Hirzenhain (mundartlich Hirzehaa) ist ein Ortsteil der Gemeinde Eschenburg im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Geografische Lage mini|Hirzenhain Ort von Osten mini|Hirzenhain Bahnhof von Norden mini|Hirzenhain Ort von Westen Hirzenhain liegt im Nordosten des Lahn-Dill-Kreises auf der Bottenhorner Hochfläche, die zum Gladenbacher Bergland zählt. Der über 500 m hoch liegende Ort befindet sich direkt an der Grenze zum Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Ort besteht heute aus zwei Ortsteilen: „Hirzenhain-Ort“ und „Hirzenhain-Bahnhof“.

Die angrenzenden Orte sind, von Norden im Uhrzeigersinn beginnend, Simmersbach (Gemeinde Eschenburg), Lixfeld (Gemeinde Angelburg), Wallenfels, Tringenstein (beide Gemeinde Siegbach), Nanzenbach (Stadt Dillenburg) und Eiershausen (Gemeinde Eschenburg).

Unmittelbar nördlich von Hirzenhain-Ort erhebt sich der Kurzbeul (566 m ü.NN). Östlich von Hirzenhain-Bahnhof befindet sich die mit 609 m ü.NN höchste Erhebung der Gemeinde Eschenburg, die Angelburg. Hier steht auch das bis 2011 höchste Bauwerk des Lahn-Dill-Kreises, der Fernsehturm Angelburg.

Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Orts erfolgte unter dem Namen Hirtinghagen im Jahr 1269.

Im Jahr 1911 erhielt der Ort einen Bahnhof an der Scheldetalbahn Dillenburg–Wallau, der allerdings zwei Kilometer von Hirzenhain entfernt lag. Um den Bahnhof siedelte sich in den 1950er Jahren immer mehr Industrie und besonders Stein verarbeitendes Gewerbe an. Auch wurden viele Wohnhäuser gebaut und so entstand der neue Ortsteil Hirzenhain-Bahnhof. Dort wurden in den 1960er Jahren außerdem eine evangelische Kirche und eine katholische Kirche gebaut.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolgte die Gründung der Gemeinde Eschenburg am 1. Oktober 1971 durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Eibelshausen, Eiershausen und Wissenbach. Kraft Landesgesetz wurden dann die Gemeinden Eschenburg, Hirzenhain sowie Simmersbach und Roth des ehemaligen Landkreises Biedenkopf zur erweiterten Großgemeinde Eschenburg zusammengeschlossen. Die Inkraftsetzung erfolgte zum 1. Juli 1974 durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt. Für alle sechs Ortsteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Zuvor war eine Fusion zwischen Lixfeld, Frechenhausen, Gönnern und Hirzenhain im Gespräch, besonders ausgehend von Lixfeld und Frechenhausen. Diese scheiterte allerdings am Widerstand der Hirzenhainer Gemeindevertreter, die auf einer Gemeindeverwaltung in der Hirzenhainer Schule und weiteren Vorrechten bestanden.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hirzenhain angehört(e):

vor 1739: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft/Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Tringenstein ab 1739: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Diez, Amt Tringenstein 1806–1813: Großherzogtum Berg Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Herborn 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Tringenstein ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HerbornAbtrennung der Justiz (Justizamt Dillenburg) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Dillenburg ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, DillkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Dillenburg) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Dillkreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Dillkreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis, Gemeinde EschenburgAm 1. Juli 1974 wurde Hirzenhain der neu gebildete Gemeinde Eschenburg eingegliedert. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Eschenburg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Eschenburg

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hirzenhain 1977 Einwohner. Darunter waren 48 (2,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 336 Einwohner unter 18 Jahren, 840 zwischen 18 und 49, 408 zwischen 50 und 64 und 393 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 831 Haushalten. Davon waren 228 Singlehaushalte, 237 Paare ohne Kinder und 273 Paare mit Kindern, sowie 78 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 168 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 531 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Übersicht über die Einwohnerzahlen:Das Fliegerdorf: Aus der Geschichte HirzenhainsDill-Zeitung, 23. Oktober 2010, S. 23 Jahr Einwohner davon Ort davon Bhf. 1974 2083 1455 628 1980 2125 1447 678 1990 2271 1552 719 2000 2282 1520 762 2010 2131 1441 690 2015 2076 1345 731

