mini|Herzog Carl Eugen von Württemberg

Carl Eugen (auch Karl Eugen; * 11. Februar 1728 in Brüssel; † 24. Oktober 1793 in Hohenheim) war von 1737 bis 1793 der zwölfte (seit 1744 regierende) Herzog von Württemberg. Während seiner mehr als fünfzig Jahre langen Regierung wandelte er sich vom absolutistischen zum aufgeklärten Herrscher.

Schreibweise des Namens Beide Namensvarianten, sowohl Carl Eugen als auch Karl Eugen, sind gebräuchliche Bezeichnungen für den Herzog von Württemberg. Von daher können beide Schreibweisen verwendet werden. Die Schreibweise mit C ist die ältere und von württembergischen Landeshistorikern bevorzugte Schreibweise, während die Schreibweise mit K seit dem 19. Jahrhundert zunehmend häufiger in der Literatur anzutreffen ist. In der Allgemeinen Deutschen Biographie und somit in vielen darauf Bezug nehmenden Werken dominiert die Schreibweise mit K. Hier wird der ursprünglichen und landeshistorisch etablierten Schreibweise Vorrang gewährt.

Kindheit und Erziehung Herzog Carl Eugen, der sich selbst immer nur Carl nannte, war der älteste Sohn von Herzog Carl Alexander und seiner Gemahlin Maria Augusta, geborene Prinzessin von Thurn und Taxis. Sein Vater war als Heerführer in kaiserlichen Diensten 1712 zur katholischen Konfession übergetreten und damit der erste katholische Herrscher von Württemberg seit der Reformation. Die frühen Kindheitsjahre erlebte Carl Eugen am Hof seines Großvaters, Fürst Anselm Franz von Thurn und Taxis, in Brüssel.Carl Eduard Vehse, bearbeitet und herausgegeben von Wolfgang Schneider: Die Höfe zu Württemberg. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar 1992, ISBN 3-378-00518-1, S. 95 Dort stand er unter der Obhut seiner Großmutter,Karlheinz Wagner: Herzog Karl Eugen von Württemberg. DVA, Stuttgart 2001, S. 12. der Fürstin Maria Ludovika Anna, geborene Prinzessin von Lobkowicz (1683–1750).

Nach dem frühen Tod seines Vaters Carl Alexander bestieg Carl Eugen bereits 1737 neunjährig den Thron, bis zu seiner Volljährigkeit jedoch unter der Administration der Herzöge Carl Rudolf von Württemberg-Neuenstadt und Karl Friedrich von Württemberg-Oels. Da man geargwöhnt hatte, dass sein Vater Württemberg rekatholisieren wolle, schickte die vormundschaftliche Regierung Karl und seine Brüder zur weiteren Ausbildung nach Berlin an den Hof König Friedrichs II. von Preußen, auch um ihn und seine Brüder dem Einflussbereich der Habsburger möglichst fernzuhalten. Carl Eugen erhielt eine sorgfältige Erziehung, sein Musiklehrer war Carl Philipp Emanuel Bach. Sein „Informator“, das heißt Erzieher und Lehrer, in Württemberg war der Philosoph, Mathematiker und Theologe Georg Bilfinger.Inge Jens, Walter Jens: Eine deutsche Universität. 500 Jahre Tübinger Gelehrtenrepublik. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-61690-4, S. 137 und 222. Anmerkung: Bei dieser Auflage wurde der Name der Hauptautorin, Inge Jens, auf dem Titelblatt an die erste Stelle gesetzt. In der Erstauflage 1977 hatte es noch geheißen: „Walter Jens, unter Mitarbeit von Inge Jens ...“. Im Jahr 1744 wurde Carl Eugen im Alter von 16 Jahren für mündig erklärt und trat die Regierung des Herzogtums Württemberg an.

