Die Geschichte El Salvadors umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der zentralamerikanischen Republik El Salvador von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Als eigenständiger Staat existiert El Salvador seit 1838, zwischen 1823 und 1838 hatte es der Zentralamerikanischen Konföderation angehört. Vorangegangen waren 300 Jahre als spanische Kolonie. Vor der europäischen Eroberung existierten auf dem heutigen Staatsgebiet mehrere indianische Kulturen, die im Verlauf der Eroberung vollständig ausgelöscht wurden.

mini|Wappen von El Salvador

Indianische Kulturen vor dem 16. Jahrhundert mini|Mayaruinen von San Andres

El Salvador gehörte vor der spanischen Kolonisierung zum südlichen Randbereich der Maya-Kultur. Auf seinem Gebiet existierten drei Königreiche indigener Völker: die Herrschaft von Cuzcatlan, ein Reich der Pipil, eines aus Mexiko eingewanderter Stammes der Nahua, im Osten der Herrschaftsbereich der Lenca und im Norden entlang des Río Lempa das Reich der Ch'orti', eines Volkes der Maya. Bedeutende Stätten sind Tazumal, San Andrés, und Joya de Cerén.

Spanische Kolonialzeit 1524 schlug der erste Eroberungsversuch spanischer Konquistadoren fehl. Die Truppen unter dem Kommando von Pedro de Alvarado wurden von Kriegern der Pipil zum Rückzug gezwungen. Ein Jahr später (1525) drangen die Spanier erneut ein, und unterwarfen dieses Mal die einheimische Bevölkerung. Alvarado gab der Gegend den Namen El Salvador („der Erretter“). Das gesamte Gebiet wurde ins Vizekönigreich Neuspanien eingegliedert. El Salvador war dort Teil des Generalkapitanats Guatemala, wo auch der größte Teil der Streitkräfte stationiert war, ebenso wie der Sitz der obersten Gerichtsbarkeit (Real Audiencia). El Salvador verblieb Teil des spanischen Kolonialreiches bis 1821.

Unabhängigkeit mini|Ausdehnung der Zentralamerikanischen Konföderation mini|Flagge der Zentralamerikanischen Konföderation ab 22. November 1824

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stieg die Unzufriedenheit unter den kreolischen Intellektuellen und Kaufleuten über die nach wie vor strikte Kontrolle durch die Kolonialmacht Spanien, insbesondere über das Verbot von eigenständigen Handelsbeziehungen mit anderen Ländern, speziell mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Gleichzeitig rebellierte auch die Landbevölkerung (Mestizen) zunehmend gegen die Unterdrückung durch die Spanier. Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung schafften es, diese beiden Gruppen für ihre Ziele zusammenzuschließen. Damit hatte die Bewegung sowohl die Unterstützung der kreolischen Mittelschicht als auch die der Mestizen. 1811 scheiterte ein erster regionaler Aufstand, nachdem aus Guatemala Truppen zur Niederschlagung gesandt wurden.

1821 erklärte El Salvador zusammen mit allen anderen zentralamerikanischen Provinzen die Unabhängigkeit von Spanien. Als diese Provinzen 1822 mit dem Kaiserreich Mexiko zusammengeschlossen werden sollten, widersetzte sich El Salvador als einziges Land und bestand auf der Unabhängigkeit der zentralamerikanischen Länder. Truppen aus Guatemala, welche die Union durchsetzen sollten, wurden im Juni 1822 durch Aufständische unter dem Kommando von Manuel José Arce y Fagoaga aus El Salvador vertrieben. In Folge reiste Arce nach Washington, um über einen Anschluss El Salvadors als Bundesstaat an die USA zu verhandeln. Nach einer Revolution in Mexiko gegen Kaiser Agustín I. im Jahr 1823 stimmte die neue mexikanische Regierung allerdings der Unabhängigkeit der zentralamerikanischen Staaten zu, und noch im selben Jahr schlossen sich die fünf zentralamerikanischen Staaten zur zentralamerikanischen Konföderation zusammen.

Die zentralamerikanische Konföderation zerbrach zwischen 1838 und 1841, wobei El Salvador offizieller Rechtsnachfolger blieb. Spätere Versuche, die Konföderation wieder aufleben zu lassen, scheiterten.

