mini|550px|Die Ergebnisse der Zollparlamentswahl nach Wahlkreisen. Die Nummerierung der Wahlkreise entspricht der der Tabelle. Mitabgebildet sind die Wahlergebnisse im Norddeutschen Bund, wo schon im Vorjahr gewählt wurde.
Die Zollparlamentswahl 1868 fand in Bayern, Württemberg und Baden sowie im Südteil des Großherzogtums Hessen an verschiedenen Tagen im Februar und März des Jahres 1868 statt. Bei dieser Wahl wurden 85 süddeutsche Abgeordnete für das deutsche Zollparlament gewählt. Die Länder des Norddeutschen Bundes wurden im Zollparlament durch die 297 Abgeordneten vertreten, die bereits im August 1867 bei der Wahl zum Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt worden waren und nun automatisch auch Abgeordnete des Zollparlaments wurden. Insgesamt umfasste das Zollparlament somit 382 Abgeordnete.Vertrag zwischen dem Norddeutschen Bunde, Bayern, Württemberg, Baden und Hessen, die Fortdauer des Zoll- und Handelsvereins betreffend vom 8. Juli 1867, Artikel 9 (Volltext auf Wikisource)
Ergebnis
Insgesamt siegten die Gegner einer kleindeutschen Lösung unter preußischer Führung. Insbesondere in Bayern und Württemberg zeigte sich diese Tendenz. In Baden und in Hessen siegten die preußenfreundlichen Nationalliberalen. Die wichtigste politische Konsequenz der Wahl war, dass im Zollparlament die Gegner der Politik Otto von Bismarcks über eine Mehrheit verfügten.Gordon A. Craig: Deutsche Geschichte 1866–1945. C. H. Beck, 1993, ISBN 3-406-07815-X, S. 29 (books.google.de)
Gewählte Abgeordnete In jedem der insgesamt 85 süddeutschen Wahlkreise wurde nach absolutem Mehrheitswahlrecht ein Abgeordneter gewählt. Wenn kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichte, wurde eine Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten durchgeführt. Eine vollständige Darstellung der Wahlergebnisse nach Parteien bzw. eine eindeutige parteipolitische Zuordnung aller Kandidaten ist nicht überliefert.
Bayern Das Königreich Bayern entsandte 48 Abgeordnete ins Zollparlament. Ende der 1860er-Jahre konkurrierten in Bayern zwei politische Lager:
die konservativen, katholischen und großdeutsch orientierten Kräfte, die der kleindeutschen Politik Otto von Bismarcks ablehnend gegenüberstanden und aus denen 1869 die Bayerische Patriotenpartei hervorging die in der Bayerischen Fortschrittspartei organisierten Liberalen, die einen zügigen Beitritt Bayerns zum Norddeutschen Bund als Schritt zu einer kleindeutschen Einigung befürworteten
Die Wahl in Bayern am 10. Februar 1868 erbrachte einen eindeutigen Sieg der preußenfeindlichen „Patrioten“, die etwa doppelt so viele Sitze gewinnen konnten wie die Liberalen.Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866–1918. C. H. Beck, 1995, ISBN 3-406-34801-7, S. 11–75 (books.google.de) Eine dritte Gruppe von Abgeordneten war keinem der beiden Lager eindeutig zuzuordnen. Die folgende Liste enthält die 48 bayerischen Wahlkreise mit den gewählten Abgeordneten und ihrer politischen Richtung.Hirth’s Parlaments-Almanach für 1868. 7. Ausgabe, 6. Mai 1868. Verlag von Franz Duncker, Berlin 1868 (reichstagsprotokolle.de)
