mini|hochkant|Fahndungsbild der Polizei Niedersachsen zum Maskenmann Martin Ney (* 12. Dezember 1970 in Bremen), in der Presse auch Maskenmann und schwarzer Mann genannt, ist ein deutscher Serienmörder und Pädokrimineller, der seine erste bekannt gewordene Tat 1992 beging. Ihm wurden vier Morde und mehr als 40 Sexualdelikte an Jungen nachgewiesen, bei denen er meist in Schullandheime einstieg. Einige Taten verübte er auch in Zeltlagern, Privathäusern und an anderen Orten. Nach seiner Verhaftung am 13. April 2011 gestand der damals 40-Jährige drei Morde. Am 27. Februar 2012 verurteilte ihn das Landgericht Stade zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Am 4. Juni 2026 wurde er auch in Frankreich wegen eines dort 2004 begangenen Kindermordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Taten 1992 begann eine Missbrauchsserie an Jungen, vorwiegend in Norddeutschland. Nachfolgend wurde Ney, der als groß und kräftig beschrieben wurde, für einige dieser Taten verurteilt, wohingegen ihm andere nicht nachgewiesen werden konnten. Er drang nachts und maskiert in Schullandheime, Zeltlager und Jugendheime ein, um sich an Jungen zu vergehen. Ab 1994 brach er auch in Einfamilienhäuser ein.
Schullandheimserie Kinderheim Hepstedt Am 3. März 1992 entdeckte die Begleiterin einer Schulklasse in einem Kinderheim in Hepstedt in einem leeren Schlafsaal einen maskierten Mann, der kurz darauf durch eine Terrassentür floh. Wenige Tage später versuchte ein maskierter Mann, einen 11-jährigen Jungen zu missbrauchen, flüchtete aber, als dieser zu schreien begann. Zwischen April und Juni 1992 wurde der Maskierte noch zweimal von Schülern gesehen, ehe er eines Nachts im August mehrere Kinder weckte und unsittlich berührte. Im September trat der Unbekannte an das Bett eines Jungen und forderte diesen auf, sich auszuziehen. In einer Oktobernacht sprach der Maskenmann hintereinander fünf Kinder an, von denen er anschließend drei missbrauchte. Nach diesen Vorfällen wurde im Schullandheim ein Bewegungsmelder installiert und die Türschließanlage erneuert.
Schullandheim Badenstedt Ebenfalls im März 1992 begann eine Serie ähnlich gelagerter Vorfälle im Schullandheim Badenstedt in Zeven, als ein Unbekannter in der Nacht versuchte, einen 13-Jährigen zu missbrauchen. Im August desselben Jahres verging sich der vermutlich gleiche Täter in der Toilette des Schullandheimes an einem 10-jährigen Jungen. Im September 1992 berührte er einen 9-Jährigen unsittlich, nachdem er ihn aus seinem Bett in einen Nebenraum getragen hatte. Im Mai 1994 missbrauchte der mutmaßliche Serientäter einen 11-jährigen und etwa ein Jahr später einen 10-jährigen Jungen. Im Oktober 1995 versuchte er, einen 13-Jährigen anzufassen, flüchtete aber, als dieser sich zur Wehr setzte und Zimmerkollegen aufweckte. Im Juni 1998 schlug er in Badenstedt letztmals zu, als er erneut versuchte, zwei Jungen unsittlich zu berühren, die sich jedoch wehrten.
Schullandheim Cluvenhagen – Mord an Stefan Jahr (1992) und weitere Straftaten in Schullandheimen Im März 1992 sah eine Lehrerin im Flur des Schullandheims Cluvenhagen einen Mann, der einen schlaftrunkenen Jungen bei sich hatte, der sich nicht wehrte. Als der Täter die Lehrerin bemerkte, floh er. Am frühen Morgen des 31. März 1992 verschwand der 13-jährige Stefan Jahr aus einem Internat in Scheeßel. Fünf Wochen später wurde seine Leiche mit auf dem Rücken gefesselten Händen in den Verdener Dünen vergraben aufgefunden. Am 9. April 1995 verging sich ein Mann nachts an einem Jungen in der Jugendherberge Bademühlen.
