Der Jagdpanzer IVLaut Nachrichtenblatt der Panzertruppen des Generalinspekteurs der Panzertruppen vom 17. November 1944 umbenannt von „le. Pz. Jg. IV“ in „Jagdpanzer IV“. war ein im Zweiten Weltkrieg entwickelter und von der Wehrmacht eingesetzter Jagdpanzer, der auf dem Fahrgestell des Panzerkampfwagens IV basierte. Hauptaufgabe des Jagdpanzers IV war die Abwehr angreifender gegnerischer Kampffahrzeuge, wie Panzer und Sturmgeschütze.

Entwicklung Die Entwicklungsgeschichte des Jagdpanzer IV kann nur in Zusammenhang mit der Entwicklung des Sturmgeschützes III und dessen Bewaffnung betrachtet werden. Beide Fahrzeuge stehen durch Aspekte der Rüstungsproduktion und der Entwicklungsgeschichte in einem engen Zusammenhang. Unabhängig von der historisch korrekten Bezeichnung der einzelnen Fahrzeugtypen werden alle hier im Artikel dargestellten Fahrzeuge vereinfacht als Jagdpanzer IV bezeichnet.

7,5-cm-Sturmkanone 40 Kurz nach Beginn der Sturmgeschütz-Entwicklung gab es bereits Überlegungen zu einer leistungsgesteigerten Bewaffnung für dieses Fahrzeug. Nach einiger konzeptioneller Arbeit im Jahr 1938 erhielt Krupp schon am 12. Januar 1939 den Auftrag für die Entwicklung einer sPak (verstärkt) L/42. Die Entwicklung dauerte bis 1942 und im März dieses Jahres wurden drei Versuchsstücke der Sturmkanone 40 in vorhandene Sturmgeschütz III montiert und erprobt. Währenddessen lief bereits die Produktion und im Verlauf des Jahres wurde die neue Ausführung F (modifizierte Ausf. E) des Sturmgeschützes mit den neu produzierten 7,5-cm-StuK L/43 und schon bald 7,5-cm-StuK L/48 bis September 1942 mit 364 Fahrzeugen gefertigt.Spielberger, Doyle, Jentz: Leichte Jagdpanzer 1992 S. 62 und 64 Während des Sommers 1942 hatte Adolf Hitler persönlich mehrfach eine Verstärkung der Panzerung des Sturmgeschützes gefordert.Spielberger, Doyle, Jentz: Leichte Jagdpanzer 1992 S. 68 und 70

Jagdpanzer IV Die zunehmenden Erfolge der Sturmgeschütz-Einheiten bei der Bekämpfung feindlicher Panzer nach der Ausrüstung mit den langen 7,5-cm-Sturmkanonen im Verlaufe des Jahres 1942 und die Rückmeldungen der Einheiten, denen ab März 1942 die mit der 7,5-cm-KwK L/43 ausgerüsteten Panzerkampfwagen IV (Pz.Kpfw. IV) zugeteilt wurden, belegten die stark erhöhte Wirksamkeit dieser längeren Geschütze gegen die aktuellen gegnerischen Panzertypen. Bei der Planung der Rüstungsindustrie zielte man allerdings darauf ab, künftig nur noch ein Fahrgestell produzieren zu müssen. So erging im September 1942 vom Heereswaffenamt (HWA) der Auftrag an die Firma Vogtländischen Maschinenfabrik (VOMAG) in Plauen, welche auch Pz.Kpfw. IV fertigte, ein flaches Panzerjäger-Fahrzeug mit verbesserter frontaler Panzerung (für die 7,5-cm-StuK L/48nicht ausdrücklich im Text erwähnt, aber konkludent) zu entwickeln, welches auf dem Fahrgestell der Pz.Kpfw. IV basieren sollte.Spielberger, Doyle, Jentz: Leichte Jagdpanzer 1992 S. 99

Am 14. Mai 1943 wurde von VOMAG ein Holzmodell des neuen „kleinen Panzerjäger der Firma VOMAG“ vorgestellt, das die Zustimmung Hitlers fand. Die Lafettierung der Waffe wurde für das neue Fahrzeug angepasst und damit zur 7,5-cm-Panzerjäger-Kanone 39 (L/48) weiterentwickelt. Ein in Weichstahl gefertigtes Versuchsfahrzeug (leichter Panzerjäger mit 7,5 cm L/48 auf Fahrgestell IV (Eisen)) wurde Hitler bei einer Konferenz am 20. Oktober 1943 präsentiert und zeigte zwei geschossabweisende Kugelblenden zum Schutz je eines links und rechts der Hauptbewaffnung zu montierenden Maschinengewehrs. Der Wunsch des HWA ab Anfang 1943 nach einer weiteren Verstärkung der Frontpanzerung beim Pz.Kpfw. IV wurde von der Industrieseite aus fertigungstechnischen Gründen immer wieder abgelehnt. Doch bot sich im Rahmen der Entwicklung des Jagdpanzers IV die Möglichkeit, diese Forderung zu erfüllen, da sich das Fahrzeug derzeit noch nicht in der Serienfertigung befand. Hierzu wurde der Wannenbug des überarbeiteten Pz.Kpfw. IV-Fahrgestells mit zwei nun stark gewinkelten Panzerplatten ausgeführt. Diese sind bereits bei den frühen Versuchsfahrzeugen, spätestens jedoch im Herbst 1943, zu sehen.

