mini|Bulle FR von Südwesten Bulle ([]; Freiburger Patois ) ist eine politische Gemeinde im französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg in der Schweiz. Die Stadt liegt im Greyerzbezirk westlich des Greyerzersees. Bulle ist die zweitgrösste Stadt des Kantons Freiburg und ein wichtiges regionales Wirtschafts- und Handelszentrum im südlichen Kantonsteil. Der deutsche Name Boll wird heute kaum mehr verwendet.
Am 1. Januar 2006 wurde La Tour-de-Trême nach Bulle eingemeindet.
Geographie Bulle liegt auf , 22 km südsüdwestlich der Kantonshauptstadt Freiburg (Luftlinie). Die Stadt erstreckt sich in der leicht nach Osten geneigten Ebene nördlich des Bergbachs Trême, im weiten Becken von Bulle im Greyerzerland, am Nordfuss des Massivs des Moléson. Wenige Kilometer östlich der Stadt liegt der Stausee Greyerzersee, der von der Saane (französisch: Sarine) durchflossen wird.
Die Fläche des 23,9 km² grossen, stark verzweigten Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Beckens von Bulle im freiburgischen Alpenvorland. Der Hauptteil des Gebietes wird von der Ebene bei Bulle eingenommen, welche von der Trême durchflossen wird. Im Osten reicht das Gebiet bis an die Saane kurz oberhalb ihrer Mündung in den Greyerzersee und umfasst das ausgedehnte Waldgebiet des Bois de Bouleyres, im Nordosten reicht es auf den Waldhügel Vaucens (). Nach Norden erstreckt sich die Gemeindefläche über die Talniederung der Sionge und umfasst einen Teil des Südhangs des Mont de Riaz, der zum Hügelzug des Gibloux gehört.
In einem schmalen Streifen reicht der Gemeindeboden nach Südwesten über die Anhöhe zwischen dem Bach Russon und der Trême bis auf die Nordostabdachung der Waldhöhe Les Alpettes (bis ). Die östliche Grenze bildet dabei stets die mit einem Erosionstal in die Flyschschichten der Voralpen eingeschnittene Trême. Ein weiterer schmaler Zipfel erstreckt sich nach Süden auf die nördlichen Vorberge des Moléson. Auf der Höhe oberhalb der Alp Maulatrê wird mit der höchste Punkt von Bulle erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 17 % auf Siedlungen, 31 % auf Wald und Gehölze, 51 % auf Landwirtschaft, und rund 1 % war unproduktives Land.
Zu Bulle gehören die Ortschaft und früher selbständige Gemeinde La Tour-de-Trême, mehrere Gewerbe- und Wohnsiedlungen am Stadtrand sowie zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Bulle sind Riaz, Echarlens, Morlon, Broc, Greyerz, Le Pâquier (FR) und Vuadens.
Bevölkerung BevölkerungsentwicklungJahrEinwohnerEinwohnerohne La Tour-de-Trêmeinkl. La Tour-de-Trême16698161236178591713381799118016301811 121317631818134218831831147220211836151320331845188324871850 183324261860208627411870227429611880249432561888274636551900 333043931910 403552601930 411056301941464461411950 525569011960 598377701970 755610'0311980 759510'0011990 906211'9862000 11'14911'1492005 16'0412010 18'947201521'991202024'412202326'749202427'101Quellen: Volkszählungsdaten Mit Einwohnern (Stand ) ist Bulle die zweitgrösste Gemeinde des Kantons Freiburg. Von den Bewohnern waren im Jahr 2000 85,1 % französischsprachig, 4,5 % portugiesischsprachig, und 3,1 % sprachen Deutsch.
Die Bevölkerungszahl von Bulle belief sich 1900 auf 3330 Einwohner. Das Wachstum der Bevölkerung spiegelt die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt wider. Vor allem um 1900 und um die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden deutliche Bevölkerungszunahmen beobachtet, während sich die Krise der 1970er-Jahre in einem Nullwachstum während dieses Jahrzehnts auswirkte. Seit 1980 (durchgehende Eröffnung der Autobahn Bern-Vevey 1981) verzeichnet Bulle eine der stärksten Wachstumsraten der Gemeinden ihrer Grössenklasse in der Schweiz. 1995 wurde die Grenze von 10'000 Einwohnern überschritten. Das Siedlungsgebiet von Bulle ist heute lückenlos mit demjenigen von La Tour-de-Trême (südlich des Baches Trême) zusammengewachsen. Mit der Eingemeindung von La Tour-de-Trême im Jahr 2006 wurde ein weiterer markanter Bevölkerungszuwachs registriert.
Politik
Legislative Gesetzgebende Behörde ist der von den Stimmberechtigten der Gemeinde Bulle alle fünf Jahre gewählte Generalrat (conseil général). Die 50 Abgeordneten werden im Proporzwahlverfahren gewählt. Die Aufgaben des Generalrates umfassen die Budget- und Rechnungsabnahme, die Festlegung der Gemeindereglemente und die Kontrolle der Exekutive. Die Grafik rechts zeigt die Zusammensetzung des Generalrats nach den Wahlen vom 7. März 2021.
Exekutive Ausführende Behörde ist der Gemeinderat (conseil communal). Er besteht aus neun Mitgliedern und wird vom Volk im Proporzwahlverfahren gewählt. Die Amtsdauer beträgt fünf Jahre. Der Gemeinderat ist für die Vollstreckung der Beschlüsse des Generalrates, für die Ausführung der Gesetzgebung von Bund und Kanton sowie für die Repräsentation und Führung der Gemeinde zuständig. Stadtammann (syndic) ist Jacques Morand (FDP, seit April 2016).
Nationalratswahlen Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2019 betrugen die Wähleranteile in Bulle: SP 24,9 %, FDP 22,0 %, CVP 16,7 %, SVP 15,3 %, Grüne 11,5 %, GLP 4,4 %, CSP 1,8 %, Ziel 2030 1,6 %.
Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Bulle: SP 26,6 %, SVP 19,6 %, FDP 19,2 %, Die Mitte (ex CVP) 15,7 %, Grüne 10,8 %, GLP 2,6 %, Generation Die Mitte 2,4 %, CSP 1,3 %.
Wirtschaft Bulle war stets ein agrarisch geprägtes Städtchen. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Umlandes wurden hier verarbeitet und in den Handel gebracht. Bedeutend war der Handel mit Holz, Käse (insbesondere Greyerzer Käse) und Strohflechtwaren. Schon seit vielen Jahrhunderten werden Jahr- und Viehmärkte abgehalten. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich die Industrie hauptsächlich auf die Holzverarbeitung, darunter Sägereien, Schreinereien, Möbelfabriken und Kistenfabriken. Die Diversifizierung der Industrie setzte erst nach 1950 ein.
Heute bietet Bulle als Wirtschaftszentrum des Greyerzerlandes rund 9000 Arbeitsplätze an. Mit 2 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 36 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 62 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).
Die Landwirtschaft ist in Bulle hauptsächlich noch durch Milchwirtschaft und Viehzucht vertreten, nur geringe Bedeutung hat der Ackerbau. Die Wälder werden forstwirtschaftlich genutzt.
Seit den 1980er-Jahren entstanden entlang der Strassen am westlichen, nördlichen und östlichen Stadtrand grössere Industrie- und Gewerbezonen, darunter diejenigen von Planchy und Palud. Der sekundäre Sektor ist heute mit den Branchen Bau- und Transportgewerbe (Liebherr), Metallbau, mechanische Werkstätten, Nahrungsmittelindustrie (Käse und Schokolade), Kunststoff- und Holzverarbeitung sowie pharmazeutische, chemische und Textilindustrie vertreten. Von 1976 bis zur Insolvenz 2017 hatte die Modekette Yendi ihren Sitz in Bulle.
Am 12. Dezember 2022 hat das Stadtparlament von Bulle, der Generalrat, einem Landverkauf an die Rolex-Gruppe deutlich zugestimmt. Das Gelände an der Autobahn A12 ist so gross wie 15 Fussballfelder. Hier will Rolex ab 2029 an 2000 Arbeitsplätzen ihre Luxusuhren produzieren.
Bulle ist Sitz der Stadt- und Bezirksverwaltung, Standort verschiedener Banken, Versicherungen, Ingenieur-, Architektur- und Treuhandbüros. Weitere Arbeitsplätze gibt es in der Gastronomiebranche, in den zahlreichen Boutiquen und Läden der Stadt sowie im Kunsthandwerk (Holzschnitzerei und Keramik). Am Stadtrand entstanden grosse Einkaufsläden. Das 1873 in Bulle gegründete Bezirksspital wurde 1884 nach Riaz verlegt.
Bildung und Sport Als Regionalzentrum verfügt Bulle über sämtliche Schulstufen von der Primarschule bis zum Gymnasium. Das starke Wachstum der Region Gruyère machte in den letzten Jahrzehnten einen Ausbau des Schulwesens notwendig; das Gymnasium (Collège du Sud) wurde erst 1994 eröffnet. Daneben gibt es seit 1998 eine Berufsschule (Ecole professionnelle du Sud du Canton), ferner eine Hotelfachschule sowie mehrere Privat- und Spezialschulen.
