ʿAsmāʾ bint Marwān (; gestorben am 21. März 624Al-Wāqidī nennt den 25. Ramadān (kāna qatlu ʿaṣmāʾi li-ḫamsi layālin baqīna min ramaḍān, dt. "der Mord an ʿAsmāʾ fand am 25. Ramadān [wörtlich: als im Ramadān noch fünf Nächte übrig waren] statt") des zweiten Jahres nach islamischer Zeitrechnung (21. März 624) als Todesdatum. Ibn Ishāq führt den Mord an ʿAsmāʾ am Ende seines Kapitels über die Feldzüge des Propheten an, ohne ein Datum anzugeben. Siehe John Marsden Beaumont Jones: The Chronology of the "Mag̱ẖāzī" – A Textual Survey. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies 19 (1957). S. 247 und dort angegebene Quellen. Al-Balādhurī und Ibn Saʿd nennen dasselbe Datum wie al-Wāqidī. Siehe Aḥmad b. Yaḥyā al-Balāḏurī: Ansābu ’l-ašrāf (hg. Muhammad Hamidullah). Dār al-Maʿārif, 1959. Bd. 1, S. 373 und Eduard Sachau (Hrsg.): Ibn Saad. Biographien Muhammeds, seiner Gefährten und der späteren Träger des Islams bis zum Jahre 230 der Flucht. Brill, 1909. Bd. 2, Teil 1: Die Feldzüge Muhammeds (hg. Josef Horovitz). S. 18. Vgl. Michael Lecker: Muslims, Jews and Pagans. Studies on Early Islamic Medina. Brill, 1995. S. 38 sowie William Montgomery Watt: Muhammad at Medina. Oxford 1962. S. 340) war eine jüdischeEs scheint sich, so Lecker, um eine arabische Konvertitin gehandelt zu haben. Siehe Michael Lecker: Muslims, Jews and Pagans. Studies on Early Islamic Medina. Brill, 1995. S. 38 sowie S. 20, Anm. 3. Vgl. Encyclopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. Eschkol A.-G., 1929. Bd. 3, S. 529, s. v. "Asma". Stillman und Watt bezeichnen sie fälschlicherweise als Polytheistin. Siehe Norman A. Stillman: The Jews of Arab Lands. A History and Source Book. Jewish Publication Society of America, 1979. S. 13 und William Montgomery Watt: Muhammad at Medina. Oxford 1962. S. 178 Dichterin, die in der islamischen Historiographie im Zusammenhang mit ihrer Opposition gegen Mohammed aufgeführt wird und aufgrund eines von ihr verfassten, gegen den Propheten und seine Anhängerschaft gerichteten Schmähgedichts getötet wurde. Sie gehörte zu den Umaiya ibn Zaid, einem Unterstamm der Aus, und war mit einem Mitglied eines weiteren Unterstamms, der Banū Chatma, verheiratet: Yazīd ibn Zaid ibn Hisn Chatmī.Michael Lecker: Muslims, Jews and Pagans. Studies on Early Islamic Medina. Brill, 1995. S. 38 f. Vgl. William Montgomery Watt: Muhammad at Medina. Oxford 1962. S. 178 sowie Encyclopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. Eschkol A.-G., 1929. Bd. 3, S. 529, s. v. "Asma" ʿAsmāʾ war Mutter von fünf Söhnen, von denen der jüngste zum Zeitpunkt ihres Todes noch ein Säugling war.Rudi Paret: Mohammed und der Koran. Geschichte und Verkündung des arabischen Propheten. Kohlhammer, 2008. S. 162 mini|Übersicht aller Unterstämme der Aus
Vorgeschichte ʿAsmāʾ hatte in Form eines unter anderem in Ibn Ishāqs Prophetenbiographie überlieferten Gedichts die muslimischen Medinenser für ihre Unterwerfung unter einen Fremden, d. h. Mohammed, verspottetEncyclopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. Eschkol A.-G., 1929. Bd. 3, S. 529, s. v. "Asma" und die nichtmuslimischen Einwohner der Oase zum Angriff auf Mohammed und seine Anhängerschaft aufgestachelt:
Al-Wāqidī sowie al-Balādhurī überliefern ʿAsmāʾs Verse ohne den in Ibn Ishāqs Version enthaltenen Aufruf zum Angriff auf die Muslime.
