Die Musik der Maori in Neuseeland zeichnet sich durch mehrere Gesangsstile aus. Eine grobe Einteilung erfolgt nach gesungenen oder rezitierten Stilen. Des Weiteren ist für die Musik der Maori ihr Synkopenreichtum kennzeichnend. Viele traditionelle Elemente der Musik wurden jedoch durch westliche Einflüsse ersetzt, sodass kaum Rückschlüsse auf spezielle Merkmale der ursprünglichen Melodik gezogen werden können.
Instrumentarium Die traditionellen Musikinstrumente, die zur Unterstützung des gesanglichen Vortrags verwendet werden, sind überwiegend Melodieinstrumente, vor allem Flöten und Naturtrompeten. Ein besonderes Blasinstrument, das wahlweise als Flöte oder als Trompete angeblasen werden kann, ist die pūtōrino. Rhythmusinstrumente, hauptsächlich hölzerne Idiophone, werden weniger gebraucht.
Nguru und kōauau Die Flöte nguru besteht aus einem Holzrohr oder Knochen mit einem Anblasloch an einem Ende und einem kleineren Loch am anderen Ende. Sie ist zwischen 5 und 20 cm lang und besitzt zwei bis vier Grifflöcher. Der Ton wird erzeugt, indem der Bläser einen flachen Luftstrahl formt, der die Kante des Anblaslochs trifft. Durch das Material und die Art des Anblasens, die zu einem relativ starken Geräuschanteil im Klang führt, erhält die nguru einen warmen, aber gleichzeitig kratzigen, rauen Ton.
Ein weiterer Flötentyp ist die an beiden Enden offene Längsflöte kōauau, die ähnlich der nguru aus Holz oder Knochen gebaut ist.
Um alle Flöten auf einen einheitlichen Grundton zu stimmen, nehmen die Maori vor dem gemeinsamen Musizieren ein Blatt, rollen es zusammen und stecken es in die kürzeste Flöte. Dann verkürzen oder verlängern sie es, indem sie es weiter herein- oder herausschieben, bis man den gewünschten Ton erhält.
Putara Das Schneckenhorn () besteht aus einer spiralförmigen Meeresschnecke als Resonanzkörper, deren Ende abgeschnitten wird. In das Loch wird ein Bambusrohr gesteckt, das als Mundstück dient. Durch kräftiges Blasen wird ein eingängiger, rauer Ton mit Signalcharakter erzeugt. Dieser entsteht jedoch nur bei ausreichender Lippenspannung, da diese die eigentlichen Schwingungserzeuger sind. Ursprünglich hatte das die Funktion, das Gefolge anzuführen oder vor dem Häuptling zu gehen und sein Kommen anzukündigen.
Pahu Das einer Schlitztrommel vergleichbare Schlagholz (, namensgleich mit den polynesischen Kesseltrommeln pahu) wird aus dem -Baum gefertigt und besteht aus einem teilweise ausgehöhlten Baumstamm.Elsdon Best: Games and Pastimes of the Maori: The Pahu or Gong. New Zealand Electronic Text Collection, 2016
Sowohl das als auch das hatten ursprünglich keine primär musikalische Funktion, sondern dienten als Signalinstrumente der Kommunikation über weite Strecken. Allmählich wurden sie auch zum Musizieren eingesetzt.
Weitere Musikinstrumente Zu diesen Instrumenten kommen eine Reihe weiterer Idiophone, die dazu dienen, den Takt zu halten oder den Rhythmus akustisch zu verzieren. Sie geben meist einen scheppernden oder trockenen Klang ab. Zu ihnen zählen , kleine Perlmuttplättchen, die aufeinander geschlagen werden wie Kastagnetten. Des Weiteren , ein der Länge nach aufgeschlitztes Bambusrohr, das mit zwei kleinen Stöcken geschlagen wird oder , am oberen Ende offene Bambusstampfrohre, mit denen man auf den Boden stößt. Diese Instrumente spielen allerdings eine vergleichsweise geringe Rolle, da die Maori bevorzugt ihren Körper durch Stampfen oder Klatschen einsetzten, um Rhythmen zu erzeugen.
