Hans Kleinschmidt (* 18. Juni 1885 in Elberfeld; † 4. Januar 1977 in Bad Honnef) war ein deutscher Kinderarzt und Hochschullehrer.
Leben Kleinschmidt studierte an der Albert-Ludwigs-Universität Medizin und wurde 1904 Mitglied des Corps Rhenania Freiburg.Kösener Corpslisten 1960, 35/702. Der Richter Eduard Kleinschmidt war sein Bruder. 1909 wurde er Assistenzarzt in der Kinderabteilung der Medizinischen Universitätsklinik Marburg. Dort lernte er Emil von Behring kennen und bewundern. 1913 habilitierte er sich und ging an die Charité zu Adalbert Czerny, wo er 1918 zum Professor ernannt wurde. Seine Forschungsarbeit konzentrierte sich hier auf die Säuglingsernährung. In diesem Zusammenhang gab er zusammen mit Czerny die Buttermehlnahrung bekannt, welche Czerny-Kleinschmidtsche Nahrung benannt wurde. In dieser Zeit wurden auch seine Studien über Harnwegsinfekte veröffentlicht und damit der Begriff Pyurie geprägt. 1919 wurde er Leiter des Kinderkrankenhauses in Berlin-Weißensee.
1920 erhielt er mit 35 Jahren einen Ruf als außerordentlicher Professor an die Universität Hamburg. 1924 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor und Direktor der Hamburger Universitätskinderklinik. 1931 folgte er dem Ruf an die viel größere Klinik in Köln. Als sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, fand sie eine provisorische Bleibe auf der Rheininsel Nonnenwerth. Kleinschmidt beantragte am 10. Juli 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.195.668).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/20721116 Von 1939 bis 1942 war er an der Universität zu Köln Prorektor.
Den Ruf an die Charité wollte er zugunsten Kölns nicht annehmen, kam aber auf dem Heimweg zwischen die von Westen und Osten anrückenden Fronten und kehrte deshalb nach Berlin zurück. Dort fungierte er von 1944 bis 1945 als Direktor der Universitätskinderklinik an der Berliner Charité. Bei dem Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen Karl Brandt war Kleinschmidt ab 1944 noch Angehöriger des wissenschaftlichen Beirates.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 315.
1946 übernahm er den verwaisten Lehrstuhl der Georg-August-Universität Göttingen. Er trieb den Neubau voran, veranstaltete den ersten Nachkriegskongress der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und betrieb die Wiederbegründung der Deutschen Vereinigung für die Fürsorge des Kindesalters.
Nach der Emeritierung 1953 zog sich Kleinschmidt zurück und kümmerte sich um die Prävention von Tuberkulose und Poliomyelitis. Er wohnte zuletzt in Bad Honnef und wurde dort auf dem Neuen Friedhof beigesetzt.Honnefer Volkszeitung, 15. Juni 1955, S. 3 (zeitpunkt.nrw)Honnefer Volkszeitung, 9. Januar 1977, S. 2/4 (zeitpunkt.nrw)Grabstein der Familie Hans Kleinschmidt auf dem Neuen Friedhof in Bad Honnef, Wikimedia Commons
Am 26. September 2025 wurde Kleinschmidt die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin wegen seiner aktiven Unterstützung des NS-Regimes aberkannt.
Forschung Seit seiner Marburger Bekanntschaft mit Emil von Behring widmete sich Kleinschmidt besonders der Bakteriologie, Serologie und Immunologie. Die Säuglingsernährung, Ernährungstherapie, die Behandlung von Infektionskrankheiten (Diphtherie, Poliomyelitis, Scharlach, Keuchhusten und Tuberkulose) und die Hämatologie, der Diabetes mellitus und nephrotische Syndrome waren andere Schwerpunkte seiner Arbeit.
Wie schon 1933 in Köln gründete er auch in Göttingen eine heilpädagogische Abteilung.
Ehrungen Senatsmitglied der Leopoldina (Mitglied der Leopoldina seit 1933) Ehrenmitglied vieler europäischer und amerikanischer Fachgesellschaften (u. a. Robert-Koch-Institut, Deutsche Tuberkulose-Gesellschaft, Interstate Postgraduate Medical Association of North America) Dr. med. h. c. der Universitäten Hamburg, Köln und Berlin Offizierskreuz Al Mérito Bernardo O’Higgins-Orden Chile 1955: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 1956: Emil-von-Behring-Preis der Philipps-Universität Marburg 1962: Albrecht-von-Haller-Medaille der Universität Göttingen 1966: Paracelsus-Medaille 1967: Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik DeutschlandVerleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland auf recht.nrw.de, S. 11
Veröffentlichungen Nachfolger von Emil Feer als Herausgeber des Lehrbuchs für Kinderheilkunde Mitherausgeber von Kinderärztlichen Praxis und Monatsschrift für Kinderheilkunde 300 Publikationen
Literatur
Kleinschmidt, Hans. In: Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, , S. 942.
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Pädiater Kategorie:Hochschullehrer (Universität Hamburg) Kategorie:Hochschullehrer (Universität zu Köln) Kategorie:Hochschullehrer (Georg-August-Universität Göttingen) Kategorie:Prorektor einer Universität in Deutschland Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Träger der Paracelsus-Medaille Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:Absolvent der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1885 Kategorie:Gestorben 1977 Kategorie:Mann