspricht ihr, am nächsten Abend wieder zu Hause zu sein.

Als Smithy in der Industriestadt eintrifft, wird er auf dem Weg ins Büro der Zeitung von einem Auto angefahren und er verliert sein Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, hat er die Erinnerung an die letzten drei Jahre seines Lebens verloren und weiß stattdessen wieder, wer er wirklich ist: Er heißt eigentlich Charles Rainier und ist der vermögende Spross einer einflussreichen Familie. Er kehrt daraufhin nach „Random Hall“, dem Anwesen seiner Familie in London, zurück. Seine Verwandten sind sehr überrascht ihn zu sehen. Lediglich Kitty, die Stieftochter seiner Schwester, freut sich aufrichtig über seine plötzliche Rückkehr. Nun, da Charles sein altes Ich wiederentdeckt hat, nimmt er die Familiengeschäfte in die Hand und steigt im Laufe der Jahre zu einem großen Unternehmer auf. 1932 wird er als „Industriemagnat von England“ in den Zeitungen gepriesen. Trotz seines Erfolgs ist er jedoch nicht glücklich. Es plagt ihn die Ungewissheit über die drei Jahre, an die er sich nicht mehr erinnern kann. Einen Schlüssel, den er in seiner Westentasche nach dem Unfall gefunden hat, trägt er stets bei sich und er hofft, eines Tages herauszufinden, in welches Schloss der Schlüssel passt.

Seit drei Jahren steht ihm seine Privatsekretärin Margaret Hanson loyal zur Seite. Dabei handelt es sich um Paula, die er aufgrund seiner Gedächtnislücke nicht wiedererkennt. Paula hatte sein Bild in der Zeitung gesehen. Da sie befürchtete, Charles würde sie für eine Hochstaplerin halten, die nur hinter seinem Geld her ist, bewarb sie sich als seine Sekretärin unter falschem Namen. Insgeheim hofft sie, dass er früher oder später seine Frau in ihr wiedererkennt. Als Margaret, die sein Kind kurz nach der Geburt verloren hat, erfährt, dass Charles Kitty heiraten will, ist sie entschlossen, Charles die Wahrheit zu sagen. Der Psychiater Dr. Jonathan Benet, der Charles im Sanatorium behandelt hatte und dem sich Margaret bzw. Paula in der Zwischenzeit anvertraut hat, macht ihr jedoch klar, dass Charles von allein Smithy in sich wiederentdecken muss, um wirklich davon überzeugt zu werden. Als Charles kurz vor der Hochzeit ein Déjà-vu erlebt, erkennt Kitty, dass sein Herz noch immer einer anderen Frau gehört, weshalb sie die Hochzeit absagt. Charles geht daraufhin nach Liverpool, um Hinweise auf seine drei verlorenen Jahre zu finden. Margaret folgt ihm und versucht behutsam, jedoch vergeblich, ihm bei seiner Suche zu helfen. Zurück in London startet Charles auch seine politische Karriere. Als er ins Parlament gewählt wird und einsieht, dass er für seine neuen Aufgaben eine Ehefrau an seiner Seite braucht, schlägt er Margaret vor, ihn zu heiraten. Er gibt ihr jedoch sofort zu verstehen, dass er ihr in der Ehe zwar Freundschaft, aber keine Liebe bieten könne. Obwohl Dr. Benet Margaret vor einer solchen Vernunftehe warnt, heiratet sie Charles ein zweites Mal.

Mit Margaret als treuer Gefährtin steigt Charles in der Politik weiter auf und wird schließlich zum Ritter geschlagen. An ihrem dritten Hochzeitstag schenkt er ihr eine teure Halskette. Seine Aufmerksamkeiten und seine Freundschaft sind Margaret jedoch nicht genug. Sie sehnt sich nach ihrem Smithy zurück und entschließt sich, für ein paar Wochen allein zu verreisen. Nachdem Charles sie am Bahnhof verabschiedet hat, erhält er eine Nachricht aus einer seiner Fabriken in Melbridge: Seine Arbeiter sind in den Streik getreten. Dort angekommen, schlichtet er die Streitigkeiten persönlich und ist verblüfft, zu wissen, wo ein Tabakladen zu finden ist, obwohl er meinte, noch nie zuvor in Melbridge gewesen zu sein. Margaret, die in der alten Herberge in Devon die Nacht verbracht hat, erfährt am nächsten Tag von der neuen Inhaberin, dass ein Mann vor wenigen Augenblicken bei ihr nach einem nahegelegenen Cottage gefragt hat. Als Charles beim Cottage eintrifft und sein Schlüssel in das Schloss der Haustür passt, strömen die Erinnerungen auf ihn ein. Als auch Margaret das kleine Landhaus erreicht und er in ihr endlich seine Paula wiedererkennt, fallen sich beide überglücklich in die Arme.

Hintergrund

Buchvorlage Gefundene Jahre basiert auf James Hiltons gleichnamigem Roman von 1941, der sich bereits sechs Wochen nach seiner Veröffentlichung 100.000 Mal verkaufte. Produzent Sidney Franklin sicherte für MGM die Filmrechte für 50.000 Dollar.Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 138. Der Originaltitel des Buchs, Random Harvest, wurde von einem Kriegsbericht inspiriert: „According to a British Official Report, bombs fell at random.“ (dt.: „Nach einem offiziellen britischen Bericht, fielen die Bomben nach dem Zufallsprinzip.“) Um eine Referenz zum Titel herzustellen, wurde für den Film das Anwesen der Rainiers von „Stourton“ in „Random Hall“ umbenannt. Im Unterschied zum Film enthüllt die Buchvorlage erst in der letzten Zeile der Geschichte, dass Mrs. Rainier und Paula ein und dieselbe Person sind. Im Film, in dem man Greer Garson als Sekretärin Margaret Hanson bzw. Lady Rainier sofort erkennt, war diese Pointe jedoch nicht möglich.

