mini|hochkant|Ludger Stühlmeyer (2005) Ludger Stühlmeyer (* 3. Oktober 1961 in Melle) ist ein deutscher Kantor, Musikwissenschaftler, Dozent und Komponist. Seit 1994 lebt er in der bayerischen Stadt Hof und ist als Stadt- und Dekanatskantor in der Region Hochfranken tätig. Sein musikalisches Werk umfasst Kompositionen für Instrumental- und Vokalmusik.

Leben Stühlmeyer stammt aus einer Musikerfamilie60 Jahre als Kirchenmusiker in Melle und im Dekanat Grönenberg, Franz Stühlmeyer (1936–2024), in: Der Grönegau : Meller Jahrbuch Band 43, Fritz-Gerd Mittelstädt (Hg.) Meinders & Elstermann, Belm 2024, , S. 141–146. und sammelte früh musikalische Erfahrungen in den Kirchen St. Matthäus und St. Petri in Melle. Den ersten Musikunterricht erhielt er von dem Pianisten und Komponisten Musikdirektor Karl Schäfer sowie Kirchenmusikdirektor Karl-Heinz Höne am Konservatorium in Osnabrück. Nach dem Abitur am Gymnasium Melle studierte er Kirchenmusik,Abschluss „mit Auszeichnung“ in den Fächern Chorleitung, Gregorianik, Gesang und Klavier. u. a. bei Wolfgang Helbich und Winfried Schlepphorst, Alte Musik (Manfred Cordes), Orgel (Harald Vogel) und Gesang (Wolfgang Büssenschütt, Elke Holzmann) an der Hochschule für Künste Bremen.Ein Hofer Königspaar. Rondeau Produktion 2012, Booklet S. 18.

Kompositionsstudien betrieb er bei Günther Kretzschmar, Karlheinz Stockhausen und Helge Jung. Gregorianische Semiologie belegte er bei Luigi Agustoni, Godehard Joppich und Johannes Berchmans Göschl. Stühlmeyer erhielt ein Stipendium der Studienstiftung des Bistums Osnabrück.

An der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster studierte er Musikwissenschaft (Axel Beer, Klaus Hortschansky), Philosophie (Fernando Inciarte, Berthold Wald) und Theologie (Arnold Angenendt, Klemens Richter). Mit dem Dissertationsthema Curia sonans wurde Stühlmeyer 2010 in Münster zum Doktor der Philosophie promoviert. Die Studie wurde von der Friedrich-Baur-Stiftung,Website der Friedrich-Baur-Stiftung der Oberfrankenstiftung und der Wolfgang-Siegel-Stiftung gefördert.

Von Mai 1980 bis September 1988 war er Kantor im Bistum Osnabrück und von Oktober 1988 bis Oktober 1994 im Bistum Münster. Seit November 1994 ist Stühlmeyer als Stadt- und Dekanatskantor in der Stadt Hof und der Region Hochfranken tätig. Zudem ist er Dozent und Mitarbeiter des Amts für Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg.Ludger Stühlmeyer auf der Website des Amts für Kirchenmusik Bamberg. Er ist Mitglied der Internationalen Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft, der Internationalen Valentin-Rathgeber-GesellschaftLudger Stühlmeyer auf der Website der Valentin-Rathgeber-Gesellschaft. und der Max-Baumann-Gesellschaft.

Ludger Stühlmeyer ist verheiratet mit der Musikwissenschaftlerin und Theologin Barbara Stühlmeyer und Vater von Lea Stühlmeyer. Der Pastoraltheologe und Pfarrer Thomas Stühlmeyer ist sein Bruder.Vita Ludger Stühlmeyers auf der Website der Marienkirche.

Wirken mini|Regionalbischof Friedrich Ostermann und Ludger Stühlmeyer in Münster (1991) Ludger Stühlmeyers Großvater Heinrich Stühlmeyer, ein „Stiller Held des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus“,Zitiert nach: Bundespräsident Johannes Rau, Berlin im April 2001. der aufgrund seines Einsatzes für die katholische Kirche und Verfolgte des „Dritten Reiches“ 1940 in das KZ-Emslandlager verbracht wurde,Die Macht der leisen Töne oder: Ein stiller Held aus Gesmold. Heimatverein Gesmold (Hrsg.), Nr. 134, März 2010. war 47 Jahre an der St.-Petrus-Kirche in Gesmold tätig gewesen. Ludger Stühlmeyer folgte ihm im Amte nach. Damit ging die Leitung der St.-Petrus-Kantorei und der Konzertreihe mit Orgelkonzerten, Kantatenaufführungen und Kammermusik einher.Franz Nieweg, Klaus Rahe, Maria Winkelmann: GESMOLD GESTERN UND HEUTE. In Bildern-Berichten-Gedichten. Gesmold 1986. In diese Zeit fiel der Bau der neuen Schwalbennestorgel (1982), integriert in die Kuppel der nach dem Vorbild erbauten römischen Basilika Santa Maria ad Martyres.