Frühe Regierungszeit Gleich nach seinem Regierungsantritt ließ der Herzog den Leichnam von Joseph Süß Oppenheimer abhängen und verscharren, der nach seiner Hinrichtung 1738 zur Abschreckung sechs Jahre lang in einem eisernen Käfig verblieben war. Er bestätigte die von Preußen, England und Dänemark garantierten Religionsreversalien seines Vaters sowie die Landesprivilegien und überließ die Staatsgeschäfte zunächst bewährten Räten. Mit seiner Mutter geriet er 1750 in einen Streit und ließ sie im Göppinger Schloss internieren. „Die ihm zu früh übertragene Regierungsgewalt wirkte sich bald unheilvoll aus, da sie sein übertriebenes Selbstbewußtsein unterstützte und ihn die Grenzen des Möglichen vergessen ließ. Einflüsterungen und Schmeicheleien zugänglich, stellte er den eigenen Willen über Recht und Verfassung. Begabt, doch eitel, unbeständig und nachtragend, räumte er jedes Hindernis aus dem Weg.“Karl Eugen, in: Deutsche Biographie Sein leitender Minister Friedrich August von Hardenberg ermutigte ihn 1748 zur Eheschließung mit einer protestantischen Hohenzollernprinzessin und versuchte, ihn politisch auf die Seite Preußens gegen Österreich zu ziehen, ihn zumindest zu wohlwollender Neutralität zu bewegen, was sich auch im Frieden von Aachen (1748) niederschlug.

Carl Eugens Regierungszeit fiel mit dem Höhepunkt des Absolutismus zusammen, und der junge Landesherr tat alles, um seinen Hof zu einem der glänzendsten in Europa zu machen. 1752 schloss er mit Frankreich einen Subsidienvertrag ab, der ihm bedeutende Einnahmen verschaffte. 1755 entließ er Hardenberg, der stets auf Sparsamkeit gedrängt hatte, und trat die Selbstregierung an. 1758 entstand die Porzellanfabrik Ludwigsburg, 1761 eine Académie des Arts, 1765 eine öffentliche Bibliothek. Mit ungeheurem finanziellem Aufwand, der Württemberg an den Rand des Ruins führte, wurde die Hofhaltung durch prunkvolle Neubauten erweitert. Ab 1746 ließ er das Neue Schloss in Stuttgart, 1760 das Jagdschloss Grafeneck und dann zusätzlich noch vier Lustschlösser erbauen: 1763 Schloss Solitude, 1764 Schloss Monrepos, 1767 Schloss EinsiedelBirgit Tuchen: Schlossallee und Lustgarten. Barocke (Landschafts-)Architektur auf dem Einsiedel bei Tübingen. Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Jahr 2019, Heft 4, S. 262–268 (PDF; 0,5 MB) und ab 1772 Schloss Hohenheim. Schloss Solitude, zeitweise sein liebster Aufenthaltsort, ließ er über die schnurgerade angelegte und exklusiv dem Hofstaat vorbehaltene Solitude-Allee mit dem Ludwigsburger Schloss verbinden. Im rechten Winkel davon ließ er eine Achse von der Solitude in den Stuttgarter Süden anlegen. Dazu wurden möglichst die besten Künstler aus allen Sparten nach Württemberg verpflichtet.

Des Herzogs Feste waren so legendär wie seine zahllosen Affären und sein Despotismus. Den Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart, der den Verkauf von württembergischen Landeskindern für Englands Kolonialkriege anprangerte und die herzogliche Mätresse Franziska von Hohenheim als „Lichtputze, die glimmt und stinkt“ verspottete, ließ Carl Eugen 1777 für die Dauer von zehn Jahren auf der Festung Hohenasperg einsperren.Vgl. Rüdiger Safranski: Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft. Hanser, München 2009, ISBN 978-3-446-23326-3, S. 19 f. Auch den Dichter Friedrich Schiller, der damals als württembergischer Militärarzt arbeitete, bedrohte er mit Kerkerhaft und ordnete ein Schreibverbot an, was Schiller 1782 zur Flucht nach Mannheim, das in der Kurpfalz lag und damit Ausland war, veranlasste.Menschen aus dem Land. Friedrich Schiller bei: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, abgerufen am 6. Juli 2019

mini|hochkant|Carl Eugen im Jahr 1782 Mit Beginn des Siebenjährigen Krieges musste Carl Eugen seine Bündnisverpflichtung gegenüber Frankreich einlösen. Er trat der Allianz von Österreich und Frankreich gegen Preußen und England bei und zerstörte damit die freundschaftliche Beziehung zum preußischen König. Seine vernachlässigten, teils auch kurzfristig rekrutierten oder zwangsrekrutierten, häufig meuternden Truppen wurden von Preußen wiederholt besiegt, der Rest kehrte 1760 in die Garnison zurück. Nachdem die französischen Hilfsgelder versiegten, griff der Herzog unbefugt in die Landschaftskasse und schrieb verfassungswidrig Steuern aus. Dabei war ihm sein Minister Graf Montmartin behilflich. Die Württembergischen Landstände beharrten auf ihrem Recht, außerordentliche Steuern zu verweigern und drängten zu größerer Sparsamkeit. Montmartin bezeichnete jedoch den Willen des Herzogs als absoluten Befehl und erklärte die Vorstellungen des landschaftlichen Ausschusses für aufrührerisch. Wer sich ihm widersetzte, wie der Landschaftskonsulent Johann Jacob Moser, musste dies mit schwerer Kerkerhaft büßen. Der berühmte Staatsrechtslehrer saß ab 1759 fünf Jahre in Einzelhaft auf der Festung Hohentwiel, bis er auf Druck des Kaisers, des Reichshofrates und der Landstände entlassen wurde.