Auch die Zensur in Hollywood, der Production Code, verlangte nach Veränderungen im Drehbuch. So wurde etwa Rainiers erste Frau komplett aus der Filmhandlung gestrichen, um Rainier nicht zum Bigamisten zu machen. Des Weiteren durfte nicht angedeutet werden, dass er und Paula bereits vor der Ehe eventuell eine intime Beziehung pflegten. Trotz der Änderungen an seiner Vorlage war James Hilton von dem Filmprojekt sehr angetan und erklärte sich bereit, die Rolle des Erzählers am Anfang des Films zu übernehmen.

Besetzung und Dreharbeiten Regisseur Mervyn LeRoy erzählte später, dass Ronald Colman und Greer Garson „die erste Wahl für ihre Rollen“ gewesen seien. Er meinte gar, dass „die englische Sprache nie schöner auf der Leinwand gesprochen wurde als von diesen beiden“.“When Random Harvest came along, Ronnie and Greer were the first choice for the role. […] Between the two of them, the English language was never spoken more beautifully on film.” Mervyn LeRoy zit. nach Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 139. Greer Garson freute sich besonders, in dem Film mitwirken zu dürfen, gab es ihr doch die Gelegenheit, sowohl mit Ronald Colman, dem Leinwandidol ihrer Jugend, als auch erneut mit Autor James Hilton zusammenzuarbeiten, der die literarische Vorlage für Auf Wiedersehen, Mr. Chips (1939), ihren Debütfilm und Durchbruch in Hollywood, geliefert hatte. Auch ihre Rolle gefiel ihr sehr:

Auch der Umstand mit ihrem Lieblingsregisseur, LeRoy, und ihrem Lieblingskameramann, Joseph Ruttenberg, erneut zusammenarbeiten zu können, machten die Dreharbeiten zu einer schönen Erfahrung für Garson: „Die Paula zu spielen war für mich die pure Freude. Manchmal, wenn ich in einem Film mitspiele, komme ich schrecklich erschöpft nach Hause, doch als ich diese Rolle spielte, beendete ich jeden Tag mit einem Gefühl von Frische und Fröhlichkeit. Das Drehbuch war schön wie eine Sinfonie. Ich habe immer nur gesungen, wenn ich jeden Morgen ins Studio kam. Und das war um 4 Uhr 45!““Playing the part of Paula was pure joy for me. Sometimes when working on a film, I come home utterly exhausted, but while playing this role I ended each day feeling fresh and lighthearted. The script flowed so beautifully, like a symphony. I would just sing going to the studio every morning. And that was at 4:45 A.M.!” Greer Garson zit. nach Michael Troyan: A Rose for Mrs. Miniver. The Life of Greer Garson. The University Press of Kentucky, 1999, S. 143. Ronald Colman war bereits 1937 in einer Verfilmung eines James-Hilton-Romans aufgetreten – in Columbias In den Fesseln von Shangri-La. Die Geschichte des Charles Rainier in Gefundene Jahre ähnelte stark Colmans eigenem Leben und seinen Erlebnissen während des Ersten Weltkriegs. 1914 wurde er als Britischer Offizier bei der Schlacht von Ypern schwer verletzt, als eine Explosion sein Knie und seinen Knöchel zerschmetterte. Nachdem er einen Orden für Tapferkeit erhalten hatte, wurde er ebenso wie die Figur des Rainier als Invalide aus der Armee entlassen und konnte, wie seine Rolle, seine Verbitterung und Melancholie nur durch stetige Arbeit überwinden – er als Schauspieler und Rainier als Schriftsteller und Unternehmer.

Die Rolle von Rainiers Verlobter Kitty ging an Susan Peters, von der sich Regisseur LeRoy erhoffte, er könne sie zum Star machen, wie er es bereits mit Loretta Young, Ginger Rogers und Lana Turner getan hatte. Mit einer Oscar-Nominierung als Beste Nebendarstellerin in diesem Film schien sie auf dem besten Weg zum großen Star zu sein. 1945 setzte jedoch ein Jagdunfall ihrer Karriere ein abruptes Ende, als ein Schuss aus ihrem ungesicherten Gewehr ihre Wirbelsäule traf und sie fortan hüftabwärts gelähmt war. Sie starb 1952 mit nur 31 Jahren. Kurz nachdem Peters die Rolle der Kitty erhalten hatte, nahm MGM die ebenfalls junge australische Schauspielerin Ann Richards unter Vertrag. Richards sah Garson erstaunlich ähnlich. Da Kittys äußere Ähnlichkeit zu Paula ein wichtiger Aspekt der Handlung war, bereute es Produzent Sidney Franklin, dass er nicht auf Richards gewartet und sie als Kitty besetzt hatte. Doch wollte er ebenso wenig seine Vereinbarung mit Peters wieder rückgängig machen. Stattdessen besetzte er Richards als ein weiteres Familienmitglied der Rainiers.

Wie bereits Garsons vorhergehender Film, Mrs. Miniver (1942), der ebenfalls in England spielt, wurde Gefundene Jahre ausschließlich auf dem Studiogelände von MGM gedreht. Obwohl der Film die Jahre von 1918 bis 1935 umspannt, sind alle Haarfrisuren und Kostüme der beteiligten Schauspielerinnen im Stil der 1940er Jahre gehalten.

Garsons Tanzeinlage