Ibn Ishāqs Darstellung zufolge war der Mord an dem greisen jüdischen Proselyten Abū ʿĀfakDieser starb unter ähnlichen Umständen: Als Reaktion auf das Verfassen den Muslimen feindlich gesinnter Verse wurde er auf Anordnung des Propheten hin ermordet, für dessen Tod er zwar kein genaues Datum nennt, den er aber explizit vor das Attentat auf ʿAsmāʾ datiert, der Anlass für diese Verse.falammā qutila Abū ʿAfak nāfaqat, Übersetzung: "Nachdem Abū ʿAfak getötet wurde, heuchelte sie [stellte sie sich als Heuchlerin heraus]" Al-Wāqidī hingegen nennt den Schawwāl des zweiten Jahres nach islamischer Zeitrechnung (27. März bis 25. April 624) und somit den Monat nach ʿAsmāʾs Ermordung als sein Todesdatum, wodurch der Mord an ihm als ausschlaggebender Grund für ʿAsmāʾs Verse ausgeschlossen wäre.Zu den dahingehenden Angaben Ibn Isḥāqs und al-Wāqidīs siehe John Marsden Beaumont Jones: The Chronology of the "Mag̱ẖāzī" – A Textual Survey. In: Bulletin of the School of Oriental and African Studies 19 (1957). S. 247 und dort angegebene Quellen Al-Balādhurī und Ibn Saʿd datieren seinen Tod in denselben Monat wie al-Wāqidī.Siehe Aḥmad b. Yaḥyā al-Balāḏurī: Ansābu ’l-ašrāf (hg. Muhammad Hamidullah). Dār al-Maʿārif, 1959. Bd. 1, S. 373 und Eduard Sachau (Hrsg.): Ibn Saad. Biographien Muhammeds, seiner Gefährten und der späteren Träger des Islams bis zum Jahre 230 der Flucht. Brill, 1909. Bd. 2, Teil 1: Die Feldzüge Muhammeds (hg. Josef Horovitz). S. 18
Als Antwort auf ʿAsmāʾs Anfeindungen dichtete der berühmte Dichter und Prophetengenosse Hassān ibn Thābit († ca. 659)Siehe Walid Najib Arafat: Ḥassān b. T̲h̲ābit. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 3. Brill, 1971. S. 271b folgende Verse:Walid Najib Arafat: Dīwān of Ḥassān ibn Thābit. Gibb Memorial Trust, 1971. Bd. 1, S. 449
Dieses im Diwān Hassān ibn Thābits enthaltene Gedicht findet sich in teils abweichender Form auch in Ibn Ishāqs Prophetenbiographie und al-Wāqidīs „Buch der Feldzüge“ (Kitāb al-Maġāzī). Ibn Ishāqs Version entbehrt der letzten Zeile in Ibn Thābits Gedicht.
