Die Atlantische Hurrikansaison 2010 begann offiziell am 1. Juni und endete am 30. November 2010. Innerhalb dieser Periode bilden sich üblicherweise die meisten tropischen Stürme, da nur zu dieser Zeit geeignete Bedingungen, wie etwa ein warmer Ozean, feuchte Luft und wenig Windscherung, existieren, um die Bildung von tropischen Wirbelstürmen zu ermöglichen.

Die Hurrikansaison 2010 war im Atlantischen Ozean eine hyperaktive Saison und die aktivste Saison seit der atlantischen Hurrikansaison 2005. Gemeinsam mit der atlantischen Hurrikansaison 1995 und der atlantischen Hurrikansaison 1887 liegt die Saison 2010 auf der Rangliste der Zahl der benannten Stürme auf dem dritten Platz, da 19 Stürme benannt wurden. Die Zahl der Hurrikane war mit zwölf genauso so hoch wie 1969 und 1887, und diese Saisons liegen diesbezüglich historisch auf dem zweiten Rang.

Die Saison 2010 charakterisiert sich durch eine Reihe von sehr starken Hurrikanen, die mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 113 Knoten oder mehr die Kategorie 4 auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala erreichten: Danielle, Earl, Igor und Julia. Ihnen ist ihre Entstehung in der Nähe der Kapverdischen Inseln gemeinsam. Als am 15. September Julia für einige Stunden die Kategorie 4 erreichte, waren zum ersten Mal nach der Hurrikansaison 1926 zwei Stürme im Atlantischen Ozean gleichzeitig in dieser Stärke aktiv. Mit der Intensivierung Karls zum Hurrikan einen Tag später waren zum ersten Mal seit der Hurrikansaison 1998 drei Hurrikane gleichzeitig aktiv.

Stürme im östlichen Pazifischen Ozean sind Bestandteil der Pazifischen Hurrikansaison 2010.

Saisonprognosen +Voraussagen tropischer Wirbelsturmaktivitäten für die Saison 2010QuelleDatumStürmeAnzahl derHurrikaneKat. 3+CSUDurchschnitt (1950–2000)9.65.92.3NOAADurchschnitt (1950–2005)11,06,22,7Rekordwerte (hoch)28158Rekordwerte (niedrig)420––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––CSU10. Dezember 200911–166–83–5CSU7. April 20101584NCSU26. April 201015–188–11–NOAA27. Mai 201014–238–143–7CSU2. Juni 201018105UKMO17. Juni 201020k. A.k. A.––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––Tatsächliche Aktivität 19 12 5

Voraussagen über die Aktivität der kommenden Hurrikansaison werden jedes Jahr durch die anerkannten Hurrikanexperten Philip J. Klotzbach und William M. Gray und ihren Mitarbeitern an der Colorado State University und separat durch die Meteorologen der NOAA erstellt.

Klotzbachs Team definierte die durchschnittliche Anzahl von Stürmen pro Saison im Durchschnitt (1950–2000) auf 9,6 tropische Stürme, 5,9 Hurrikane und 2,3 schwere Hurrikane (also solche, die auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala zumindest in die Kategorie 3 eingestuft werden). Der durchschnittliche Accumulated Cyclone Energy (ACE) beläuft sich auf 96,1. Eine normale Saison, wie sie durch die NOAA festgelegt wurde, besteht aus 9 bis 12 benannten Stürmen, von denen 5 bis 7 Hurrikanstärke erreichen und 1 bis 3 schwere Hurrikane werden.

Prognosen vor Beginn der Saison Am 9. Dezember 2009 sagte Klotzbachs Team in einer ersten Prognose für die atlantische Hurrikansaison 2010 eine überdurchschnittliche Aktivität mit 11 bis 16 benannten Stürmen voraus. Demnach wird erwartet, dass davon 6 bis 8 Stürme zu einem Hurrikan werden, wobei 3 bis 5 von ihnen zumindest die Kategorie 3 erreichen. Klotzbachs Team erwartet einen ACE-Wert, der zwischen 100 und 162 liegt. Dieser Verlauf der Saison wird darauf zurückgeführt, dass der El Niño von 2009 bis 2010 sich zu Beginn der Hurrikansaison auflösen wird. Am 7. April 2010 veröffentlichte das Team eine aktualisierte Vorhersage und legte sich auf 15 benannte Stürme, 8 Hurrikane und 4 schwere Hurrikane fest.