Schullandheim Wulsbüttel – Mord an Dennis Klein (2001) Im Juni 1995 missbrauchte ein Täter einen 10-jährigen Austauschschüler in Wulsbüttel und flüchtete durch ein Zimmerfenster. Im Juli 1999 weckte ein Mann einen 8-jährigen Jungen, brachte ihn ins Untergeschoss des Hauses und missbrauchte ihn. Am 5. September 2001 verschwand der 9-jährige Dennis Klein nachts aus seinem Zimmer. Vierzehn Tage später wurde der Junge von einem Pilzsammler in einem dichten Gebüsch an einem Waldweg zwischen Kirchtimke und Hepstedt ermordet aufgefunden.
Schullandheim in Westfrankreich – Mord an Jonathan Coulom (2004) Am 7. April 2004 verschwand der zehnjährige Jonathan Coulom aus einem Schullandheim in Saint-Brévin-les-Pins in Westfrankreich. Eineinhalb Monate später, am 19. Mai, wurde seine Leiche in einem Teich im etwa 30 Kilometer entfernten Guérande gefunden.
Zeltlagerserie – Mord an Dennis Rostel (1995)
Die Taten dieser Serie begannen im August 1992, als ein maskierter Täter einen 9-Jährigen und ein weiteres Kind im Zeltlager Selker Noor sexuell missbrauchte. Im Juli 1994 begab sich der Täter nacheinander in zwei Zelte eines Zeltlagers in Otterndorf und weckte sieben Jungen im Alter von 8 und 9 Jahren, die er anschließend sexuell belästigte. Ende August 1994 wachte ein 13-Jähriger im Zeltlager Selker Noor auf, als der Täter ihn anfasste. Nach etwa zehn Minuten verschwand der maskierte Mann. Zwei Tage später belästigte der unbekannte Täter erneut einen anderen 13-Jährigen im Zeltlager Selker Noor, indem er ihn anfasste. In der Nacht auf den 24. Juli 1995 verschwand der 8-jährige Dennis Rostel aus dem Zeltlager Selker Noor. Zwei Wochen später fanden deutsche Touristen bei Skive in Dänemark seine in einer Sanddüne vergrabene Leiche.
Einfamilienhausserie Ein maskierter Täter drang in der Zeit ab April 1994 in mehrere Einfamilienhäuser im Raum Bremen, vornehmlich im Stadtteil Horn-Lehe, ein und missbrauchte dort Jungen. Obwohl die Taten in einigen Details von der üblichen Vorgehensweise abwichen, gingen die Ermittler von einem Serienzusammenhang aus. Die Polizei gab, obgleich Eltern darauf drängten, keine öffentliche Warnung heraus.
Chronologische Übersicht Die Tabelle umfasst eine Auswahl an Taten, die Martin Ney vorgeworfen wurden und für die er verurteilt wurde.
Datum Tatort Straftat Bemerkung Kinderheim Hepstedt HausfriedensbruchTäter wurde entdeckt und flüchtete unerkannt Kinderheim Hepstedt versuchter MissbrauchOpfer setzte sich zur Wehr Schullandheim Badenstedt versuchter Missbrauch Schullandheim Cluvenhagen versuchter MissbrauchTäter wurde entdeckt, brach die Tat ab und flüchtete unerkannt Internat Scheeßel MordMord an Stefan Jahr; Leichnam am 3. Mai 1992 aufgefunden Kinderheim Hepstedt multipler Missbrauch Schullandheim Badenstedt Missbrauch Zeltlager Selker Noor Missbrauch Schullandheim Badenstedt Missbrauch Kinderheim Hepstedt Missbrauch Kinderheim Hepstedt multipler Missbrauch Schullandheim Badenstedt Missbrauch Zeltlager Otterndorf multipler Missbrauch Zeltlager Selker Noor Missbrauch Zeltlager Selker Noor Missbrauch Jugendherberge Bademühlen Missbrauch Schullandheim Badenstedt Missbrauch Schullandheim Wulsbüttel Missbrauch Zeltlager Selker Noor MordMord an Dennis Rostel; Leichnam am 8. August 1995 aufgefunden Schullandheim Badenstedt versuchter MissbrauchOpfer setzte sich zur Wehr Schullandheim Badenstedt versuchter multipler Missbrauch Opfer setzten sich zur Wehr Schullandheim Wulsbüttel Missbrauch Schullandheim Wulsbüttel MordMord an Dennis Klein; Leichnam am 19. September 2001 aufgefunden Schullandheim Saint-Brévin-les-Pins MordMord an Jonathan Coulom; Leichnam am 19. Mai 2004 aufgefunden
Ermittlungen Im Zusammenhang mit der Ermordung von Dennis Klein bildete die zuständige Polizei Verden eine Sonderkommission, genannt „SoKo Dennis“. Diese konnte im Rahmen ihrer Ermittlungsarbeit die Morde und teilweise bis dato den Ermittlungsbehörden nicht bekannte Missbrauchsfälle in Zusammenhang bringen und anhand der Zeugenaussagen sowie nahezu identischen Tatabläufe einem Täter zuordnen. Das Bayerische Landeskriminalamt unterstützte die SoKo „Dennis“ mit der Erstellung einer Operativen Fallanalyse.Zehn Jahre nach dem Mord an Dennis – SoKo hat Spur zum Täter In: n-tv.de. 10. Februar 2011, abgerufen am 21. April 2021.
