Simmersbach (mundartlich Sömmaschbuch) ist ein Ortsteil der Gemeinde Eschenburg im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geografische Lage Simmersbach liegt im Nordosten des Lahn-Dill-Kreises, direkt an der Grenze zum Landkreis Marburg-Biedenkopf. Umgeben ist der Ort von Ausläufern des Rothaargebirges im Nordwesten und dem Gladenbacher Bergland im Osten. Er liegt im Tal des Simmersbachs, einem Zufluss der Dietzhölze.
Die angrenzenden Orte sind, von Norden im Uhrzeigersinn beginnend: Roth (Gemeinde Eschenburg), Oberhörlen (Gemeinde Steffenberg), Lixfeld (Gemeinde Angelburg), Hirzenhain, Eiershausen und Eibelshausen (alle Gemeinde Eschenburg).
Nordwestlich des Ortes erhebt sich der Staffelböll (536 m ü.NN), südöstlich der Hornberg (570 m ü.NN) und der Mattenberg (577 m ü.NN). Nordöstlich befindet sich der Galgenberg (541 m ü.NN).
800px|zentriert|Simmersbach, Ansicht aus Südost
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Simmersbach erfolgte unter dem Namen Symmersbach im Jahr 1323.
In dem landwirtschaftlich orientierten Dorf versuchte man sich Ende des 18. Jahrhunderts die wenigen vorhandenen Bodenschätze nutzbar zu machen und so wurde unterhalb des Hornbergs eine Schiefergrube mit dem Namen Grube Wolfsschlucht eröffnet.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Simmersbach:
Mit dem Aufblühen der Industrie ab Ende des 19. Jahrhunderts wandten sich die Simmersbacher mehr und mehr von der für sie inzwischen unrentablen Landwirtschaft ab und fanden Arbeit in den Hütten und Fabriken des nahen Dietzhölz- oder Dilltals. So wurde aus dem einstigen Bauerndorf eine Wohngemeinde.
Bis zum Ende des Deutsch-deutschen Krieges 1866 war Simmersbach jahrhundertelang ein Grenzort zwischen dem Herzogtum Nassau und seinen Vorläuferstaaten und dem Großherzogtum Hessen und dessen Vorläufern. Simmersbach war der letzte Ort auf hessischer Seite. In diesem Kontext steht auch die Geschichte der Philippsbuche (siehe unten). Bis zur Gebietsreform in Hessen 1974 spiegelte sich das noch in den Kreisgrenzen wieder. Bis zur endgültigen Grenzziehung im Jahre 1668 beanspruchte Nassau sogar ein Teil des heutigen Ortsgebiets, während die hessischen Ansprüche über den Ort hinaus bis an die Siedlungen von Eibelshausen und Mandeln reichten. Die Grenze von 1668 existiert heute noch als Gemarkungsgrenze zwischen Simmerbach und Eibelshausen.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Simmersbach zusammen mit seinem Nachbarort Roth, die bis dahin zum Landkreis Biedenkopf gehörten, kraft Landesgesetz dem Dillkreis zugeordnet und mit den Gemeinden Eschenburg, Hirzenhain zur Großgemeinde Eschenburg zusammengeschlossen. Die Inkraftsetzung erfolgte zum 1. Juli 1974 durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt. Für alle sechs Ortsteile von Eschenburg wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Simmersbach angehört(e):
vor 1567 Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Grund BreidenbachDie Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breitenbach (Obergericht; Gericht Lixfeld) ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Blankenstein ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Oberhessen, Amt BlankensteinNeuste Länder und Völkerkunde, Band 22, S. 416, Weimar 1821 ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GladenbachAb 1923 Trennung von Justiz (Landgericht Gladenbach) und Verwaltung. Bis 1823 Patrimonialgericht Grund Breidenbach. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Dillkreis, Gemeinde EschenburgAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Gemeinde Eschenburg. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Eschenburg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Eschenburg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Simmersbach 1275 Einwohner. Darunter waren 30 (2,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 243 Einwohner unter 18 Jahren, 564 zwischen 18 und 49, 258 zwischen 50 und 64 und 216 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 456 Haushalten. Davon waren 90 Singlehaushalte, 120 Paare ohne Kinder und 198 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 84 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 309 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • Um 1480: 18 nassauische Eigenleute • 1577: 29 Hausgesesse • 1630: 23 Hausgesesse (2 zweispännige, 14 einspännige Ackerländer, 7Einläuftige [einschließlich Witwen]) • 1677: 21 Männer, 2 Witwen, 2 Jungmannschaften, 8 ledige Mannschaften • 1742: 48 Haushalte • 1791: 320 Einwohner • 1800: 323 Einwohner • 1806: 364 Einwohner, 63 Häuser • 1829: 369 Einwohner, 63 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 369 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1885: 428 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 905 evangelische (= 93,88 %) und 49 katholische (= 5,08 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1867: Erwerbspersonen: 67 Landwirtschaft, einer Forstwirtschaft, vier Bergbau und Hüttenwesen, 18 Gewerbe und Industrie, vier Verkehr, eine Erziehung und Unterricht, eine Kirche und Gottesdienst, drei Gemeindeverwaltung • 1961: Erwerbspersonen: 218 Land- und Forstwirtschaft, 265 produzierendes Gewerbe, 31 Handel und Verkehr, 29 Dienstleistungen und sonstiges.
Die Philippsbuche mini|Ableger der Philippsbuche Im Jahr 1552 kehrte Landgraf Philipp von Hessen aus fünfjähriger Gefangenschaft zurück in seine Heimat und betrat am 10. September am Staffelböll erstmals wieder hessischen Boden. Wenige Jahre später pflanzten die Simmersbacher zum Gedenken daran an dieser Stelle eine Buche, die so genannte Philippsbuche. 1910 wurde unter dem Baum ein Denkmal errichtet. Vier Hauptäste ragten ursprünglich aus dem Hauptstamm heraus und wurden gerne als Symbol für die vier Söhne Philipps angesehen.
1963 musste die mittlerweile 400-jährige Buche gefällt werden, da sie abgestorben war. Aus einem Ableger von ihr wurde aber ein neuer Baum gepflanzt. Die Philippsbuche wurde zwischenzeitlich zum Naturdenkmal erklärt und ist bis heute ein beliebtes Wanderziel.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Dorfgemeinschaftshaus und Feuerwehrhaus Simmersbach verfügt über ein Dorfgemeinschaftshaus und einen Sportplatz mit Kunstrasenbelag.
Außerhalb des Ortes in Richtung Oberhörlen befindet sich das kleine Gewerbegebiet Streitwasser.
Verkehr Die Bundesstraße 253 (Dillenburg–Frankenberg) führt als Ortsumgehung direkt an Simmersbach vorbei. Bis zur Autobahn 45 (Anschlussstelle Dillenburg) sind es etwa 13 km.
Bildung In Simmersbach gibt es einen Kindergarten und eine Grundschule. Weiterführende Schulen können in Eibelshausen (Kooperative Gesamtschule) oder Dillenburg (Gymnasium) besucht werden.
Weblinks
Ortsteil Simmersbach. In: Webauftritt der Gemeinde Eschenburg.
Simmersbach – Natur und Tierwelt am Rande des Rothaargebirges
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Lahn-Dill-Kreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Lahn-Dill-Kreis) Kategorie:Geographie (Eschenburg) Kategorie:Ersterwähnung 1323 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974