Krnov (deutsch Jägerndorf, oder Karniów, ) liegt im tschechischen Teil Schlesiens und ist die größte Stadt im Okres Bruntál (Freudenthal). mini|Jägerndorf nordwestlich von Troppau und westlich von Ratibor auf einer Landkarte von 1910

Geographie Die Stadt liegt in der Region Mährisch-Schlesien (Moravskoslezský kraj) an der Grenze zu Polen und am Zusammenfluss der Opava (Oppa) und Opavice (Goldoppa) im Niederen Gesenke, zu Füßen des Burgberges (Přední Cvilínský kopec, im Volksmund Cvilín). Die Stadt befindet sich im Zuckmanteler Bergland (Oppagebirge), ihr südliches Šelemburk (Schellenberg), Cvilín (Burgberg), Mariánské Pole (Marienfeld), Flugplatz sowie westliches Stadtgebiet Kostelec (Weisskirch), Ježník (Mösnig) am Niederen Gesenke und das südöstlich gelegene Červený Dvůr (Roter Hof) am Leobschützer Lößhügelland. Durch die Stadt führt die Fernstraße 45 zum an der Ortsgrenze liegenden Grenzübergang nach Polen und nach Süden nach Bruntál (Freudenthal). Auch die internationale Bahnstrecke Ostrau – Breslau verläuft durch Krnov. mini|Karte von Jägerndorf um 1730 mini|Rathaus und Sparkassengebäude mini|Hauptplatz mit Pfarrkirche St. Martin mini|Hof des Schlosses mini|hochkant=0.7|Liechtensteinwarte auf dem Burgberg Cvilín

Stadtgliederung Krnov gliedert sich in die drei Stadtteile Krásné Loučky (Schönwiese), Pod Bezručovým vrchem (Unter dem Hanselberg) und Pod Cvilínem (Unter dem Burgberg) und zugleich in die drei Katastralgebiete Krásné Loučky (Schönwiese), Krnov-Horní Předměstí (Jägerndorf-Ober Vorstadt), Krnov-Opavské Předměstí (Jägerndorf-Troppauer Vorstadt).

Außerdem gibt es die Katastralgemeinden Horní Předměstí (Ober Vorstadt), Hlubčické Předměstí (Leobschützer Vorstadt), Opavské Předměstí (Troppauer Vorstadt), Guntramovice (Güntersdorf), Chomýž (Komeise), Chařová (Krotendorf), Mariánské Pole (Marienfeld), Ježník (Mösnig), Červený Dvůr (Roter Bau) und Kostelec (Weißkirch).

Geschichte Entstehungszeit Die Gegend wurde erstmals in der Steinzeit besiedelt, etwa um 3000 v. Chr. Eine solche Siedlung befand sich auf dem Burgberg. Im 12. und 13. Jahrhundert riefen böhmische Herzöge und Könige Deutsche als Bauern, Bergleute, Handwerker, Kaufleute und Künstler ins Land, um von ihnen die bis dahin wegen der Mongolenüberfälle nur sehr dünn besiedelten Randgebiete erschließen und kultivieren zu lassen. Auch Juden und vereinzelt Walachen kamen damals ins Land. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes als Völkisch Kyrnow stammt aus einer Urkunde des Königs Wenzel I. von 1240. Die Bezeichnung Jegerdorf wurde 1253 im Zusammenhang mit der Erwähnung des ersten Vogts Siegfried gebraucht. In den Urkunden des Mittelalters findet sich auch der lateinische Name Carnovia.

Um 1269 gelangte das zu Mähren gehörende Jägerndorf an den außerehelichen Sohn des böhmischen Königs Ottokar II., Nikolaus I. von Troppau, den Begründer des Herzogtums Troppau. 1273 gründete der Minoritenorden in Jägerndorf ein Kloster, das sich in der Folgezeit zu einem bedeutenden Zentrum des Ordens entwickelte und bis weit in den osteuropäischen Raum (Litauen, Belarus, Ukraine) ausstrahlte. 1281 ließ sich zudem der Deutsche Orden in Jägerndorf nieder. Zu welchem Zeitpunkt der Ort Jägerndorf die Stadtrechte erhielt, ist nicht überliefert, jedoch wurden sie 1279 durch die Regentin Kunigunde, die Witwe des böhmischen Königs Ottokar II. bestätigt. Das älteste Stadtwappen stammt von 1311 und zeigt drei goldene Jagdhörner und drei silberne Sterne auf blauem Grund. Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden die ersten Handwerksbetriebe, die Leinen und Tuche herstellten und damit eine noch andauernde Tradition begründeten. Erstmals 1335 wurde ein Schöffengericht in der Stadt nachgewiesen, das auch die Blutgerichtsbarkeit besaß. Mit Peter Vogt wurde 1371 zum ersten Mal ein Bürgermeister urkundlich erwähnt. Nach dem Tod des Troppauer Přemysliden Nikolaus II. wurde das Herzogtum Troppau 1367 auf dessen Söhne Přemysl I., Nikolaus III., Wenzel I. und Johann I. aufgeteilt. Johann I. erhielt vorab als Alleinerbe das Herzogtum Ratibor, wodurch er Stammvater der přemyslidischen Linie Troppau-Ratibor wurde. 1377 wurde das Herzogtum Troppau wiederum geteilt, wobei Johann I. das Gebiet von Jägerndorf erhielt, das zum eigenständigen Herzogtum Jägerndorf erhoben wurde und zu dem auch die Herrschaft Freudenthal gehörte. In der Folge wechselten die Besitzer häufig, mehrfach verbunden mit kriegerischen Auseinandersetzungen. 1474 wurde die Stadt von Truppen des Gegenkönigs Matthias Corvinus erobert und niedergebrannt.

Unter den Hohenzollern Am 14. Mai 1523 erwarb Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach aus dem Hause Hohenzollern das Herzogtum Jägerndorf von seinem bisherigen Besitzer Herzog Georg von Schellenberg für 58.900 Ungarische Gulden. Georg führte schon bald die Reformation ein und säkularisierte unter anderem das Minoritenkloster, ohne auf Widerstand der Bevölkerung zu stoßen. Jedoch brüskierte er den ansässigen tschechischen Adel, indem er die wichtigen Ämter mit Deutschen besetzte und das Mährische Landrecht aufhob. Neben anderen Befestigungen zur Türkenabwehr ließ der Markgraf auch die Stadt Jägerndorf durch eine starke Stadtmauer und mächtige Stadttore schützen. Auch das Schloss Jägerndorf wurde in die Befestigungsanlagen einbezogen. Zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse wurden die Straßen der Stadt gepflastert. Als Markgraf Georg durch den Erwerb weiterer Besitzungen in Schlesien seine Macht ausweitete, stieß er auf den Widerstand der Habsburgermonarchie. So konnte er für seine Nachfolge nur für Jägerndorf ein unbeschränktes Erbrecht durchsetzen. Unter seinem Sohn Georg Friedrich, dem von 1557 bis 1603 Jägerndorf gehörte, kam es 1570 durch die Einführung der tschechischen Sprache im Gerichtswesen gleichberechtigt neben dem Deutschen zu einer Befriedung des tschechischen Adels. Zwischen 1558 und 1564 setzten die Pest und zahlreiche Brände der Stadt erheblich zu. Da Georg Friedrich keine direkten Nachkommen hatte, vermachte er das Jägerndorfer Herzogtum dem Brandenburger Kurfürsten Joachim Friedrich. Dessen Sohn Johann Georg war Oberbefehlshaber der Truppen des pfälzischen „Winterkönigs“ Friedrich V., weshalb seine böhmischen Besitzungen nach der Schlacht am Weißen Berg vom Kaiser Ferdinand II. konfisziert wurden. Am 15. März 1623 übertrug der Kaiser das Herzogtum Jägerndorf seinem treuen Anhänger Karl I. von Liechtenstein, dem bereits seit 1613 das Herzogtum Troppau gehörte. Er vereinte die beiden Herzogtümer zum Herzogtum Troppau-Jägerndorf und führte die Rekatholisierung der Untertanen durch. Seine Nachkommen blieben bis zur Enteignung 1945 im Besitz ihrer böhmischen Ländereien.

Die regierende Herzöge aus dem Hause Hohenzollern waren:

Georg der Fromme (1541–1543), regierender Fürst von Ansbach und Kulmbach Georg Friedrich (1539–1603), regierender Fürst von Ansbach und Kulmbach und Herzog von Preußen Joachim Friedrich (1603–1606), auch Herzog von Preußen und Kurfürst von Brandenburg Johann Georg (1606–1621), Herzog von Jägerndorf

