mini|Geburtsort, Rittergut Lewitz um 1860 Albert Ludwig von Haza-Radlitz, polnisch: Wojciech Ludwik Radlic-Haza, (* 16. April 1798 in Lewitz bei Meseritz, Südpreußen; † 21. April 1872 ebenda) war ein Kammerherr im Fürstentum Anhalt-Köthen und prominenter Konvertit, später Rittergutsbesitzer und kurzzeitig Reichstagsabgeordneter.

Biografie Albert von Haza-Radlitz war der jüngste Sohn des protestantischen Gutsbesitzers Peter Boguslaus von Haza-Radlitz (* 26. November 1770; † 26. März 1817) und seiner Ehefrau Sophie geb. von Taylor (* 26. März 1775; † 23. November 1849).Vgl. J. Baxa, Sophie von Müller, 1958, S. 132. Diese Ehe wurde 1809 geschieden; im selben Jahr heiratete seine Mutter den Publizisten und Staatstheoretiker Adam Müller (1779–1829), der 1805Konvertitenbilder 1.1, S. 70. katholisch geworden war.

Albert besuchte die Schule in Dresden und Berlin und trat 1815 freiwillig als Jäger in preußische Kriegsdienste. Nach der Rückkehr aus dem Feldzug als Seconde-Lieutenant hielt er sich ab dem Spätsommer 1816 in der neuen Familie seiner Mutter in Leipzig auf. Er studierte Rechtswissenschaft und nahm an dem regen gesellschaftlichen Leben der Familie Müller teil.J. Baxa, Adam Müller, Lebensbild, 1930, S. 352; Sophie von Müller, 1958, S. 124f. 1819 wechselte er nach Berlin. 1820 wurde er Auskultator am königlichen Kammergericht Berlin und 1821 am Oberlandesgericht Naumburg.Vgl. Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Potsdam vom 15. Juni 1821, S. 119.

Adam Müller vermittelte ihm 1825 eine Stelle als Kabinettssekretär des Herzogs Ferdinand Friedrich von Anhalt-Köthen (1769–1830). Dieser trat unter Müllers Einfluss im Oktober desselben Jahres zusammen mit seiner Ehefrau Julie von Brandenburg zur katholischen Kirche über.Konvertitenbilder 1.1, S. 457. Kurz vor ihm, am 5. Juli 1825, konvertierte auch Müllers Stiefsohn Albert im Kloster des Oiseaux in Paris; der berühmte Konvertit Karl Ludwig von Haller war Gast bei der Zeremonie.Konvertitenbilder 1.3, S. 524. Albert blieb bis an sein Ende in Kontakt mit dem Kloster; vgl. Kapitel III von V. Delaporte, Le Monastère des Oiseaux, 1899. Ab 1826 amtierte Haza-Radlitz als herzoglich Anhaltischer Kammerherr. 1829 wurde er Ritter des päpstlichen Ordens vom Goldenen Sporn.Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten vom 5. Januar 1830, 5. Seite, 1. Spalte; Chronik des neunzehnten Jahrhunderts. Neue Folge, 4. Band, das Jahr 1829 enthaltend. Leipzig 1831, S. 452. Nach dem Tod des Herzogs 1830In einem Bericht für Ferdinands Nachfolger Heinrich wurden Albert völlige Loyalität, aber Voreingenommenheit gegen Protestanten, mäßige Arbeitstüchtigkeit und sehr mangelhafte juristische Kenntnisse bescheinigt. (J. Baxa: Adam Müller, Lebensbild, 1930, S. 467f., Anm. 1.) folgte er dessen Witwe nach Wien, wo auch seine Mutter als Witwe lebte. In seinem Dienst begleitete er die Herzogin-Witwe auf ihren Reisen.Vgl. Leben des P. Beckx, 1897, S. 75. Ab August 1831 waren sie für etwa ein halbes Jahr in Rom und mehrfach in Kontakt mit dem neuen Papst Gregor XVI.Vgl. Die Bayer’sche Landbötin Nr. 137 vom 15. November 1831, S. 1086. Albert wurde mit dem Kommandeurskreuz des neu geschaffenen Gregoriusordens geehrt.Konvertitenbilder, Supplement 1902, S. 189. Etwa 1835 erhielt er das Kleinkreuz des österreichischen Leopoldsordens.Hof- und Staats-Schematismus des österreichischen Kaiserthums 1836. 1. Theil, S. 40. Etwa 1840 verließ er den Dienst bei der Herzogin und kehrte in seine Heimat Lewitz zurück. Dort lebte er als Rittergutsbesitzer und Landschaftsrat.Vgl. Königlich Preussischer Staats-Kalender für das Jahr 1851, S. 216 (zugleich war sein Bruder Gustav (* 4. Dezember 1795; † 18. Oktober 1852) Landrat in Samter (S. 427)); […] für 1865, S. 237.