Oligarchie In weiten Teilen des Landes konnte die Zentralregierung ihre Macht nicht durchsetzen. Lokale Großgrundbesitzer, genannt die vierzehn Familien (obwohl es eigentlich etwa 30 Familienklans waren), kontrollierten das Hinterland in der Art von Feudalherren. Ihnen kam entgegen, dass das Straßennetz noch sehr schlecht ausgebaut war und Brücken über die meisten Flüsse fehlten, wodurch ihre Gebiete isoliert waren. In der Verfassung von 1824 wurden ihnen 42 von 70 Sitzen in der einzigen Kammer des Parlaments reserviert. Dem von ihnen gewählten Präsidenten wurden weiträumige Befugnisse erteilt, die Gouverneure der 14 Provinzen wurden von ihm ernannt. Trotz mehrerer Verfassungsänderungen (1859, 1864, 1871, 1872, 1880, 1883, 1886) konnten die Großgrundbesitzer immer ihre Macht behaupten; die Änderungen dienten in erster Linie dazu, Amtszeiten von Präsidenten zu verlängern.Richard A. Haggarty, ed. El Salvador: A Country Study. Washington: GPO for the Library of Congress, 1988. Online as of 10/03/08 at https://countrystudies.us/el-salvador/

Im Jahr 1832 revoltierte die indigene Bevölkerung unter der Führung von Anastasio Aquino gegen die kreolischen und mestizischen Einwohner der Stadt Santiago Nonualco in der Provinz San Vicente. Die Aufständischen verlangten höhere Anteile bei der Landzuteilung.

mini|Der aus der Indigopflanze gewonnene Farbstoff, gepresst und gebunden zu einem handelsüblichen „Kuchen“ Die Landwirtschaftliche Produktion El Salvadors war abhängig von einem einzigen Exportprodukt: Indigo. Um die Erträge zu steigern, versuchten die Großgrundbesitzer, sich die ertragreichsten Ländereien anzueignen und die kärgeren Gebiete speziell um erloschene Vulkane der ärmeren Bevölkerung (Mestizen und Indigene) zu überlassen, welche dort größtenteils Subsistenzwirtschaft betrieben. Da Mitte des 19. Jahrhunderts Indigo zunehmend durch chemische Farbstoffe verdrängt wurde, wurde der Anbau sukzessive auf Kaffee umgestellt, dessen Nachfrage gerade stark anstieg. Da der Kaffeeanbau auch auf weniger fruchtbarem Boden möglich war, waren nun die für den Indigoanbau ungeeigneten Gebiete für die Großgrundbesitzer von Interesse. Die von den Landbesitzern kontrollierte gesetzgebende Versammlung verabschiedete Gesetze zur Enteignung der ärmeren Landbevölkerung und ermöglichte so die Ausbreitung der Kaffeeplantagen. 1882 beseitigte die Regierung von El Salvador per Gesetz das letzte verbliebene indigene Gemeindeland. So befanden sich um das Jahr 1900 90 % der Güter des Landes in den Händen von 0,01 % der Bevölkerung. Der Großteil der Bauern war landlos und lebte in äußerster Armut.M. Ward, Thesis, Paige, JM. “Coffee and Power in El Salvador.” Latin American Research Review, v. 28 issue 3, 1993, p. 7. Eine besonders große Machtfülle entwickelte die Familie De Sola.

Am Ende des 19. Jahrhunderts erlebte das Land eine Phase politischer Instabilität, während der es zu mehreren Staatsstreichen kam.

Kurz nachdem er erfolgreich einen guatemaltekischen Angriff abgewehrt hatte, wurde Rafael Zaldívar am 22. Juni 1885 von General Francisco Menéndez gestürzt. Als dieser anlässlich des fünften Jahrestages seiner Machtergreifung in San Salvador ein Bankett gab, erschien Carlos Ezeta, der Generalinspekteur der Armee, mit 600 Soldaten in der Stadt und erklärte den Präsidenten für abgesetzt. Während des Aufruhrs kam Menéndez entweder durch seine Gegner oder durch einen Myokardinfarkt ums Leben. Als sich die mächtigen 14 Familien des Landes, die in den 14 Departamentos den Grundbesitz und die Macht kontrollierten, von ihm abwandten, kam es zur Revolución de los 44, die am 29. April 1894 mit der Eroberung der Stadt Santa Ana begann und Dank militärischer Unterstützung durch Guatemala, Honduras und Nicaragua am 10. Juni mit der Ablösung von Ezeta durch Rafael Antonio Gutiérrez, einem der Rebellenführer, endete. Am 14. November 1898 musste Gutiérrez nach einem unblutigen Putsch die Macht an Tomas Regalado – bis dahin sein bester Freund – abgeben, der vier Jahre zuvor ebenfalls an der Revolución de los 44 beteiligt gewesen war. Dessen geordnete Machtübergabe an Pedro José Escalón 1903 brachte wieder Stabilität, die bis zum Staatsstreich von 1931 dauerte.