Ludger Stühlmeyers Wirken als Seelsorgebereichskantor im östlichen Münsterland entfaltete sich im Rahmen eines Projektes zur Erprobung dieses zu Beginn der 1990er Jahre neuen musikalischen Berufsprofils im Bistum Münster. Damit verband sich eine breit gefächerte Chorarbeit mit einer aus Kinderchören, einem Jugendchor, einem Chor Junger Erwachsener, Kirchenchor, Vokalensemble sowie einer Choralschola bestehenden Kantorei. Neben der in das pastorale Konzept des Pfarrverbandes eingebundenen musikbasierten Gemeindearbeit initiierte er eine im Monatsturnus stattfindende Konzertreihe sowie regionale Kirchenmusiktage für den östlichen Bezirk des Bistums Münster.Kirchenmusik aktuell, Dekanat Warendorf, Heft 5, November 1991.Ludger Stühlmeyer: Neue Wege mit Musik. In: Themenhefte 7. Bergmoser + Höller Verlag, Aachen 1991, S. 40–41, .

Zu Beginn seiner Tätigkeit in Hof begleitete er die von der Bonner Firma Orgelbau Klais durchgeführte Restaurierung der historischen Steinmeyer-Orgel der Stadtkirche St. Marien (1994/1995).Restaurierte Hofer Steinmeyer-Orgel Website der Firma Orgelbau Klais. Besonderen Wert legte er dabei auf eine stilgerechte Restaurierung des als Denkmalorgel eingestuften Instrumentes der deutsch-romantischen Epoche, von denen nur mehr wenige original und unverändert erhalten geblieben sind.

mini|hochkant|Ludger Stühlmeyer mit dem 1. Konzertmeister der Hofer Symphoniker Lorenzo Lucca in der Freiheitshalle (2023)

1995 gründete Stühlmeyer eine Konzertreihe, innerhalb derer regelmäßig Werke zeitgenössischer Komponisten uraufgeführt werden.. 2007, im 300. Todesjahr Dieterich Buxtehudes, führte er in einem Zyklus von zehn Abendmusiken sämtliche Orgelwerke und Sonaten Buxtehudes auf. Der 2013 von Stühlmeyer gegründete Kammerchor Capella Mariana besteht aus einer internationalen Besetzung von Profimusikern und ambitionierten Laien. Mit der Erarbeitung von Musikwerken des Mittelalters bis zu Aufführungen neu komponierter Kirchenmusik, widmet sich das Ensemble der gesamten Bandbreite sakraler Chorliteratur.Neue Johannespassion in der Stadtkirche St. Marien uraufgeführt. In: Heinrichsblatt, Bamberg 4. Mai 2014, S. 23.

Im Mai 2003 übernahm er von dem damaligen Bamberger Diözesanmusikdirektor und Domkapellmeister Werner Pees die Schriftleitung der Publikationsreihe Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg, die er bis 2010 innehatte.Kirchenmusik im Erzbistum Bamberg, Eintrag in der DNB. Anlässlich der EU-Erweiterung 2004 führte er gemeinsam mit der aus Cheb stammenden tschechischen Musikerin Martina Kólaròva eine Reihe von Konzerten im Rahmen des deutsch-tschechischen Kulturaustausches durch. Bei Rundfunk- und Fernsehsendungen und -übertragungen arbeitet er mit Sendern wie dem Deutschlandfunk, Radio Horeb, dem Bayerischen RundfunkSendung mit Ludger Stühlmeyer über Bernhard Lichtenberg am 31. Oktober und 3. November 2013 im BR. und dem Zweiten Deutschen Fernsehen zusammen.

Für hervorragende künstlerische und pädagogische Leistungen ernannte ihn der Allgemeine Cäcilien-Verband für Deutschland 2013 zum Musikdirektor.Website des ACV Das Kuratorium des Deutschen Liturgischen Instituts und die Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz schlugen Stühlmeyer 2015 als Kirchenmusikreferent in der Nachfolge von Prof. Matthias Kreuels vor.Quelle: Ernennungsurkunde des Deutschen Liturgischen Instituts vom 18. Mai 2015.Website der Pfarrei Bernhard Lichtenberg, Hof Im Mai 2018 bezeichnete der bayerische Ministerpräsident Markus Söder Ludger Stühlmeyer als „herausragenden Botschafter unserer Heimat“.„Mit großer Leidenschaft setzen Sie sich für zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Projekte ein und sind ein herausragender Botschafter unserer Heimat.“ Quelle: Schreiben des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder vom 5. Mai 2018 aus der Bayerischen Staatskanzlei in München.Botschafter unserer Heimat. In: Heinrichsblatt, Katholische Wochenzeitung des Erzbistums Bamberg. Nr. 28, Bamberg 12. Juli 2020.

