Das Frauenmuseum Hittisau befindet sich in Hittisau im Bregenzerwald in Vorarlberg (Österreich). Es ist das erste und einzige Frauenmuseum in Österreich.
Geschichte Das Museum entstand im Jahr 2000 durch eine Initiative von Frauen unter Leitung der Museumskuratorin Elisabeth Stöckler,Laudatio für Elisabeth Stöckler zur Verleihung des Prix Wasserfrau 2005. In: alton.at. 2005, abgerufen am 14. November 2020. die es bis 2009 leitete. Im Anschluss übernahm die Kunsthistorikerin und Ausstellungsmacherin Stefania Pitscheider Soraperra die Leitung des Museums.
Programm und Angebot Das Frauenmuseum hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Schaffen von Frauen sowie Frauengeschichte sichtbar zu machen und zu dokumentieren. Ziel ist es, durch die Auseinandersetzung mit Geschichte und Kultur aus Frauenperspektive weibliche Identitäten zu erweitern, Reflexionsprozesse anzuregen und das Bewusstsein von Frauen und Männern für die historische und gesellschaftliche Bedingtheit von Geschlechterrollen und deren Gestaltbarkeit.„Das Frauenmuseum möchte mit seiner Arbeit immer wieder im regionalen Umfeld ansetzen, jedoch nicht dort aufhören, sondern im Mikrokosmos der Region exemplarisch die Strukturen des Makrokosmos (österreichische Gesellschaft, internationale Vergleiche) aufzeigen.“ Zum vielfältigen Angebot gehören zwei bis drei Ausstellungen pro Jahr (sowohl mit regionalem als auch überregionalem Schwerpunkt) sowie zahlreiche Workshops, Seminare, Vorträge, Konzerte, Symposien und museumspädagogische Aktivitäten für Erwachsene und Kinder. Während der Coronakrise gründete das Museum im März 2020 den Blog Starke Frauen. Starke Geschichten gestartet, in dem kurze Porträts vorbildlicher Frauen präsentiert wurden.
Internationale Netzwerkarbeit Das Frauenmuseum Hittisau ist Gründungsmitglied des Internationalen Vereins der Frauenmuseen (engl. The International Association of Women’s Museums, kurz: IAWM), der weltweit Frauenmuseen und Frauenmuseumsinitiativen vernetzt und in regelmäßigen Abständen internationale Konferenzen organisiert. Die sechste internationale Frauenmuseenkonferenz wurde im Mai/Juni 2021 in Hittisau ausgetragen.
Gebäude mini|Das Frauenmuseum Hittisau (Foto: 2008) Das Bauwerk wurde von der Gemeinde Hittisau nach den Plänen der Architekten Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur-Sturm in den Jahren 1998 bis 2000 als Feuerwehrhaus und Kulturhaus errichtet. Das Projekt wurde im Jahr 2000 mit dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet.Zentralvereinigung der Architekten Österreichs: Es steht am südöstlichen Ortsrand von Hittisau in einem Hang zur Subersach und beherbergt im massiv gebauten Untergeschoß die Freiwillige Feuerwehr. An der oberen Geländekante ist es ein Holzbau, mit zum Ortszentrum voll verglaster Fassade und einer Holzkonstruktion und Verschalung mit heimischer Weißtanne. Im Erdgeschoß befinden sich das Foyer, ein Seminarraum und ein Musikprobelokal, im Obergeschoß schließlich das Frauenmuseum.Architekturzentrum Wien: Werkpräsentation: Feuerwehrhaus und Kulturhaus, Hittisau, 1998-2000, 25. Jänner 2002