Albert von Haza-Radlitz war früh von der Gegenaufklärung beeindruckt und beteiligte sich schon 1822 in Naumburg daran, indem er eine Übersetzung von Joseph de Maistres Werk publizierte, und schon vor seiner Konversion setzte er sich öffentlich mit protestantischer Kritik an der katholischen Kirche auseinander. Als Kammerherr der Herzogin-Witwe brachte er eine Reihe von Biographien bedeutender Personen der (katholischen) Kirchengeschichte heraus, die er aus dem Französischen, Italienischen und Lateinischen übersetzte. Spätere Schriften waren auch allgemeinerer Art.In manchen Katalogen wird angeführt: Skizze eines Planes […]. 1850 (Digitalisat). Das Werk stammt vom Landrat des Kreises Samter; das war Alberts Bruder Gustav von Haza-Radlitz.

1871 wurde er im Regierungsbezirk Marienwerder im Wahlkreis 6 (Konitz) zum Abgeordneten für die polnische Fraktion im neuen Reichstag gewählt.Vgl. das Mitglieder-Verzeichniß der Reichstagsprotokolle 1871, I. Session, 1. Band, S. XVI.In einem BIORAB-Eintrag ist fälschlich Alberts Sohn Bernhard (1837–1897) als Abgeordneter angegeben. Eine bedeutende Tätigkeit konnte er dort nicht entwickeln; bei den Sitzungen der 1. Sitzungsperiode (21. März bis 15. Juni 1871) war er allenfalls zum Teil anwesend. Zur 2. Sitzungsperiode (Sitzungen ab 16. Oktober 1871) legte er sein Mandat „aus Gesundheitsrücksichten“ nieder.Vgl. Allgemeine Zeitung vom 28. September 1871, S. 4776, 2. Spalte und vom 8. Oktober, S. 4960, 1. Spalte; Bekanntmachung in Reichstagsprotokolle 1871, II. Session, 1. Band, 7. Sitzung, S. 24. Durch seinen Briefwechsel mit dem Zentrums-Abgeordneten Ludwig Windthorst über katholische Bürgerpetitionen wurde er im März 1872 von einem heftigen Angriff der Regierung auf die Katholiken mitberührt.Vgl. Allgemeine Zeitung vom 27. März 1872, S. 1299, 1. Spalte. Er starb nach längerer Krankheit im April 1872, soeben 74 Jahre alt.Todesnachricht in Allgemeine Zeitung vom 25. April 1872, S. 1746, 1. Spalte.

Familie Albert verehelichte sich 1828 mit Mathilde geb. Freiin von Cornberg (* 11. Februar 1802; † 2. Februar 1830).Verlobungsanzeige in Leipziger Zeitung vom 5. Mai 1828, S. 1288; Heirat am 28. Oktober 1828. Sie starb bei der Geburt ihres Sohns Paul (* 25. Januar 1830 in Köthen; † 16. Juli 1884 in St. Louis). Paul wurde Jesuit und wirkte als Seelsorger an der St. Francis Borgia Kirche in Washington (Missouri).Konvertitenbilder 1.3, S. 524; Todesmeldung in Neue Tiroler Stimmen vom 14. August 1884, 3. Seite, Feldkirch.