Der poetische Schlagabtausch zwischen ʿAsmāʾ und Ibn Thābit verdeutlicht den Riss innerhalb Yathribs in Form des schwelenden Konflikts zwischen den zum Islam übergetretenen Anwohnern der Oase (den Ansār) bzw. der Gefolgschaft des Propheten im Allgemeinen auf der einen Seite und der dort ansässigen jüdischen sowie heidnischen Opposition auf der anderen.Michael Lecker: Muslims, Jews and Pagans. Studies on Early Islamic Medina. Brill, 1995. S. 41 Ausschlaggebend war die dortige Ankunft Mohammeds, die Annahme der neuen Religion von Teilen der einheimischen Bevölkerung und die damit zusammenhängenden Änderungen in der soziopolitischen Struktur Yathribs.Siehe: Mohammed#Die innere Politik in Medina, Gemeindeordnung von Medina Im Unterschied zu den Konflikten der vorislamischen Zeit verlief dieser nicht entlang der Zugehörigkeit zu bzw. der Allianz mit einem der beiden vorherrschenden Stämme (Siehe: Banū Qaila), sondern basierte auf der Angehörigkeit zu einer der jeweiligen Religionsgemeinschaften und war des Weiteren ökonomischer und politischer Natur.Siehe dazu Hannah Rahman: The Conflicts Between the Prophet and the Opposition in Madina. In: Der Islam 62 (1985). S. 260 f. Vgl. Irving M. Zeitlin: The Historical Muhammad. Polity Press, 2007. S. 12 f. und Michael Lecker: Glimpses of Muḥammad's Medinan decade. In: Jonathan E. Brockopp (Hrsg.): The Cambridge Companion to Muḥammad. Cambridge University Press, 2010. S. 71-73. Siehe auch Kisters diesbezügliche Ausführungen im Zusammenhang mit dem Mord an Kaʿb ibn al-Aschraf in Meir J. Kister: The Market of the Prophet. In: Journal of the Economic and Social History of the Orient 8 (1965). S. 272–276 Der Mord an ʿAsmāʾ reihte sich ein in die Konsolidierung der islamischen Herrschaft über die Oase und die Bekämpfung der medinensischen Opposition zum Propheten.William Montgomery Watt: Muḥammad. In: P. M. Holt, Ann K. S. Lambton, Bernard Lewis (Hrsg.): The Cambridge History of Islam. Cambridge University Press, 1988. Bd. 1A, S. 46 Er ging einher mit der Vertreibung der Qainuqāʿ im selben Zeitraum. Vor einem ähnlichen Hintergrund erfolgte die Vertreibung der Banū Nadīr im Folgejahr und die Vernichtung der Banū Quraiza nach der Grabenschlacht 627.Siehe auch: Mohammed#Die Opposition gegen Mohammed in Medina
Ermordung Der Tathergang wie auch die damit zusammenhängenden Geschehnisse werden in den jeweiligen Quellen teils unterschiedlich überliefert. Es wird übereinstimmend berichtet, dass der Täter – ʿUmair ibn ʿAdī, ein Mitglied des Stammes ihres Mannes – als Reaktion auf ihre Verse ʿAsmāʾ im Schlaf getötet und danach das Attentat dem Propheten berichtet haben soll. Auf die Nachricht ihres Todes hin soll der gesamte Unterstamm ihres Mannes den Islam angenommen haben.