Auszeichnungen 2000: Österreichischer Bauherrenpreis für Cukrowicz Nachbaur 2001: Nominierung – Mies van der Rohe Preis für Frauenmuseum Hittisau für Cukrowicz Nachbaur 2009: Das Frauenmuseum Hittisau wurde für den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung nominiert. 2010: Bank-Austria-Kunstpreis, in der Kategorie Regional. 2012: Das Frauenmuseum Hittisau wurde auf der von Rainer Prohaska gestalteten Dauerbriefmarke der Österreichischen Post über Euro 1,45 abgebildet. Neben MUMOK und Kunsthalle Wien, Kunsthaus Bregenz, Ars Electronica Center und Lentos Museum Linz, Forum Stadtpark und Kunsthaus Graz, Essl Museum Klosterneuburg, Kunsthalle Krems, Museum der Moderne Mönchsberg Salzburg, Austrian Cultural Forum New York oder MAK Schindler House Los Angeles wurde das Frauenmuseum Hittisau als einziges kleines Haus im ländlichen Raum in die Serie aufgenommen. 2013: Outstanding Artist Award (Österreich) Jahresthemen für Frauenkultur des BMUKK 2017: Österreichischer MuseumspreisFrauenmuseum Hittisau erhält Museumspreis 2017. ORF Vorarlberg, 13. Juni 2017, abgerufen am 13. Juni 2017. 2021: Auszeichnung beim Europäischen Museumspreis (EMYA Award) 2023: VN Kunst- und Kulturpreis; Österreichisches Umweltzeichen
Ausstellungen und Projekte 2000: Mythos und Alltag – eine sozialgeschichtliche Installation 2000/01: Bosna Quilts 2001: Brennpunkt Küche: planen, ausstatten, nutzen 2001/02: frauen – hand – arbeit 2002: Gezeiten. Keramische Plastiken 1985–2001 von Elisabeth Wieser Schiestl 2002: Frauenbilder 2002/03: Wege nach Ravensbrück und Widerständige Vorarlberger Frauen im Nationalsozialismus 2003: Tracht für Einheimische und Zweiheimische 2003: Familie und Beruf in Balance 2003/04: Die zweite Haut – Kunst und Kleidung 2004: Göttin – Hexe – Heilerin: Zu einer Kulturgeschichte weiblicher Magie 2004/05: Die Welt hinter den Dingen 2005: Mit dem Frauenmuseum in Nürnberg: Kopftuch Kulturen. Ein Stückchen Stoff in Geschichte und Gegenwart 2005: Kleidung trägt Kultur 2005/06: Frauenatelier 2006: Philosophinnen – Liebhaberinnen der Weisheit 2007: Richtung Europa – Europazyklus von Elke Markopoulos 2007: 1000 Frauen für den Frieden 2008: Lala Aufsberg (1907–1976), Weltfotografin aus dem Allgäu 2008/09: INTIM Geburt – Leben – Tod. Griechische Mythologie für das 21. Jahrhundert 2009: Frauennachlässe – Fragmente aus vielen Leben Seite zum Frauenmuseum, Ausstellungen seit 2000 2009/10: Stilles Holz. Die Architektin Wenche Selmer 2010: Tribute to Margarete Schütte-Lihotzky. BERUF ARCHITEKTIN. Reflexionen, Präsentationen und Gespräche aus und über die Praxis (Symposium) 2010: Ich bin ich. Die Illustratorin und Trickfilmzeichnerin Susi Weigel 2010: Reinheit und Reinigung. Reinigungsrituale zwischen Katharsis und sozialer Kontrolle (Symposium) 2011: Schwerpunkt „Frauen & Gewalt“ (3 Ausstellungen mit Veranstaltungs- und Filmreihe) 2011: Die elf Gebote. Mariella Scherling Elia (Schwerpunkt „Frauen & Gewalt“) 2011: Frauen im Kreuzfeuer. Jenny Matthews (Schwerpunkt „Frauen & Gewalt“) 2011: Silent Witnesses (Schwerpunkt „Frauen & Gewalt“) 2011: Feste. Kämpfe. 100 Jahre Frauentag 2011/12: GRRRL ZINES. DO IT YOURSELF! 2012/13: Die tollkühnen Frauen 2013: Europäerinnen. Starke Frauen mit Vision. Ein Fotoprojekt von Bettina Flitner mit Texten von Alice Schwarzer. 