Albert schloss im September 1830 eine zweite Ehe mit Elisabeth (Betty) von Imbsen (* 10. März 1808 in Wewer; † 25. April 1855), einer engen Freundin seiner ersten Frau.Laut J. Baxa, Adam Müller, Lebensbild, 1930, S. 467 Anm. 1. Sie war das erste Kind von Wilhelm Anton Freiherr von Imbsen (1782–1833) und seiner Ehefrau Bernhardine geb. Gräfin von Korff gen. Schmising (* 1785). Bettys Schwester Sophia (1817–1853) heiratete 1842 Friedrich von Landsberg-Velen (1815–1898).Gen. Tb. der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1853, S. 226. Spätestens seit der Zeit bestanden vertraute Beziehungen zwischen Albert und der Familie Landsberg-Velen. In der zweiten Ehe wurden zehn Kinder geboren: Maximilian (* 8. August 1831 in Wien; † 5. November 1909 in Paris), wurde Jesuit. Julia, † 11. Februar 1839.Vgl. Alberts Historische Nachrichten usw., 1839, S. 13. Stephan Bernhard Johannes Franziscus Silvester (* 30. Dezember 1835 in Wien; † 24. Februar 1911Todesnachricht in Militär-Wochenblatt, 96. Jg., vom 15. Juni 1911, Titelblatt. in Lewitz), nahm als Königlich Preußischer Hauptmann an den Kriegen von 1866 und 1870 teil. Er verehelichte sich 1869 in Fulda mit Wilhelmine Marianne von Wangenheim (1848–1914), jüngstes Kind des kurhessischen Oberstleutnants Bernhard von Wangenheim (1808–1871) und seiner Ehefrau Karoline geb. von Schmerfeld (1810–1865).GGT d. Freih. H. 1912, S. 888f. Nach der Militärzeit wurde Stephan preußischer Postdirektor: 1882 bis 1891 in Eupen und 1892 bis 1896 in Gütersloh.Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1882/83, S. 588, 2. Spalte, bis 1891, S. 660, 1. Spalte; dann für 1892, S. 562, bis 1896, S. 571, 2. Spalte. Nach seiner Pensionierung 1896 zog die Familie nach Paderborn; 1903 zogen sie nach Lewitz. Der Ehe entstammten drei Kinder: Albert Maria Bernhard Franz Joseph (* 21. August 1874 in Mainz; † 12. Januar 1919 in Posen), studierte Jura, 1894–1896 in Berlin,Amtliches Verzeichnis des Personals und der Studirenden […] zu Berlin, 1895/1896, S. 80. anschließend in Marburg; immer als Mitglied einer katholischen Studentenverbindung.Vgl. Academia. Monatsschrift des C. V. der katholischen deutschen Studenten-Verbindungen. 9. Jg. 1896, S. 6, 17, 159 und 172, und 10. Jg. 1896, S. 22 und 185. Nach dem Umzug der Familie nach Lewitz 1903 leitete er dort das Familiengut. Er starb nach einem Angriff aufständischer Polen im Januar 1919 an der Zertrümmerung des Schädeldachs.Register Poznań, Sign. 14490, Karte 1184.Er verehelichte sich 1901 in Berlin mit Rose Sayur (* 1878 in Beirut; † 1957 in Baesweiler), Tochter des niederländischen Generalkonsuls Antoine Sayur. Der Ehe entstammten drei Kinder: Stefan Anton Joseph Maria (* 11. August 1902 in Lewitz; † 26. Februar 1980 in Wiesbaden), verkaufte das Gut Lewitz 1930.Vgl. Notiz im Heimatkreis Meseritz, 2026: Schloß Lewitz. Hans-Ulrich (* 11. Oktober 1904 in Lewitz; † 16. März 1970 in Frankfurt a. M.), Kaufmann. Mirjam (* 20. November 1906 in Lewitz; † 24. April 1983 in Frechen), 1930 verehelicht mit dem Kaufman Bruno Treiber (* 1907 in Heidelberg; † 1960 in Baesweiler). Elisabeth, starb im Kloster. Hedwig (* 1. September 1881 in Erwitte; † 15. September 1945 in Troisdorf), schrieb zahlreiche kleine Stücke und Erzählungen für Jugendliche. Sie pflegte ihre Eltern bis zum Tod, machte eine Fürsorge-Ausbildung und wurde die erste Fürsorgerin in Troisdorf. Sie hütete Dokumente zur Familiengeschichte, die wahrscheinlich bei einem Bombenangriff am 29. Dezember 1944 verloren gegangen sind. BernardinAls „Bernhardine“ missverstanden in Gen. Tb. der Ritter- u. Adels-Geschlechter. 1878. 3. Jg., S. 263, Nr. 3, und Gen. Tb. der Adeligen Häuser. 1883. 8. Jg., S. 225, Nr. 3, und S. 226., auch BernardinusVgl. das Grabmal in Commons., Bernhard und im wirklichen Gebrauch: BernardVgl. Reichstagsprotokolle 1872, III. Session, 3. Band, S. 91, Nr. 260; seine Wahlaufrufe von 1882 und 1885 in: Heimatgruss. Zeitschrift für Mitglieder und Freunde des Heimatkreises Meseritz […]. Nr. 235, Dezember 2020 (PDF), S. 14f.; Nekrolog in Złota księga szlachty polskiéj, 1898, S. 218. (* 5. Oktober 1837 in Wien; † 4. Oktober 1897 in Lewitz), besuchte die Jesuiten-Schule Saint-Clément 1854–1857.Les Jésuites à Metz. Strasbourg 1897, S. 426, N. 59. Er verehelichte sich im Juli 1870 mit Maria von Szołdrski (1849–1927);Goth. Gen. Tb. der Gräflichen Häuser. 1897. 70. Jg., S. 1113. die Ehe blieb kinderlos. Franz (* 22. Februar 1839; † 22. September 1870), starb als Soldat. Maria * 9. Februar 1840 in Lewitz. Anton Maria (* 25. Oktober 1844 in Lewitz; † 7. Juni 1902 in Prairie du Chien, Wisconsin), Jesuit.Vgl. W. Kosch: Das Katholische Deutschland, 1933, Spalte 1424. Ignaz * 2. Februar 1846 in Lewitz, sollte offenbar Jesuit werdenLes Jésuites à Metz. Strasbourg 1897, S. 440. und wurde Preußischer Leutnant. Hedwig (* 23. November 1848; † 29. Juni 1872 in ParisVgl. V. Delaporte, Le Monastère des Oiseaux, 1899, S. 152f.), Ordensschwester der Congrégation de Notre-Dame. Joseph * 23. September 1852. Bei Bettys Tod 1855 war das jüngste Kind zweieinhalb Jahre alt. Alberts Bemühung um eine erneute Heirat war nicht erfolgreich.Vgl. G. Böth: Johann Ignaz Franz Maria von Landsberg-Velen. 2009, ISBN 978-3-8309-2207-0, S. 127.

Schriften mini|Übersetzung von Joseph de Maistre, 1822 mini|Übersetzung einer Biographie des Ignatius von Loyola, 1835