An der North Carolina State University wurde im April eine Vorhersage erstellt, nach der in der Saison zwischen 15 und 18 benannte Stürme entstehen, von denen sich 8 bis 11 zu einem Hurrikan entwickeln könnten. Das Team geht davon aus, dass 3 bis 6 Stürme die Küste im Golf von Mexiko erreichen, einer davon als Hurrikan.

Die National Oceanic and Atmospheric Administration gab am 27. Mai ihre Prognose für die Hurrikansaison 2010 bekannt. Demnach erwarten die staatlichen Meteorologen mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit zwischen 14 und 23 zu benennende Stürme, von denen 8 bis 14 sich zu einem Hurrikan entwickeln. Unter den Hurrikanen sollen der Prognose zufolge sich zwischen 3 und 7 zu schweren Hurrikanen entwickeln. Auch die NOAA geht somit von einer überdurchschnittlich aktiven Hurrikansaison aus, was auf die geringere Windscherung im Zusammenhang mit dem Wegfall des El Niño und warme Wasseroberflächentemperaturen zurückzuführen ist. Die Hurrikanaktivität im atlantischen Becken wird durch La Niña begünstigt und wie weit sich die Aktivität in dieser Saison an die obere Grenze des vorhergesagten Bereiches annähert, ist nach Meinung des Climate Prediction Centers davon abhängig, wie schnell La Niña die auf El Niño folgende neutrale Periode ablöst.

Prognosen während der Saison Am 2. Juni gab Klotzbachs Meteorologenteam seine zweite aktualisierte Prognose bekannt. Demnach erwartete man 18 benannte Stürme, davon zehn Hurrikane, von denen sich fünf zu schweren Hurrikanen entwickeln könnten. Die Chance, dass ein schwerer Hurrikan auf die Küste der Vereinigten Staaten treffen würde, stufte die Prognose mit 76 Prozent ein, der Durchschnittswert der vergangenen 100 Jahre liegt bei 52 Prozent. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein schwerer Hurrikan die Küste Floridas oder der Ostküste der Vereinigten Staaten wurde deutlich höher als der Durchschnittswert eingeschätzt. Demnach läge die Wahrscheinlichkeit eines solchen Hurrikans bei 51 Prozent gegenüber dem hundertjährigen Durchschnittswert von 30 Prozent. Das britische Met Office (UKMO) erwartete in seiner am 17. Juni veröffentlichten Prognose ebenfalls einen überdurchschnittlichen Saisonverlauf. In der Prognose ging man mit einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sich die Zahl der tropischen Wirbelstürme im atlantischen Becken zwischen 13 und 27 bewegen würde; es machte jedoch keine Angaben zur Einstufung als Hurrikan oder schwerer Hurrikan.

Mögliche Auswirkungen auf die Ölpest im Golf von Mexiko Es wird befürchtet, dass die tropischen Wirbelstürme dieser Saison im Golf von Mexiko die ökologischen Schäden durch die durch den Untergang der Ölplattform Deepwater Horizon verursachte Ölpest verschärfen könnten, indem bisher nicht betroffene Küstengebiete verschmutzt werden. Zwar würde das von Öl verschmutzte Wasser weiter verdünnt werden, jedoch ist die Gefahr groß, dass die kleinen Ölpartikel dann umso leichter in Mangrovengebiete eindringen und die dortige einzigartige Tier- und Pflanzenwelt gefährden. Das NHC veröffentlicht hierfür gesonderte Vorhersagen.

Stürme Sturmnamen In der Atlantischen Hurrikansaison 2010 wurden die folgenden Namen verwendet: Alex, Bonnie, Colin, Danielle, Earl, Fiona, Gaston, Hermine, Igor, Julia, Karl, Lisa, Matthew, Nicole, Otto, Paula, Richard, Shary und Tomas Nicht verwendet wurden: Virginie und Walter.

Diese Liste ist dieselbe Liste, die während der Atlantischen Hurrikansaison 2004 verwendet wurde, mit Ausnahme der Namen Colin, Fiona, Igor und Julia, die die Namen der vier schweren Hurrikane ersetzten, die 2004 Florida verwüstet hatten: Charley, Frances, Ivan und Jeanne. Durch die World Meteorological Organization wurden im März 2011 die Namen Igor und Tomas von der Liste der Namen tropischer Wirbelstürme Namen gestrichen, weil diese Stürme erheblichen Schaden anrichteten und zu wesentlichen Personenschäden führten. Diese Namen wurden durch Ian und Tobias ersetzt. Die nicht gestrichenen Namen werden 2016 erneut verwendet.

