miniatur|Walter Bruno Iltz, 1938

Walter Bruno Iltz (* 17. November 1886 in Praust bei Danzig; † 5. November 1965 in Tegernsee) war ein deutscher Theaterdirektor, Regisseur und Schauspieler.

Leben

Frühe Jahre und Dresden Walter Bruno Iltz sollte eigentlich Apotheker werdenDeutsches Bühnen-Jahrbuch. Spielzeit 1966/67. Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehörigen, Deutscher Bühnenverein, F. A. Günther & Sohn, Hamburg 1967 und ging 1907 nach München, um dort zu studieren. Er entschied sich jedoch für die Laufbahn des Schauspielers und debütierte 1908 in Schweidnitz. Anschließend war er 1909 am Stadttheater Zittau und von 1910 bis 1913 am Lobe-Theater in Breslau engagiert.Stadtarchiv Düsseldorf, V 71568 Es folgten Engagements als jugendlicher Charakterdarsteller von 1913 bis 1924 am königlichen Schauspielhaus und ab 1923 am staatlichen Schauspielhaus Dresden unter der Direktion von Karl Zeiss. Dort spielte er unter anderem die Titelrolle in Hofmannsthals Jedermann und Franz Moor in Schillers Die Räuber, Ferdinand in Kabale und Liebe und die Titelrolle von Hanns Johsts Drama Der König. Max Brod gewidmete Iltz den Einakter Die Höhe des Gefühls, die Uraufführung fand mit Iltz als Darsteller 1918 in Dresden statt.Heinz Schöffler (Hrsg.): Der jüngste Tag. Die Bücherei einer Epoche. Band 57. Faksimile-Ausgabe. Scheffler, Frankfurt am Main, 1970 (Band 1) und 1972 (Band 2) In der Uraufführung von Walter Hasenclevers Drama Jenseits (Regie: Berthold Viertel) verkörperte er 1920 den Raul.Ludwika Gajek: Das Breslauer Schauspiel im Spiegel der Tagespresse. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2008

Iltz war, inspiriert von Max Reinhardts Arbeit ab 1921 in Dresden auch als Regisseur erfolgreich tätig.Oskar Walzel: Wachstum und Wandel. Lebenserinnerungen. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1956

Reußisches Theater Gera (1924–1927) Iltz ging von 1924 bis 1927 als Generalintendant an das Fürstlich Reußische Theater in Gera, als Landestheater mit den Sparten Schauspiel, Oper und Operette.Ulrich Bubrowski (Hrsg.): Ernst Barlachs Drama „Der Arme Vetter“. Aufnahme, Kritik. Wirkung. Piper, München 1988 Als Schwerpunkte im klassischen Repertoire setzte Iltz Werke von Schiller (Die Jungfrau von Orléans), Shakespeare (Der Kaufmann von Venedig), Kleist, Lessing (Nathan der Weise) und Goethes Clavigo sowie von Pedro Calderon, Anton Tschechow und Georg Büchner auf den Spielplan.

Als Regisseur widmete er sich besonders der Aufführung von Werken neuer Autoren wie zum Beispiel Georg Kaiser, Fritz von Unruh, Arnolt Bronnen, Ernst Barlach (Die Sündflut, 1925, in eigener Inszenierung, sowie Die gute Zeit, 1925 und Der arme Vetter, 1927), Bertolt Brecht (Mann ist Mann), Walter Hasenclever (Ein besserer Herr) und Carl Zuckmayer (Der fröhliche Weinberg, 1926 in einer Inszenierung von Zuckmayer). Unter Iltz’ Direktion fanden zahlreiche Uraufführungen statt. So zum Beispiel Saul von Alexander Lernet-Holenia, Die Rückkehr des verlorenen Sohnes von André Gide, Ist er gut? Ist er böse? von Denis Diderot oder Die Treppe von Rosso di San Secondo (1927) sowie Opern von Johann Staden, Georg Friedrich Händel (Otto und Theophano), Manuel de Falla (Ein kurzes Leben, 1926), Roderich Mojsisovics von Mojsvár (Der Zauberer, 1926) und Vittorio Gnecchi (Rosiera, 1927). In der Spielzeit 1925/1926 erreichte das Theater mit 240.832 Zuschauern seine höchste Besucherzahl.

Auf seinen Reisen durch Deutschland besuchte Iltz unerkannt Aufführungen kleiner Provinzbühnen, um junge Talente zu entdecken und zu fördern.