2013/14: Ich bin daheim. Die Künstlerin A.M. Jehle (1937–2000) 2014: Gestickte Moral. Spruchtücher zwischen Tradition, Rollenzuschreibung und Illusion 2015: Adelheid Gnaiger (1916–1991). Die erste Architektin Vorarlbergs 2015/16: Ich, am Gipfel. Eine Frauenalpingeschichte 2016/17: Maasai Baumeisterinnen aus Ololosokwan 2018: Pflege das Leben. Betreuung*Pflege*Sorgekultur 2018: GIRLstory 2018/19: frauenzeit (donne di fronte/frauen im gegenüber). Maurizio Bonato: Ein künstlerischer Blick in die Sammlung des Frauenmuseum Hittisau 2019: Sie meinen es politisch! 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich 2020/21: GEBURTSKULTUR vom gebären und geboren werden (inkludierte Veranstaltungen zum Roses Revolution Day 2020) 2022: verfolgt / verlobt / verheiratet. Rettende Ehen jüdischer Frauen ins Exil. 2022/23: FRIDA POP. Hommage an eine Ikone / Zwischen den Welten geboren 1915–1935: Frauen erzählen 2023: Ist Nachbarschaft Glückssache? 2025–2027: Frieden tun. Über Gerechtigkeit, Demokratie und Geschlecht
Siehe auch
Liste der Museen in Vorarlberg
Publikationen
Renate Breuß, FEMAIL: Brennpunkt Küche: Planen, Ausstatten, Nutzen (Katalog anlässlich der Ausstellung im Frauenmuseum in Hittisau, 1. Juni–23. September 2001 sowie im Heimatmuseum Schruns, 15. Dezember 2001–9. April 2002). FEMAIL FrauenInformationszentrum Vorarlberg, Feldkirch 2001. Hermann Denz, Manfred Tschaikner: Alltagsmagie, Hexenglaube und Naturheilkunde im Bregenzer Wald: Ein Begleitbuch zur Ausstellung Göttin – Hexe – Heilerin – zu einer Kulturgeschichte weiblicher Magie. Frauenmuseum in Hittisau (Juni–Oktober 2004). Institut für Sprachen und Literaturen der Universität Innsbruck, Abt. Sprachwissenschaft, Innsbruck 2004, ISBN 3851242106. Frauenmuseum Hittisau: Gestickte Moral: Spruchtücher zwischen Tradition, Rollenzuschreibung und Illusion. 7. Juni 2014 bis 8. Februar 2015. Ausstellungsbegleiterin. Frauenmuseum Hittisau 2015. Stefania Pitscheider Soraperra: Zwischen Traditionsbewusstsein und Feminismus. Zur kuratorischen Praxis im Frauenmuseum Hittisau. In: Elke Krasny, Frauenmuseum Meran (Hrsg.): Women's Museum: Curatorial politics in feminism, education, history, and art. / Frauen Museum: Politiken des Kuratorischen in Feminismus, Bildung, Geschichte und Kunst. Löcker, Wien 2013, ISBN 9783854096245, S. 219. Elisabeth Wieser Schiestl et al.: Gezeiten: Keramische Plastiken 1985–2001 (Katalog anlässlich der Ausstellung im Frauenmuseum in Hittisau, 4. Mai–22. September 2002, und im Frauenmuseum Evelyn Ortner in Meran, 28. September–31. Oktober 2002). Frauenmuseum Hittisau 2002.
Weblinks
Website des Frauenmuseums Blog des Frauenmuseums: Starke Frauen. Starke Geschichten. Lisa Bolyos: Ein feministischer Quader im Bregenzerwald. Eine kleine Augustin-Museologie: Folge 2 – Das Frauenmuseum Hittisau. In: Augustin. 2. Oktober 2015, abgerufen am 3. Mai 2020. Silvie Aigner: Das Frauenmuseum Hittisau. In: PARNASS Kunstmagazin. 20. März 2019, abgerufen am 3. Mai 2020. Hedwig Kainberger: Starke Frauen gehen jetzt online. In: Salzburger Nachrichten. 21. März 2020, abgerufen am 3. Mai 2020.
Einzelnachweise
Kategorie:Museum in Vorarlberg Kategorie:Feministische Kunst Kategorie:Kulturzentrum (Vorarlberg) Kategorie:Hittisau Hittisau Kategorie:Museumsgründung 2000 Kategorie:Frauengeschichte (Österreich)