Oberbayern1München I (Altstadt, Lehel, Maxvorstadt)Gustav von Schlörfraktionslos2München II (Isarvorstadt, Ludwigsvorstadt, Au, Haidhausen, Giesing), München-Land, Starnberg, WolfratshausenFranz Kesterfraktionslos3Aichach, Friedberg, Dachau, SchrobenhausenCarl von MeixnerPatriot4Ingolstadt, Freising, PfaffenhofenPeter Karl von AretinPatriot5Wasserburg, Erding, MühldorfAndreas FreytagPatriot6Weilheim, Werdenfels, Bruck, Landsberg, SchongauKarl von Eichthalfraktionslos7Rosenheim, Ebersberg, Miesbach, TölzMax von NeumayrPatriot8Traunstein, Laufen, Berchtesgaden, AltöttingWilhelm von ThüngenPatriotNiederbayern1Landshut, Dingolfing, VilsbiburgKarl von OwPatriot2Straubing, Bogen, Landau, VilshofenJoseph LukasPatriot3Passau, Wegscheid, Wolfstein, GrafenauAdolf KrätzerPatriot4Pfarrkirchen, Eggenfelden, GriesbachJoseph BucherPatriot5Deggendorf, Regen, Viechtach, KötztingAloys HafenbrädlPatriot6Kelheim, Rottenburg, MallersdorfJohann Nepomuk SeppPatriotPfalz1Speyer, Ludwigshafen, FrankenthalLudwig RömmichPatriot2Landau, Neustadt an der HaardtLudwig Andreas Jordan NLP3Germersheim, BergzabernFerdinand von SoyerNachwahl 1869: Julius PetersenDFP4Zweibrücken, PirmasensGeorg Adolf SchwinnNLP5Homburg, KuselJoseph BenzinoDFP6Kaiserslautern, KirchheimbolandenGeorg Friedrich KolblinksliberalOberpfalz1Regensburg, Burglengenfeld, StadtamhofJohann Michael DiepolderPatriot2Amberg, Nabburg, Sulzbach, EschenbachJoseph GürsterPatriot3Neumarkt, Velburg, HemauJosef Edmund JörgPatriot4Neunburg, Waldmünchen, Cham, RodingKarl von Schrenck von NotzingPatriot5Neustadt a. d. Waldnaab, Vohenstrauß, TirschenreuthAlbert WildPatriotOberfranken1Hof, Naila, Rehau, MünchbergFriedrich JansenNLP2Bayreuth, Wunsiedel, BerneckFriedrich FeustelNLP3Forchheim, Kulmbach, Pegnitz, EbermannstadtChlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürstfraktionslos4Kronach, Staffelstein, Lichtenfels, Stadtsteinach, TeuschnitzKarl PfretzschnerDFP5Bamberg, HöchstadtEugen SchneiderAltliberalMittelfranken1NürnbergCarl CrämerDFP2Erlangen, Fürth, HersbruckHeinrich MarquardsenDFP3Ansbach, Schwabach, HeilsbronnFranz August Schenk von StauffenbergDFP4Eichstätt, Beilngries, WeissenburgGeorg Arbogast von und zu FranckensteinPatriot5Dinkelsbühl, Gunzenhausen, FeuchtwangenOtto ErhardDFP6Rothenburg ob der Tauber, Neustadt an der AischMarquard Adolph BarthDFPUnterfranken1Aschaffenburg, Alzenau, Obernburg, MiltenbergHeinrich Karl KurzPatriot2Kitzingen, Gerolzhofen, Ochsenfurt, VolkachHermann von und zu Guttenbergfraktionslos3Lohr am Main, Karlstadt, Hammelburg, Marktheidenfeld, Gemünden am MainCarl Franz Wilhelm Edelfraktionslos4Neustadt an der Saale, Brückenau, Mellrichstadt, Königshofen, KissingenFriedrich von LuxburgNachwahl 1868: Ludwig von Zu RheinAltliberal5Schweinfurt, Haßfurt, EbernKaspar MederPatriot6WürzburgFriedrich von Zu RheinPatriotSchwaben1Augsburg, WertingenKarl BarthPatriot2Donauwörth, Nördlingen, NeuburgAloys von Arco-SteppergPatriot3Dillingen, Günzburg, ZusmarshausenMaximilian von und zu Arco-ValleyPatriot4Illertissen, Neu-Ulm, Memmingen, KrumbachKarl Maria von AretinNachwahl Mai 1868: Maximilian von Seinsheim-Grünbachfraktionslos5Kaufbeuren, Mindelheim, Oberdorf, FüssenJakob MillerPatriot6Immenstadt, Sonthofen, Kempten, LindauJoseph VölkDFP
Baden Die Wahl im Großherzogtum Baden fand am 22. Februar 1868 statt. Nationalliberale kleindeutsch orientierte Abgeordnete gewannen acht Sitze; großdeutsch orientierte Katholiken und Konservative sechs Sitze. Die folgende Liste enthält die 14 badischen Wahlkreise mit den gewählten Abgeordneten und ihrer politischen Richtung.