Um einen möglichst großen Schutz der Besatzung zu erreichen, war die verstärkte Frontpanzerplatte des Aufbaus in der Entwurfs- und Versuchs-Phase mit an beiden Seiten um 90° abgerundeten Seiten ausgeführt.wie beim im Panzermuseum Munster ausgestellten Fahrzeug zu sehen Im Verlauf der weiteren Entwicklung wurden aktuelle Fahrgestell-bezogene Änderungen der Serienfertigung des Pz.Kpfw. IV in den Entwurf übernommen und auch die Frage nach geeigneten Nahverteidigungs- und Beobachtungsmitteln gelöst. Am Jahresende 1943 galt die Entwicklung als abgeschlossen, so dass eine Serienfertigung ab Januar 1944 geplant wurde.

Die als „Jagdpanzer IV Ausf. F“ bezeichneten Fahrzeuge gelangten ab Anfang 1944 zum Einsatz.F. M. von Senger und Etterlin: Die deutschen Panzer 1926–1945, Bernard & Graefe Verlag, ISBN 3-7637-5988-3, S. 65

Jagdpanzer IV / Panzerjäger IV (7,5 cm) Pak 39 L/48 (Sd.Kfz. 162) Ausf. F mini|Jagdpanzer IV/48 mit abgedecktem Bug-MG Die erste Serie des Jagdpanzers IV besaß als Hauptwaffe die 7,5-cm-Pak 39. Die Kanone war mit 48 Kaliberlängen und einer Rohrlänge von 3,60 m genau so lang wie die Kanone des Sturmgeschützes IV, jedoch besaß letzteres die StuK 40 L/48. Im Unterschied zum herkömmlichen Panzer-IV-Fahrgestell war die Panzerung abgeschrägt, wodurch sich der Panzerschutz vor allem beim spitzwinklig ausgebildeten Bug stark erhöhte. Beim Panzer IV war ein von einem DKW-Motor angetriebenes Stromerzeugungsaggregat eingebaut, das die elektrische Energie für die Turmdrehmechanik lieferte. Beim turmlosen Jagdpanzer IV konnte infolge des Wegfalls dieses Generators ein zusätzlicher Kraftstoffbehälter eingebaut werden. Des Weiteren wurde die Anordnung der Bremsenentlüftung, der Innenraumheizung und der Einbau der Funkgeräte geändert. Bei den Führungsfahrzeugen wurde die ursprüngliche Besatzung von vier Mann um ein Besatzungsmitglied erhöht, welches als Funker das in einer Kugelblende befindliche Bug-MG bediente, dessen Öffnung sonst mit einer kegelförmigen Panzerplatte abgedeckt war. Von dieser Serie wurden im Jahre 1944 insgesamt 769 Stück hergestellt. Die Panzerung wurde von der Witkowitzer Bergbau- und Hüttengewerkschaft geliefert; die Hersteller der Hauptwaffe waren Rheinmetall-Borsig und die Seitz-Werke in Kreuznach.Spielberger: Der Panzerkampfwagen IV und seine Abarten. S. 88–100

Varianten Panzer IV/70 (V) (Sd.Kfz. 162) mini|Panzer IV/70 (V) im Panzermuseum Kubinka Im Januar 1944 wurde angeordnet, unter Berücksichtigung der technischen Möglichkeiten, die überlange 7,5-cm L/70-Kanone in den Jagdpanzer IV einzubauen. Im April wurden Hitler die ersten Lichtbilder des Panzerjägers mit dieser Kanone gezeigt. Im Rahmen einer Vorführung zu seinem Geburtstag am 20. April legte er den Schwerpunkt der Panzerjägerproduktion auf das „Panzer IV/70 (V)“ genannte Fahrzeug, von dem monatlich bis zu 1000 Stück gebaut werden sollten. Dazu sollte die gesamte Panzer-IV-Produktion auf die Herstellung des Sturmgeschützes IV und des neuen Jagdpanzers IV umgestellt werden.

Im August 1944 begann die Produktion des nun Panzer IV/70 (V) genannten Fahrzeugs bei VOMAG. Die 7,5-cm-Pak 42 L/70 stellte eine Variante der auch im Panther eingebauten Waffe dar. Diese wurde von den Gustloff-Werken in Weimar-Buchenwald und von Škoda in Pilsen in dieser Ausführung ohne Mündungsbremse geliefert. Die mit einer Saukopfblende geschützte und 10° nach beiden Seiten schwenkbare Waffe war von der Fahrzeugmitte aus leicht nach rechts versetzt. Wie auch im Jagdpanzer IV bestand die Besatzung eines Befehlsfahrzeugs aus fünf Mann statt regulär vier Mann. Wegen des langen Überhangs der Kanone musste diese während des Marsches zwingend in einer Rohrstütze gelagert werden. Mit fast 26 Tonnen Gefechtsgewicht war das Panzer-IV-Fahrgestell sehr stark belastet. Die lange Waffe und die starke Bugpanzerung von 80 mm machten das Fahrzeug stark kopflastig, wodurch es im Gelände nur schlecht zu lenken war. Als Gegenmaßnahme für die aus der Kopflastigkeit resultierenden häufigen Schäden an den Gummibandagen der vorderen Laufrollen, wurden spezielle Stahllaufräder mit innenliegender Gummipufferung verwendet. Vomag stellte von diesem Typ insgesamt 930 Stück her. Überliefert ist der Spitzname „Guderian-Ente“.

