mini|Kaiserin und Königin Zita (1916) Zita Maria delle Grazie Habsburg-Lothringen, geb. Prinzessin von Bourbon-Parma (* 9. Mai 1892 in Camaiore (Ortsteil Capezzano Pianore), Italien, als Zita Maria delle Grazie Adelgonda Micaela Raffaela Gabriella Giuseppina Antonia Luisa Agnese; † 14. März 1989 in Zizers, Schweiz), war als Ehefrau Karls I./IV. von 1916 bis 1918 letzte Kaiserin (Kaisergattin) von Österreich und bis 1921 Apostolische Königin (Königsgattin) von Ungarn. Seit dem Adelsaufhebungsgesetz von April 1919 trug sie, wie alle anderen Angehörigen des ehemaligen Herrscherhauses Habsburg auch, in Österreich rechtlich den Familiennamen „Habsburg-Lothringen“. In Spanien nannte sie sich auf Weisung des spanischen Königshauses „Herzogin von Bar“, einem Stammland des Hauses Habsburg-Lothringen.Helge Reindl: Zita. Eine Kaiserin kehrt heim. 1982–1989. Eine Dokumentation. Herder, Freiburg/Br. 1989, ISBN 3-210-24954-7, S. 36. 2009 wurde in Frankreich ein bischöfliches Seligsprechungsverfahren für Zita begonnen.

Abstammung mini|Zita, Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn (1917) Zitas Vater, Robert von Parma, war nach der Ermordung seines Vaters 1854 der letzte Herzog von Parma. Da er aber erst sechs Jahre alt war, fungierte seine Mutter Louise Marie Thérèse d’Artois als Regentin. Diese musste 1859 im Zuge der italienischen Einigungsbewegung (Sardinischer Krieg) mangels militärischer Rückendeckung durch Österreich mit ihren Kindern zunächst in die Schweiz übersiedeln und erwarb dort 1860 Schloss Wartegg, wo 1886 Zitas ältester Bruder Sixtus geboren wurde.

Nach Roberts erster Ehe, der zwölf Kinder entstammten, heiratete er 1884 Maria Antonia von Portugal (1862–1959), Tochter des 1834 zurückgetretenen Königs Michael I. aus dem Haus Braganza und seiner Gattin Prinzessin Adelheid von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Mit ihr hatte er wiederum zwölf Kinder; als fünftes kam Zita zur Welt. Die Familie wohnte später im 1889 erworbenen Schloss Schwarzau am Steinfeld nahe Neunkirchen im südlichen Niederösterreich.

Zitas Bruder Franz Xavier von Bourbon-Parma (Francisco Javier) wurde nach dem Aussterben des carlistischen Zweigs der spanischen Bourbonen im Jahr 1936 Haupt der carlistischen Bewegung. 1952 erhob er selbst Anspruch auf die spanische Krone, womit er unter dem Namen Javier (I.) als Thronprätendent die zweite carlistische Dynastie begründete. Ein weiterer Bruder Zitas, Sixtus von Bourbon-Parma, wurde in Zusammenhang mit seinen erfolglosen Bemühungen um eine Verständigung der Kriegsgegner Österreich-Ungarn und Frankreich und der daraus folgenden, nach ihm benannten Sixtus-Affäre bekannt.

Kindheit und Jugend mini|Zita von Bourbon-Parma vor ihrer Heirat

Zita von Bourbon-Parma wurde am 9. Mai 1892 in der Villa Borbone delle Pianore () in Camaiore bei Lucca, Italien, geboren. Sie wuchs gemeinsam mit ihren Geschwistern mehrsprachig auf, wobei die Umgangssprache im Elternhaus Französisch war, mit dem Vater aber oft Italienisch gesprochen wurde und mit der Mutter zeitweise Deutsch. Die erste Jahreshälfte verbrachte die Großfamilie stets in Pianore, die zweite in Schwarzau. Zitas Vater beantwortete ihre Frage nach der Nationalität der Familie: „Wir sind französische Fürsten, die in Italien regiert haben.“Gordon Brook-Shepherd: Um Krone und Reich. Die Tragödie des letzten Habsburgerkaisers. Molden-Verlag, Wien 1968, S. 29 f.

Die deutsche Sprache vervollkommnete sie später im Salesianerinnen-Konvikt Kloster Zangberg, Oberbayern; als Kaiserin schließlich beherrschte sie die Sprache in Wort und Schrift perfekt. 1903 bis 1908 besuchte sie die Schule der Ordensschwestern. In ihren Jahren im Salesianerinnenkonvikt wurde sie nicht nur in den modernen Fremdsprachen, die sie von daheim schon kannte, unterrichtet, sondern nach dem bayerischen Gymnasiallehrplan auch in Mathematik, Geografie, Geschichte, Naturkunde sowie Musik. Auch Tätigkeiten wie Flicken, Stopfen und Nähen sowie der Turnunterricht standen auf dem Lehrplan.