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 491 evangelische (= 90,76 %), keine katholischen und 49 andere Christen (= 9,06 %), ein Jude (= 0,18 %) • 1961: 1388 evangelische (= 83,31 %) und 218 katholische (= 13,09 %) Einwohner

Politik In Eiershausen gibt es einen fünfköpfigen Ortsbeirat. Nach den Kommunalwahlen in Hessen 2021 besteht er aus zwei Mitgliedern der CDU und zwei Mitgliedern der SPD. Der Ortsvorsteher ist Heiner Baum von der CDU.

Wirtschaft und Infrastruktur Hirzenhain verfügt über ein Dorfgemeinschaftshaus.

In der Hoffnung auf weitere Gewerbeansiedlungen hat die Gemeinde Eschenburg in Hirzenhain-Bahnhof Mitte der 2000er Jahre das neue Gewerbegebiet „Kaltwasser“ ausgewiesen.

Als Teil des Wanderparks Lahn-Dill-Bergland ist Hirzenhain ein beliebtes Wanderziel geworden.

Fliegerei 1923 wurde in Hirzenhain nach der Wasserkuppe ein Segelfliegerverein gegründet.Fliegerdorf Hirzenhain Am Eiershäuser Hang wurde in den folgenden Jahren ein Segelflugplatz eingerichtet und 1936 eine Flughalle gebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurden über 70 Flugzeuge und sämtliche Einrichtungen zerstört. Nach der Aufhebung des Segelflugsportverbots im Jahr 1950 gab es dann einen Neuanfang.

Nachdem der Segelflugplatz am Hang 1961 aus Sicherheitsgründen gesperrt worden war, wurde im Folgejahr mit dem Bau eines neuen Flugplatzes auf der „Großen Viehweide“ an der anderen Seite des Dorfes begonnen. Dieser wurde 1966 fertiggestellt. Der Flugplatz Hirzenhain ist heute als Sonderlandeplatz klassifiziert.

Wintersport Im Jahr 1945 wurde in Hirzenhain einer der ersten Wintersportvereine in Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet.Der Skiclub Hirzenhain stellt sich vor Eine Sprungschanze wurde 1964 errichtet und 1973 folgte am „Eiershäuser Hang“ ein 450 m langer Skilift. Heute kann der Skiclub neben dem 2009 modernisierten Schlepplift eine Flutlichtanlage und eine bewirtschaftete Skihütte vorweisen. Langlaufloipen werden im Winter ebenfalls gespurt.

Verkehr Hirzenhain ist über mehrere Landes- und Kreisstraßen an das Dietzhölz- und Dilltal angebunden. Außerdem bestehen Straßenverbindungen nach Siegbach und Angelburg. Bis zur Bundesstraße 253 (Dillenburg–Frankenberg) sind es etwa 5 km; die Anschlussstelle Dillenburg an der Autobahn 45 ist in 14 km zu erreichen.Der Bahnhof Hirzenhain lag im Kilometer 13,4 der Scheldetalbahn. Auf dieser Strecke wurde am 30. Mai 1987 in dem Abschnitt Dillenburg–Niedereisenhausen, in dem Hierzenhain liegt, der Gesamtverkehr eingestellt.

Bildung In Hirzenhain gibt es mit der Herbert-Hoover-Schule eine Grundschule. In beiden Ortsteilen existiert außerdem je ein Kindergarten. Weiterführende Schulen können in Eibelshausen (Kooperative Gesamtschule) und Dillenburg (Gymnasium) besucht werden.

Persönlichkeiten Tina Hermann (* 5. März 1992 in Hirzenhain), deutsche Skeletonsportlerin

Weblinks Ortsteil Hirzenhain. In: Webauftritt der Gemeinde Eschenburg.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Lahn-Dill-Kreis Kategorie:Geographie (Eschenburg) Kategorie:Ersterwähnung 1269 Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Lahn-Dill-Kreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974