Gesänge mini|Maori-Tanzgruppe 1981 beim Nambassa-Festival Der Gesang bildet für die Maori das wichtigste Element ihrer Musik. Die Klangfarbe der Gesangsstimmen werden als grell und scharf beschrieben. Frauen singen meist im Gesangregister Falsett, während die Männerstimmen etwas geschmeidiger sind. Der Gesang wird häufig durch Gutturale, also Kehllaute, unterbrochen oder durch kurzes Ausatmen, Seufzen oder Schluchzen. Die Stimme wird also systematisch als Element gebraucht und eingesetzt, unabhängig von den gesungenen Worten. Dabei geht die Meinung bezüglich der Authentizität des traditionellen Singens auseinander. Während Victor Segalen davon spricht, dass der klassische Gesang „von allzu europäischen Elementen infiziert“ worden ist, halten Mervyn McLean und Margarett Orbell eine Form von traditionellen Maori-Gesängen heute für ebenso existent wie im 18. Jahrhundert, als die ersten europäischen Entdecker an Land gingen.
Das Liedgut der Maori schrumpft, das heißt, immer weniger Lieder können von immer weniger Maori vorgetragen werden. Dennoch gibt es nach wie vor verschiedene Gesangstile, die von den Maori unterteilt werden. Grundsätzlich kann man eine grobe Einteilung in gesungene und rezitierte Vortragsweise vornehmen. Zu den gesungenen Liedern zählen und . Die wichtigsten rezitativen Stile sind und und sowie . Jeder einzelne Gesang zeichnet sich durch bestimmte Merkmale aus, welche den hohen Stellenwert, den die Maori dem Singen beimessen, unterstreichen.
Gesungene Formen Waiata bezeichnet, obwohl dieser Terminus manchmal fälschlicherweise für alle Lieder verwendet wird, einen bestimmten Songtyp. Es handelt sich grundsätzlich um Liebeslieder, wobei sich diese genauer differenzieren lassen. So gibt es , Klagelieder, die zumeist das Thema Tod oder andere Unglücksfälle behandeln. Sie beginnen oft mit einem Element aus der Natur wie Blitz und Donner, das als Vorzeichen für das nahende Unheil dient. Die Trauer über den Tod eines Menschen ist oft mit Regen oder dem Tosen des Meeres verbunden. Hierhin zeigen sich abermals die Verbundenheit der Maori mit der Natur und gleichzeitig die große Bedeutung die dem Tod beigemessen wird. Oft werden die Todesumstände erwähnt und, sofern kriegerische Auseinandersetzungen die Todesursache darstellen oder der Verstorbene durch Hexenkraft ums Leben gekommen ist, werden Rachepläne im Text angerissen. Die Trauer wird zudem durch Hervorheben des erlittenen Verlusts beschrieben, wodurch Einsamkeit zu einem wiederkehrenden Thema in dieser Liedgattung gehört. haben so eine gesellschaftliche Funktion, weil man durch das Singen dieser Trauerlieder in der Gemeinschaft spürt, dass man nicht isoliert ist vom Rest der Gruppe. Die Mitglieder erfahren, dass sie auf den Zusammenhalt angewiesen sind und dadurch mehr Sicherheit bekommen können. Bei den Maori sind am häufigsten zu finden und umfassen etwa die Hälfte des gesamten Liedgutes. Dies lässt sich auch dadurch erklären, dass die Klagelieder bei den für Maori wohl wichtigsten sozialen Zeremonien, den Begräbnissen, gesungen werden.
Weitere Formen sind und . Diese beiden Typen unterscheiden sich insofern voneinander, dass der erstgenannte sich mit dem Innenleben einer Person und seiner Beziehung zu einer anderen befasst, wohingegen allgemeiner zu sehen sind und beispielsweise auch die Liebe zum Land und der Natur zum Thema haben können. Gesungen werden unisono von einer Sängergruppe. Es gibt einen Vorsänger, der den Song beginnt und am Ende jeder Zeile kurze Soli singt, während der Rest der Gruppe Luft holen kann. Diese Soli verbinden die einzelnen Zeilen miteinander und haben eine überleitende Funktion. Sie bestehen oft aus bedeutungslosen Silben, , die, wenn nicht für den Inhalt, so doch für die Schönheit eines Liedes wichtige Verzierungen liefern. Wer das Lied beginnt, singt für gewöhnlich bis zum Ende des Stückes die Soli, selbst wenn andere diese besser singen könnten. Lange Solos werden von den Maori nicht favorisiert, da sie Pausen zum Luft holen vermeiden möchten. Bei einem langen Solo, hört man das Atmen des Sängers zwangsläufig, wohingegen es im Gruppengesang nicht auffällt, da jeder einzelne an unterschiedlicher Stelle aussetzt. Generell versucht man solange zu singen, bis einem die Puste ausgeht. Dies kann mitten in einem Wort geschehen und ist nicht geplant, was man daran erkennen kann, dass zwei Interpreten, die das gleiche Lied vortragen, an unterschiedlichen Stellen pausieren.