Täterbeschreibung Laut Analysen des Fallanalytikers Alexander Horn sollte es sich bei dem Täter um einen auffallend großen, stämmigen und mit einer tiefen Stimme hochdeutsch sprechenden Mann im Alter zwischen 30 und 50 Jahren handeln. Er sollte sich in Norddeutschland, vor allem in der Gegend um Bremen, gut auskennen und eventuell dort sogar wohnen. Anfang der 1990er Jahre sollte er einen Bezug zu der Gegend um die Orte Hepstedt und Badenstedt gehabt haben.
Bei seinen Taten trug der Mann dunkle Kleidung, eine Maske und Handschuhe. In allen Fällen gelang es ihm so, die Kinder einzuschüchtern. Gleichzeitig führte die dunkle Kleidung dazu, dass die betroffenen Kinder von einem „schwarzen Mann“ sprachen, was zumindest bei den ersten Taten Neys zur Folge hatte, dass den Erziehern, Lehrern und auch der Polizei die Taten wie typische Kinderphantasien erschienen und man den Opfern nicht glaubte.
Der anfangs als sportlich beschriebene Täter legte im Laufe der Jahre an Gewicht zu. Er war meist mit dem Auto unterwegs und schien möglicherweise Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu haben. Man nahm an, dass er alleinstehend und sozial integriert lebte, eine pädophile Neigung zu Jungen im engeren Familien- und Freundeskreis allerdings durchaus bemerkt worden sein könnte.
Auffällig war zudem ein gewisser Leichtsinn des Täters, der sich an vielen Tatorten dem Risiko der Entdeckung aussetzte. Darüber hinaus hatte er insbesondere die drei deutschen Mordopfer über weite Strecken mit dem Auto transportiert, im Fall von Dennis Rostel sogar mehr als 250 Kilometer über die damals noch bewachte Grenze nach Dänemark. Dennoch war es ihm stets gelungen, kaum Spuren zu hinterlassen. Die Ermittler gingen daher von einem intelligenten Täter aus, der seine Handlungen vermutlich in einem ihm vertrauten Umfeld ausführte und vorher plante.
Fahndungen Trotz Überprüfung sämtlicher Verwandter und Bekannter der Opfer sowie einem Massen-DNA-Test an Hunderten Männern aus Norddeutschlandvgl. Wolfgang Heumer: Führt eine DNA-Spur zu Dennis' Mörder? – Soko: Mehrere Hundert Männer müssen zum Gentest. In: Hamburger Abendblatt vom 28. Februar 2008, S. 24. blieb Ney zunächst unentdeckt. Sonderkommissionen aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich arbeiteten in dem Fall eng zusammen.
Auf den Täter und seine Verbrechen wurde mehrmals im Fernsehen aufmerksam gemacht, unter anderem in Sondersendungen bei Stern TV, Spiegel TV, Kriminalreport, Ungeklärte Morde und Galileo. Zudem wurden Berichte über die Verbrechen dreimal bei Aktenzeichen XY … ungelöst ausgestrahlt, ohne jedoch entscheidende Hinweise von Zuschauern zu erhalten.vgl. o. V.: 40 Hinweise nach TV-Fahndung zu Missbrauch von Jungen. In: Die Welt. 7. August 2009, S. 30.
Die Polizei ging rund 7800 Hinweisen nach, ohne dass es dabei zu einem Durchbruch kam. Im August 2010 meldete sich ein Zeuge bei der Polizei, der im Internet eine alte Dokumentation zur Mordserie gesehen hatte, die bei ihm eine Erinnerung weckte. Er gab an, bei einem frühmorgendlichen Jogginglauf in der Nähe des Entführungsortes den Täter zusammen mit dem Opfer Dennis Klein im Auto auf einem Waldweg gesehen zu haben, woraufhin eine sogenannte Situationsskizze angefertigt und am 10. Februar 2011 veröffentlicht wurde.
Festnahme