Nach dem Besuch des Konviktes war sie kurze Zeit bei ihrer Familie und vervollkommnete dann auf der britischen Kanalinsel Wight in der Benediktinerinnenabtei St. Cécile ihre Ausbildung. Zu dieser Zeit war Prinzessin Adelheid von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, ihre Großmutter mütterlicherseits, Priorin des Klosters. In diesem strengen Kloster widmete sie sich der Theologie und Philosophie und vervollkommnete ihr Englisch. Sie wurde in den gregorianischen Chorgesang eingeführt und begann mit dem Orgelspiel. Allerdings setzten das harte Studium und das Klima ihrer Gesundheit so zu, dass sie nach einem Besuch ihrer Tante Erzherzogin Maria Theresia, die bestürzt über ihr blasses Aussehen war, von deren Tochter Erzherzogin Maria Annunziata zu einem Kuraufenthalt im böhmischen Franzensbad abgeholt wurde.Friedrich Weissensteiner: Frauen auf Habsburgs Thron – Kaiserin Zita, Kaiserin ohne Reich. Ueberreuter, Wien, S. 155–157.

Dort lernte Zita 1908 Erzherzog Karl, den sie bereits aus Kindertagen kannte, näher kennen. Er hatte sie bei seinen Ferienaufenthalten auf den Schlössern Schwarzau und Frohsdorf (Gemeinde Lanzenkirchen, Niederösterreich) nie sonderlich beachtet,Brook-Shepherd: Um Krone und Reich. 1968, S. 30. 1910 jedoch war Karl von der 18-Jährigen offenbar sehr angetan.

Leben mit dem letzten Kaiser Heirat und Familiengründung mini|Hochzeit in Schwarzau (1911) Als sich Kaiser Franz Joseph I. nach Karls Heiratsplänen erkundigte, die dynastisch von großer Bedeutung waren, und auch selbst auf Partnersuche für Karl zu gehen schien, schaltete Karl seine Großmutter, die auch mit Zita verwandte Erzherzogin Maria Theresia, ein, um die gewünschte Beziehung zu Zita offiziell zu machen. Da es sich um eine standesgemäße Prinzessin handelte und, da ihre Familie nicht mehr regierte, keine Probleme mit anderen Staaten zu befürchten waren, stimmte der Kaiser der Heirat zu.

Karls Brautwahl stieß auch beim Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este auf freundliche Zustimmung, der bei der Hochzeit als Trauzeuge fungierte.Friedrich Weissensteiner: Franz Ferdinand. Der verhinderte Herrscher. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1983, ISBN 3-215-04828-0, S. 156. Nach dem Tod seines Vaters, Erzherzog Otto, stand Karl seit 1906 an zweiter Stelle in der Thronfolge der Donaumonarchie. Auch wenn Franz Ferdinand den Thron bestiegen hätte und nicht vorher ermordet worden wäre, wäre Karl Kronprinz geworden und Zita und er wären das künftige Kaiserpaar gewesen, denn Franz Ferdinands eigene Kinder waren wegen seiner morganatischen Ehe von der Thronfolge ausgeschlossen.

Am 13. Juni 1911 fand in der väterlichen Villa Pianore in Viareggio bei Lucca, in der Zita geboren worden war, die Verlobung der 19-jährigen Prinzessin mit dem 24-jährigen Erzherzog statt, der gleich im Anschluss zu den Krönungsfeierlichkeiten für Georg V. nach London weiterreiste. In der Verlobungszeit schloss das Paar einen sorgfältig ausgearbeiteten Ehevertrag. Die Prinzessin verbrachte die meiste Zeit in Schwarzau und lernte Ungarisch und Tschechisch. Außerdem reiste sie nach Wien, wo ihre Aussteuer und ihr Brautkleid angefertigt und anschließend für die Öffentlichkeit und Presse ausgestellt wurden.Eszter Gaálné Barcs, Beáta Vitos-Merza: Die letzte große Vermählung in dem Habsburger Reich. Otto von Habsburg Stiftung, abgerufen am 3. Juni 2026.

Zitas Hochzeit mit Erzherzog Karl, die letzte große Vermählungsfeier im Habsburgerreich, fand am 21. Oktober 1911 in der Schlosskapelle von Schloss Schwarzau am Steinfeld statt, das eigens zu diesem Anlass von der Familie der Braut renoviert worden war. Damit das Paar Gratulationen entgegennehmen konnte, waren Telefonapparate im Schloss installiert worden, und im Schlosspark gab es ein besonderes Postamt, wo Hochzeitsgeschenke und Glückwunschtelegramme eingingen. Die kirchliche Trauung vollzog der päpstliche Majordomus Monsignore Gaetano Bisleti als Vertreter des Papstes in französischer Sprache. Als Trauzeugen fungierten neben Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand der König Friedrich August III. von Sachsen, der miguelistische Thronprätendent von Portugal, Don Miguel de Bragança, und Alfonso de Borbón y de Austria-Este.Pfarre Schwarzau am Steinfeld, Trauungsbuch 02-06, 1903–1915, S. 70, eingesehen am 3. Juni 2026. Zum Altar geführt wurde Zita von ihrer Mutter und ihrem Cousin, dem carlistischen Thronprätendenten Spaniens Herzog Jaime von Madrid.Elisabeth Kovásc: Biographisches zu Erzherzog Carl Franz Joseph. In: Neue Forschungen zu Kaiser Karl. Band I (Online-Ausgabe), abgerufen am 3. Juni 2026. Monsignore Bisleti verlas nach der Trauungszeremonie ein persönliches Schreiben des Papstes. Pius X. schickte als Hochzeitsgeschenk eine Kopie des Gemäldes Das Abendmahl von Leonardo da Vinci, dessen Original in Mailand im Kloster Santa Maria delle Grazie hängt, das den Taufnamen Zitas trägt. In den Eheringen des Paares waren ihre Namen und eine Zeile aus dem Lieblingsgebet Erzherzog Karls graviert: „Sub tuum praesidium confugimus, sancta Dei Genitrix“. Unter den hochrangigen Gästen befanden sich neben dem Kaiser, dem König von Sachsen, Franz Ferdinand und seiner Frau zahlreiche weitere Mitglieder der Familien Habsburg, Parma, Bragança, Bourbon, Orléans, Liechtenstein, Sachsen-Coburg, Wittelsbach und Württemberg. Nachdem der Kaiser die Feier verlassen hatte, reiste das frisch vermählte Ehepaar nach Schloss Wartholz in Reichenau an der Rax ab, wo sie ihre Flitterwochen verbrachten und ihren ersten gemeinsamen Wohnsitz nahmen.

In Reichenau wurde am 20. November 1912 Zitas und Karls ältester Sohn, Erzherzog Otto geboren. Noch vor der Thronbesteigung Karls 1916 bekamen sie drei weitere Kinder, eines folgte während der Regierungszeit Karls als Kaiser, und drei weitere Kinder bekam das Ehepaar im Exil. Als Geburtshelfer Zitas für ihre ersten Kinder fungierte der Wiener Gynäkologieprofessor Heinrich von Peham.Hans Brandstetter, Der Markt Obernberg am Inn, OÖ Landesverlag, Ried im Innkreis 1974, S. 203–204. 1913 wies ihnen Kaiser Franz Joseph das Schloss Hetzendorf in Wien-Meidling als Wohnsitz zu, damit Karl dem Kaiser und dem Thronfolger näher sein konnte.

Gattin des Thronfolgers Infolge des Mordes an Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 beim Attentat von Sarajevo wurde Karl unvermittelt Thronfolger. Der Kaiser war fast 84 Jahre alt. Plötzlich war Tatsache, dass Karl und Zita Jahrzehnte früher an der Spitze des Staates stehen würden als zuvor angenommen. Die beiden standen nun unter dauernder Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Als Franz Joseph I. Karl nach seiner Kriegserklärung, die zum Ersten Weltkrieg führte, im August 1914 Aufgaben bei der k.u.k. Armee übertrug, die ihn immer wieder längere Zeit aus Wien wegführten, holte der Kaiser Zita und die Kinder, angeblich aus Sicherheitsgründen, zu sich ins Schloss Schönbrunn. Zita gegenüber drückte er tiefen Pessimismus über die Zukunft der Monarchie aus.Brook-Shepherd: Um Krone und Reich. 1968, S. 43.

Kaiserin und Königin mini|Zita mit ihrem Mann und ihrem ältesten Sohn Otto nach der Königskrönung in Ungarn (1916) mini|hochkant|Wappen der Kaiserin Zita, Aquarell des Hofwappenmalers Ernst August Krahl, 1917 Als Franz Joseph am 21. November 1916 starb, war Karl ex lege Kaiser von Österreich (Karl I.) und König von Ungarn und Böhmen. Am 30. Dezember 1916 wurde Kaiser Karl I. auf Wunsch der ungarischen Regierung in Budapest zum Apostolischen König Karl IV. von Ungarn gekrönt, Zita wurde gleichzeitig zur Königin gekrönt.Erich Feigl: Zita. Kaiserin und Königin. Wien, München 1991, S. 174. Zitas und Karls Erstgeborener, der vierjährige Erzherzog/Föherczeg Otto, war nun Kronprinz des Kaisertums Österreich und des Königreichs Ungarn.