Pao Bei diesem Stil handelt es sich um, verglichen mit waiata, weniger ernste Lieder. Man kann von Unterhaltungs- oder Themensongs sprechen. Man kann sie in und untergliedern. sind Liebeslieder, die sehr offene und direkte Texte haben können. dienen dagegen der Verabschiedung und werden oft am Abend vor einer Beerdigung gesungen. Explizite Texte, die teilweise Beleidigungen enthalten findet man in , mit denen man Verspottungen oder Sticheleien reagiert.
werden oft improvisiert und haben darum vergleichsweise kurze Strophen, die aus nur zwei Zeilen bestehen. Jede Strophe wird von dem Vorsänger gesungen und dann von einem Chor wiederholt. In dieser Zeit überlegt sich der Vorsänger eine weitere Strophe und trägt diese anschließend vor. Verglichen mit anderen Gesangsstilen sind die Anzahl der Noten und das verwendete Notenspektrum größer. Außerdem sind die Lieder reich an rhythmischen Verzierungen. Die melodische Bewegung ist meist nach unten gerichtet und schwankt nicht, wie bei anderen Stilen mal ober- oder mal unterhalb des Grundtons.
Poi werden heute für gewöhnlich in Verbindung mit dem -Tanz gesungen, während die Songs früher rezitiert wurden. Der Tanz wird mit an einer Schnur befestigten Bällen ausgeführt, den -Bällen, welche die Interpreten an den Händen halten und um ihren Körper schwingen. Der Tanz wird von Frauen getanzt und wurde ursprünglich bei Versammlungen verschiedener Stämme aufgeführt. Beim gibt es keine Solos, sondern die Gruppe singt das Lied gemeinsam vom Anfang bis zum Ende. Es gibt dementsprechend keine Pausen, Unterbrechungen oder . Die Melodien sind simpel und haben oft nicht mehr als drei verschiedene Noten, die in einem Intervall von oft nicht mehr als einer großen Sekunde zueinander stehen. Diese Melodie wird immerzu wiederholt. Die -Bälle schlagen dabei gegen das in der Melodie vorherrschende Metrum und geben ein schnelles Tempo vor.
Oriori Diese Lieder werden von Eltern und Großeltern für ihre Kinder, sowohl Jungen als auch Mädchen geschrieben, wenn sie aus Häuptlings oder Kriegerfamilien stammen. Sie sind keineswegs mit europäischen Wiegen- oder Schlafliedern vergleichbar, da sie eine erzieherische Funktion haben und dem Kind Aufgaben und Pflichten vermitteln sollen, die dessen Stand gemäß sind. Aus diesem Grund finden sich in den Texten viele Bezüge auf Mythen und Traditionen der Abstammungsgruppe. Die Kinder können diese Texte oft erst später verstehen, weil sie noch zu jung sind um die Komplexität zu erfassen. Allerdings sind die musikalischen Elemente der Lieder ähnlich simpel wie bei uns bekannten Kinderliedern, so dass sich die Maori-Kinder diese leicht einprägen können und einen leichteren Zugang zu den Texten finden. Dies bezieht sich vor allem auf klare Melodieverläufe, wohingegen die Rhythmen additiv und ähnlich schnell wie die der gespielt werden. Zudem wird auf für waiata typische Verzierungen am Ende der Zeilen verzichtet. Dafür wird jedoch ohne Pausen gesungen, ohne am Ende einer Zeile zu unterbrechen. Solos gibt es entweder am Anfang oder am Ende eines Liedes. Diese sind melodisch anspruchsvoller als der Rest des Stücks.
Karanga stehen zwischen rezitierten und gesungenen Liedern. Es sind Rufe von Frauen, die entweder der Begrüßung () oder der Verabschiedung () von Besuchern dienen. Sie sind normalerweise kurz und haben keine musikalische Form. Am Ende kommt es zu einer Lautäußerung die einem lauten Seufzen gleicht. Karanga sind oft improvisiert, was auffällt, sobald mehrere Frauen rufen, da es in solchen Fällen zu Überlappungen kommt, was zu einem schwierigeren Verständnis der Worte führt.
Rezitative Formen Karakia