Nach der Überlieferung Ibn Ishāqs soll Mohammed in Reaktion auf das Gedicht die Frage gestellt haben, wer ihn von der Tochter Marwāns erlösen könne, woraufhin ʿUmair ihr Haus aufgesucht und sie getötet habe.Ferdinand Wüstenfeld (Hrsg.): Das Leben Muhammeds. Nach Muhammed Ibn Ishāk, bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischām. Dieterichsche Universitäts-Buchhandlung, 1859. Bd. 1, S. 996 In al-Wāqidīs Darstellung geht die Tat nicht auf eine Äußerung Mohammeds zurück. Demnach habe dieser sich in Badr befunden, als ʿUmair von ʿAsmāʾs Versen erfuhr und daraufhin einen Schwur leistete, ihr das Leben zu nehmen, falls der Prophet heil von der Schlacht zurückkehren sollte.Marsden Jones (Hrsg.): The Kitāb al-Mag̲h̲āzī of al-Wāqidī. Oxford University Press, 1966. Bd. 1, S. 172 f. Al-Balādhurī verzeichnet, dass ʿUmair sich ebenfalls in Badr befand,Al-Wāqidī führt ihn hingegen nicht unter den Teilnehmern an der Schlacht auf. Siehe Marsden Jones (Hrsg.): The Kitāb al-Mag̲h̲āzī of al-Wāqidī. Oxford University Press, 1966. Bd. 1, S. 152–172 als er das Gedicht mitbekam und daraufhin schwor, sie zu töten, falls er aus Badr heimkehren sollte. Nachdem er nach seiner Rückkehr in die Stadt den Propheten um Erlaubnis gebeten hatte, ʿAsmāʾ zu töten, soll er die Tat vollbracht haben.Aḥmad b. Yaḥyā al-Balāḏurī: Ansābu ’l-ašrāf (hg. Muhammad Hamidullah). Dār al-Maʿārif, 1959. Bd. 1, S. 373
Laut al-Wāqidī und Ibn Saʿd war ʿUmair blind. Als er ʿAsmāʾs Wohnstätte betrat, sollen sie und ihre Kinder – darunter der Säugling, der noch an ihrer Brust saugte – um sie herum geschlafen haben. Er soll sie zuerst abgetastet haben, um ihr anschließend das Kind von ihrer Brust wegzureißen und sie mit seinem Schwert zu durchbohren.Siehe Marsden Jones (Hrsg.): The Kitāb al-Mag̲h̲āzī of al-Wāqidī. Oxford University Press, 1966. Bd. 1, S. 173 und Eduard Sachau (Hrsg.): Ibn Saad. Biographien Muhammeds, seiner Gefährten und der späteren Träger des Islams bis zum Jahre 230 der Flucht. Brill, 1909. Bd. 2, Teil 1: Die Feldzüge Muhammeds (hg. Josef Horovitz). S. 18
Als er am darauffolgenden Morgen die Tat dem Propheten berichtete, soll dieser ihn dafür gelobt haben. Aufgrund seines Einsatzes für den Islam verlieh – so die Darstellung al-Wāqidīs und Ibn Saʿds – Mohammed dem blinden ʿUmair den Beinamen al-Baṣīr, dt. „der Sehende“. Auf die Frage, ob er wegen dieser Tat etwas zu befürchten hätte, soll der Prophet ihn mit der Aussage beschwichtigt haben, dass wegen dieser Frau keine zwei Ziegen aufeinander losgehen würden: lā yantaṭiḥu fīhā ʿanzān. Dieser in Ibn Ishāqs Prophetenbiographie überlieferte Ausspruch Mohammeds, der auch in der Version al-Wāqidīs, Ibn Saʿds und al-Balādhurīs enthalten ist, ist sprichwörtlich geworden und wird u. a. von Ibn ʿAsākir in seiner Gelehrtengeschichte von Damaskus Taʾrīḫ madīnat Dimašq aufgeführt.Band 51, S. 224–225 (ed. al-ʿUmarī. Beirut 1997) Die Redewendung dient der Beschreibung von Bagatellen.Siehe Ibn Manzūr: Lisān al-ʿArab. Al-Maṭbaʿa al-Kubra al-Amirīya, 1883. Bd. 3, S. 461 sowie Edward William Lane: An Arabic-English Lexicon. Willams & Norgate, 1863. Bd. 8, S. 2809, s. v. نطح (n-ṭ-ḥ): "(...) alluding to a case in which there will not happen any discord or contention."
Aus Ibn Ishāqs Darstellung geht nicht ohne Weiteres hervor, worauf sich ʿUmairs Sorgen konkret bezogen. Al-Wāqidī nennt als Grund für diese die Befürchtung, durch die eigenständige Ausführung eines Mordes, für den er nicht explizit beauftragt worden war, die Autorität Mohammeds untergraben zu haben.Marsden Jones (Hrsg.): The Kitāb al-Mag̲h̲āzī of al-Wāqidī. Oxford University Press, 1966. Bd. 1, S. 173