Auch bezüglich Sportinfrastruktur ist Bulle gut ausgestattet. Es besitzt ein grosses Sportzentrum mit Fussball- und Tennisplätzen, einen Skate-Park, eine Eishalle und ein beheiztes Freibad.
Kultur und Tourismus Bulle ist das städtische Zentrum der Tourismusregion des Greyerzerlandes. Sehenswert sind die Altstadt mit dem Schloss und das Musée Gruérien, das seit dem Neubau von 1978 eine modern gestaltete Sammlung von handwerklichen und kulturellen Gütern der Region zeigt. In der nahen Region befinden sich das historische Städtchen Gruyères, der Greyerzersee und der Ausflugsberg Moléson. Die Region um Bulle ist sowohl auf den Sommer- als auch auf den Wintertourismus ausgerichtet. Im Weiteren bietet die Stadt mit dem Espace Gruyère (1998 eröffnet) ein Veranstaltungszentrum für Viehschauen und -märkte sowie für sportliche und kulturelle Anlässe. Unter letzteren sind der Marché Folklorique (jeden Donnerstag im Juli und August), der Weihnachtsmarkt, die Fasnacht sowie verschiedene weitere Festivitäten zu nennen. Ferner besitzt Bulle ein Kino, ein Theater und eine Stadtbibliothek.
Verkehr Die Stadt Bulle ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Süden des Kantons Freiburg. Sie liegt an der Hauptstrasse 12 von Freiburg nach Vevey und bildet zudem das Tor zur Haute-Gruyère und zum Pays-d’Enhaut sowie zum Jauntal. In den 1960er-Jahren kämpfte die Stadt für die Führung der Autobahn A12 durch das Greyerzerland. Diese Verkehrsachse, die das Gemeindegebiet durchquert, seit 1981 von Bern bis Vevey durchgehend geöffnet ist und während rund 20 Jahren die einzige Autobahnverbindung von Bern in die Westschweiz war, führte zum enormen wirtschaftlichen Aufschwung der Region seit den 1980er-Jahren. Der nächste Anschluss ist rund 3 km vom Stadtzentrum entfernt. Als Tor zur Tourismusregion der Freiburger Alpen hatte Bulle besonders während der Wochenenden starken Durchgangsverkehr. Deshalb ist für Bulle und La Tour-de-Trême die Ortsumfahrung (H 189) gebaut worden, welche die Stadt heute wirksam vom Transitverkehr entlastet. Von der Umfahrung aus führt die Hauptstrasse 190 durch das Saanetal nach Château-d’Oex.
Ab dem Bahnhof Bulle ist die Stadt mit Romont/Fribourg/Bern, Châtel-St-Denis/Palézieux/Lausanne, Montbovon/Montreux oder Zweisimmen, sowie Broc verbunden. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich die Stadt auch für die Führung der Eisenbahnlinie Lausanne – Bern über das Gemeindegebiet ein. Sie kam mit ihrem Anliegen jedoch nicht durch und brachte deshalb einen bedeutenden Geldbetrag für einen Bahnanschluss nach Romont auf. Am 1. Juli 1868 wurde die Stadt mit der Eröffnung der Strecke Romont-Bulle an das Bahnnetz angeschlossen. Als weitere Bahnlinien folgten am 14. Juli 1904 der Abschnitt Bulle-Vuadens der Strecke nach Châtel-St-Denis und am 21. September 1904 der Abschnitt Bulle-La Tour-de-Trême der Strecke nach Montbovon. Diese sind nun Teile der Bahnstrecke Palézieux–Bulle–Montbovon. Die Eröffnung der Nebenlinie nach Broc erfolgte am 24. Juni 1912.
Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen mehrere Buslinien der Transports publics fribourgeois (TPF). Diese führen von Bulle nach Freiburg (über Le Bry oder La Roche), Broc (über Corbières), Grandvillard, Moléson-sur-Gruyères, Oron-la-Ville und Romont (über Le Châtelard oder Sâles). Der neue Busbahnhof wurde 1992 fertiggestellt. Die TPF führen des Weiteren zwei Stadtlinien in Bulle: Linie 1 (Marsens–La Tour-de-Trême–Epagny) und Linie 2 (Morlon–Vuadens).
Geschichte Das Gemeindegebiet von Bulle war bereits vor der Zeitenwende besiedelt. Das älteste Zeugnis menschlicher Anwesenheit ist ein Hügelgrab der Hallstattzeit. Sehr wahrscheinlich existierte auch während der Römerzeit eine Siedlung, von der jedoch kaum Überreste vorhanden sind.