1Konstanz, Überlingen, Stockach, MeßkirchRoderich von Stotzingengroßdeutsch-konservativ2Donaueschingen, Villingen, Neustadt im SchwarzwaldLudwig KirsnerNLP3Waldshut, Säckingen, JestettenJoseph HebtingNLP4Lörrach, Müllheim, Staufen, Breisach am RheinFranz von RoggenbachNLP5Freiburg, Emmendingen, WaldkirchEduard FaulerNLP6Lahr, Offenburg, Kenzingen, EttenheimFranz Roßhirtklerikal7Wolfach, Triberg, Gengenbach, Oberkirch, AchernOtto Dahmenklerikal8Rastatt, Bühl, Baden-Baden, KehlJakob Lindauklerikal9Pforzheim, Ettlingen, Gernsbach, DurlachAugust DennigNLP10Karlsruhe, BruchsalErnst von Göler-Ravensburggroßdeutsch-konservativ11Mannheim, Schwetzingen, Wiesloch, PhilippsburgHeinrich Christian DiffenéNLP12Heidelberg, Buchen, Weinheim, EberbachGustav HerthNLP13Bretten, Sinsheim, Eppingen, MosbachJohann Caspar BluntschliNLP14Tauberbischofsheim, Wertheim, Adelsheim, Boxberg, WalldürnFerdinand Bissingklerikal
Großherzogtum Hessen
Die Wahl in den Provinzen Rheinhessen und Starkenburg des Großherzogtums Hessen fand am 28. Februar 1868 statt. Die Provinz Oberhessen gehörte zum Norddeutschen Bund und hatte bereits 1867 drei Abgeordnete für den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt, die automatisch auch Mitglieder des Zollparlaments wurden. In Hessen siegte 1868 die nationalliberale und bismarckfreundliche Richtung. Die folgende Liste enthält die sechs hessischen Wahlkreise mit den 1868 gewählten Abgeordneten.
4Darmstadt, Groß-GerauAugust Fabricius FKV5Offenbach, DieburgAugust KuglerNLP6Erbach, Bensheim, Lindenfels, Neustadt im OdenwaldFranz FinkFKV7Worms, Heppenheim, WimpfenJohann PfannebeckerNLP8Mainz, OppenheimLudwig BambergerNLP9Bingen, AlzeyAugust MetzNLP
Württemberg
Die Wahl im Königreich Württemberg fand am 24. März 1868 statt. Es siegten ausschließlich antipreußische und großdeutsch orientierte Abgeordnete. Die kleindeutsch und nationalliberal orientierte Deutsche Partei konnte keinen einzigen Sitz gewinnen. Die folgende Liste enthält die 17 württembergischen Wahlkreise mit den gewählten Abgeordneten.
1Ravensburg, Tettnang, Wangen, LeutkirchConstantin Franz von Neurathfraktionslos-großdeutsch2Waldsee, Saulgau, Riedlingen, EhingenRudolf Probstklerikal3Ulm, Laupheim, BiberachAlbert SchäffleNachwahl 1869: August Becherfraktionslos4Blaubeuren, Kirchheim, UrachKarl von Varnbülerfraktionslos-großdeutsch5Gmünd, Göppingen, Geislingen, HeidenheimKarl FreislebenDtVP6Esslingen, Nürtingen, Schorndorf, WelzheimKarl Deffnerlinksliberal7Aalen, Neresheim, Ellwangen, GaildorfMoritz Mohlfraktionslos-großdeutsch8Gerabronn, Crailsheim, MergentheimHermann von Mittnachtgroßdeutsch-konservativ9Öhringen, Weinsberg, KünzelsauGottlob TafelDtVP10Heilbronn, Brackenheim, Besigheim, MaulbronnKarl Reibelfraktionslos-großdeutsch11Hall, Backnang, Marbach, VaihingenAugust OesterlenDtVP12Cannstatt, Ludwigsburg, Leonberg, WaiblingenJohann Friedrich Rammfraktionslos-großdeutsch13StuttgartRudolf Knospfraktionslos-großdeutsch14Nagold, Calw, Böblingen, NeuenbürgGeorg Martin Doertenbachfraktionslos-großdeutsch15Reutlingen, Tübingen, RottenburgFriedrich AmmermüllerDtVP16Freudenstadt, Horb, Oberndorf, Herrenberg, SulzWilhelm ErathDtVP17Balingen, Rottweil, Tuttlingen, SpaichingenWilhelm Vayhingerfraktionslos-großdeutsch
Siehe auch Liste der Mitglieder des Zollparlaments
Einzelnachweise
Deutschland #Zollparlament Kategorie:Parlamentswahl in Deutschland bis 1918 Kategorie:Politik (Königreich Bayern) Kategorie:Württembergische Geschichte Kategorie:Politik (Baden) Kategorie:Politik (Großherzogtum Hessen) Wahl 1868