Panzer IV/70 (A) mini|Panzer IV/70 (A) mit hohem Aufbau Im Juni 1944 berechneten Mitarbeiter des HWA am Standort Hillersleben, auf welche Distanz ein Panzerkampfwagen IV die Panzerung der sowjetischen Typen T-34/85 und JS-122 (JS-2) durchschlagen konnte und diese den Pz.Kpfw. IV. Die Unterlegenheit des noch in großer Zahl im Einsatz stehenden Pz.Kpfw. IV war offensichtlich. In der Folge wurde den Ingenieuren des Unternehmens Alkett am 26. Juni 1944 der Auftrag erteilt eine Lösung für den Einbau der langen 7,5-cm-KwK 42 L/70 für das Chassis des Pz.Kpfw. IV zu entwerfen. Schon im September 1943 hatte man jedoch festgestellt, dass es keine Möglichkeit gab, diese Waffe in den Gefechtsturm des Panzerkampfwagens zu montieren.Jentz/Doyle: Jagdpanzer PT No. 9-2 2012 S.9-2-60 – 9-2-68 (ganzer Abschnitt)

Einzig die Montage des Aufbaus des Panzer IV/70 (V) auf das in Produktion befindlichen Panzerkampfwagen-IV-Fahrgestell verblieb als Option. Eine weitere Berechnung des HWA bezüglich der Leistungsparameter eines Pz.Kpfw. IV im Vergleich mit den bisher bekannten amerikanischen und britischen Panzertypen bestätigte, dass nur eine deutlich leistungsfähigere Bewaffnung mit der 7,5-cm-Kanone L/70 dem Fahrzeug auf dem Gefechtsfeld eine Überlebenschance verschaffen konnte, wobei jedoch der JS-2 immer noch ausgenommen war.

Nach einer Vorstellung des Fahrzeugs am 6. Juli 1944, bei der Hitler anwesend war, wurde von diesem am 18. Juli festgelegt, dass dieses „Sturmgeschütz auf Pz.Kpfw. IV Fahrgestell“ die Bezeichnung Panzer IV lang (A) erhalten solle. Weiterhin war bereits am Ende der Konferenz und Vorführung vom 6. bis zum 8. Juli von Hitler angemerkt worden, dass künftig die Fertigung des Pz.Kpfw. IV vollständig auf das neue, geplante Sturmgeschütz auf Einheitsfahrgestell III/IV (Panzer IV lang E)diese Einheitsfahrgestell wurde nie realisiert umzustellen sei. Da dies jedoch nicht unmittelbar erfolgen könne, sollen im August 50 Fahrgestelle des Pz.Kpfw. IV mit dem Übergangsaufbau mit langer L/70 Kanone, der von Alkett entworfen worden ist, gefertigt werden. Weiterhin wären Maßnahmen in der Fertigung der Wannen zu ergreifen, damit spätestens ab Oktober 1944 „Vomag Panzerjäger“ (Panzer IV/70 (V)) anstelle der Übergangsfahrzeuge Panzer IV/70 (A) ausgeliefert werden könnten.

In der Nachkriegsliteratur wird das Fahrzeug häufig als „Jagdpanzer IV (A) Zwischenlösung“ beschrieben. Betrachtet man die Äußerungen Hitlers und die offizielle Verwendung der Bezeichnung Übergangsfahrzeug ist der Ursprung dieser Bezeichnung nachvollziehbar, doch gibt es keinen Beleg für eine zeitgenössische Verwendung.

Von August 1944 bis März 1945 wurden im Nibelungenwerk 277 Fahrzeuge und ein Prototyp hergestellt. mini|Panzer IV/70 von Vomag

Einsatz Die Einsatzgeschichte der Jagdpanzer-IV-Familie ist nicht immer einfach nachzuvollziehen, da Divisions- und Regimentsgeschichten nicht immer in der gewählten Beschreibung präzise sind. Mehrfach werden Jagdpanzer und Sturmgeschütze einfach als Sturmgeschütz bezeichnet, da nur zwischen Panzer und Sturmgeschütz differenziert wurde. Mit Hilfe der Zuweisungslisten lässt sich jedoch aufklären, welche Fahrzeugtypen zu welchem Zeitpunkt bei den Einheiten vorhanden gewesen sein sollten.Baschin/Block: Jagdpanzer IV Part 2 2012 S. 56

Jagdpanzer IV L/48