Den preußischen Offizier Caspar Laurentius Wittleder machte Carl Eugen zum Direktor des Kirchenrates, der das Kirchengut und die ehemaligen Klöster verwaltete und ausplünderte sowie dem Herzog mit Ämterhandel weitere Einnahmen verschaffte.Caspar Laurentius Wittleder (von Joachim Kresin) Als Montmartin einen 1763 einberufenen Landtag auflöste und den Tübinger Oberamtmann Huber wegen Steuerverweigerung inhaftierte, erhob die Landschaft 1764 Klage beim Reichshofrat. Über fünf Jahre währten die Auseinandersetzungen in Wien und Stuttgart, in die sich auch der 1765 gewählte aufgeklärte Kaiser Joseph II. und die Garantiemächte einschalteten, bis es Anfang 1770 zum sogenannten Erbvergleich kam, dem letzten großen Staatsgrundgesetz Altwürttembergs. Er besiegelte die landständische Verfassung, sicherte die Rechte der Landschaft und beschränkte die angemaßte absolute Regierungsgewalt des Herzogs.

Ehen mini|hochkant|Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, Herzogin von Württemberg mini|hochkant|Franziska von Hohenheim

Im Jahr 1741 hatte Carl Eugen die Nichte Friedrichs II. von Preußen, Prinzessin Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth, einziges Kind des Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth und der Lieblingsschwester des Königs, Wilhelmine, kennengelernt. Vom Berliner Hof und dem Minister von Hardenberg angeraten, wurde sie 1744 im Alter von elf Jahren mit Carl Eugen verlobt und sie heirateten 1748 in Bayreuth mit prachtvollen Festlichkeiten.

Schon bald nahm es der Herzog mit der ehelichen Treue nicht mehr genau und vergnügte sich wieder mit seinen Mätressen. Das einzige Kind des Paares, eine Tochter, wurde 1750 geboren und starb ein Jahr später. Das Ausbleiben eines männlichen Erben mehrte die Konflikte. Eine Italienreise hielt 1753 das Paar noch eine Weile zusammen. Doch mutete der Herzog seiner Frau weitere Demütigungen zu und ließ 1756 ihre Freundin, die Kammersängerin Marianne Pirker, verhaften und ohne Gerichtsverfahren einkerkern. Im Herbst 1756 besuchte Elisabeth Friederike Sophie ihre Mutter in Bayreuth. Nachdem sie an deren Beerdigung 1758 in Bayreuth teilgenommen hatte, kehrte sie nicht mehr an den württembergischen Hof nach Stuttgart zurück. Auf Vermittlung ihres Vaters erhielt sie ab 1759 von ihrem Ehemann jährlich 54.000 Gulden Unterhalt sowie einen eigenen Wohnsitz im Neuen Schloss zu Neustadt an der Aisch, dem Witwensitz der Bayreuther Markgräfinnen. 1763 erbte sie von ihrem Vater das noch im Bau befindliche Schloss Fantaisie westlich von Bayreuth und ließ es fertigstellen; sie starb 1780 im Alten Schloss zu Bayreuth.

Der Herzog hielt sich derweil verschiedene Mätressen, von denen einige mehrere Jahre an seiner Seite lebten und mit denen er zahlreiche illegitime Kinder hatte. Im Jahr 1771 traf er die Freifrau Franziska Leutrum von Ertingen, geborene Freiin von Bernerdin (1748–1811), seit 1765 verheiratet mit einem seiner Kammerherren. Diese wurde, nachdem er sich von seiner langjährigen Geliebten Teresa Bonafoni getrennt hatte, 1772 seine offizielle Maîtresse. Nach ihrer Scheidung 1772 und dem Tod seiner Frau Elisabeth Friederike Sophie 1780 heiratete Carl Eugen 1785 die inzwischen zur Reichsgräfin von Hohenheim erhobene Franziska morganatisch, nach langwierigen Verhandlungen mit der katholischen Kirche sowie seinen Brüdern.

Späte Regierungszeit und Tod