Städtische Bühnen Düsseldorf (1927–1937) Nach Gera war Iltz von 1927 bis 1937 Generalintendant an den Städtischen Bühnen Düsseldorf, ein 3-Spartenhaus für Oper, Schauspiel und Operette an zwei Spielorten. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde ihm 1933 als städtischem Generalintendanten zusätzlich das Schauspielhaus Düsseldorf unterstellt.

Unter anderem wirkten an seinem Haus Schauspieler wie Bruno Hübner, Will Quadflieg, Peter Lühr, Karl Paryla, Ludwig Schmitz, Hanne Mertens, Marieluise Claudius, Wolfgang Langhoff und Leon Askin, Kapellmeister Otto Ackermann und der ukrainisch-jüdische Dirigent Jascha HorensteinErich Kleiber, der in der Spielzeit 1921/1922 in Düsseldorf musikalischer Oberleiter war, brachte in einem Kammerkonzert im Rahmen des 52. Tonkünstlerfestes Kompositionen der „Berliner Gruppe“ und der Wiener Schule zur Aufführung, darunter auch Lieder von Horenstein. Martin Thrun: Neue Musik im deutschen Musikleben bis 1933. Bonn, 1995. Bd. 2 sowie Leopold Lindtberg als Oberspielleiter, was Iltz wegen deren jüdischer Abstammung von der NSDAP und vom „Kampfbund für Deutsche Kultur“ vorgeworfen wurde.

Neben dem klassischen Repertoire förderte Iltz auch in Düsseldorf die Avantgarde, besonders im Bereich des Musiktheaters, um diesem ein eigenes Profil zu geben und überregionale Bedeutung zu erlangen. Er produzierte bereits in der ersten Spielzeit unter der Regie von Friedrich Schramm und dem Dirigat von Hugo Balzer mehrere Erstaufführungen moderner Opern, darunter 1927 Cardillac von Paul Hindemith, 1928 Oedipus Rex von Igor Strawinsky sowie Der Zar lässt sich photographieren von Kurt Weills. Hindemith schrieb über Cardillac an Iltz: „Erst Ihre Düsseldorfer Aufführung hat mir bewiesen, dass der ‚Cardillac‘ im regulären Opernbetrieb bestehen kann!“Heinrich Riemenschneider: Theatergeschichte der Stadt Düsseldorf. 2 Bände. Im Jahr 1930 folgten die Erstaufführung von Ernst Kreneks Operette Schwergewicht oder Die Ehre der Nation und Angélique von Jacques Iberts sowie 1930 eine spektakuläre Aufführung von Wozzeck von Alban Berg in Anwesenheit des Komponisten. Daraufhin schrieb Berg an Iltz: „Diese Reprise freut mich mehr als manche Erstaufführungen, ja sie macht mich stolz“. Unter der Leitung von Kapellmeister Jascha Horenstein wurde 1929 Jaromír Weinbergers Oper Schwanda, der Dudelsackpfeifer uraufgeführt. 1933 folgte die Uraufführung von Der Rossknecht von Winfried Zillig.

Die Düsseldorfer Bühne hatte überregional den Ruf als vorbildlich fortschrittlich, auch in Berlin. Früh meldeten sich jedoch auch politische Stimmen, insbesondere wegen der Mitwirkung des Dirigenten Horenstein wurde eine „Verjudung“ des deutschen Theaterwesens reklamiert. Horenstein wurde 1933 von den Nationalsozialisten gezwungen, das Haus zu verlassen. Mit der Rückkehr von Hugo Balzer als Generalmusikdirektor standen dann vermehrt Werke von Richard Wagner, Mozart und Richard Strauss auf dem Programm.

Ebenfalls förderte Iltz das moderne Ballett und engagierte 1929 die Laban-Schülerin Ruth Loeser als erste Solotänzerin und Ballettmeisterin. Als „Tanzbühne der Stadt Düsseldorf“ sollte dem Ballett die Selbständigkeit einer eigenen Kunstgattung gegeben werden.Ulrich Krempel: Am Anfang: das junge Rheinland. Städtische Kunsthalle Düsseldorf, 1985 Da Ruth Loeser Jüdin war, wurde auch sie 1933 entlassen. Bekannte Tänzer wie unter anderem Harald Kreutzberg, Niddy Impekoven, Yvonne Georgi und Gret Palucca gastierten in der von Iltz initiierten Reihe „Deutsche Meistertänzer“, Mary Wigman wurde mit ihrer Tanztruppe 1935 zu einem Gastspiel eingeladen.