Österreichisch-Schlesien Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten und plünderten nacheinander die Dänen, Wallenstein und die Schweden die Gegend. Ein Großbrand zerstörte 1706 weite Teile von Jägerndorf, unter anderem auch das Minoritenkloster. 1740 berief sich König Friedrich II. auf alte hohenzollerische Rechte am Herzogtum Jägerndorf und nahm dies unter anderem zum Anlass, Schlesien zu erobern. Nach dem Vorfrieden von Breslau, der 1742 den Ersten Schlesischen Krieg beendete, blieb zwar das Herzogtum Jägerndorf bei Österreich, verlor allerdings Gebiete um Leobschütz und jenseits der Oppa an Preußen. Die Stadt Jägerndorf wurde zur Grenzstadt. Im Bayerischen Erbfolgekrieg kam es 1778 zwischen den Preußen und den Österreichern nahe der Stadt zum Scharmützel von Weißkirch. mini|Rieger-Orgelfabrik Mit dem Aufbau der Zentralverwaltung für Österreichisch-Schlesien in Troppau verlor Jägerndorf ab 1793 stark an Bedeutung. Mit der Einführung der österreichischen Reichsverfassung von 1849 erlosch das Herzogtum Jägerndorf. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Jägerndorf jedoch zu einem bedeutenden Industriezentrum. Dies wurde begünstigt durch den Bau der Mährisch-Schlesischen Centralbahn, durch die die Stadt sowohl mit Breslau als auch mit der Nordbahn Wien–Krakau verbunden wurde. Außerdem kreuzte sich dort die Strecke mit der Oberschlesischen Bahn mit Verbindungen nach Ratibor in Schlesien und Olmütz in Mähren. Die Produkte der 27 Betriebe der Jägerndorfer Tuchindustrie waren weltberühmt. Ebenfalls Weltruf erlangte die von Franz Rieger gegründete Firma Rieger Orgelbau (zwischen 1947 und 2018: Rieger-Kloss). Hinzu kamen mehrere Maschinenfabriken, darunter ein großes Webstuhl- und Webereimaschinenwerk.

mini|Rudolf Heeger war Abgeordneter aus Jägerndorf im Prager Parlament

1918–1939 Einen Tag vor der Ausrufung der Tschechoslowakei am 28. Oktober 1918 wurde die mehrheitlich deutsch besiedelte Stadt von der Tschechoslowakischen Armee besetzt. Mit der Etablierung der tschechoslowakischen Administration erhielt die Stadt die offizielle Ortsbezeichnung Krnov und wurde zum Verwaltungszentrum des gleichnamigen Bezirkes.

Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre führte zum Niedergang zahlreicher Betriebe der Stadt. Am 1. Dezember 1930 lebten dort 23.464 Einwohner, davon 90 Prozent Deutsche. Im Vollzug des Münchner Abkommens besetzten im Oktober 1938 deutsche Truppen die Stadt. Jägerndorf wurde Sitz des gleichnamigen Landkreises. Dieser wurde im April 1939 dem neu gebildeten Reichsgau Sudetenland unterstellt und unterstand dort dem Regierungsbezirk Troppau. Bis zur Volkszählung am 17. Mai 1939 hatte sich die Bevölkerungszahl auf 25.522 erhöht.

mini|Synagoge (2018) Nachdem die Juden im 16. Jahrhundert aus dem Troppau-Jägerndorfschen Gebiet ausgewiesen worden waren, hatten sich in Jägerndorf bis 1860 wieder 17 Familien angesiedelt, die einen Kultusverein bildeten, der um 1870 aus 55 Familien bestand.Gottlieb Biermann: Geschichte der Herzogthümer Troppau und Jägerndorf. Prochaska, Teschen 1874, S. 644–646 (books.google.it). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge von SS-Angehörigen demoliert. Der jüdische Friedhof wurde ein Jahr später zerstört. Der Besitz der Jägerndorfer Juden wurde noch 1938 „arisiert“, der Bürgermeister Oskar König hatte zuvor schon eine jüdische Villa für sich beschlagnahmt. Nach 1938 wurde die Jüdische Gemeinde, die etwa 600 Mitglieder hatte, enteignet und zum Teil in Konzentrationslager verschleppt. Darunter befanden sich bedeutende Persönlichkeiten der Stadt wie die Textilhersteller Wilhelm und Jakob Bellak, die Textilhändler Geiringer und Schulhaber, der Erzeuger des Kräuterlikörs Altvater Siegfried Gessler, der Lehrer an der Staatsrealschule Siegmund Langschur, Ärzte und Juristen. Der letzte Rabbiner David Rudolfer wurde 1942 in Theresienstadt ermordet. Ungefähr 80 Prozent der jüdischen Einwohner fielen dem Holocaust zum Opfer, ein kleiner Teil konnte flüchten. Eine Rückübertragung ihres Besitzes nach dem Krieg gestaltete sich äußerst schwierig. Bei der Volkszählung 2001 bekannte sich in Krnov kein Einwohner zur jüdischen Gemeinde.Geschichte der Juden in Jägerndorf Das Synagogengebäude ist heute im Besitz des Jüdischen Gemeindebundes in Tschechien. Der jüdische Friedhof wurde in der Nachkriegszeit mehrfach geschändet und teilweise abgeräumt. 2013 wurde mit der Verlegung von „Stolpersteinen“ begonnen, die an ermordete Angehörige jüdischer Familien erinnern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg