Als höhere Lehranstalten wurden im Deutschen Reich, insbesondere in Preußen, nach der Wehrordnung (§ 90, Tit. 1 vom 28. September 1875) mehrere Arten von Lehranstalten bezeichnet, die höhere Bildung anboten. Aufgrund der Verknüpfung mit dem einjährigen Militärdienst, fielen zunächst die höheren Mädchenschulen und Lehrerseminare nicht darunter.

Begriffsdefinition Unter höheren Lehranstalten verstand die preußische Schulverwaltung:

Reformen Im Jahr 1884 gab es in Deutschland 878 Lehranstalten, die zur Ausstellung der Qualifikationszeugnisse zum einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt waren. Diese Zahl wuchs stetig an. Dass ein Schwerpunkt der Ausbildung in den Lehranstalten auf der militärischen Qualifizierung lag, zeigt sich in der Kabinettsorder vom 13. Februar 1890. Hier beklagte Kaiser Wilhelm, dass die Ansprüche an die schulischen Leistungen zu stark im Vordergrund stünden und verlangte eine Anpassung der Lehrpläne:

Bereits am 1. Mai 1889 erließ Kaiser Wilhelm eine Kabinettsorder (Erlass Kaiser Wilhelms II. zur Reform des Schulunterrichts als Mittel zum Kampf gegen den Sozialismus). Dabei erschienen ihm die Kommunisten und Sozialisten als gefährliche Staatsfeinde, so dass den Schülern vermittelt werden sollte, wie „verderblich“ deren Lehren wären. Im Jahr 1889 hatte auch der Forschungsreisende Paul Güßfeldt in der Deutschen Rundschau einen Bericht zur Frage des höheren Unterrichtswesens veröffentlicht und dabei Reformvorschläge unterbreitet. Seine Gedanken über die Erziehung der Deutschen Jugend erschienen 1890 auch separat gedruckt.

Gegen die Vorschläge Güßfeldts und andrer Reformer wandten sich 69 Professoren und Dozenten der Universität Halle mit einem Schreiben an den preußischen Kultusminister. Sie legten darin ihre Sichtweise dar. Sie kritisierten, dass die Bildung auf den Gymnasien für die höheren Studien der mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Bereiche nicht ausreichten.

Schulkonferenzen

Vom 4. bis 17. Dezember 1890 fand in Berlin eine Schulkonferenz statt, die sich mit den Reformvorschlägen und der Zukunft der Gymnasien beschäftigte.

Anschließend wurde ein Ausschuss gebildet, der aus Mitgliedern der Konferenz bestand. Diese sollten gemeinsam neue Lehrpläne und Prüfungsordnungen für die höheren Lehranstalten Preußens festlegen. Unterstützt wurde das Gremium durch das preußische Kultusministerium. Im Sommer 1891 war die Neuordnung abgeschlossen. Im Januar 1892 erschienen sie auch gedruckt als Lehrpläne und Lehraufgaben für die höheren Schulen nebst Erläuterungen und Ausführungsbestimmungen und Ordnung der Reifeprüfungen an den höheren Schulen und Ordnung der Abschlußprüfungen nach dem sechsten Jahrgänge der neunstufigen höheren Schulen nebst Erläuterungen und Ausführungsbestimmungen im Handel.

Die zweite Schulkonferenz fand vom 4. bis 8. Juni 1900 wiederum in Berlin statt. Es gab weiteren Reformbedarf, so dass im Jahr 1906 die Preußische Mädchenschulkonferenz abgehalten wurde, die zu grundlegenden Veränderungen im Schulsystem führte, da es nun auch für Frauen möglich wurde zu studieren.

Diese Veränderungen führten schließlich zur Entstehung des dreigliedrigen Schulsystems.

Ähnliche Lehranstalten (Auswahl) Bergakademien zur Vorbildung für höhere Berg- und Hüttenbeamte Collegium Carolinum, beispielsweise in Braunschweig oder Kassel Höhere Bürgerschulen, zur Vorbereitung auf kaufmännische und handwerkliche Tätigkeiten Landwirtschaftliche Lehranstalten Mädchenschulen und Höhere Mädchenschulen, als separate Bildungseinrichtung für Mädchen Konservatorien zur musikalischen Erziehung Ritterakademien zur militärischen und wissenschaftlichen Ausbildung junger Edelleute und Vorbereitung auf den Besuch der Universität wissenschaftlich

Literatur

Auf der großen Berliner Schulkonferenz 1890 und im Siebener-Ausschuß. In: Dr. Ernst Schlee: Begründer der ältesten deutschen Reformschule und des Altonaer Schulsystems. Lorenzen, Altona 1931, S. 47–52 (deutsche-digitale-bibliothek.de).

Weblinks Das Tor zur Universität – Abitur im Wandel. Bundeszentrale für politische Bildung.

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichte der Pädagogik Kategorie:Organisation (Deutsches Reich) !