Stühlmeyer komponiert Werke für Gesang (z. B.: Kantaten, Lieder, Messen, Motetten, Singspiele) und Instrumente. Seine Kompositionstechnik wurzelt in dem Bestreben, den Aspekt der Hörerfahrung als kommunikatives Medium erlebbar zu machen. Dabei folgt er seinem Ziel, das Wesentliche im scheinbar Einfachen fokussierend, die Aussagekraft des auf sich selbst verweisenden Klanges zu öffnen, mit der sich philosophisches Denken ebenso verbindet wie spirituelle Erlebnisfähigkeit. Seine liturgische Musik ist inspiriert von dem Wort-Ton-Verhältnis des Gregorianischen Chorals, der die Komposition als Klangleib des Wortes definiert und umsetzt. In seiner kompositorischen Arbeit realisiert er das im II. Vatikanischen Konzil verankerte Verständnis von liturgischer Musik als innersten und im Sinne des „bis orat qui cantat“„Doppelt betet, wer singt“ (Augustinus von Hippo) intensivierten Grundvollzug des christlichen Glaubens.Ein Hofer Königspaar. Rondeau Produktion 2012, Booklet S. 19. Seine Kompositionen sind beeinflusst von Personanzklängen und der Postmoderne. Seine für Kinder konzipierten szenischen Werke fördern in der Tradition seines Lehrers Günther Kretzschmar, die Postulate ganzheitlicher Pädagogik aufgreifend, die Erlebnisfähigkeit der Kinder und ihre Freude am Singen und Gestalten. In konzeptionellen Gesprächen mit dem Münsteraner Regionalbischof Friedrich Ostermann schuf er die Grundlage für eine erneuerte Rezeption der Evangelienkantate für Kinder in der Liturgie.

Werke (Auswahl)

Bücher und Schriften mini|hochkant|Ludger Stühlmeyer auf dem Cover der Zeitschrift Musica sacra (2011) Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Eine Studie zur Kultur Oberfrankens. Von der Gründung des Bistums Bamberg bis zur Gegenwart. Heinrichs-Verlag, Bayerische Verlagsanstalt, Bamberg 2010, ISBN 978-3-89889-155-4. Das Leben singen. Christliche Lieder und ihr Ursprung. Gemeinsam mit Barbara Stühlmeyer. Verlag DeBehr, Radeberg 2011, ISBN 978-3-939241-24-9. Bernhard Lichtenberg. Ich werde meinem Gewissen folgen. Gemeinsam mit Barbara Stühlmeyer. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2013, ISBN 978-3-8367-0835-7. Konfessionalität und Ökumenizität – Kirchenmusik gestern und heute. In: Abbruch – Umbruch – Aufbruch. Reformation und Ökumene in Mittel- und Oberfranken. Eine Arbeitshilfe zum Lutherjahr. Bamberg 2016, ISBN 978-3-931432-39-3, S. 88–91. Johann Valentin Rathgeber. Leben und Werk. Gemeinsam mit Barbara Stühlmeyer. Verlag Sankt Michaelsbund, München 2016, ISBN 978-3-943135-78-7. Klangrede: Sonnengesang des Franziskus – Echo oder Leitmelodie? Nachdenkliches und Hintergründiges aus der Werkstatt eines Komponisten. In: Stefan Kopp, Joachim Werz (Hrsg.): Gebaute Ökumene. Botschaft und Auftrag für das 21. Jahrhundert? Reihe Theologie im Dialog Band 24. Herder, Freiburg i. Br. 2018, ISBN 978-3-451-38188-1, S. 297–333. Orgelspaziergänge im Hofer Land. Sabat-Verlag, Kulmbach 2025, ISBN 978-3-911627-10-8.Website der Verlagsbuchhandlung Sabat, Kulmbach abgerufen am 16. Juni 2025

Kompositionen Die Legende von den drei weisen Königen. 1998. Text: Rolf Krenzer. Themenlied der deutschen Sternsingeraktion. Uraufführung: 10. Januar 1999 im ZDF. In: Heinrichsblatt Nr. 1, Bamberg Januar 2011, S. 13 und Das Leben singen, Verlag DeBehr Radeberg 2011, ISBN 978-3-939241-24-9, S. 33. Wer glaubt kann widerstehn. 1999. Bernhard-Lichtenberg-Kantate für Sprecher, Gesang-Solo, Chor SATB und Instrumente. Uraufführung: 31. Oktober 1999 im ZDF, Konzertchor der Hofer Symphoniker, Leitung: Gottfried Hoffmann. Quatre pièces pour Orgue. 2001. Prélude romantique, Caprice expressionique, Hymne impressionique, Fugue baroque für Orgel-Solo. Uraufführung im Rahmen der Tage Neuer Kirchenmusik Bayern im Oktober 2006. Edition Musica Rinata, Berlin 2013, ISMN 979-0-50235-058-1.