Die Bahnstrecke Wuppertal-Oberbarmen–Opladen ist eine teilweise stillgelegte Eisenbahnstrecke im Bergischen Land in Nordrhein-Westfalen, die von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft gebaut wurde und von Wuppertal über Remscheid-Lennep, Bergisch Born und Wermelskirchen nach Opladen führt. Von der ursprünglichen Strecke ist heute nur noch der Abschnitt zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Remscheid-Lennep in Betrieb. Dieser ist als Hauptbahn klassifiziert, zweigleisig ausgebaut und nicht elektrifiziert.

Das Teilstück von Remscheid-Lennep bis Opladen wurde wegen der Streckenführung durch vergleichsweise dünnbesiedeltes Gebiet und des bergigen, kurvenreichen Trassenverlaufs auch Balkanexpress genannt; der Verkehr wurde auf diesem Abschnitt 1994 eingestellt. Die Strecke verlief zwischen Lennep und Burscheid parallel zur Bundesstraße 51 und von Burscheid bis Opladen parallel zur damaligen Bundesstraße 232. Zwischen Lennep (335 Meter über NN) und Opladen (61 Meter über NN) überwand sie das Gefälle von der Höhe des Bergischen Landes ins Rheintal.

Geschichte

Die Genehmigung für Bau und Betrieb der Strecke wurde der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (BME) erteilt, die am 1. Januar 1882 von der Preußischen Staatsbahn übernommen wurde.

1868 eröffnete die BME zunächst eine Strecke von Barmen-Rittershausen (heute Wuppertal-Oberbarmen) an der Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund über Lennep nach Remscheid.

Die weitere, zunächst eingleisige, Strecke von Lennep nach Wermelskirchen wurde am 15. Mai 1876 und bis Opladen am 15. Oktober 1881 im Personenverkehr eröffnet. Bereits in den zwei Wochen vor Eröffnung des Personenverkehrs nach Opladen verkehrten Güterzüge. Unterwegshalte gab es zunächst nur in Born, Wermelskirchen, Hilgen, Burscheid und ab 15. November 1881 auch in Pattscheid. Weitere Halte entstanden zwischen 1900 und 1910. Als die Bundesbahn Anfang der 1950er-Jahre die Uerdinger Schienenbusse im Personenverkehr einführte, baute sie einige zusätzliche Haltepunkte, die auch nur von diesen Schienenbussen bedient wurden.

Geplant war eine überregionale Verbindung von Wuppertal über Lennep und Opladen nach Köln. Die Strecke wurde bis zum 28. April 1910 mit einem zweiten Gleis ausgestattet. Seit dem Ausbau hatte sie durchgehend keine niveaugleichen Bahnübergänge mehr. Zur Aufnahme von Schnellzugverbindungen zwischen Lennep und Opladen bis Köln, wie von den anliegenden Kommunen und Interessengruppen wie der Handelskammer in Lennep gewünscht, kam es nie. Der angestrebte Vollbahnstatus wurde genauso wenig erreicht, so dass die Strecke zu den wenigen zweigleisigen Nebenbahnen gehörte.Kurt Kaiß: Der Balkanexpress : Die Eisenbahnverbindung Remscheid-Lennep – Opladen, Leichlingen 2000, ISBN 3-9806103-2-2, 23,25

Am Kriegsende war die Strecke unterbrochen, weil nach alliierten Bombenangriffen und Sprengungen der Wehrmacht zahlreiche Brücken zerstört waren (Verbrannte Erde). Der Güterverkehr wurde im August 1945 und der Personenverkehr wegen Kohlemangels erst im Oktober 1945 wieder aufgenommen. Seitdem war die Strecke nicht mehr durchgängig zweigleisig und wurde ab 1958 zwischen Bergisch Born und Opladen insgesamt eingleisig zurückgebaut, allerdings zur Erhöhung der Streckenkapazität in eine Hauptbahn umgewandelt: Die Streckenhöchstgeschwindigkeit wurde von 50 km/h auf 80 km/h angehoben.

Zwischen Wermelskirchen und Hilgen stellte die Deutsche Bundesbahn im Mai 1983 den Personenverkehr ein. 1991 wurde der Abschnitt zwischen Opladen und Hilgen nach sturmbedingtem Ausfall der Streckenfernsprechverbindung stillgelegt. 1997 folgte der Abschnitt Lennep – Wermelskirchen.Martin Krauss: Entwicklung der Eisenbahninfrastruktur, in: Bahn-Report 2/1999, S. 4–7, hier: S. 6.

Seit 2021 wird über eine Reaktivierung diskutiert, im Jahr 2023 fand eine Ausschreibung für eine Machbarkeitsstudie für eine Reaktivierung nach dem Karlsruher Modell statt. Für das Frühjahr 2026 soll erneut eine „tiefgreifende Machbarkeitsstudie“ für einen „schnellen Schienenpersonennahverkehr zwischen dem Bergischen und Köln“ in Auftrag gegeben werden, wie Politiker aus Remscheid und Wermelskirchen im Juli 2025 mitteilten.

Nutzung als Fuß- und Radweg mini|links|Beginn des Fuß- und Radwegs in Lennep, zwischen den Gleisen und den Zelten; Blickrichtung Wermelskirchen

Die Trasse wurde seit 2010 mit Mitteln aus dem Förderprogramm Alleen-Radwegeprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen und Eigenanteilen der Städte Remscheid, Wermelskirchen und Burscheid zum „Panorama-Radweg Balkantrasse“, einem kombinierten Fuß- und Radweg, umgebaut. Er hat eine Länge von 29,3 Kilometer, davon verlaufen 22,8 Kilometer auf der Bahntrasse. In Wermelskirchen werden Fußgänger und Radfahrer über innerörtliche Straßen geleitet, weil seit 2005 die Bundesstraße 51 die Trasse nutzt, in Burscheid muss an der ehemaligen Unterführung unter der Jahnstraße, die zugeschüttet wurde, ausgewichen werden. In Hilgen wird noch eine Brücke umfahren, die aber nach Abriss und Neubau in die Wegeführung einbezogen werden soll. Der Abschnitt von Remscheid-Lennep bis Burscheid-Kuckenberg wurde am 22. April 2012 eröffnet, das Stück von Kuckenberg bis Opladen folgte am 29. Mai 2014.Balkanradweg eröffnetbahntrassenradeln.de, abgerufen am 26. Mai 2014.

Zur Mit-Finanzierung des letzten Abschnitts und der zukünftigen Unterhaltung wurde der Verein der Freunde und Förderer der Balkantrasse Leverkusen e. V. gegründet, da sich die Stadt Leverkusen nicht imstande sah, den vom Land geforderten Eigenanteil aufzubringen.https://www.balkantrasse.de/der-foerderverein/, abgerufen am 26. Mai 2014.

Bedeutung

Die Bahnstrecke hatte in den beiden Weltkriegen und bis in die Zeit des Kalten Krieges strategische Bedeutung als Umgehung der Strecke von Hagen über Wuppertal nach Köln. Die im Bahnhof Burscheid bestehenden Kopframpen wurden für die Verladung von Militärtransporten benutzt, nach dem Zweiten Weltkrieg auch für den Abtransport der Fahrzeuge der Alliierten.

Nach ihrem zweigleisigen Ausbau ohne niveaugleiche Bahnübergänge war sie eine ideale Teststrecke für die in der seit 1903 in Opladen bestehenden Hauptwerkstätte der Preußischen Staatsbahn, dem späteren Bundesbahn-Ausbesserungswerk unterhaltenen Lokomotiven und Triebwagen. In den 1970er-Jahren war wegen der Wartung der E-Loks im Werk Opladen sogar eine Elektrifizierung der Strecke und ihre Einbeziehung in ein S-Bahn-Netz Köln/Wuppertal/Düsseldorf im Gespräch. Das Zentralstellwerk in Opladen war für diesen Fall gerüstet, die Umsetzung unterblieb jedoch.Kurt Kaiß: Der Balkanexpress : Die Eisenbahnverbindung Remscheid-Lennep – Opladen, Leichlingen 2000, ISBN 3-9806103-2-2, 93.89

Die Eisenbahnfreunde Remscheid schreiben zur Bedeutung der Strecke seit dem 1897 vollendeten Bau der Müngstener Brücke an der Bahnstrecke Solingen–Remscheid: „In den folgenden Jahrzehnten lief die neue Verbindung von Remscheid über Solingen nach Köln dem ‚Balkan-Express‘ den Rang ab. Auch die neuen, einfach angelegten Haltepunkte (…) konnten diese Tendenz nicht aufhalten.“Eisenbahnfreunde Remscheid e. V.: Eisenbahnen im Bergischen Land – Eine Fotodokumentation, S. 82.

Betrieb

In den ersten Jahren verkehrten vier Zugpaare pro Tag, in Born musste nach Wermelskirchen umgestiegen werden. Auch nach Aufnahme des durchgehenden Verkehrs von Remscheid nach Opladen am 15. Oktober 1881 blieb es bei vier Zugpaaren, das letzte verkehrte am Abend bis nach Deutz und zurück. Die Fahrtzeit für die 28 Kilometer von Lennep nach Opladen betrug im Durchschnitt 76 Minuten. Einige Züge verkehrten als gemischte Züge mit Personen- und Güterbeförderung und benötigten wegen der Ladezeiten noch wesentlich länger.Kurt Kaiß: Der Balkanexpress: Die Eisenbahnverbindung Remscheid-Lennep – Opladen, Leichlingen 2000, ISBN 3-9806103-2-2, 30.82-94

Wegen der Steigung zwischen Opladen und Burscheid mussten vor allem Güterzüge nicht selten in Doppel- oder sogar Dreifachtraktion befördert werden oder wurden von einer zusätzlichen Lokomotive nachgeschoben.

1893 fuhren bereits neun Zugpaare, 1907 16 mit zusätzlichen Zügen an Sonntagen. Die Fahrtzeit betrug jetzt zwischen 45 und 68 Minuten. Es waren lokbespannte Wagenzüge. Ab 1909 setzte die Bahn zwischen Lennep und Wermelskirchen die ersten Akkumulatortriebwagen ein. 1914 wurden 54 Personenzugfahrten und 23 Güterzugleistungen pro Tag gezählt, einige davon jedoch nur als kurze Übergabefahrten oder nur an bestimmten Tagen. Mehrere Züge begannen in Remscheid, die meisten jedoch in Lennep.

Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 brachten einen Rückgang des Verkehrs. 1939 zählte man 17 Personenzugpaare. Nach einer mehrmonatigen kriegsbedingten Unterbrechung 1945 wurde der Betrieb unter Schwierigkeiten wieder aufgenommen. 1949 verkehrten 11 Reisezugpaare.

Eine Neuerung brachte der Einsatz der Uerdinger Schienenbusse ab 1952 mit der Eröffnung weiterer Haltepunkte. Wagenzüge verkehrten ab dann nur noch bei täglich einem bis drei Zugpaaren. Beförderungsschwerpunkte waren die Morgen-, Mittags- und Abendstunden mit ihrem Schüler- und Berufsverkehr. Es verkehrten 1955 täglich 36 Züge. Die Schienenbusse benötigten 1962 von Opladen nach Lennep 52 bis 57 Minuten, in Gegenrichtung 41 bis 46 Minuten.Amtliche Kursbücher Sommer 1962, Winter 1977/78

Bereits seit den 1930er-Jahren bestehen schienenparallele konkurrierende Autobuslinien von Radevormwald und Remscheid über Wermelskirchen und Burscheid nach Opladen und sogar direkt nach Köln, an deren Betrieb sich teilweise sogar die Bahn selbst beteiligte. Durchgehende Züge nach Köln gab es nur sporadisch.Andreas Dressel: Mit 440 Volt durch Ruhrpott und Rheinland, Drehscheibe, Sonderheft 15.

Den Niedergang der Strecke konnte man besonders in den 1970er-Jahren sehen: Samstags fuhr eine Lokomotive der Baureihe 211 oder 212 mit nur einem n-Wagen im Personenverkehr. Ab 1984 übernahmen Akkumulatortriebwagen der Baureihe 515 den Personenverkehr auf dem verbliebenen Abschnitt von Opladen nach Hilgen im Nebenbahnbetrieb.

Der noch in Betrieb befindliche Abschnitt wird von der S-Bahn-Linie S 7 („Der Müngstener“) sowie dem Regional-Express RE 47 (Düssel-Wupper-Express) befahren.

Betriebsstellen mini|Strecke von Wermelskirchen nach Born (oben), Wippertalbahn (rechts), 2011 (2012 umgebaut zum Fuß- und Radweg)

Bahnhof Remscheid-Lennep

Der Bahnhof Lennep (ab 1952 Remscheid-Lennep) war am 1. September 1868 an der Strecke von Rittershausen nach Remscheid eingeweiht worden. Die Züge Richtung Hückeswagen und Wermelskirchen (ab 15. Mai 1876) benutzten die Kopfbahnsteige 36–38 mit dazugehöriger Drehscheibe.Die Angaben zu den Betriebsstellen finden sich bei: Kurt Kaiß: Der Balkanexpress: Die Eisenbahnverbindung Remscheid-Lennep – Opladen, Leichlingen 2000, ISBN 3-9806103-2-2, 31-81

Bahnhof Bergisch Born

Der Bahnhof, bis 1909 Born genannt, hatte als Abzweig der Wippertalbahn betriebliche Bedeutung. Hier stiegen Fahrgäste von und nach Hückeswagen (später Wipperfürth – Marienheide) bzw. Wermelskirchen – Opladen um.Eisenbahnen im Remscheid, S. 62. Das Verkehrsaufkommen war von der Bahnverwaltung zunächst unterschätzt worden, so dass von 1881 bis 1910 ständige Erweiterungen von Gebäuden und Gleisplan nötig wurden.

Fahrkartenausgabe und Güterabfertigung wurden 1968 geschlossen, das leere Empfangsgebäude 1971 abgerissen.

Bahnhof Wermelskirchen

Auch der Bahnhof Wermelskirchen war zunächst unterdimensioniert errichtet worden. Das erste Empfangsgebäude war provisorisch und hatte vorher bereits als Bahnhof in Kettwig gedient. Bereits 1886 wurde ein zweigeschossiges Empfangsgebäude neu errichtet. Weitere Gleise wurden bald gebaut, Bahnsteige neu angelegt und verlängert, und mit der Zweispurigkeit kam 1910 die Unterführung und die Überdachung des Zwischenbahnsteigs.

Vor dem Bahnhof war von der Eröffnung 1890 bis zur Stilllegung 1930 eine Haltestelle der meterspurigen Wermelskirchener-Burger Eisenbahn.