Militärdiktatur, Matanza und früher Widerstand mini|Farabundo Martí

1907 schickte die Regierung El Salvadors Truppen nach Honduras, um Honduras in einem Krieg gegen Nicaragua zu unterstützen. Bei der Schlacht von Nacaome (18. bis 23. März 1907) siegte Nicaragua. 1930 übernahm General Maximiliano Hernández Martínez, vormaliger Verteidigungsminister des Landes, durch einen Putsch die Macht. 1932 ließ Martínez einen Aufstand indigener Bauern, überwiegend Angehörige der Pipil, der vom Vorsitzenden der neu gegründeten Kommunistischen Partei von El Salvador, Agustín Farabundo Martí geleitet wurde, im Westen des Landes blutig niederschlagen. Neben Farabundo wurden etwa 30.000 Menschen umgebracht. La Matanza – „das Massaker“ gilt als das Ende der physischen und kulturellen Existenz der indigenen Völker El Salvadors. Gehörten in den 1930er Jahren noch etwa 20 % der Bevölkerung indigenen Völkern an, sind es heute noch etwa 1 %. In der Zeit nach der Matanza von 1932 wurde der öffentliche Gebrauch der indigenen Sprachen und das Tragen traditioneller Kleidung zu einem Überlebensrisiko. So heißt es, Menschen seien einfach auf Grund des Unterscheidungsmerkmals getötet worden, dass sie Nahuatl (Pipil) sprachen oder „indianische“ Kleidung trugen.Byrne, H., 1996. El Salvador’s Civil War. Colorado: Lynne Reiner.

1939 wurde das aktive Frauenwahlrecht für Frauen über 25 Jahre (falls verheiratet) bzw. über 30 Jahre (falls ledig) eingeführt. Der Wahlgang war für Frauen freiwillig, für Männer dagegen Pflicht. Ab 1959 besaßen alle Salvadorianer über 18 Jahre unabhängig vom Geschlecht das aktive Wahlrecht.Michael Krennerich: El Salvador. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Handbuch der Wahldaten Lateinamerikas und der Karibik (= Politische Organisation und Repräsentation in Amerika. Band 1). Leske + Budrich, Opladen 1993, ISBN 3-8100-1028-6, S. 321–347, S. 325.

1944 wurde Martínez abgesetzt, bis 1980 waren alle weiteren Präsidenten mit einer Ausnahme, Armeeoffiziere, die regelmäßig abgehaltenen Präsidentschaftswahlen meist manipuliert.

In den 1960er Jahren kam die Partido de Conciliación Nacional (PCN) (deutsch: Partei der Nationalen Versöhnung) an die Macht und behielt diese bis 1979. Unter Präsident Fidel Sánchez Hernández (amtierend von 1967 bis 1972) kam es 1969 zu einem Krieg mit Honduras, dem sogenannten „Hundert-Stunden-Krieg“; dieser ging als „Fußballkrieg“ in die Geschichte ein. Der Grund waren Spannungen um Landwirtschaftshelfer aus El Salvador, die seit längerem von der Regierung Honduras’ für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht wurden. Der Krieg dauerte vier Tage vom 14. Juli 1969 bis 18. Juli 1969 (100 Stunden) und kostete 3000 Menschen das Leben; 6000 wurden verletzt. Der Konflikt wurde unter Vermittlung der Organisation Amerikanischer Staaten durch ein Friedensabkommen beigelegt.

Mit Beginn der 1970er Jahre wurde die politische Lage in El Salvador zunehmend instabil. Mehrere kommunistische Guerillagruppen formierten sich, so die Fuerzas Populares de Liberación Farabundo Martí (FLP) unter Salvador Cayetano Carpio, dem vormaligen Führer der Partido Comunista de El Salvador (PC), und die Ejército Revolucionario del Pueblo (ERP). Bei den Präsidentschaftswahlen am 20. Februar 1972 wurden die beiden Kandidaten des Oppositionsbündnisses José Napoleón Duarte, Partido Demócrata Cristiano (PDC) und Guillermo Manuel Ungo vom Movimiento Nacional Revolucionario (MNR) offensichtlich um ihre Stimmenmehrheit betrogen. Die Wahlen wurden von der Organización Democrática Nacionalista (ORDEN) organisiert, einer paramilitärischen Organisation, die den salvadorianischen Streitkräften unterstand. Die Proteste nach der Wahl wurden niedergeschlagen.