Hurrikan Alex

Eine tropische Störung, die sich langsam entwickelte, wurde am 25. Juni um 22:00 Uhr UTC zum ersten tropischen Tiefdruckgebiet der Saison erklärt, nachdem eine Luftaufklärungsmission der Hurricane Hunter der United States Navy festgestellt hatte, dass ein gut definiertes Zirkulationszentrum mit einem zentralen Luftdruck von 1004 mbar (hPa) vorhanden war. Das System befand sich zu diesem Zeitpunkt 570 km südöstlich von Cozumel und 555 km ostsüdöstlich von Chemutal, jeweils Mexiko. Aufgrund der Nähe zur Halbinsel Yucatán lösten die mexikanischen Behörden sofort für die Ostküste der Halbinsel Warnungen vor einem tropischen Sturm aus, Belize und Honduras folgten diesem Schritt wenig später. Am Morgen des nächsten Tages erreichte das tropische Tief Sturmstärke und wurde zum ersten benannten tropischen Wirbelsturm der Atlantiksaison. Zu dieser Zeit befand sich das Zentrum etwa 1400 km von der havarierten Ölplattform Deepwater Horizon entfernt.

Am späten Abend (Ortszeit) des 26. Juni trat Alex auf der Halbinsel Yucatán etwas nördlich von der größten Stadt Belizes Belize City mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km/h an Land und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 19 km/h in westnordwestlicher Richtung über die Halbinsel.Tropical Storm Alex Discussion 6, NHC vom 26. Juni 2010 Er brachte starke Regenfälle von regional mehr 100 mm mit sich. Die nördlich davon im Bundesstaat Quintana Roo gelegene wichtige mexikanische Touristenregion, wo sich zu diesem Zeitpunkt 35.000 Touristen vor allem aus Europa und den USA aufhielten, hatte keine größeren Schäden zu verzeichnen.Tropical Storm Alex makes landfall in Belize, Reuters vom 27. Juni 2010La tormenta tropical Alex toca tierra en Belice y golpea Yucatán, El País vom 27. Juni 2010 Überraschenderweise hat sich die Struktur des Sturmsystems über Land besser organisiert und erinnerte mehr an einen Hurrikan als an einen tropischen Sturm, sodass die Voraussagen bezüglich der weiter zu erwartenden Intensität nach oben gestuft wurden.Tropical Strom Alex Discussion 7, NHC vom 27. Juni 2010 Gut 18 Stunden später verließ Alex, über Land zum tropischen Tiefdruckgebiet mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 55 km/h und einem Zentraldruck von 999 Hektopascal abgeschwächt, Yucatán in Richtung südwestlichen Golf von Mexiko.Tropical Depression ALEX Public Advisory 9, NHC vom 27. Juni 2010

Am Abend des 29. Juni (Ortszeit) erreichte Alex über dem Golf von Mexiko die Stärke eines Hurrikans der Kategorie 1 und damit der erste Hurrikan der Saison. Zu dieser Zeit befand er sich im westlichen Teil des Golfes rund 315 Kilometer von der mexikanischen Küste bei La Pesca entfernt.Hurricane ALEX Public Advisory 18, NHC vom 29. Juni 2010 Gegen 21 Uhr Ortszeit am 30. Juni 2010 gelangte Alex als Hurrikan der Kategorie 2 und Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 km/h abermals über das Festland, diesmal an der nördlichen Golfküste Mexikos im Municipio Soto la Marina, rund 55 Kilometer nördlich von La Pesca und 180 Kilometer südlich des texanischen Brownsville.Hurricane Alex Tropical Cyclon Update 900 PM CDT WED JUN 30 2010, NHC vom 30. Juni 2010 Am 2. Juli 2010 löste sich Alex dann über den Bergen von Zentral-Mexiko auf.Tropical Depression ALEX Public Advisory 26, NHC vom 2. Juli 2010

In Zentralamerika sind infolge von Überflutungen mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Davon alleine fünf in Nicaragua sowie je zwei Personen in El Salvador und Guatemala., EFE in La Crónica de Hoy, 27. Juni 2010 Beim Zug von Alex über Nord-Mexiko starben fünf Menschen in Monterrey. in La Crónica de Hoy vom 2. Juli 2010 Ausläufer von Alex behinderten die Aufräumarbeiten nach der durch die Deep Water Horizon verursachten Ölpest. Hoher Wellengang und starke Winde drückten weiteres Öl an die Strände von Louisiana.Texas on alert as Hurricane Alex sweeps in, BBC News vom 1. Juli 2010

Alex war ein ungewöhnlich starker Hurrikan, der in der Kategorie 2 einen Luftdruck von 946 hPa erreichte.

Tropisches Tiefdruckgebiet Zwei