Iltz’ Theaterinszenierungen mussten sich auch an den politischen Anforderungen ausrichten. Auf dem Programm stand zum Beispiel Schlageter des NS-Dramatikers Hanns Johst. Uraufführungen waren Das Gastmahl der Götter von Paul Joseph Cremers und das Goya-Drama Genie ohne Volk von Viktor Warsitz für die „4. Reichstheaterwoche“ im Juni 1937Theater der Welt: Zeitschrift für die gesamte Theaterkultur, Band 1, Tiefland-Verlag, 1937 sowie Pentheus von Hans Schwarz (1935). Erfolgreich war 1936 die Bühnen-Uraufführung von Christian Dietrich Grabbes Die Hermannsschlacht in einer eigenen Bearbeitung von Iltz. Das Stück wurde in Düsseldorf propagandistisch als „Führerdrama“ aufgeführt.Julia Freifrau Hiller von Gaertringen: Der einzige völkische Visionär seiner Zeit. Grabbes „Hermannsschlacht“ auf dem Theater. llb-detmold.de Der Gauamtsleiter Walter Steinecke fertigte nach dieser Inszenierung 12 Radierungen an,Aus der Hermannsschlacht. Lemgo, o.Dr. (1937). Fol. Mit 12 mont. Original-Radierungen von Walter Steinecke. 20 Textbl. Olwd. mit Goldpräg. – Bergmann 1954 (gibt 13 Radierungen an). die 1937 in Buchform Adolf Hitler übergeben wurden.Zentrales Staatsarchiv Potsdam, Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung, Band 141. Diese Inszenierung wurde zudem als Abschluss der „Grabbe-Woche“ im Oktober 1936 in Detmold gezeigt und von der Presse bejubelt. Der Präsident der Reichstheaterkammer, Rainer Schlösser, gratulierte Iltz zur „Eroberung eines großartigen Stückes für die deutsche Theaterwelt“.Brief vom 8. Oktober 1936, Bundesarchiv Berlin, ehem. zentrales Staatsarchiv, Bestand: Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Band 141.

Konflikt mit der NSDAP In Konflikt mit der NSDAP geriet Iltz bereits im März 1932, nachdem der Kampfbund für Deutsche Kultur die Absetzung von Kurt Weills Oper Die Bürgschaft verlangt hatte. Im April forderte die Düsseldorfer Gauleitung einen „deutschen Spielplan“ und verlangte von Iltz, deutsche Künstlern den Juden gegenüber zu bevorzugen.Barbara Suchy: Jüdische Musiker, Komponisten und Musikwissenschaftler in Düsseldorf und in der Emigration. In: Vertreibung jüdischer Künstler und Wissenschaftler aus Düsseldorf 1933–1945. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Droste, 1998Jakob Bracht: Das Schauspiel der städtischen Theater Düsseldorf 1933–1945. Magisterarbeit, Berlin 1992 Iltz verbat sich jede EinflussnahmeWinfried Hartkopf, Winrich Meiszies, Michael Matzigkeit: Bilanz Düsseldorf ’45: Kultur und Gesellschaft von 1933 bis in die Nachkriegszeit. Grupello, 1992 und weigerte sich, die personalpolitischen Forderungen der NSDAP an seinem Theater umzusetzen. In einem neunseitigen SchreibenStadtarchiv Düsseldorf IV b11. In: Christoph Guddorf: Konzert und Oper in Düsseldorf unter der Kulturpolitik der Nationalsozialisten. Magisterarbeit, Osnabrück 2006 wies er darauf hin, dass Meisterwerke deutscher Opernkunst aus der Zusammenarbeit mit Juden hervorgegangen seien, so zum Beispiel bei Mozart und Da Ponte oder Nicolai und Mosenthal.Das Schreiben sandte Iltz nicht nur an die NSDAP, sondern auch an den Deutschen Bühnenverein und an verschiedene Intendanten in Deutschland.Schreiben der NSDAP vom 13. Februar 1939 an Joseph Goebbels, Bundesarchiv Berlin, ehem. zentrales Staatsarchiv, Bestand: Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Band 141. Ernst Josef Aufricht schrieb an Iltz: „Ich bewundere Ihre unerhört geschickte und saubere Antwort.“ Der Komponist Kurt Weill schrieb: „Sie haben immer genug persönliche Überzeugung und persönliche Courage gehabt, um das, was Sie als künstlerisch wichtig und notwendig erachtet haben, auch durchzusetzen.“David Farneth, Elmar Juchem, Dave Stein: Kurt Weill: a life in pictures and documents. 2000 Nach dieser offenen Verteidigung seiner jüdischen Kollegen und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verschärfte sich der Konflikt. Im Februar 1933 wurde Iltz in der NSDAP-Zeitung Volksparole wegen seiner Zusammenarbeit mit dem jüdischen Dirigenten Jascha Horenstein kritisiert: