mini|Alfred W. Lawson Alfred William Lawson (* 24. März 1869 in London; † 29. November 1954 in San Antonio) war ein US-amerikanischer Baseballspieler und -manager, Luftfahrtpionier, Autor, Erfinder einer vorgeblich allumfassenden Wissenschaft und Religionsgründer. Er gilt als wissenschaftlicher ExzentrikerCarl Sifakis: Lawson, Alfred William (1869–1954). In: Ders.: American Eccentrics. New York 1984, ISBN 0-87196-788-X, S. 223–226 (PDF; 26,3 MB).Elmar Schenkel: Das unerbittliche Gesetz von Sog und Druck. Alfred William Lawson. In: Ders.: Die elektrische Himmelsleiter. Exzentriker in den Wissenschaften. München 2005, S. 149–152. und wurde als der „Leonardo da Vinci der Spinner“„Leonardo da Vinci of kooks“; unter anderem zit. in Charles J. Adams: Tales from Baseballtown. Reading (PA) 2006, S. 22. bezeichnet.

Von 1887 bis 1908 war Lawson Baseballprofi und Betreiber mehrerer Klubs und Ligen. Anschließend war er einer der Pioniere der Verkehrsluftfahrt und Luftfahrt-Publizistik, scheiterte letztendlich aber wirtschaftlich mit seiner zwischen 1908 und 1928 betriebenen Tätigkeit als Flugzeugkonstrukteur und Betreiber einer Fluggesellschaft. Lawson schrieb mehr als 50 Bücher, darunter den obskuren Science-Fiction-Roman Born again. In den frühen 1930er Jahren gründete er eine Massenbewegung namens „Direct Credits Society“, allerdings ohne bleibenden Erfolg. Lawson entwickelte ein höchst eigenwilliges allumfassendes Wissenschaftsmodell namens „Lawsonomie“, das im Wesentlichen auf dem „Saug und Druck“-Prinzip („Suction and Pressure“) basiert. 1943 gründete er die „University of Lawsonomy“, 1948 die „Lawsonian Religion“.

Leben Kindheit und Jugend mini|Alfred W. Lawson (1883) Die Vorfahren des in England geborenen Lawson hatten schottische und skandinavische Wurzeln. Er selbst war das sechste von neun überlebenden Kindern von Robert Henry und Mary Anderson Lawson. Lawson zufolge hatte sein Vater in Oxford studiert und war Maschinenbauingenieur, Erfinder sowie Prediger. In seiner Jugend soll sein Vater darüber hinaus ein erfolgreicher Shakespeare-Schauspieler gewesen sein.Vgl. Cy Q. Faunce: The Airliner and Its Inventor. Alfred W. Lawson. Columbus (OH) 1921, S. 133. Unabhängige Belege dafür ließen sich allerdings nicht finden.Lyell D. Henry: Zig-zag-and-swirl. Alfred W. Lawson’s quest for greatness. Iowa City 1991.

Seine Geburt, so Lawsons erster Biograph Cy Q. Faunce, „war das bedeutendste Ereignis seit der Geburt der Menschheit.“Zit. n. Martin Gardner: Fads and fallacies in the name of science. Mineola (NY) 1957, S. 72; deutsche Übersetzung von Benutzer:Tvwatch. Bei dieser Bewertung muss allerdings einschränkend angemerkt werden, dass sich hinter dem Pseudonym wahrscheinlich Lawson selbst verbarg, als er seine eigene Lebensgeschichte schrieb. Der Name „Cy Q. Faunce“ selbst ist ein Wortspiel: „Sycophancy“ ist das englische Wort für „Kriecherei“ oder „Schmeichlerei“.

Lawsons Eltern wanderten nach Kanada aus, als dieser drei Wochen alt war. 1874 zog die Familie dann in die USA nach Detroit, Michigan, wo die Familie sich auf einer kleinen Farm außerhalb der Stadt niederließ. Dort begann Lawson, wie er selbst schreibt, mit drei Jahren Naturrecht zu studieren, indem er „Kartoffelkäfer von den Pflanzen sammelte.“ Mit vier Jahren machte er seine erste physikalische Entdeckung: Wenn er die Lungen zum Ansaugen benutzte, bewegte sich der Staub auf ihn zu. Wenn er dagegen mit dem Druck seiner Lungen den Staub in seinem Schlafzimmer aufwirbelte, entfernte sich dieser von ihm.Martin Gardner: Zig-zag-and-swirl. In: Ders.: Fads and fallacies in the name of science. Mineola (NY) rev. ed. 1957, S. 69–79. Dies von ihm „Saug-und-Druck“ („Suction and Pressure“) genannte Prinzip sollte später eines der fundamentalen Elemente der „Lawson-Physik“ bilden.

Später zog die Familie in die Stadt Detroit, wo Vater Lawson einen Kleinbetrieb für Flickenteppiche betrieb. Lawson half im Betrieb seines Vaters, jobbte als Schuhputzer und Zeitungsverkäufer. Die Grundschule besuchte er bis zu seinem zwölften Lebensjahr. Dann beendeten erhebliche Probleme mit den Lehrern seine schulische Ausbildung für immer. Lawson lief von zu Hause fort und kehrte erst zwei Jahre später zu seinen Eltern zurück. Später absolvierte er noch einen industriellen Ausbildungskurs in einer Mantelnäherei, unterbrochen von einem weiteren Ausreißunternehmen. Bei seinen Herumtreibereien scheint Lawson hauptsächlich als Hobo auf Güterzügen durchs Land gereist zu sein. Eine in mehreren seiner Bücher veröffentlichte Zeichnung zeigt ihn im Fahrtwind einer dahinrasenden Lokomotive. Die Bildunterschrift lautet: „Alfred Lawson studiert den Luftwiderstand auf sich bewegenden Körpern.“Abbildung in: Lyell D. Henry: Zig-zag-and-swirl: Alfred W. Lawson’s quest for greatness. Iowa City 1991, S. 11 (Abbildung online).

Baseball-Jahre Als Pitcher mini|Alfred W. Lawson (1890) Durch Zufall wurde 1887 Lawsons Talent für Baseball entdeckt und er spielte bis 1889 als Baseballprofi in insgesamt fünf Mannschaften selbständiger regionaler Ligen („Farmteams“) in den Bundesstaaten Indiana, Illinois und Wisconsin, die sich das außergewöhnliche Pitcher-„Phänomen“ Lawson jeweils abgeworben hatten. Nach einer fulminanten Wintersaison in St. Augustine (Florida) wurde er 1890 von der Mannschaft von Wilmington (Delaware) für die kurzlebige Minor League Atlantic Association engagiert, wo er allerdings versagte. Dennoch wurde er noch 1890 nacheinander von zwei Clubs der National League verpflichtet: Boston und Pittsburgh. Nach drei Niederlagen innerhalb von 20 Tagen war seine Karriere in der Major League, der höchsten amerikanischen Spielklasse, aber auch schon wieder beendet.Siehe Eintrag auf baseball-reference.com. Bis 1894 spielte Lawson noch gelegentlich in verschiedenen Minor Leagues.

Tourneeveranstalter Lawson arbeitete 1890 kurz als Manager in der Minor League und bildete für die Florida-Wintersaison dann ein eigenes Team, dem unter anderem die spätere Baseball-Legende John McGraw angehörte. Nach Ende der Saison setzte er mit der in „Al Lawson’s American All-Stars“ umbenannten Truppe nach Kuba über, wo sie aber alle Spiele bis auf eines verloren und ohne jeden Gewinn zu machen nach Key West zurückkehrten. Von dort an mussten sie sich die Weiterreise erst durch weitere Spiele verdienen. Mit einer stark geschrumpften Mannschaft blieb Lawson zunächst im warmen Florida, konnte den Spielern aber vertraglich nicht mehr als „Verpflegung, die Rasier- und Waschkosten sowie eine Zigarre pro Woche“ zusichern.Zit. n. Lyell D. Henry: Zig-zag-and-swirl. Alfred W. Lawson’s quest for greatness. Iowa City 1991, S. 30; siehe auch Charles C. Alexander: John McGraw. Viking, New York 1988, S. 17–19, 28. Nachdem 1892 eine England-Tournee mit einem New-York-Amateurteam gescheitert war und mit Lawsons Flucht geendet hatte, versuchte er 1892/93 eine „Welttournee“ zu organisieren, die ihn über Südafrika, Australien, Neuseeland nach Honolulu führte. Die dortigen Baseballverbände, durch einen Bericht der Zeitschrift Sporting Life über Lawson informiert, reagierten ablehnend, was Lawson so erregte, dass er den Sporting Life-Autor als „bösartigen und verächtlichen Lügner, dem die Galle bis zum Hals steht, einen jämmerlichen Hund, einen kriechenden krabbelnden Halunken feigster Art“ beschimpfte.Jerry Kuntz: . In: morefiends.typepad.com, 5. Februar 2010, abgerufen am 25. Oktober 2019; deutsch von Benutzer:Tvwatch. Damit war auch dies Unternehmen gescheitert, sodass der völlig abgebrannte Lawson sich die Rückreise als Seemann auf einem Frachter verdienen musste.

1895 organisierte er dann eine weitere Tournee nach Großbritannien und Frankreich. Dafür stellte er eine Mannschaft aus angeblichen Amateuren zusammen, die laut Lawson früher für die Universitäten Harvard, Yale und Princeton gespielt haben sollen. In der Mannschaftsaufstellung erscheint auch ein Spieler namens George Anderson, der laut Lawson in der Mannschaft der Universität von Ann Arbor war. Dahinter verbarg sich in Wirklichkeit sein Bruder George H. Lawson (1864–1927), der sich auch im Baseballgeschäft betätigte,George Lawson. In: baseball-reference.com, abgerufen am 25. Oktober 2019; . In: morefiends.typepad.com, November 2009 (Textsammlung zu Lawson, englisch). später als Hypnotiseur „Professor Lawson Hermann“, Wunderheiler und Prediger aktiv war und zahllose Gefängnisstrafen wegen Trunkenheit sowie Gewalttätigkeiten verbüßen musste. Noch ein weiterer Lawson-Bruder war im Baseballgeschäft: Alexander J. Lawson, unter anderem Präsident der kurzlebigen Western Pennsylvania League, der den charakteristischen Spitznamen „Runaway Alex“ führte.Jerry Kuntz: George H. Lawson. The Rogue Who Tried to Reform Baseball. In: The Baseball Research Journal. 37 (2008), S. 42–50.

Auch Lawsons EuropatourEin Spiel in London wird beschrieben in Richard George Knowles, Richard Morton: Baseball. London 1896, S. 36 ff. brach innerhalb von zwei Wochen wegen mangelnder Einnahmen zusammen. Al Lawson reiste überstürzt ab und ließ seine Spieler ohne Hotelgeld zurück. Danach war er weiter als Manager im Baseballgeschäft aktiv. Ab 1900 gründete Lawson selbst mehrere Klubs und Baseball-Ligen.Siehe beispielsweise den Artikel The Brooklyn Bandits auf covehurst.net. 1908 schließlich scheiterte er beim Versuch, mit der „Union League“ eine eigene Major League aufzubauen und verabschiedete sich aus dem Baseballgeschäft.Siehe auch William J. Wagner: D.C. Had Baseball Times Two; One Spring, 2 Leagues Played With Senators. In: The Washington Post. 26. März 1989.

Einordnung in die Baseballgeschichte Lawsons Einfluss auf die amerikanische Baseballgeschichte wird insgesamt als marginal eingeschätzt. Seine Rolle bei der Entwicklung des „Nachtbaseballs“ ist umstritten. Er war wahrscheinlich zwar nicht dessen Erfinder, spielte aber zumindest eine maßgebliche Rolle bei der 1901 begonnenen Einführung mittels transportabler elektrischer Flutlichtanlagen.David Pietrusza: Lights On! The Wild Century-Long Saga of Night Baseball. Scarecrow Press, Lanham (MD) 1997, 24 f.

Dennoch waren diese Jahre wichtig für Lawsons Entwicklung. Persönlich profitierte er von dem aufkommenden Ruhm der Baseballprofis als „amerikanische Helden“. Er lernte ferner, größere Organisationen aufzubauen, zu führen und zu vermarkten. Daneben ließ ihm seine Betätigung ausreichend Zeit, die Welt kennenzulernen und seinen privaten Studien nachzugehen. So gründete er nach eigenen Angaben in dieser Zeit in Buffalo ein „College für Phonographie“, an dem er selbst eine eigens entwickelte Kurzschrift unterrichtet haben will.

Science-Fiction-Autor mini|Born again (1904) Die Baseballjahre hatte Lawson nicht nur korrumpiert, sondern auch gesundheitlich angeschlagen. Er rauchte, trank und litt unter Zahnausfall. In einer, wie er schreibt, „übermenschlichen Anstrengung“ befreite er sich mit Ende zwanzig von diesen Lastern.

Resultat dieser inneren Umkehr war 1904 die Veröffentlichung des auch auf Deutsch erschienenen Science-Fiction-Romans Born again,Alfred William Lawson: Born again. 1904; deutsch: Wieder geboren. Lotus-Verlag, Leipzig 1905 (siehe J. C. Hinrichs’ Fünfjahrs-Katalog der im deutschen Buchhandel erschienenen Bücher, Zeitschriften, Landkarten. Band 11: 1901–1905. Leipzig 1906, S. 840). der als „eines der schlechtesten fiktionalen Werke, die je gedruckt wurden“,Zit. n. Martin Gardner: Fads and fallacies in the name of science. Mineola (NY) 1957, S. 73; deutsche Übersetzung von Benutzer:Tvwatch. gilt. Der Inhalt des Buches in Kürze: